7. Tammus 5784

Falls der Schlag, den die IDF während der frühen Morgenstunden ausgeführt hat, tatsächlich gelungen ist, dann muss das als der bisher wichtigste Erfolg im Kampf gegen die palästinensische Terror-Organisation Hamas gewertet werden. Muhammad Deif, zweiter Mann nach Yahya Sinwar und Rafa’a Salameh, Kommandant der Khan Younis Brigade waren das Ziel der von langer Hand vorbereiteten Operation. Zum Zeitpunkt des Angriffes befanden sie sich in einem niedrigen Gebäude zwischen al-Mawasi und Khan Younis. Das Gelände, auf dem das Gebäude steht, ist weiträumig eingezäunt. Es ist sicher, dass sie sich nicht innerhalb des Zeltlagers der evakuierten Zivilisten aufhielten. Die beiden hochrangigen Hamas-Führer waren umgeben von einigen Dutzend weiterer Terroristen. Der Anschlag wurde präzise durchgeführt und hinterliess einen tiefen Krater.
Laut Untersuchungen der Geheimdienste befanden sich keine israelischen Geiseln in der Nähe. Ob die beiden Chef-Terroristen tatsächlich tot sind, muss noch bestätigt werden.

Das ‘Gesundheitsministerium’ behauptet, dass mindestens 71 Menschen tot und 289 verletzt sind. In den sozialen Medien kursieren Videos, die Menschen zeigen, die im Sand und in den Ruinen nach Überblenden suchen. Noch gibt es keinen Hinweis darauf, wo und in welchem Zustand sich Deif befindet, der Tod von Salameh wurde mittlerweile bestätigt.


Mittlerweile hat die IDF Satellitenbilder veröffentlicht, die sowohl das eingegrenzte Hamas- Gelände zeigt, wie es sich als Ganzes darstellte. Weiterhin wurde auch ein Vorher-Nachher Bild des betroffenen Ausschnitts veröffentlicht, auf dem der Bombentrichter in seinen Ausmassen gut erkennbar ist. Selbst in der weitesten Ausdehnung reicht er nicht an die Zeltstadt heran.
Yaron Avraham, Chefsprecher von Ken 12, dem beliebtesten kommerziellen Sender in Israel, beschreibt das Dilemma, in dem sich Politiker und IDF befunden haben, bevor das ‘Go’ für den Anschlag gegeben wurde. Er nennt die Quellen nicht, führt jedoch an, dass dieser Anschlag auf einen der beiden Hamas-Führer in Gaza die Verhandlungen in Doha und Kairo massiv stören werden. Jedoch sei der Nutzen des Anschlages grösser gewesen als der Schaden (sic!). Er sei ein deutliches Signal an Yahyah Sinwar, dass Israel in der Lage ist, auch ihn jederzeit zu finden. Und deshalb, so Avraham, durfte man diese Chance nicht ungenutzt vergehen lassen.
Seit 1995 steht Deif ganz oben auf der israelischen Liste der Gesuchten. Auf sein Konto gehen zahlreiche Anschläge in den 1990er und frühen 2000er-Jahren. Man weiss, dass er eine führende Rolle beim Massaker vom 7. Oktober gespielt hat.
Der saudi-arabische Nachrichtender der al-Hadath berichtete, dass Muhammad Deif bei dem Anschlag schwer verwundet wurde, hingegen Rafa’a Salameh tot sei. Deif hat im Laufe der Jahre immer wieder Angriffe der IDF überlebt. Man ging sogar davon aus, dass er beide Beine und einen Arm verloren hätte und im Rollstuhl sitzen würde, jedoch zeigten Videos aus dem Jahr 2023, dass er sich zwar humpelnd aber ansonsten unversehrt fortbewege.
Die Hamas bezeichnet die israelische Mitteilung, Deif in Khan Younis angegriffen zu haben, als ‘Blödsinn’. «Die israelischen Anschuldigungen sind Unsinn und sollen das schreckliche Massaker rechtfertigen. Alle Märtyrer sind Zivilisten, und was passiert ist, war eine schwere Eskalation des Völkermords, die von den USA unterstützt und von der Welt stillschweigend geduldet wurde», sagte der hochrangige Hamas-Funktionär Sami Abu Zuhri gegenüber Reuters. Für ihn ist es auch ganz klar, dass Israel nicht an einem Waffenstillstand interessiert ist

Ein Depot mit Paraglidern, wie sie beim Massaker vom 7. Oktober benutzt wurden, wurde in der Nacht gezielt durch die IAF zerstört. Es befand sich in Rafah. Im Zuge der Operation wurden weitere Tunneleingänge zerstört und bewaffnete Terroristen neutralisiert.
Zwei aus dem Irak kommende Drohnen, die sich auf dem Anflug Richtung Eilat befanden, wurden von der IAF und Abwehrsystemen abgefangen. Der Alarm wurde ausgelöst, um die Bevölkerung vor herabfallenden Teilen zu warnen.

Hossam Mansour, Kommandant der internen Sicherheitsgruppen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, wurde bei einem gezielten Angriff neutralisiert. Seine Aufgabe war es, die Präsenz der Hamas im Gazastreifen zu sichern und gleichzeitig alle Bemühungen Israels zu untergraben. Er war auch Direktor der in Grossbritannien ansässigen Al-Khair-Stiftung, einer Hilfsorganisation, die laut Angaben der IDF unter dem Deckmantel humanitärer Aktivitäten Gelder an Terrorgruppen im Gazastreifen transferierte.


Der Demonstrationszug der Familien und Freunde der noch in Gaza befindliche Geiseln hat Jerusalem erreicht. Oppositionsführer Yair Lapid besuchte sie an ihrem Sammelpunkt. Am Abend wird die Gruppe sich vor dem Haus der Netanyahus an der ‘Aza Strasse’ und dort zeitgleich mit anderen Demonstrationen im ganzen Land den Abschluss der Vereinbarungen zur Freilassung der Geiseln fordern.

Bei einem Raketenbeschuss aus dem südlichen Libanon erlitten zwei leer stehende Häuser in Margliot, unmittelbar neben der Grenze zum Libanon, erheblichen Schaden und Feuer brach aus. Die Hisbollah rechtfertigt den anhaltenden täglichen Beschuss Israels damit, dass sie die in Gaza kämpfenden Hamas-Terroristen unterstützen wollen.
Zum Tod von Dr. Ruth Westheimer


Ruth Karola Siegel, aka Dr. Ruth Westheimer, s’’l, starb gestern im Alter von 96 Jahren.
Sie hatte das Glück, 1938 mit einem Kindertransport in die Schweiz geschickt zu werden. Ihr Vater, orthodoxer Jude, wurde in Auschwitz ermordet, ihre Mutter gilt als verschollen.
Sie verbrachte die Kriegsjahre im ‘Kinderheim Wartheim’, ein vom Israelitischen Frauenverein in Zürich geführtes Kinderheim in Heiden, Appenzell. Ich weiss von einigen meiner Schweizer Freunde und auch von Familienangehörigen, dass sie noch bis Mitte der 70er Jahre einen Teil ihrer Sommerferien dort verbrachten. Die einen liebten es, andere lehnten es ab. Für Ruth Westheimer und die anderen Kinder war es der Ort, der ihr Überleben sicherte.
Nach dem Krieg zog sie nach Israel und wurde in der Untergrundorganisation ‘Hagana’ zur Scharfschützin ausgebildet. Nach der Staatsgründung wurde sie Kindergärtnerin. Später studierte sie in Paris Psychologie. An der Columbia University studierte sie Soziologie und schrieb ihre Masterarbeit über das Kinderheim in Heiden.
1980 begann sie im Radio die regelmässige Sendung ‘Sexually Speaking’. Bald wurde sie bekannt für ihre sehr offenen Ratschläge für ‘guten Sex¨. Ihre beliebte Sendung beendete sie immer mit den Worten «Have good sex!»
In einem Interview mit der Weltwoche beantwortet sie die Frage, welche Religion die sex-freundlichste sei:
«Erst mal bin ich sehr jüdisch, und zweitens will ich die Frage ernsthaft beantworten: Ich glaube, dass ich offen über Sexualität sprechen kann, weil ich jüdisch bin. In der jüdischen Religion war Sex nie eine Sünde, sondern eine Obligation des Mannes seiner Frau gegenüber. Es steht geschrieben: «Er soll mit seiner Ehefrau nett sprechen, damit sie sexuell erregt wird und mit ihm Sex haben will.» Das hatte nicht nur den Zweck, Kinder zu gebären. Man wusste auch, dass Sexualität für den Frieden im Haus wichtig ist. Ich bin nicht religiös, obwohl ich aus einem sehr religiösen Haus in Frankfurt komme.»[1]


Dem Thema Sexualität im Judentum widmete sie ein ganzes Buch «Himmlische Lust». Als sie es im Jüdischen Museum in Wien präsentierte, amüsierte sie sich über das Titelbild, das Adam und Eva vollständig bekleidet zeigt. [2]
Für ihre Reform des Zugangs zur Sexualität wurde sie 1994 mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille ausgezeichnet. Sie wurde als Gastdozentin in Harvard und Princeton eingeladen, an der Universität Yale ehrte man sie mit einem 4-Jahres-Vertrag. Westheimer wurde immer wieder weltweit zu TV-Sendungen eingeladen.
Ihre Überzeugung war, dass jeder Unterricht, der mit Humor vorgetragen wird, von den Studenten viel nachhaltiger aufgenommen wird, als einer, der staubtrocken gehalten wird. Und so waren ihre Vorlesungen, ihre TV- und Radiosendungen immer mit einer Prise Humor und einem Augenzwinkern versetzt.
Sie enttabuisierte das Thema Sexualität nicht für die Wissenschaft, sondern für den Hausgebrauch. Westheimer kannte das Gefühl, dass ihre Zuhörer sich genierten, die unter ihren Nägeln brennenden Fragen zu stellen. Sie ermunterte sie mit einem Trick: «Stellen Sie ihre Frage für einen Freund!»
2002 sagte sie vor Schülern der Michigan Highschool: «Ich vertrete immer noch altmodische Werte und bin ein bisschen spiessig. Sex ist eine private Kunst und eine private Angelegenheit. Aber dennoch ist es ein Thema, über das wir sprechen müssen.»[3]
Ihre Bücher wenden sich an ein breites Publikum, vom pubertierenden Jugendlichen, der Antworten auf Fragen sucht, über junge oder nicht mehr ganz so junge Ehepaare, bis zu Grosseltern, die in dieser Rolle ein neues Verhältnis zu sich selbst, ihrem Partner und der Familie finden. Ihr Buch ‘Sex für Dummies – Es ist die Leidenschaft, die Freude schafft’ wurde in 28 Sprachen übersetzt.
Sie war eine durch und durch gescheite und lebenserfahrene Frau:

Ihre Stimme, die nie den hessischen Zungenschlag verlor, der auch in ihrem Englisch, Hebräisch und Schweizerdeutsch mitklang, ist verstummt. Die Stimme, die immer so klang, als müsste sie kichern. Das und die unglaubliche Präsenz ihrer 1,44 m geballter Lebensfreude bleibt uns mit ihren Büchern und Videos erhalten.
ברוך דיין האמת – Baruch Dayan HaEmet
[1] Zitat aus: https://web.archive.org/web/20140819163730/http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-51/artikel-2010-51-ich-sehe-wer-sexuell-befriedigt-ist.html
[2] Das entsprechende Video des Jüdischen Museums findet man hier: https://www.youtube.com/watch?v=PPgJUva-Tks
[3] https://www.bild.de/unterhaltung/dr-ruth-westheimer-tot-weltbekannte-sex-therapeutin-mit-96-gestorben-669291cd05bbeb72012f0c1f
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