18. Siwan 5784
Nach dem Krieg, der in Kürze in den achten Monat geht, erscheinen zahlreiche Reservisten nicht mehr zu ihrer zweiten und/oder dritten Einberufung. Wir erinnern uns: Als nach dem siebten Oktober der Einberufungsbefehl schriftlich oder per Telefon kam, zögerte keiner. Hochzeitreisen wurden abgebrochen, Studien unterbrochen, Auslandsaufenthalte beendet, im Inland wurden Geschäfte so gut wie möglich übergeben. Der Bertold Brecht zugeschriebene Spruch: «Stell dir vor, es kommt Krieg und keiner geht hin – dann kommt der Krieg zu euch» galt nicht für Israel. Mehr als 160.000 Reservisten standen innerhalb weniger Tage bereit.
Jetzt, nachdem sie für wenige Wochen aus dem Dienst entlassen wurden, sieht es ganz anders aus.
Etwa 10.000 Reservisten haben um psychologische Unterstützung gebeten, 1.000 von Reservisten geführte Unternehmen mussten schliessen, 70.000 Reservisten waren in ihrer akademischen Laufbahn betroffen, Tausende von Reservisten wurden aus ihrem Job entlassen und viele haben eine Eheberatung in Anspruch nehmen müssen.
Von einem Team einer Spezialeinheit kamen von 18 Mitgliedern nur mehr 10 zurück. Viel zu viele Reservisten haben während des Einsatzes ihr Leben verloren.
Wer nicht mehr kommt, darf nicht ein Feigling genannt werden. Er steht an einem Scheideweg: «Entscheide ich mich für mein Land oder für meine Familie, mein Geschäft.» Keiner von ihnen wird sich die Entscheidung einfach machen und wir müssen jedem einzelnen dankbar sein, der mit seinem persönlichen Einsatz unser Leben sicherer macht! Yishar koach!


VM Yoav Gallant hat in den USA bereits erste Treffen absolviert. So traf er sich mit Vertretern von AIPAC und erklärte dort, dass die USA «der wichtigste Verbündete Israels ist – und wichtiger als je zuvor.» Anschliessend traf er sich mit dem republikanischen Senator von South Karolina, Lindsay Graham. Auf dem Terminplan stand auch ein Treffen mit Amos Hochstein, dem höchsten Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden. Ihm gegenüber betonte Gallant seinen derzeitigen Arbeits-Schwerpunkt, die Grenze zwischen dem Libanon und Israel sicherer zu machen.
Netanyahu hat es wieder einmal geschafft, mit seinen Aussagen Unruhe in die Bevölkerung zu bringen und Hoffnungsschimmer bei den Familien der noch immer als Geiseln Festgehaltenen zu erwecken. In seinem ersten Interview mit einem israelischen Medium, Kanal 14, seit dem 7. Oktober (sic!) erklärte er, jederzeit offen zu sein für ein Geisel-Abkommen, das nur einen Teil der Geiseln betreffen würde. Gleichzeitig betonte er aber, der Krieg würde erst mit der völligen Vernichtung der Hamas enden. Es klingt so, als würde sich Netanyahu damit vom Vorschlag, der von US-Präsident Joe Biden vorgestellt wurde, entfernen und sich nur noch mit der darin umrissenen Phase 1 zufriedengeben.
Gadi Eisenkot, der im mittlerweile aufgelösten Kriegsrat einen Beobachterstatus innehatte, erklärte dazu ziemlich erbost: «Im Kabinett gab es nur zwei Optionen: Ein umfassendes Abkommen auf einmal oder ein umfassendes Abkommen in drei Phasen. Das Kabinett stimmte einstimmig und daher steht Netanyahus Aussage über ein ‘Teilabkommen’ im Widerspruch zu den Entscheidungen des Kriegskabinetts.» Im Hinblick darauf, dass die Familien der Geiseln nach der Ausstrahlung des Interviews emotionalen Wechselbädern von Hoffnung und Frustration ausgesetzt waren, verlangt Eisenkot eine sofortige Klarstellung durch den Premierminister.

EU-Aussenminister Josep Borrell zeigt sich besorgt, dass sich der Krieg im Nahen Osten ausdehnen könne. Er bezog sich dabei auf eine von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah gegen Zypern ausgesprochene Drohung. Neben den üblichen Drohungen in Richtung Israel, hatte Nasrallah bei seiner Ansprache auch Zypern direkt angesprochen. «Wenn die zyprotischen Flughäfen und Stützpunkte dem israelischen Feind für Angriffe auf den Libanon zur Verfügung gestellt werden, bedeutet dies, dass die zyprische Regierung Teil des Krieges ist, und der Widerstand wird dies als Teil des Krieges betrachten.» Der zypriotische Präsident Nikos Christodoulides sagte, Zypern sei Teil der Lösung, nicht Teil des Problems und das werde in der gesamten arabischen Welt anerkannt. International besonders durch die Initiativen wie den Seekorridor zwischen Zypern und Gaza, der dazu beiträgt, humanitäre Hilfe per Schiff in den Gazastreifen zu bringen.» Ein Angriff der Hisbollah auf Zypern ist ein Angriff auf die EU, der natürlich nicht ungeahndet bleiben wird. Um das zu unterstreichen, betonte der Griechische Aussenminister George Gerapetritis: «Wir stehen gesamthaft hinter Zypern und wehren uns insbesondere gegen Angriffe durch Terrorstaaten.»

„Das ist meins!“ © Guy Morad
Nachdem der libanesische Transportminister gestern noch vollmundig erklärt hatte, er würde jedem, der Interesse hätte, jederzeit gerne die Lagerräume des Flughafens in Beirut zeigen, schaute das heute ganz anders aus. Eine Führung im Cargo-Bereich im Flughafen wurde unterbrochen und die daran teilnehmenden Journalisten und Mitarbeiter des diplomatischen Corps wurden vom Betreten des Cargo -Bereiches abgehalten. Schlussendlich wurde es einigen Diplomaten in einer kleinen, streng ‘bewachten’ Gruppe gestattet, einige Teile des Frachtbereiches zu betreten, während die Journalisten draussen bleiben mussten. Als Grund gab man ‘organisatorische Probleme’ an. Gestern war der berechtigte Verdacht laut geworden, dass am zivilen Flughafen von Beirut massenhaft Waffen aus dem Iran gelagert werden (s. gestern).
Ein ranghohes Mitglied der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, Muhammad Salah, wurden gestern durch einen gezielten Drohnen-Angriff neutralisiert. Salah hatte massgeblichen Einfluss auf die Entwicklung neuer Waffen und war der Koordinator mehrerer Kleingruppen, die die Waffen nach seinen Vorgaben zusammenstellten. Die Kämpfe im Netzarim Korridor und im südlichen Rafah gehen schwerpunktmässig unvermindert weiter.
Zwei Mitglieder des städtischen freiwilligen Sicherheits-Teams der nördlichsten Stadt Israels, Metula, wurden gestern Abend durch einen Angriff mit einer Panzer-Abwehr-Rakete verletzt. Die beiden Sicherheitsleute sind während des Krieges als Reservisten der IDF geführt. Die IAF flog anschliessend sofort Vergeltungsflüge und zerstörte einige militärische Strukturen im südlichen Libanon.
Eine aus Rafah auf Israel abgeschossenen Rakete wurde vom Iron Dome abgefangen, bevor sie in den israelischen Luftraum kam.









Die erste gute Nachricht des Tages: Mit einer feierlichen Grundsteinlegung wurde ein neues Viertel für den am 7. Oktober völlig zerstörten Kibbutz Be’eri gegründet. Damals waren 101 Menschen grausam ermordet und 150 Gebäude völlig zerstört worden. Das neue ‘Shikmim’- Viertel wird 52 Häuser umfassen. Nicht für alle überlebenden Kibbutznikim ist es leicht, dorthin zurückzukehren. Viele der noch im, Gazastreifen festgehaltenen Geiseln und leider auch Leichen stammen aus dem Kibbutz. Miri Gad-Messika sieht es trotzdem pragmatisch: «Aber andererseits wurde mein Haus niedergebrannt, sodass ich nicht mehr dorthin zurückkehren kann. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder aufzubauen und nach vorne zu schauen.» Und sie betont: «Der Wiederaufbau wird erst dann wirklich beginnen, wenn die Geiseln nach Hause zurückkehren – die Ermordeten, um sie zu beerdigen, und die Überlebenden, um sie wieder aufzubauen. Erst dann können wir uns vom 7. Oktober erholen.»



Die zweite gute Nachricht des Tages: Erstmals seit dem 7. Oktober ist es für Mütter mit ihren schwerkranken Kindern, die dringend hospitalisiert werden müssen, möglich, den Gazastreifen zu verlassen. Eine Gruppe von an Leukämie erkrankten Kindern aus dem nördlichen Gazastreifen wurde zunächst mit einer Ambulanz nach Kerem Shalom gebracht und dort Mitgliedern des Red Crescent übergeben.
Zwar wurden einige der Grenzübergänge nach dem 7. Oktober wieder geöffnet, allerdings nur für Hilfslieferungen und nicht für den Personenverkehr.
Die Transporte wurden mit der Weltgesundheitsorganisation koordiniert, von israelischer Seite gab es noch keine Kommentare.
Kategorien:Israel
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