Krieg in Israel – Tag 294 und 295

20./21. Tammus 5784

Im bisher tödlichsten Angriff der Hisbollah auf den Norden Israels wurden im Drusen-Dorf Majdal Shams wurden auf einem Fussballplatz mindestens 30 Personen teils schwer verletzt. 11 Personen starben bei dem Angriff. Muafak Tarif, das geistige Oberhaupt der Drusen klagte: „Ein anständiges Land kann es sich nicht leisten, seine Bürger und Einwohner weiterhin zu schädigen. Dies ist seit neun Monaten die Realität in den Gemeinden im Norden. Dieser Abend hat alle Grenzen überschritten.“ Die Opfers sind Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren.

Netanyahu hat seinen Abflug aus Washington von 23:00 auf 7:30 vorverlegt. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Tel Aviv hat er ein Treffen des Sicherheitskabinetts einberufen.

Die Reaktion auf diesen grauenhaften Angriff der Hisbollah könnte den Beginn eines grösseren Krieges gegen die Hisbollah markieren.

Auch gestern musste die IDF wieder den Tod eines Soldaten bekannt geben. Corp. Moti Rave, 37, s’’l, verlor sein Leben bei einem Kampf im südlichen Gaza.

128 israelische und 8 palästinensische Sportler werden in Paris bei den Olympischen Spielen, die offiziell gestern begannen, um Medaillen kämpfen. Beide Delegationen werden rund um die Uhr von verstärkten Sicherheits-Teams engmaschig geschützt. Unsere Sportler dürfen keine gelben ‘bring them home’ pins tragen. Die Schwimmerinnen reagierten auf ihre Art.

Ein Sprecher des neuen britischen PM Keir Starmer bestätigt, dass das Land den Einspruch der vorherigen Regierung gegen die vom ICC beantragten Haftbefehle gegen Premierminister Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant zurückziehen wird.

Der Sprecher sagt, dass die Entscheidung, ob die Haftbefehle ausgestellt werden oder nicht, beim ICC liegt.

Vorgestern fand das Treffen mit US-Präsident Joe Biden im Weissen Haus statt. Es war dies der erste Besuch Netanyahus dort seit der Vereidigung am 29. Dezember 2022. Seither hatte Netanyahu fast schon verzweifelt auf eine Einladung gehofft. In den letzten Monaten war das Verhältnis zwischen Biden und Netanyahu deutlich abgekühlt. Eines der Hauptziele in seiner noch verbleibenden Amtszeit ist nach eigenen Angaben das Ende des Krieges ins Gaza. Netanyahu sagte zu Beginn des Treffens: «Ich möchte Ihnen für 50 Jahre im öffentlichen Dienst und 50 Jahre Unterstützung für den Staat Israel danken.» Biden hingegen begrüsste Netanyahu: «Wir haben eine Menge zu besprechen.» Viel mehr war nicht zu hören, das Treffen verlief hinter geschlossenen Türen. Fragen von Journalisten wurden nicht entgegengenommen.

Ebenfalls vorgestern traf sich Netanyahu mit Vize-Präsidentin und Kandidatin um das Amt des Präsidenten, Kamala Harris. Harris betonte, dass sie keine Tendenz sieht, einen Keil in die Beziehungen zwischen Israel und den USA zu treiben. Präsident Biden und Vizepräsidentin Harris haben Premierminister Benjamin Netanyahu bei ihren Treffen im privaten Rahmen die gleiche Botschaft übermittelt: «Es ist an der Zeit, dem Waffenstillstand zuzustimmen und das Geiseldrama zu beenden.» Das hat die Vizepräsidentin auch bereits mehrfach öffentlich gesagt. Die Äusserungen von Harris stehen im Einklang mit ihren früheren Bemerkungen zu dem Konflikt und «enthielten einerseits eine grundsolide Unterstützung für Israel und andererseits die Sorge um zivile Opfer und die humanitäre Krise in Gaza – wie sie es immer tut», wird der Berater zitiert. Auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit Netanyahu sagte Harris: «Israel hat das Recht, sich zu verteidigen.»

Netanyahu ist gestern beim letzten Besuch der Reise in den USA angekommen, die im Prinzip nur einen Zweck verfolgt: Sich selbst zu inszenieren. Mit wechselnden Partnern. Weltpolitik hat er keine gemacht. Das kann man guten Gewissens als Resümee ziehen. «Wir haben dich vermisst», sagte Sara, bevor sie und Trump sich küssten. In Richtung Netanyahu sagte Trump: «Das war das beste Abendessen, dass ich jemals hatte.» Worin besteht der Zusammenhang?

Trump machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Aus dem Treffen wurde nicht viel bekannt, ausser, dass auch Trumpf Netanyahu dringend aufforderte, den Waffenstillstandsplan zu unterschreiben und den Krieg zu beenden. Darin waren sich alle drei Gastgeber einig. Gestern, unmittelbar nach dem Treffen, schrieb Trump auf seiner Plattform: «Netanyahu hat ein ‘schreckliches und beleidigendes Treffen’ mit Kamala Harris gehabt. Ihre Unfähigkeit wird den Krieg in Gaza erheblich verlängern und die Freilassung der Geiseln verzögern. Die Welt wird grosse Kriege im Nahen Osten und vielleicht einen dritten Weltkrieg erleben, falls ich die Wahl im November nicht gewinne. Jeder Jude, der für Kamala oder einen Demokraten stimmt, sollte sofort seinen Kopf untersuchen lassen.» Als Grund für das Fernbleiben der Vizepräsidentin und Kandidatin Kamala Harris nannte er völlig grundlos: «Sie mag keine Juden. Sie mag Israel nicht. So ist es, und so wird es immer sein. Sie wird sich nicht ändern.»

Ah ja, ehe ich es vergesse, der Grund, warum das Treffen mit Trump auf Freitag vesrchoben wurde, ist, das Yair Netanyahu an diesem Tag 33 Jahre alt wird. Ein Grund zu an seinem temporären Heimatort Miami zu feiern:

© Amos Bidermann, Ha’aretz

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas ist offensichtlich mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet. Palästinensische und ägyptische Quellen behaupteten, dass die neuen Forderungen Israels abgelehnt worden sind. Es handelt sich hierbei um die von Netanyahu neu hinzugefügten Änderungen. Erstaunlicherweise an der Ablehnung ist, dass sie bisher noch nicht einmal zur Begutachtung vorgelegt wurden. «Selbst die Verhandlungsführer haben sie noch nicht erhalten. Sie werden ihn lesen, bevor sie ihn der Hamas zur Reaktion übermitteln», so der Beamte, der aufgrund der Sensibilität der Angelegenheit anonym bleiben möchte.

Der neueste Vorschlag für das Abkommen wurde zwischenzeitlich den USA zur Begutachtung vorgelegt. Er enthält die von Netanyahu geforderten Änderungen bezüglich der Personen, die in die nördlichen Gebiete zurückkehren können. Es muss sichergestellt werden, und dazu ist die Präsenz der IDF im ‘Netzarim-Korridor’ notwendig, dass sich keine Terroristen unter die Zivilbevölkerung mischen.

Der Shin Bet veröffentlichte ein Photo eines palästinensischen Gefangenen, der Mitarbeitern des Shin Bet hilft, den Tunnel zu lokalisieren, in dem die sterblichen Überreste von fünf Geiseln aufgefunden und geborgen werden konnten. Der Palästinenser ist in eine israelische Uniform gekleidet, trägt wie die anderen Schutzweste und Helm, ist aber gefesselt und trägt statt der Armee-Stiefel blaue Sneakers und ist natürlich unbewaffnet.

Australien, New Zealand und Kanada drängen in einem gemeinsamen Statement auf einen sofortigen Waffenstillstand. Sie unterstützen dabei den von Israel ausgearbeiteten und von US-Präsident Joe Biden Ende Mai vorgestellten Vorschlag. Sie fordern alle Beteiligten auf, sich um eine Deeskalation zu bemühen. «Zivilisten müssen geschützt werden, und es ist eine nachhaltige Erhöhung der Hilfslieferungen in den Gazastreifen erforderlich, um die humanitäre Situation zu verbessern», heisst es in der Erklärung. Die Staats- und Regierungschefs fügen hinzu, dass sie «die Hamas weiterhin unmissverständlich verurteilen

Der rechtsextrem-nationalistische Smotrich kritisierte, natürlich assistiert von seinem nicht minder rechtsextremen Kollegen Ben-Gvir, erneut die Bedingungen des aktuellen Vorschlages zur Geiselbefreiung und zum Waffenstilstand. Anlass dafür ist die deutliche Aufforderung der Präsidentschaftskandidatin und aktuellen US-Vizepräsidentin Kamala Harris an Netanyahu, «das Abkommen abzuschliessen, um die Geiseln nach Israel zurückzubringen und den Bürgern des vom Krieg zerrütteten Gazastreifens Erleichterung zu verschaffen.» Smotrich wettert aufseinem X-account: «Kamala Harris hat der ganzen Welt offenbart, was ich schon seit Wochen sage, nämlich was wirklich hinter dem Deal steckt. Sich auf den Deal in seiner jetzigen Form einzulassen, bedeutet, sich Sinwar zu ergeben, den Krieg auf eine Weise zu beenden, die es der Hamas ermöglicht, sich zu rehabilitieren, und die meisten der Geiseln in der Gefangenschaft der Hamas aufzugeben. Tappt nicht in diese Falle!» Ben-Gvir ergänzt: «Es wird keinen Waffenstillstand geben, Frau Kandidatin.»

In der am Montag gestarteten erneuten Bodenoffensive gegen Khan Younis wurden bisher mehr als 100 Terroristen eliminiert. Die Bodenoffensive war notwendig geworden, nachdem die palästinensische Terror-Organisation Hamas sich dort erneut positioniert hatte. Allein gestern wurden mit Drohnen sieben Granatwerfer-Gruppen eliminiert. In Rafah wurde untern anderem Tunneleingänge, Gebäude, die von Terrorgruppen besetzt waren und Raketenabschussbasen, von denen aus Beer Sheva beschossen wurde, zerstört.

Israel wird nicht auf ‘grünes Licht’ aus den USA warten, um eine Militäroperation zu starten die die Hisbollah von der nördlichen Grenze zu Israel zurückdrängen soll. Dies teilt ein Delegationsteilnehmer in Washington bei einer Pressekonferenz mit. Die Situation spitze sich zu, täglich werden israelische Gemeinden und Militärstellungen durch die Hisbollah angegriffen. «Israel hofft, dass eine Lösung durch diplomatische Massnahmen erreicht werden kann, wird aber nicht zögern, militärische Massnahmen zu ergreifen, wenn sich dies als unmöglich erweist. Israel ist nicht bereit, Gebiete aufzugeben, um die Ruhe im Norden wiederherzustellen.» Derzeit sind noch etwa 80.000 Menschen aus den Orten des Nordens vertrieben und es ist nicht klar, wann und ob überhaupt es für sie wieder sicher sein wird, zurückzukehren. Abgesehen davon, dass einige Kibbutzim und Orte derzeit grossteils unbewohnbar geworden sind und die Landwirtschaft durch immer wieder entstandene Bände grossen Schaden erlitten hat.

Die IDF gab erneut den Befehl, dass Bewohner einiger Teile des humanitären Gebietes in Khan Younis dieses räumen müssen, nachdem dort intensive Kämpfe gegen die Hamas bevorstehen. Die Hamas hat sich in Khan Younisneu formiert und innerhalb der Zivilbevölkerung verbarrikadiert. Das Evakuierungsgebiet gilt nicht mehr als sicher.

Eine Kommandozentrale und ein Kontrollzentrum der Hamas, die sich in einer UN-geführten Schule in Deir-al Balah, einem Teil des evakuierten Flüchtlingslagers befand, wurde von der IAF angegriffen und teilweise zerstört. Die Schule galt vor der Übernahme durch die Hamas als temporäre Unterkunft für evakuierte Zivilisten. Von dieser Hamas Zentrale aus wurden Angriffe gegen die IDF, aber auch gegen Israel geplant und ausgeführt. Im gleichen Gebäude befanden sich auch eine Entwicklungs- und Produktionsstätte für Waffen. Während die IDF festhält, alle Massnahmen getroffen zu haben, um eventuell noch im Gebäude befindliche Zivilisten zu schützen, spricht die Hamas von 31 Opfern.

Eine von der Hisbollah auf das ‘Karish Gasfeld’ abgeschossene Drohne, konnte vom Iron Dome abgefangen und zerstört werden. Der Iron Dome war auf einem Schiff installiert. Es ist noch nicht klar, ob die Drohne mit Sprengstoff beladen war. Der Vorfall wird von der IDF untersucht. Es war nicht der erste Versuch der Hisbollah, das Gasfeld zu erreichen und dort erheblichen Schaden anzurichten.



Kategorien:Israel, Politik

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