9. Aw 5784

Abu Obeida, Sprecher der al-Qassam Brigade, gab gestern bekannt, dass eine Geisel ermordet und zwei weitere verletzt worden sind. Einzelheiten gab er nicht bekannt, nannte auch keine Namen, sondern erklärte nur, dass die Geisel von ihrem Bewacher ermordet worden sei. Man sei bemüht, das Leben der beiden verletzten Frauen zu retten. Obeida gab auch keine Hinweise darauf, wann und wo die zwei tragischen Vorfälle stattgefunden haben. Die IDF musste zugeben, derzeit über keine Möglichkeiten zu verfügen, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Der neue Führer der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, Yahya Sinwar, hat verkündet, dass die Hamas nur dann an den für Donnerstag anberaumten neuen Gesprächen in Kairo oder Doha teilnehmen wird, wenn Israel vorher alle kriegerischen Operationen in Gaza einstellt. Damit dürften die Gespräche von vornherein als gescheitert gelten. Eine Einstellung aller Aktivitäten ist, so steht es eindeutig im derzeit aktuellen Arbeitspapier, erst nach der ersten von drei Phasen (s. Beitrag v. 1. Juni) vorgesehen.

Der Führungsstil von Yahya Sinwar muss erst noch erfunden werden. ‘Management by Stafettenlauf’ ist das Erste, was mir dazu einfällt. Offensichtlich vertraut er nur einer Handvoll Menschen, denen er sein Leben anvertraut. So soll er die Kommunikation mit seinen Kommandanten und anderen Befehlsempfängern überwiegend mittels handgeschriebener Anweisungen aus den unterirdischen Bunkern weitergeben. Von Hand zu Hand, bis der Empfänger erreicht ist. Besonders zeitnah scheint das nicht zu sein. Das jedenfalls berichtet die in London erscheinende Zeitung ‘Asharq al-Aqsat’.
Was auf den ersten Blick gut aussieht, erscheint angesichts der oben genannten Weigerung der Hamas, kaum zu erwarten. Nach neuesten Meldungen aus Teheran macht der Iran den direkten Vergeltungsschlag auf Israel davon abhängig, ob bei der nächsten Verhandlungsrunde ein Übereinkommen erreicht wird oder nicht. Sollte dies nicht der Fall sein, oder der Eindruck entstehen, dass Israel die Verhandlungen in die Länge zieht, so wird der Vergeltungsschlag in einer koordinierten Form vom Iran und seinen Verbündeten ausgeführt. Inwieweit man den Mullahs, denn die sind die wahren Entscheidungsträger, trauen darf, kann nicht als gesichert angesehen werden.




In einer weiteren überflüssigen Provokation hat sich der rechtsextrem-faschistische Ben-Gvir heute, am Tish’a beAw, wieder auf dem Tempelberg begeben. Am 9. Aw trauern wir um verschiedene Katastrophen, die uns an diesem Datum während der letzten 2.500 Jahren getroffen haben (s. Dwarim, 9. August 24). Er wurde begleitet von seinem Parteikollegen Yitzhak Wasserlauf, etwa 2.000 Besuchern, darunter zahlreiche Siedler. Später kam noch ein MK des Likud dazu. Selbstverständlich durfte auch der wohlbekannte Rebbe nicht fehlen, der sicherstellen muss, dass nicht irgendwer irrtümlich auf den Ort tritt, unter dem man den Standort der Bundeslade mit den Gesetzestafeln vermutet. In verschiedenen Video-Clips, die in den sozialen Netzen verbreitet wurden, ist zu sehen und auch zu hören, wie laute Gebete gesprochen werden. Das ist seit 1967 im ‘status quo’, ausgehandelt zwischen Israel und Jordanien, betreffend den Tempelberg, verboten. Ben-Gvir ist der Ansicht, dieser Status müsse dringend aufgeweicht oder besser, ganz abgeschafft werden. Die Polizei war zwar anwesend, schritt aber nicht ein. Es gab auch keine Festnahmen, die zu erwarten gewesen wären.
Aus den arabischen Staaten kamen sofort kritische Stimmen. Kairo beschwerte sich, dass «zwei israelische Minister, Mitglieder der Knesset, hunderte israelische Siedler und Extremisten den Tempelberg und das Gebiet der al-Aqsa Moschee gestürmt und unter den Augen der Polizei eine israelische Flagge gezeigt haben.» Jordanien hat die Aufsicht über die Einhaltung des ‘status quo’ am Tempelberg. Die Reaktion auf die Provokation ist daher besonders harsch. Das Aussenministerium bezeichnet die drei Koalitionsmitglieder als ‘Extremisten’, was stimmt und behauptete, ihre ‘Provokation’ würde den ‘status quo’ des sensiblen Ortes verletzen. «Der Besuch spiegelt die Beharrlichkeit der israelischen Regierung und ihrer extremistischen Mitglieder wider, das Völkerrecht und Israels Verpflichtungen als Besatzungsmacht zu missachten.» Die internationale Gemeinschaft müsse den Besuch ‘entschieden’ verurteilen. «Die Stätte sei ein ausschliesslicher Ort der Anbetung für Muslime und stehe unter der Rechtsprechung des jordanischen Waqf. Israel habe keine Souveränität über die besetzte Stadt Jerusalem und ihre islamischen und christlichen heiligen Stätten.»
Katar verurteilt den Besuch des rechtsextrem-faschistischen Ben-Gvir, und seiner nicht minder extremen Entourage «auf Schärfste als Provokation und eklatante Verletzung des Völkerrechts.» Diese Aktion sei nicht nur ein Angriff auf die Palästinenser, sondern auch auf Millionen Muslims auf der ganzen Welt. Der Verurteilung schloss sich das Aussenministerium von Saudi-Arabien vollinhaltlich an.
Auch aus den eigenen Reihen und der Opposition hagelt es Kritik, bis hin zu den Bedenken, dass Ben-Gvir mit seinem Verhalten einen Flächenbrand in der Region riskiert. Netanyahu lässt, wieder einmal durch sein Büro, ausrichten, dass: «die Festlegung der Politik auf dem Tempelberg direkt der Regierung und dem Premierminister untersteht. Es gibt keine private Politik eines bestimmten Ministers auf dem Tempelberg – weder vom Minister für nationale Sicherheit noch von einem anderen Minister. So ist es unter allen israelischen Regierungen gewesen.»
Ben-Gvir sieht das ganz anders: «Die Politik des Ministers für nationale Sicherheit besteht darin, Juden an allen Orten, einschliesslich des Tempelbergs, die Freiheit der Religionsausübung zu ermöglichen, und Juden werden dies auch in Zukunft tun. Der Tempelberg ist ein souveränes Gebiet in der Hauptstadt des Staates Israel. Es gibt kein Gesetz, das die rassistische Diskriminierung von Juden auf dem Tempelberg oder irgendwo sonst in Israel erlaubt.» Anstatt mit völlig unqualifizierten Äusserungen für überflüssige Unruhe zu sorgen, sollte Ben-Gvir, der von Politik und Diplomatie keine Ahnung hat, sich auf seine Agenden, die er von Netanyahu als Morgengabe[1] erhielt, konzentrieren.

Ein selten klares Video zeigt, wie heute Vormittag eine vom Südlibanon auf israelisches Gebiet eindringende Drohne von der IDF im Gebiet von Kiryat Shmona abgefangen werden konnte. Eine zweite Drohne wurde noch über libanesischem Gebiet abgefangen.

Jemenitische Houthi-Terroristen haben bereits am 3. August das Hauptquartier des Menschenrechtsbüros der UN in der Hauptstadt Sana’a gestürmt. Dokumente, Möbel, Fahrzeuge wurden beschlagnahmt und mitgenommen. Das ist der jüngste Schritt im Kampf der Houthis gegen Mitarbeiter der UNO, von Hilfsorganisationen und ausländischen Botschaften. Der UN-Menschenrechtsbeauftragte, Volker Türk, forderte die Terroristen auf, sofort das Areal zu verlassen und zuvor alles Geklaute und Beschlagnahmte zurückzugeben. Das Büro hat in den von den Houthi-Terroristen beherrschten Gebieten den Betrieb bereits im Juni eingestellt. Nur in jenen Gebieten, die von der international anerkannten Regierung kontrolliert werden, sind sie noch aktiv.
Eine israelische Drohne hat offenbar gezielt einen PKW im Süden des Libanon getroffen. Weitere Einzelheiten wurden noch nicht bekannt.
Zwei Langstreckenraketen wurden heute von der Hamas aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv abgeschossen. Eine verfehlte ihr Ziel und landete im Meer weit vor der Küste, die andere stürzte noch im Bereich des Gazastreifens ab. Es war dies der erste Angriff auf Tel Aviv seit Ende Mai. Der Alarm wurde nicht aktiviert, weil klar war, dass die Raketen weit von ihrem Ziel entfernt abstürzen würden.
[1] Das Ministerium für Nationale Sicherheit wurde von Netanyahu speziell geschaffen, um für Ben-Gvir einen adäquaten Ministerposten zu schaffen. Mit der Schaffung des Ministeriums stellte Netanyahu sicher, dass er genügen Koalitionspartner zur Regierungsbildung hatte. Dieses Ministerium hatte es bis anhin nicht gegeben.
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