23. Tammus 5784

Netanyahu hat die für diese Woche geplante und bereits weitgehend von COGAT vorbereitete Ausreise von lebensbedrohlich erkrankten oder schwer verletzten Kindern und Jugendlichen aus Gaza via Eilat in die VAE gestoppt. Damit schwindet die Hoffnung der meist jungen Patienten auf eine rasche Behandlung. Als Grund gab ein mit der Entscheidung Vertrauter den Angriff auf das Drusendorf an, dem bisher 12 Kinder und Jugendliche zum Opfer fielen. Das ist eine Entscheidung, die diejenigen bestraft, die nichts mit dem Krieg Israel gegen die Hamas zu tun haben und die die schwächsten Glieder der Gesellschaft sind: Kinder! Unglaublich, aber ein erneuter Beweis, dass Netanyahu keinerlei Empathie für andere Menschen zeigt. Mittlerweile werden einige Zivilisten aus Gaza auf einem Hospitalschiff der VAE behandelt, das im Hafen des ägyptischen Al-Arish liegt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spielt mit dem Gedanken, nach Israel einzumarschieren, um die Palästinenser zu unterstützen. «Wir müssen sehr stark sein, damit Israel Palästina nicht diese Dinge antun kann. So wie wir in ‘Berg-Karabach’ und Libyen einmarschiert sind, könnten wir das Gleiche mit ihnen tun. Es gibt nichts, was wir nicht tun können. Wir müssen nur stark sein.»
Wie die Türkei als NATO-Mitglied diese Idee anderen NATO-Partnern gegenüber rechtfertigen will, ist nicht vorstellbar. Zahlreiche Staaten der NATO sind pro-israelisch.
Ein Einmarsch der Türkei nach Israel, das kein NATO-Land ist, stellt zwar keinen ‘Bündnisfall’ dar, wird aber zu einer konfliktbeladenen Situation innerhalb der NATO führen.

Nur wenige Stunden später verglich ein Sprecher des türkischen Aussenministeriums Netanyahu mit Hitler. «So wie das Ende des Völkermörders Hitler kam, so wird auch das Ende des Völkermörders Netanyahu kommen. So wie die völkermordenden Nazis zur Rechenschaft gezogen wurden, werden auch diejenigen zur Rechenschaft gezogen, die die Palästinenser vernichten wollen. Die Menschheit wird den Palästinensern beistehen. Sie werden die Palästinenser nicht vernichten können.» Der Aussenminister selbst, Hakan Fidan, verstieg sich gar zu der Aussage: «Unser Präsident ist zur Stimme des Gewissens der Menschheit geworden.» Gott steh uns bei, wenn die Türken kommen! Erdogan wird sein Anatolien schützen, von der phantasiert, es sei unser nächstes Ziel. Mit Krummschwert und Morgenstern werden sie über uns herfallen…



Den tödlichen Angriff auf das Drusen-Dorf Majdal Shams auf dem Golan nahm Netanyahu wieder einmal zum Anlass, seinen VM Yoav Gallant öffentlich zu kritisieren. Gallant hatte gestern Abend bei seinem Besuch vor Ort, festgehalten «Ich habe mich mit den Sicherheitschefs zusammengesetzt, um Handlungsoptionen zu besprechen. Anschliessend habe ich die Vorgehensweise festgelegt und die Verteidigungseinrichtung entsprechend angewiesen.» Gut gemacht, Yoav, genau das ist dein Job! Kol Hakavod!
Netanyahu, war zum Zeitpunkt der Sitzung noch auf dem Rückflug seiner kombinierten Dienst- und Privatreise. Er war, wie sein Büro mitteilte, sehr wütend auf Gallant, und glaubte, Gallant wolle ‘Entscheidungen treffen und den Krieg allein führen’. Anstatt glücklich zu sein, wenigstens einen (!) kompetenten Minister unter seinen anderen politischen Nobodys zu haben, auf den er sich verlassen kann, beisst er ihn immer wieder weg. Der Mann ist gegen jeden krankhaft misstrauisch. Wäre das nicht so brandgefährlich für Israel, könnte er einem leidtun!


VM Yoav Gallant sagte bei einem erneuten Besuch im drusischen Dorf Majdal Shams. «Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen einem jüdischen Kind, das am 7. Oktober im Süden Israels ermordet wurde, und einem drusischen Kind, das auf den Golanhöhen ermordet wurde. Es ist dasselbe, es sind unsere Kinder.» Wie wohltuend, dass der wichtigste Minister in der Regierung die richtigen Worte für die schwer betroffene drusische Gemeinschaft findet. Anschliessend besuchte er noch verwundete Kinder im Spital.




Am Nachmittag fand auch Netanyahu den Weg nach Majdal Shams und verspricht angesichts der Trauer über die toten und verletzten Kinder und Jugendlichen ‘eine harte Reaktion’. Noch in seinem Büro in Jerusalem sagt er zuvor: «Diese Kinder sind unsere Kinder, sie sind die Kinder von uns allen. Israel wird und kann dies nicht einfach so hinnehmen. Unsere Antwort wird kommen, und sie wird hart sein.» Als er am Einschlagort der Rakete einen Kranz niederlegt, wird er melodramatisch: «Juden und Drusen sind Brüder. Wir haben einen Bund des Lebens, aber leider auch einen Bund der Momente des Verlusts und der Trauer. Wir umarmen euch.»
Warum hat er es dann zugelassen, dass sein Parteikollege und ehemaliger Chef des Shin Bet, Avi Dichter, ein Gesetz einbrachte, das Drusen de jure zu Menschen zweiter Klasse machte? (s. gestern)
Netanyahu fordert die drusische Gemeinschaft auf, die Hoffnung nicht aufzugeben, und verspricht, dass Israel ihnen zur Seite stehen wird, „heute, morgen und für immer“. Welche Schmierenkomödie!
Begleitet von hochrangigen Personen besuchte er auch Familienangehörige von zu Tode gekommenen Kindern. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Familienangehörigen von toten Geiseln, die bis heute keine Besuche von Regierungsmitgliedern, geschweige denn von Netanyahu, erhielten.
Eine Mauer von Einheimischen drängt gegen die Absperrungen und fordert ihn lautstark auf zu gehen. Hochgehaltene Schilder bezeichnen ihn als Kriegsverbrecher.



Gevara Ebraheem, 11, s’’l, der zunächst als vermisst galt, wurde tot aufgefunden. Er wurde, das wurde bekannt, anhand von DNA-Vergleichen identifiziert. Damit erhöht sich die Zahl der Opfer auf 12. Drei der verletzten Kinder und Jugendlichen schweben noch in Lebensgefahr. Die Beisetzung fand am heutigen Vormittag statt.

Der palästinensische Boxer Waseem Abu Sal trug bei der Eröffnungsparade der Olympischen Spiele auf der Seine ein ganz besonderes Hemd. Aufgestickt waren israelische Kampfflugzeuge, die Bomben auf spielende Kinder abwerfen. «Dieses Hemd repräsentiert die aktuelle Situation in Palästina. Die Kinder, die als Märtyrer sterben und unter den Trümmern begraben werden, Kinder, deren Eltern als Märtyrer sterben und die ohne Essen und Wasser zurückbleiben.»

Jibril Rajoub, Präsident des Palästinensischen Olympischen Komitees, sagte gegenüber AFP, dass sie sich beim lokalen Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Paris erkundigt hätten, ob Abu Sal mit seinem Hemd gegen die Olympischen Regeln verstosse. «Es ist eine Botschaft des Friedens. Es ist eine Botschaft, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es ist eine Botschaft gegen den Krieg und gegen das Töten. Es steht im Einklang mit der Olympischen Charta. Wir haben es vorgelegt, und sie haben es genehmigt.»
Nein, es ist eine unglaubliche Provokation und Täter-Opfer-Umkehr. Die Hamas hat am 7. Oktober mit dem Abschuss von mehr als 3.000 (sic!) Raketen auf Israel, mit dem grausamen Mord an mehr als 1.200 Menschen, mit brutalen Vergewaltigungen und Verstümmelungen, Verletzungen von mehr als 5.000 Menschen und mehr als 250 Verschleppungen in den Gazastreifen nicht nur den Krieg verursacht. Sie hat damit auch den Waffenstillstand beendet, der seit 2021 hielt.
Das IOC hat den offiziellen Antrag der israelischen Mannschaft abgelehnt, während den Eröffnungsfeierlichkeiten gelbe Armbänder oder Pins tragen zu dürfen. Diese sind das Symbol der ‘Bring them home now’ Kampagne.

Deutschland hat seine Bürger aufgrund der drohenden Kriegsausgefahr dringend aufgefordert, den Libanon zu verlassen. Es müsse damit gerechnet werden, dass die Flugverbindungen nach Beirut endgültig eingestellt werden. Derzeit wird Beirut von der Lufthansa bis zum 5. August nicht angeflogen.

Vor etwa einer Stunde gab es im gesamten Gebiet des oberen Galil Raketenalarm. Auch wenn die Ortschaften weitgehend schon seit Monaten evakuiert sind, befinden sich fast überall Sicherheitseinheiten, die Plünderungen verhindern sollen, die Bewässerungsanlagen in der Landwirtschaft überwachen und vor allem in grenznahen Gebieten Übernahmen durch die Hisbollah verhindern sollen. Die Bewohner von noch nicht evakuierten Orten wurden aufgefordert, Versammlungen zu vermeiden.


In zwei gezielten Angriffen eliminiert die IDF gemeinsam mit der IAF zwei Anführer der Hisbollah. Die Drohnen beschossen einen PKW und ein Motorrad im südlichen Libanon. Die beiden Opfer sind Abbas Salami und Abbas Hijazi. Es waren die ersten gezielten Angriffe seit dem tödlichen Angriff der Hisbollah auf das drusischen Dorf Majdal Shams, bei dem mindestens 12 Kinder starben und mehr als 30 weitere teils schwer verletzt wurden.




Die gute Nachricht des Tages: Inna Braverman hat als Baby Tschernobyl knapp überlebt. 1990 wanderte sie mit ihrer Familie nach Israel aus. Später, während des Studiums, arbeitete sie bei einem Unternehmen für erneuerbare Energien. Sonne und Wind langweilten sie. Mit Atom-Strom hat sie bis heute ein Problem. Sie will daher Strom aus den Wellen für alle zugänglich machen.
Die Idee war schon länger in ihrem Kopf. 2010 bei einer der beliebten Pool-Parties in Tel Aviv traf sie auf einen älteren Mann, den sie als Typ ‘ältlicher Hippie’ einstufte. Ihre Antwort auf ihre geheime Leidenschaft: «Wellenkraft». Damit war für sie die Unterhaltung zu Ende.
Der Mann kam gerade aus einem Surf-Camp in Panama. Irgendetwas in seinem Kopf machte ‘Klick’ und mit Blick auf das rege Surfer-Treiben vor Tel Aviv liess er seiner Fantasie freien Lauf: «Was kann man sonst noch mir dieser Urgewalt aus dem Meer machen?»
Für beide ein Treffen, wie man es nicht planen kann.
Inna, die 23 Jahre alte Politikstudentin, hatte schon viel über das Thema nachgedacht. Sie konnte überzeugend erklären, worin Fehler in der Umsetzung liegen und was sie anders machen will.
Der knapp 30 Minuten lange Film erklärt, wie es funktionieren kann..,
Der ‘ältere Hippie’ entpuppte sich als der jüdisch-kanadische Unternehmer David Leb, geboren 1962. Er forderte sie auf, ihm einen Businessplan zu schreiben. Sie musste erst Googeln, was das Wort bedeutet. Aber sie schaffte es und Leb überliess ihr 1 Million US$. Mit dem Geld ging sie zurück in die Ukraine, suchte sich ein Team und testete ihre ersten Modelle im Institut für Hydromechanik in Kiew. Das Institut hat zwei Wellenbecken. In einem experimentierte Inna, im anderen iranischen Forscher mit Torpedos. Krieg und Frieden…
Als Ulrich Sahm, s’’l, im Jahr 2012 in der ‘Jüdischen Allgemeinen’ über das Projekt schrieb, nannte er nur David Leb als Unternehmer. Damals wurde das Projekt in der Krim getestet. Israel gab grünes Licht für den Testlauf in Akko.
2016 gründeten David und Inna das Unternehmen ‘Eco Wave Power’. Vor Gibraltar läuft eine 100 kW Anlage. Gekostet hat sie US$ 450.000. Gewitter oder Sturmfluten? Kein Problem, die blauen Schwimmkörper heben sich in die Luft und verharren dort. Seit 2023 versorgt eine Anlage etwa 100 Haushalte in Tel Aviv mit Strom. Es funktioniert!
So wie Inna 2012 von Sahm ignoriert wurde, erlebt sie es immer noch. Sie eilt auf lebensgefährlichen Stilettos durch Konferenzräume und Ausstellungshallen. Inna lacht: «Niemand erwartet technisch-kreative Frauen mit High Heels. Und bei den Konferenzen fragt mich zunächst niemand nach meiner Meinung, sondern man bietet mir einen Espresso an.»
Kategorien:Israel
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