17. Ijar 5784

Deborah Lipstadt, US-Sondergesandte zur Bekämpfung des Antisemitismus, zeigte sich zutiefst schockiert, wie schnell die Gräueltaten der palästinensischen Terror-Organisation Hamas bei den Massakern am 7. Oktober in Vergessenheit gerieten oder verleugnet wurden. Bereits in den ersten Tagen nach dem Massaker, wurde Israel angeklagt, übermässig zu reagieren, obwohl es überhaupt noch keine nennenswerten israelischen Reaktionen gab. Die grausamen Vergewaltigungen und Verstümmelungen wurden in Frage gestellt. «Das Schweigen … war am beunruhigendsten – das Schweigen genau der Gruppen, von denen man erwarten würde, dass sie empört waren – Frauengruppen, fortschrittliche Gruppen, Gruppen, die sexuelle Gewalt bekämpfen, Menschenrechtsgruppen. Genau diese Gruppen meldeten sich schnell und lautstark, wenn die Täter Boko Haram oder ISIS waren.» Lipstadt lässt nur eine Schlussfolgerung zu, warum es diesen Unterschied in der Wahrnehmung und Beurteilung gibt: «Dieser Unterschied ist die Tatsache, dass diese Opfer überwiegend Juden waren. Das lässt für viele den Rückschluss zu, dass die Opfer diese Grausamkeiten irgendwie selbst verdient hätten» und sie fügt hinzu: «Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt können niemals ein Akt des Widerstandes sein! #MeToo gilt für alle Menschen, nur nicht für Juden!»

Die derzeit auf Eis liegenden Verhandlungen zur Befreiung der Geiseln soll, so haben sich Israel, die USA und Katar geeinigt, im Laufe der kommenden Woche wieder aufgenommen werden. Ein zwischen CIA-Direktor William Burns, Mossad-Chef David Barnea und dem katarischen Premierminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani ausgehandelter neuer Vorschlag soll dabei als Arbeitsgrundlage dienen. Trotz des anfänglichen Widerstands von Netanyahu wurde der Handlungsspielraum des Verhandlungs-Teams ausgeweitet. Das allerdings war schon mehrmals der Fall, wurde aber regelmässig von Netanyahu in letzter Sekunde torpediert. Netanyahu folgt nur seinen eigenen, privaten Interessen.

Ein US-amerikanisches Schiff, das Hilfslieferungen für Gaza am Pier des Landungssteges ausladen wollte, löste sich heute Vormittag bei schwerer See von einem kleinen Schlepperboot und lief in der Nähe von Ashdod auf den Strand auf. Nachdem die Crew das Schiff nicht wieder selbstständig flott machen konnte, kam ein zweites Schiff zu Hilfe, das jedoch ebenfalls strandete.

Nach einem Telefonat mit US-Präsident Joe Biden hat sich der ägyptische Präsident Abdel-Fattah el-Sissi endlich bereit erklärt, vorübergehend Treibstoff und humanitäre Hilfsgüter, sowie Lebensmittel via Kerem Shalom nach Gaza zu schicken. Bisher hatte er sich geweigert, Lieferungen zu gestatten, solange die palästinensische Seite des Grenzübergangs von der IDF kontrolliert wird. Biden erklärte sich bereit, in der kommenden Woche eine Gruppe von Mediatoren nach Kairo zu schicken, um vor Ort eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Wie ich gestern berichtet habe, stauen sich derzeit LKWs mit Hilfsgütern von Rafah bis ins 45 km entfernte al-Arish. Zunächst sollen 200 LKWs in den Gazastreifen fahren, weitere sollen zügig abgefertigt und freigegeben werden.

Ein maskierter Reservist teilt in einem Video, das in den sozialen Medien geteilt wurde, mit, dass die Reservisten den Befehlsgehorsam verweigern werden, falls VM Gallant die Regierung überzeugt, den Krieg zu beenden. Und damit das Kriegsziel, den, wie Netanyahu immer wieder betont «absoluten Sieg» aufgibt. Das Video ist, so der Text für den PM bestimmt. «Wir Reservisten haben nicht die Absicht, die Schlüssel einer palästinensischen Behörde zu übergeben. Wir haben nicht die Absicht, die Schlüssel zu Gaza irgendeiner Organisation zu geben – weder der Hamas noch der Fatah noch einer anderen arabischen Organisation. Wir Reservesoldaten stehen hinter Ihnen und wir wollen gewinnen.» Netanyahu hatte betont, nicht «von Hamastan nach Fatahstan wechseln zu wollen», während VM Gallant immer wieder festhielt, keiner Beteiligung Israels an einer Verwaltung in Gaza zuzustimmen. Der Reservist ist weiter zu hören: «Sie [Netanyahu] haben 100.000 Reservisten, die bereit sind, ihr Leben für das Volk Israel zu geben. Bereit zu sterben. Wir haben alles verloren, wir haben unser Familienleben verloren, wir haben unsere Lebensgrundlage verloren und wir können nirgendwo hingehen. Wir bleiben hier bis zum Ende. Bis zum Sieg. Yoav Gallant, Sie können den Krieg nicht gewinnen. Treten Sie zurück! Sie können diesen Krieg nicht gewinnen. Sie können uns nicht befehlen!»
Wir erinnern uns: Die Organisation von Reservesoldaten ‘Brothers in arms’ hatte bei den Protesten gegen die Regierung im Zusammenhang mit der Abschaffung der Gewaltenteilung immer wieder betont, an keiner Reserveübung mehr teilzunehmen. So schnell ändern sich die Einstellungen…
Die IDF erklärt dazu kurz nach der Veröffentlichung: «Die Veröffentlichung eines solchen Videos könnte eine Straftat darstellen. Das Verhalten in dem Video ist ein schwerwiegender Verstoss gegen die IDF-Befehle und die IDF-Werte.» Eine sofortige Untersuchung durch die Militärpolizei wurde von der General-Staatsanwaltschaft angeordnet. Die Befehlshaber aller Gattungen sollen, so Generalstabschef Herzi Halevi, den Vorfall auf breiter Ebene diskutieren.
Im gesamten Gazastreifen, vor allem aber wieder in Jabaliya, kam es gestern und heute zu zahlreichen heftigen Kämpfen. Dutzende Scharfschützen wurden aufgespürt und neutralisiert, Abschussrampen und Waffenlager wurden zerstört. Eine Gruppe von Scharfschützen, die in Rafah in den vergangenen Tagen immer wieder die IDF angegriffen hatte, konnte ebenfalls neutralisiert werden.
Gegen Mittag wurde eine Salve von zwölf Raketen von der Hisbollah auf den westlichen Galil und auf Misgav Am im oberen Galil abgeschossen. Es gab keine Meldungen über Sachschaden oder Verletzte. Zuvor hatte es bereits zwei Stunden zuvor einen heftigen Beschuss auf das Gebiet entlang der libanesischen Grenze im oberen Galil gegeben.





Die gute Nachricht: Mitten im beliebten undtrendigen Sarona Gebiet in Tel Aviv findet man das ‘Café Otef’. עוטף עזה ‘Otef Aza’ ist die Bezeichnung für die Gemeinden, die sich wie ein Umschlag oder Gürtel rings um den Gazastreifen befinden. Tamir Barelko, umtriebiger Gastronom und Betreiber der ‘Arcaffe-Kette’ wurde nach dem 7. Oktober zum Aktivisten. Die rote Anemone, Symbol für die blühenden Anemonenfelder im Negev, wurde zum Symbol für dieses Projekt. Im Shop gibt es Weine aus dem Süden, Blumen, Bücher, Konfitüren aus Jad Mordechai (Ich liebe sie, ganz besonders die Etrog Konfitüre!!!), Schokolade von Dvir Karp, der während des Massakers ermordet wurde und andere Produkte, die an jene Gebiete erinnern, die während der Massaker am stärksten betroffen waren. Auf jeder Verpackung findet man die Anemonen-Blüte. Sogar auf dem Schaum des Cappuccinos lacht sie den Geniesser an.

Das Caféhaus ist an jedem Wochenende voll. Es gehört zur Gemeinde des Moshaw Netiv Ha’asara, der unmittelbar an der nördlichen Grenze zu Gaza liegt. Beim Massaker wurden mindestens 20 der 948 Bewohner grausam ermordet. Die IDF traf erst sechs Stunden nach Beginn des Massakers ein. Bis dahin musste das Sicherheitsteam des Moshaw sich ohne Unterstützung verteidigen. Insgesamt waren 35 Hamas-Schlächter mit Autos und Paragleitern in den Moshaw eingedrungen.

Barelko hatte die Idee, mit insgesamt sieben Caféhäusern, die für die sieben am stärksten betroffenen Gemeinden stehen, einen Ort zu schaffen, wo sich die Bewohner treffen und wo sie arbeiten können. Sie sollen ein Kommunikationszentrum sein, um sich auszutauschen und zu planen, wie es weitergehen soll. Und natürlich auch, ihre Trauer miteinander zu teilen. Während der ersten sechs Monate wird keine Pacht verlangt, danach wird sie auch sehr moderat und nicht gewinnorientiert sein. Jedes Café bietet den ehemaligen Bewohnern etwa 10 Arbeitsplätze, der von den Mitarbeitern gewählte Geschäftsführer erhält 15% des Gewinns.

Die Rezepte für die standardisierte Karte stammen allesamt von Ruthie Russo, Köchin aus Leidenschaft und Verfasserin von Kochbüchern. Sie sieht darin ihren Beitrag, den traumatisierten Menschen, die so Grausames erlebt haben, ein wenig zu helfen.
Auf den umweltfreundlichen Pappbechern steht z.B. «Wir werden wieder gedeihen!» und «Wir werden wieder tanzen!»
Kol HaKavod!
Kategorien:Israel
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