BadMidbar, Korach 16:1 – 18:32

Haftara Rosh Machar Chodesh Tammus: Shmuel I 20:18- 42

ב“ה

29./30. Siwan 5784                                                             5./6. Juli 2024

Shabbateingang in Jerusalem:                                                        19:08

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                       20:30

Shabbateingang in Zürich:                                                                21:07

Shabbatausgang in Zürich:                                                               22:25

Shabbateingang in Wien:                                                                   20:39

Shabbatausgang in Wien:                                                                  21:59

Armer Moshe! Schon wieder muss er sich mit dem Aufruhr innerhalb seines Volkes auseinandersetzen. Und diesmal kommt es ganz besonders heftig

250 Männer aus den Stämmen Reuven und Levi erheben sich mit ihrem Anführer Korach gegen Moshe und seinen Bruder Aaron. Nicht das einfache Volk, sondern die Stammesspitzen waren es, die sich wortgewaltig beschwerten.

Das in der Torah benutzte Verb לָקוּם lakum, aufstehen, muss hier frei übersetzt werden: „Sie rotteten sich zusammen“, was nichts anderes bedeutet, als dass sie einen Aufstand anzettelten. Es scheint, als wären alle Deiche eingebrochen und die angestaute Flut der Unzufriedenheit und der Frustration würden sich wie eine unhaltbare Welle über die beiden geschockten Anführer ergiessen. «Ihr nehmt euch zu viel heraus. Das ganze Volk ist heilig, jeder Einzelne von uns und Gott ist mitten unter uns. Also warum erhebt ihr euch über die Versammlung Gottes?» (16:3) So lautet die Anklage.

In Demokratien ein durchaus akzeptables Vorgehen, wenn auch vielleicht besser in andere, etwas diplomatischere Worte gefasst. Es ist nichts anderes als ein Misstrauensantrag, der von Moshe geschickt abgefedert wird. Er überlässt Gott die Entscheidung, wer ‚heilig‘ ist und sich Gott nähern darf und wer nicht.

Trotz aller Diplomatie rügt er die Leviten. „Ihr seid es, die sich zu viele herausnehmen. Ist es euch noch zu wenig, ihm in Gottes unmittelbaren Nähe dienen zu dürfen? Müsst ihr auch noch das Priesteramt anstreben? Gott hat euch und die Leviten ausgewählt, also murrt ihr gegen Gott und nicht gegen Aaron.“ Moshe liess die Söhne Eliabs aus dem Stamm Reuven, Datan und Abiram rufen, doch diese verweigerten es, dem Befehl zu gehorchen. Stattdessen wiederholten sie die Vorwürfe und fügten noch einige hinzu.

Moshe forderte Korach auf, am kommenden Tag mit allen Aufständischen vor Gott zu erscheinen. Zuvor befahl er ihnen, ein Rauchopfer darzubringen.

Gott aber war noch nicht zufriedengestellt. Er befahl Moshe und Aaron, sich vom restlichen Volk zu separieren, weil er eine kollektive Strafe ausführen wollte.  Moshe setzte sich erneut für das Volk ein. Gott liess Milde walten und fordert Moshe auf, der Gemeinde zu sagen, sie solle sich von den Zelten Korachs, Datans und Abiram entfernen.

Moshe sagte dem Volk: Daran sollt ihr erkennen, dass der Herr mich eingesetzt hat, damit ich alle diese Taten vollbringe, und dass ich nicht aus eigenem Antrieb gehandelt habe. Wenn diese Leute sterben, wie jeder Mensch stirbt, und wenn sie nur so wie jeder andere Mensch Rechenschaft ablegen müssen, dann hat der Herr mich nicht eingesetzt.“ Er fuhr fort, dass Gott alle töten werde, die ihn beleidigt hatten. Der Boden unter den Füssen von Korach, Datan und Abiram öffnete sich und verschlang alles, was in ihrem Besitz war. Ein alles verzehrendes Feuer tötete auch jene 250, die den Aufstand angezettelt hatten.

Das alles war ein deutliches Zeichen, wer sich Gott nähern durfte und wer nicht. Doch das Volk war stur und murrte erneut, dass Gott so viele Menschen getötet hatte. Als die Klagen zu laut wurde, legte sich die Wolke über das Zelt und der Herr sprach zu Moshe: „Verlasst die Gemeinde, die ich in wenigen Minuten vernichten werde.“  Wieder setzten sich Moshe und Aaron für das Volk ein, und Gott wurde erneut nachgiebig.

Er befahl Aaron ein Entsühnungsopfer durchzuführen, denn eine alles vernichtende Plage habe schon begonnen. Obwohl Aaron sich beeilte, dem Wunsch Gottes nachzukommen, verstarb dennoch eine grosse Zahl von Menschen, bevor die tödliche Plage endete

Um den Unfrieden zwischen den Stämmen unter sich, aber auch zwischen den Stämmen Moshe und Aaron gegenüber endgültig, so hoffte Gott, zu beenden, liess er durch Moshe den Führern der Stämme sagen, sie sollen einen Stab, auf den ihr Name eingeritzt war, vor das Offenbarungszelt legen. Am nächsten Tag sollte der, der dem Mann gehörte, den Gott auserwählt hatte, Blätter tragen. Wir sind nicht überrascht, dass es der Stab von Aaron war.

Wie können wir diesen grundsätzlichen Streit zwischen dem unzufriedenen Volk Israel, vertreten durch die wenigen Aufständischen und Gott, vertreten durch Moshe und Aaron einordnen? Im Kapitel 5, Absatz 20 in Pirkei Avot (Sprüche der Väter) lesen wir: «Jeder Streit, der in des Himmels Namen geführt wird, hat Berechtigung. Der aber nicht im Namen des Himmels geführt wird, hat sie nicht. Welcher Streit war in des Himmels Namen geführt? Der Streit des Hillel und des Schammai. Welcher ward nicht so geführt? Der Streit der Rotte Korachs und seines Anhanges.»

Pirkei Avot ist das Buch, dass ich jedem, der eine Führungsrolle innehat, ein Lehrer ist oder im Prinzip jedem als Handbuch für den ‚Umgang miteinander‘ ans Herz legen möchte.

Die heutige Haftara finden wir im Buch Shmuel I, Vers 20:18 bis 42. Er wirkte um etwa 1.000 BCE, also in der Übergangszeit zwischen dem vorstaatlichen und staatlichen Israel. Er ist eine facettenreiche Figur, keinem anderen, ausser Moshe, werden so viele Funktionen zugeschrieben. Er scheint als Priester, Prophet, Richter, Retter, IT-Spezialist, Königsmacher und Königsverwerfer in zahlreichen Büchern, vor allem aber bei Shmuel auf.

Die Bestrafung von Korach, Datan und Abiram, Sandro Botticelli, Sixtinische Kapelle

In dieser Haftara treffen wir auf David und Jonathan, den Sohn König Shauls. Die beiden verband eine enge Freundschaft. Shaul wurde in seinem Verfolgungswahn, unter dem er litt, eifersüchtig auf die militärischen Erfolge Davids und befahl seinem Sohn, ihn zu töten. Der weigerte sich, so dass Shaul es selbst einige Male versuchte. Doch jeder Versuch misslang. David floh und kehrte erst zum Zeitpunkt eines Banketts zurück, welches Shaul zu Ehren des neuen Mondes gab.  

David sollte die Harfe für Shaul und seine Gäste spielen, doch sein Platz blieb leer, ebenso wie am nächsten Tag. Jonathan vereinbarte mit David, an einem bestimmten Ort drei Pfeile scheinbar auf ihn, der sich dort versteckte, zu schiessen. Anschliessend würde ein Diener die Pfeile wieder einsammeln. Je nachdem, wie die Pfeile lagen, musste David weiter fliehen oder durfte aus dem Versteck kommen.

Beim Gastmahl fiel Shaul auf, dass David bereits zum zweiten Mal fehlte. Hatte er bisher noch geglaubt, es sei ihm etwas zugestossen, das ihn unrein machte, so wandte er sich jetzt an Jonathan. Der bekannte: «David hat mich dringend gebeten, ihn nach Bethlehem gehen zu lassen, um an den jährlichen Opferfestlichkeiten der Familie teilnehmen zu können.» Shaul explodierte und beschimpfte seinen Sohn auf das Unflätigste. «Du Sohn verkehrter Widerspenstigkeit! Weiss ich denn nicht, dass du den Sohn Jishais auserkoren hast zu deiner Schande und zur Schande der Scham deiner Mutter? Denn all die Tage, die der Sohn Jishais noch lebt, wirst du nicht bestehen und dein Königreich. Und nun schicke und hole ihn mir her, denn des Todes schuldig ist er.» Jonathan stellte sich hinter seinen Freund und fragte seinen Vater nach dessen Vergehen. Shaul schleuderte den Speer im blinden Hass auf seinen Sohn, doch der Speer verfehlte sein Ziel. Jonathan im Bewusstsein, wie tief der Hass seines Vaters auf David sass, ging zu dem Feld, in dem sich David versteckte. Er schoss, wie vereinbart, die drei Pfeile ab und liess sie von seinem Diener suchen. Sie lagen ungünstig, David musste weiter fliehen. Die beiden Freunde beschworen erneut ihren Freundesbund, der für sie und ihren Nachkommen gelten solle.

Diese berührende Geschichte einer Freundschaft beschreibt, wie der Königssohn, der sich eigentlich ‘in das gemachte Bett’ hätte legen können, für seinen Freund einsteht. Beflügelt durch eine Freundschaft, die inniger ist, als es in den meisten freundschaftlichen Beziehungen der Fall ist. Dabei ist es völlig gleichgütig, ob es sich hier um eine homoerotische oder heterosexuelle Freundschaft handelt. Mir fällt dazu die wunderbare Musik Mozarts in der Zauberflöte ein, wo es heisst: «In diesen heil’gen Hallen, wo Mensch den Menschen liebt, kann kein Verräter lauern, weil man dem Feind vergibt. Wen solche Lehren nicht erfreu‘n, verdienet nicht, ein Mensch zu sein.“

Shabbat Shalom ve Chodesh Chadash Tov!



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