10. Aw 5784
Nachdem es noch gestern hiess, dass keine israelische Delegation an den Gesprächen in Doha, die morgen stattfinden, teilnehmen wird, wird nun doch ein hochstehendes Team von Netanyahu losgeschickt. Mossad-Chef David Barnea, Shin Bet-Chef Ronen Bar und General-Major (res.) Nitzan Alon werden für Israel am Verhandlungstisch sitzen. CIA-Chef Willam Burns wird aus den USA erwartet. Nach wie vor ist unklar, ob die Hamas an den Verhandlungen teilnimmt.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz der Botschafter der USA, Grossbritanniens und Deutschlands erklärten die Diplomaten, «dass Israel und die Hamas bald zu einem Waffenstillstandsabkommen im Gazastreifen kommen müssen, da es möglicherweise keine anderen Möglichkeiten gibt, die Freiheit der seit dem 7. Oktober in der palästinensischen Enklave festgehaltenen Geiseln zu erlangen.» Die Pressekonferenz fand am Sitz des ‘Forums der Geiseln’ in Tel Aviv statt. Der deutsche Botschafter Steffen Seibert, jishar koach, der nach nur zwei Jahren in Israel nahezu perfekt Hebräisch spricht, sagte: «Diese Woche ist potenziell entscheidend für das Schicksal der Geiseln. Die Augen von Millionen Menschen sind auf die morgigen Gespräche gerichtet.» Er wendet sich an die anwesenden Familienangehörigen und fährt fort: «Die Erfahrungen und das Leid der Familien sind unerträglich. Ich fordere alle Parteien, einschliesslich des Irans auf, von Aktionen abzusehen, die die Gespräche gefährden könnten.»

Die Houthi-Terroristen haben bereits im Juni 13 UN-Mitarbeiter und mehr als 50 Mitarbeiter anderer Hilfsorganisationen, sowie einen Botschaftsmitarbeiter in ihre Gewalt gebracht. Einige von ihnen wurden sogar aus ihren Wohnungen verschleppt. In der Hoffnung, den Vorfall schnell lösen zu können, ist zunächst darüber Stillschweigen gewahrt worden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, appellierte an die Terroristen, die Gefangenen, die ohne Kontakt zur Aussenwelt festgehalten werden, sofort freizulassen. Es ist nicht die erste Entführung von UN-Mitarbeitern durch die Houthis. Bereits 2021 und 2023 wurden zwei Mitarbeiter festgenommen. Seit dem Beginn des Konflikts im Jemen im Jahr 2014 wurden bereits hunderte Zivilisten willkürlich festgenommen und gefoltert.

Der ehemalige PM und vielleicht erneut für das Amt kandidierende Naftali Bennett hat für den Iran und seine von ihm abhängigen Terror-Gruppen das Bild eines Oktopusses gewählt. Gegenüber der New York Times stellt er das Vorgehen der israelischen Politik in Frage: «Warum bekämpfen wir die Arme des Oktopusses, die schwer zu beseitigen sind und eliminieren nicht zuerst den Kopf, den Iran selbst, der weitaus verletzlicher und schwächer ist. Ist der Kopf tot, sterben auch die Arme. Aber nicht umgekehrt.» Der Iran hat, so fährt er fort, ein ganzes Arsenal von Raketen und des Terrors rund um Israel erstellt. Die einzige Möglichkeit, zu verhindern, dass der Iran Israel auslöscht, besteht darin, zu verhindern, dass der Iran zu einer Atombombe kommt. Der immer wieder von Netanyahu beschworene ‘absolute Sieg’ habe nichts mit der Realität vor Ort zu tun.
Fast alle arabischen Staaten haben die Bitte um Mithilfe beim Aufbau einer eigenen Administration in Gaza am ‘Tag danach’ abgelehnt. Nur die VAE haben sich bisher bereit erklärt, mit Militärkräften als ‘Peacekeeper’ vor Ort zu agieren. Allerdings stellen sie eine Bedingung: Die PA unter Führung von Mahmoud Abbas müsse an der Verwaltung des Gazastreifens beteiligt werden. Das ist aber genau das, was Netanyahu bisher rundheraus abgelehnt hat. Abbas hat während seines Besuches in Moskau beim Gespräch mit dem russischen Präsidenten, Vladimir Putin, betont, er verlange eine Beteiligung Russlands am Friedensprozess im Nahen Osten. Russland, so Abbas: «hat immer nach Wegen für eine Friedenslösung gesucht und sucht sie auch weiterhin. Russland strebt ‚eine gerechte Lösung der Nahostfrage im Einklang mit dem Völkerrecht‘ an.» Russland hat noch nie etwas in dieser Sache fertiggebracht und bewaffnet noch dazu unsere Feinde.



Die Uhr tickt und das noch offene Zeitfenster für eine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln und zum Waffenstillstand schliesst sich langsam. Das betone der US-Sondergesandte Amos Hochstein bei einem Besuch in Beirut. Auf einer Pressekonferenz sagte er: «Ich habe mit Parlamentspräsident Nabih Berri, einem Verbündeten der Hisbollah, über das Rahmenabkommen für einen Waffenstillstand im Gazastreifen gesprochen, und wir waren uns einig, dass wir keine Zeit mehr verlieren dürfen und dass es von keiner Seite mehr stichhaltige Entschuldigungen für eine weitere Verzögerung gibt.» Er gibt sich überzeugt, dass eine solche Vereinbarung auch ein Verhindern eines grösseren Krieges auf diplomatischem Wege möglich macht. «Wir müssen dieses Zeitfenster für diplomatische Massnahmen und diplomatische Lösungen nutzen. Diese Zeit ist jetzt.»

US-Aussenminister Antony Blinken hat den Verkauf von 50 F-15 IA Kampfjets und Ausrüstung im Wert von etwa US$ 19 Milliarden an Israel bewilligt. Dazu kommen noch 33.000 Panzer-Granaten und 50.000 Mörsergranaten im Wert von US$ 774 Millionen und Militärfahrzeuge im Wert von US$ 583 Millionen. Während die Munition jederzeit zur Verfügung steht, wird die Produktion der Kampfjets, die von Boeing hergestellt werden, erst ab dem Jahr 2029 beginnen. Theoretisch kann der Kongress die Waffenlieferungen an Israel blockieren, aber der Prozess ist nicht einfach. Das Aussenministerium schrieb: «Die Vereinigten Staaten setzen sich für die Sicherheit Israels ein, und es ist für die nationalen Interessen der USA von entscheidender Bedeutung, Israel bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer starken und einsatzbereiten Selbstverteidigungsfähigkeit zu unterstützen. Der Verkauf der Panzermunition wird Israels Fähigkeit verbessern, aktuellen und zukünftigen feindlichen Bedrohungen zu begegnen, seine Heimatverteidigung zu stärken und als Abschreckung gegen regionale Bedrohungen zu dienen.» VM Yoav Gallant bedankte sich formell für die Zusage.

Eine Salve von 25 Raketen wurde kurz nach Mitternacht von der Hisbollah in Richtung Oberes Galil abgeschossen. Der Alarm wurde in nahezu allen Orten ausgelöst. Die Raketen stürzten allesamt auf offenes, unbebautes Gebiet ab. Die IDF meldete keine Schäden.

Auf dem X-Account des IDF-Sprechers Nadav Shoshani kann man in seinem noch nie so klar gefilmten Video zuschauen, wie Terroristen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas zwei Raketen vorbereiten, auf Zentral-Israel abgeschossen zu werden. Das Video findet man hier, es ist wirklich sehenswert. Nicht nur, dass die Terroristen Zivilkleidung trugen, womit sie dem humanitären Völkerrecht widersprechen. Mehr noch, sie schiessen die Raketen mitten aus einem als humanitären Schutzgebiet definierten Gebiet in Khan Younis. Was natürlich ebenfalls dem humanitären Völkerrecht widerspricht, nach dem man keine Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchen darf.

Abu al-Qumsan war erst wenige Stunden zuvor Vater von Zwillingen geworden. Er befand sich im Meldeamt von Deir al-Balah, um die Geburtsurkunden der Babys abzuholen, als er telefonisch informiert wurde, dass die IDF die Notunterkunft, in der die Familie glaubte, Schutz gefunden zu haben, beschossen hätte. Seine Frau, die beiden Neugeborenen und seine Schwiegermutter, seien bei dem Angriff getötet worden. Die IDF gab sofort bekannt, dass sie von dem Vorfall nicht unterrichtet sei und betonte, dass sie grundsätzlich keine Zivilisten angreifen.
Die gute Nachricht des Tages: Jenes 11-Jahre alte Mädchen, das beim tödlichen Angriff auf den Fussballplatz in Majdal Shams schwere Kopfverletzungen erlitten hatte, ist wieder völlig bei Bewusstsein. Das berichtete das Rambam Medical Center in Haifa. Der Zustand von Kai Marai galt seit dem Angriff als lebensbedrohlich. Doch entgegen allen schlechten Prognosen hat sie sich jetzt so weit erholt, wie niemand es zu hoffen wagte. Ihr Zustand gilt jetzt nur mehr als ‘mittelschwer verletzt’. Sie wird noch einige Tage im Spital bleiben und dann in häusliche Pflege entlassen werden können.
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