Krieg in Israel – Tag 286

12. Tammus 5784

Wieder muss die IDF den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Sgt. First Class Efraim Ben Amram, 25, s’’l, verlor den Kampf um sein Leben. Er war am 30. Juni bei einem Drohnenangriff der Hisbollah auf eine Militärbasis im Norden gemeinsam mit 19 weiteren Soldaten schwer verletzt worden.

Beim ersten Treffen zwischen Netanyahu und den Hinterbliebenen der Soldatinnen der Aufklärungseinheit 8.200 kam es zu grotesken Aussagen des PM.

  • Er habe nicht gewusst, dass von den Soldatinnen bereits lange vor dem 7. Oktober Meldungen über verdächtige Vorfälle in Gaza und am Grenzzaun an die Vorgesetzten gemacht wurden. Diese wurden jedoch ignoriert, und den jungen Frauen wurde gedroht, dass sie, wenn sie diese ‘Belästigungen’ nicht sofort stoppen, mit einer Klage beim Kriegsgericht rechnen müssten. Das ging unmittelbar nach dem Massaker bereits durch alle Medien. Nur Netanyahu will es nicht gewusst haben?
  • Er habe nicht gewusst, dass die Soldatinnen auf dem Stützpunkt nicht bewaffnet waren. Na ja, im Prinzip brauchen sie die auch nicht, wenn der Stützpunkt sehr gut, auch mit Waffen, geschützt wird. Und das war leider auch nicht der Fall.
  • Er wusste auch nicht, dass viele der Hinterbliebenen keine Beileidbesuche von Ministern oder MKs erhalten haben. Auch das wurde mehrfach in der Presse diskutiert.

Das gesamte dreistündige Treffen wurde live von Kanal 12 übertragen. Dort war zu hören, dass die Gäste Netanyahu heftig vorwarfen, immer noch nicht die Verantwortung für das Massaker übernommen zu haben.

«All diese Informationen – es ist erstaunlich für mich, dass ich das höre. Ich wusste nicht, dass sie Ihnen das [ihre Beobachtungen] erzählt haben … All diese Informationen mussten irgendwo ankommen … das ist nicht passiert. Das bedeutet, die Geheimdienstinformationen…», der Rest ging im Geschrei der Gäste unter.

Einer der Teilnehmer sagte: «Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt. Das Einzige, was wir verlangen, ist, dass zuerst die Wahrheit ans Licht kommt. Ich möchte, dass es eine staatliche Untersuchungskommission gibt – wir alle wollen [eine].» Netanyahu wies dies erneut mit der Begründung, eine Untersuchung während des Krieges sei nicht möglich, worauf eine trauernde Mutter sagte: «Die wird den Krieg nicht stören.» Ein anderer Vater forderte Netanyahu unmissverständlich auf: «Sie sind der Führer, Sie tragen die Verantwortung. Sie sind der Befehlshaber der Armee! Sie befehligen den Verteidigungsminister, die Verantwortung liegt bei Ihnen. Übernehmen Sie die Verantwortung.»

Wieder einmal beteuerte der Premierminister Unwissenheit: «Ich möchte mich entschuldigen, weil ich nicht wusste, dass niemand Sie besucht hat … Ich weiss nicht, warum. Wir werden das auch überprüfen. Ich gehe, wenn jemand da ist, den ich persönlich kenne. Es tut mir leid, dass ich nicht kommen konnte, ich wäre zu Ihnen allen gekommen.»

Verlogener und unempathischer geht nicht?

Ben-Gvir muss aus der Regierung abgezogen und vor Gericht gestellt werden! Der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir hat allen Ernstes dem Sicherheitskabinett dringend angeraten, das Abkommen zur Freilassung der Geiseln und zum Waffenstillstand einzufrieren.

Bis wann? «Bis die Ergebnisse der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen feststehen!»

Und warum?  «Ein Abkommen zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Schlag ins Gesicht für Trump und ein Sieg für Biden.»

Sowohl Ben-Gvir als auch der nicht minder rechtsextrem-nationalistische Smotrich sind strikt gegen eine Zwei-Staaten-Lösung. Beide haben angekündigt, die Regierung zu Fall zu bringen, wenn es ein entsprechendes Abkommen vor der endgültigen Ausschaltung der Hamas und anderer Terror-Organisationen im Gazastreifen gibt.

Ben-Gvir wurde für diese Forderung hart kritisiert, sogar zwei Ministerinnen des Likud, Miri Regev und Gila Gamliel, waren unter den Gegnern dieses menschenverachtenden Vorschlags.

Während US-Präsident Joe Biden vom ersten Tag an felsenfest hinter Israel stand, ja sogar zu einem Kurzbesuch nach Jerusalem kam und hat sich mit Familienangehörigen von Geiseln getroffen. Er sorgte auch dafür, dass Israel konstand mit Waffen versorgt wurde. Wenn er hier und da Kritik übt, so ist das als Freund durchaus legitim. Selbst dann, wenn Netanyahu darüber auch manchmal verärgert ist.

Präsidentschaftskandidat und Ex-Präsident Donald Trump ist seit der Verlegung der Botschaft nach Jerusalem, der Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt und der Annektierung des Golan der Held des rechten und ultra-rechten Spektrums in Israel. Man nimmt es ihm auch nicht übel, wenn er bei Veranstaltungen immer wieder über das Versagen von Shin Bet und Netanyahu spottet. VM Yoav Gallant nannte er einen ‘Idioten’, hingegen er die Hisbollah als ‘sehr schlau’ einstufte. Aussagen, für die ihn nicht nur Joe Biden, sondern auch einige Republikaner scharf kritisierten. In einem privaten Kreis soll er sogar gefordert haben, dass ein Absetzungsverfahren gegen Netanyahu eingeleitet werden solle.

Selten hätte ich mich über einen Plan der Regierung so gefreut, wie über diesen, aber der wurde leider zunächst wieder gestoppt. MK Nissim Vaturi, Likud, hatte einen Antrag eingebracht, der Israelis, die wegen Terror verurteilt wurden, von der Möglichkeit, sich der Wahl zur Knesset zu stellen, ausschliesst. Ach, wie schön, das gilt dann auch für den rechtsextremen-nationalistischen Ben-Gvir! Das erkannte auch ein Berater von Ben-Gvir und erhob Einspruch. JM Levin, Likud stimmte schliesslich zu, den Antrag bis nach der Sommerpause auf Eis zu legen. Bis dahin fliesst bekanntermassen noch viel Wasser den Yarkon hinunter!

Das Büro von VM Yoav Gallant gab gestern bekannt, dass auf Anordnung des Ministers ein Feldlazarett in Israel errichtet werden soll, in dem Kinder aus Gaza, die derzeit Gaza nicht verlassen können, behandelt werden. Welch wunderbar menschliche Idee! Ob das Feldlazarett von einer israelischen oder einer anderen Organisation betrieben werden sollte, liess das Büro noch offen. Der Grund für die Entscheidung liegt darin, dass seit Mai der Grenzübergang Rafah dauerhaft geschlossen ist. «Dies ist eine bedeutende kurzfristige Lösung, die die unmittelbaren humanitären Bedürfnisse decken wird, bis ein dauerhafter Mechanismus zur Evakuierung und Behandlung kranker Kinder eingerichtet ist», sagte das Büro von Gallant, ohne jedoch einen Zeitplan zu nennen.     

Ursprünglich war es die Idee, kranke und verletzte Kinder über Israel zur Behandlung ins Ausland zu transportieren. Netanyahu habe der Idee zunächst zugestimmt. Gallant hat sich daraufhin an das Büro des PM und den Nationalen Sicherheitsrat gewandt und gebeten, andere Ministerien mit in die Planungen einzubeziehen. Netanyahu gab angeblich auch eine entsprechende Anweisung. Trotzdem wurde das Thema von der Traktandenliste gestrichen und der Antrag des Sicherheitsrates erst gar nicht weitergeleitet. Das Projekt drängte und Gallant gab deshalb bekannt, ein Feldlazarett einzurichten. Prompt kam heute ein Schreiben, von Netanyahu, dass er seine Zustimmung zu einem Feldlazarett in Israel nicht zustimmen werde. Damit ist es wieder völlig offen, wie die kranken Kinder, die dringend Hilfe brauchen, diese auch bekommen. Hat Netanyahu überhaupt noch ein Herz mit menschlichen Regungen?

Die ‘Wing of Zion’ ist vielleicht doch ein bisschen flügellahm! Nach der planmässigen Landung in Washington entdeckte man einen kleinen Riss im Glas des Cockpits. Nachdem Fachleute diesen Riss untersucht und für unbedenklich eingestuft hatten, konnte die B 767 nach Israel zurückfliegen. Dieser Schaden käme sehr oft vor, wurde von Boeing festgestellt.

Vor dem Flug am kommenden Montag, soll der Schaden behoben, sprich die defekte Scheibe ersetzt werden. Dann sollte dem pünktlichen Abflug nach Washington, bei dem die Netanyahus von 60 Journalisten, Hilfspersonal, Sicherheitskräften und freigelassenen Geiseln mit Familienangehörigen begleitet werden, nichts im Wege stehen.

Noa Argamani hat sich offenbar entschlossen, gemeinsam mit ihrem Vater, der Mutter ihres Freundes, der noch in Gaza festgehalten wird und anderen Familienangehörigen mit Netanyahu nach Washington zu fliegen. Gestern war sie von einigen anderen Betroffenen gebeten worden, ihre Teilnahme abzusagen. Sie befürchten, dass Argamani nur als ‘Dekoration’ von Netanyahu missbraucht wird, um sich selbst besser darzustellen.

Ach je, nun ist US-Präsident Joe Biden auch noch an COVID erkrankt. Ich weiss selbst aus eigener kürzlicher Erfahrung, dass bei Covid mit zunehmendem Alter der Verlauf und die Folgen schwerer sind als noch vor wenigen Jahren. Ob sich Biden am Montag, wenn er sich mit Netanyahu im Weissen Haus treffen will, schon wieder fit genug sein wird? Ich wünsche ihm jedenfalls einen problemlosen Verlauf und rasche Genesung!

COGAT forderte die UN dringend auf, die Hilfsagenturen, die die Verteilung der Hilfsgüter übernommen haben, zu effektiverer Arbeit anzuhalten. Vor drei Tagen wurden weitere zehn LKW und zusätzliche Gabelstapler geliefert, damit die Auslieferung durch die UN-Hilfsagenturen schneller vonstattengehen kann.

Die Einschätzung, ob das Photo der IDF-Soldaten vor dem zerstörten ‘Türkischen Hospital’ in ‘Gaza-City’ eine Provokation darstellt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Das türkische Aussenministerium sah darin ein «weiteres Beispiel für die Verletzung des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts durch Israel. Das türkisch-palästinensische Krankenhaus ist das einzige Zentrum für Krebspatienten in Gaza. Die Schäden, die die israelischen Streitkräfte am Krankenhaus angerichtet haben, und die Nutzung des Krankenhauses als Militärbasis sind Teil der systematischen Politik Israels, die auf die Vernichtung des palästinensischen Volkes abzielt. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Verantwortlichen für diese Angriffe vor internationalen Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden.» Als Reaktion darauf gab die IDF eine Stellungnahme ab: «Wir haben zahlreiche Tunnelschächte und terroristische Infrastrukturen freigelegt, die das Krankenhaus im Umkreis von mehr als 10 km mit dem Tunnelsystem verbunden haben. Über diese Tunnel gelangten die Terroristen in den Komplex, den sie völlig zur Nutzung durch Terroristen umwandelten. Nachdem die IDF auf den Komplex vorrückte und ihn schlussendlich übernahm, wurden alle medizinischen Aktivitäten eingestellt. Die Gebäude wurden von der Hamas als Befehlszentrale und Geiselgefängnis genutzt.»

Bei einem gezielten Drohnen-Angriff auf einen PKW etwa 40 km nördlich der israelischen Grenze zum Libanon wurde Muhammed Jabara, Mitglied der Terror-Gruppe al-Jama’a al-Islamiyya, eliminiert. Die palästinensische Terror-Gruppe bezeichnete ihn als Mitglied ihrer Organisation, fügte aber hinzu, dass beide Gruppen, sowie die Hisbollah eng miteinander arbeiten.

Bei einem Vorfall, der gestern in Rafah stattfand, haben Hamas-Terroristen Panzerfäuste auf IDF-Soldaten geworfen, die eine Strasse sicherten, während diese von LKWs mit Hilfsgütern befahren wurde. Ein Soldat wurde dabei leicht verletzt.  Die Route, die von Kerem Shalom in die humanitären Schutzzonen führt, wurde für einige Stunden gesperrt.

Bei einem gezielten Luftangriff wurde jener Terrorist, der vor wenigen Wochen den IDF-Soldaten, Sgt. First Class, Tal Lahat, 21, s’’l, erschossen hatte, mit 20 weiteren Terroristen eliminiert. Muhammad Abu Hatab, ein Scharfschütze, war an zahlreichen Angriffen auf die IDF in Gaza beteiligt.

Netanyahus Dilemma: Gallant fleht ihn an, das Abkommen zu unterzeichnen, Ben-Gvir brüllt: Nein, nicht unterschreiben!

© Guy Morad, Facebook



Kategorien:Israel, Politik

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