Krieg in Israel – Tag 292

18. Tammus 5784

Präsident Isaac Herzog und seine Ehefrau Michal durften mit ihren Mitreisenden nach der Ankunft in Paris 40 Minuten ihr Flugzeug nicht verlassen. Als Grund nannten die französischen Behörden eine Sicherheitswarnung. Auf einem Dach in der Nähe des Flughafens war eine verdächtige Person gesichtet worden. Mittlerweile konnte die Delegation das Flugzeug verlassen und die weiteren Termine wie geplant fortsetzen.

Langsam kommt Licht in den verworrenen Terminplan von Netanyahu. Joe Biden ist Covid negativ getestet und ist noch gestern Abend nach Washington zurückgekehrt. Das Treffen mit Netanyahu wurde auf Donnerstag, 13 Uhr fixiert, anschliessend gibt es ein Treffen mit den amerikanischen Geiseln, resp. deren Familienangehörigen. Derzeit sind etwa 12 Personen dieser Gruppe in Washington und fordern, dass Netanyahu seine Rede im Kongress dazu nutzt, seine Zustimmung zum Geisel-Abkommen zu geben. Anschliessend an das Treffen mit Präsident Biden findet das Treffen mit Vizepräsidentin Kamala Harris statt.

Das Büro des PM hielt fest, es sei von grösster Wichtigkeit, die beiden Kandidaten für das Amt des Präsidenten zu treffen

Um das Treffen mit Donald Trump gab es zunächst einige Verwirrungen. Zunächst war es auf Mittwoch, vor der Netanyahus Rede im Kongress geplant, dann sollte es am Donnerstag stattfinden und dann wurde es schliesslich auf Freitag verschoben. Das teilte Donald Trump auf seiner Plattform ‘ Truth Social’ mit. Das Treffen findet ohne Journalisten statt.

Dass das Treffen mit Donald Trump auf den Freitag verlegt wurde, ist im privaten Interesse des Ehepaars Netanyahu. Seit etwa 1 ½ Jahren lebt ihr älterer Sohn Yair, Frühpenionär und Internettroll in einem Luxusappartement in Miami. Der Staat Israel zahlt alle Kosten, inklusive 24/7 Sicherheit durch den Shin Bet. Die Gesamtkosten sind nicht unerheblich!

Am kommenden Freitag feiert er seinen 33. Geburtstag und so ist es für die glücklichen Eltern ein guter Grund, nach dem Terminstress in Washington und Mar-el-Lago einen ruhigen Tag einzuschieben. Es geht eben nichts über ein gutes Timing! Für die Fahrt vom Flughafen nach Mal-a-Lago wird Trump sicher einen privaten Transfer organisieren, damit die 75 km problemlos vor sich gehen.

Obwohl, Kanal 13 berichtet, dass die Netanyahus nur wenige Stunden in Miami verbringen werden, bevor sie wieder nach Washington zurückfliegen, um dort den Shabbat zu verbringen.  Die Familienangehörigen von Geiseln und während des Massakers gefallenen Soldaten können, falls sie dies wünschen, mit Linienflügen nach Tel Aviv fliegen, um dort wieder pünktlich vor Shabbateingang anzukommen.

Ich hoffe, der staatliche Rechnungsprüfer wird diese Reisen im Hinblick auf die entstandenen Kosten sehr genau analysieren!

Übrigens, der eigentliche Grund der Reise, die Rede vor dem Kongress findet heute Abend um 21:00 Israel Zeit statt.

Ben-Gvir ist nicht nur rechts-extrem, er ist auch noch dazu ein Dummkopf. Kriege in Israel haben schon wegen geringfügigeren Gründen begonnen!  Es gibt zwar Tausende schriftlichen Vorschriften, was man im religiösen Leben tun darf und was nicht. Das gilt für alle, für Juden ebenso, wie für Christen und Moslems. Doch ausgerechnet diese eine, wurde nie schriftlich formuliert.  Es geht um den ‘status quo’, der, 1967 ausgehandelt zwischen dem ehemaligen VM Moshe Dayan, s’’l, und der jordanisch-islamischen Religionsbehörde (Waqf), den Verhaltenskodex für den Besuch des Tempelbergs regelt. Nicht-Moslems dürfen zwar zu bestimmten Zeiten den Tempelberg besuchen[1], sie dürfen staunen und bewundern, aber nicht öffentlich, geschweige denn laut beten. Genau das hat aber Ben-Gvir vor wenigen Tagen gemacht. Mit seiner üblichen Begleitung, einem Rabbiner, der sicherstellen soll, dass Ben-Gvir sich nicht dem möglichen ehemaligen Standort der Bundeslade nähert und den heiligen Ort, dadurch entweiht, marschierte Ben-Gvir über das Plateau. Später verkündete er freudestrahlend, er habe heute den ‘status quo’ durch sein Verhalten bewusst geändert, indem er lautstark gebetet habe.

Die Reaktion der Regierung kam prompt aus dem Büro des PM: «Der ‘status quo’ auf dem Tempelberg wurde nicht geändert und wird nicht geändert werden.» Auch VM Yoav Gallant betonte, dass der ‘status quo’ nicht willkürlich geändert werden darf. Zu oft sei der Tempelberg schon Ausgangspunkt von Unruhen in Jerusalem und ganz Israel gewesen.

VM Yoav Gallant bezeichnete Ben-Gvir als ‘Pyromanen’ der «versucht, den Nahen Osten in Brand zu setzen», und er fuhr fort «Ich bin gegen jegliche Verhandlungen, ihn in das Kriegskabinett zu holen – das würde es ihm ermöglichen, seine Pläne umzusetzen.» Ben-Gvir sieht es als selbstverständlich an, dass er einen festen Platz am Tisch des Kriegskabinetts hat, wenn dieses wieder neu formiert werden sollte. Nicht nur Netanyahu, sondern auch VM Yoav Gallant und Shas Chef Aryeh Deri haben sich gegen die Neubildung ausgesprochen.

Ben-Gvir bezeichnete daraufhin Yoav Gallant und Aryeh Deri als Linke, die die nationale Sicherheit untergraben, weil sie ihm die Aufnahme in dieses wichtige Gremium verweigern. «Weil ich der Meinung bin, dass sowohl im Süden als auch im Norden nach entscheidenden Ergebnissen gesucht werden muss und die Geiseln zurückgebracht werden müssen, aber nicht durch Kapitulation, sondern durch militärischen Druck und entschlossenes Handeln.»

Der Chef der Nationalen Einheit, Benny Gantz, forderte heute Netanyahu auf, seinen Worten dringend Taten folgen zu lassen. Gantz stellte fest, dass Netanyahu den Abschluss der Verhandlungen zum Geisel- und Waffenstillstandsabkommen aus politischen und privaten Gründen immer wieder verzögert. «Der Plan, den wir vor etwa zwei Monaten im Kriegskabinett für die Rückkehr der Geiseln ausgearbeitet haben und der anschliessend von US-Präsident Joe Biden öffentlich vorgestellt wurde, wurde angenommen. Er hätte schon vor Wochen vorgelegt werden können und sollte in kurzer Zeit umgesetzt werden» und er fuhr im Hinblick auf das Schicksal der Geiseln fort: «Die Geiseln haben keinen weiteren Tag und keine weitere Minute. Seit dem letzten Plan haben wir ein Viertel der lebenden Geiseln verloren. Wir haben die moralische Verpflichtung, alle – die Lebenden und die Toten – zu ihren Familien zurückzubringen.»

Die Hisbollah veröffentlichte heute ein neues Video, das von einer Drohne aufgenommen wurde. Das Video zeigt die Airbase Ramat David in der Jesreelebene, 20 km südöstlich von Haifa. Das Video wurde laut Angaben der Terror-Organisation gestern aufgenommen. Es ist das dritte Video dieser Art. Zuvor wurden schon Aufnahmen von Haifa und dem Golan präsentiert. Sie sollen wohl beweisen, dass die Hisbollah jederzeit in der Lage ist, diese Orte auch mit sprengstoff-beladenen Drohnen zu erreichen. Ein IDF-Sprecher bestätigte, dass die Sicherheit der Airbase durch das Video in keiner Weise betroffen sei.


[1] Grundsätzlich nur von Sonntag bis Donnerstag, Freitag, Samstag und an muslimischen Feiertagen geschlossen. Im Sommer ist der Besuch zwischen 07:00 –11:00 und 13:30–14:30 möglich. Im Winter zwischen 07:00–11:00 und 12:30-13:30. Nicht besucht werden dürfen die al-Aqsa-Moschee und er Felsendom.



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