Krieg in Israel – Tag 316

13. Aw 5784

Präsident Isaac Herzog wurde heute Vormittag auf dem Heimweg von der Synagoge zu seiner Residenz, von Demonstranten bedrängt, eine Stellungnahme abzugeben. Auf die Frage, was er davon hält, Ben-Gvir aus der Regierung zu entfernen, sagte er: «Der Kahanismus[1] (messianischer Extremismus) muss sicherlich aus der Regierung entfernt werden.» Die Demonstranten, die Herzog immer wieder unterbrachen, warfen ihm vor, nicht genug zu tun, um Veränderungen zu bewirken und sich nicht genug für die Befreiung der Geiseln einzusetzen. «Wir treffen uns jeden Tag mit den Familien der Geiseln und den Hinterbliebenen. Sie irren sich einfach. Ich bin überzeugt, dass die israelische Demokratie sich durchsetzen wird. Sollte ich aber eine Gefahr für die israelische Demokratie sehen, so werde ich eingreifen.» Herzog verurteilte scharf die Angriffe von jüdischen Terroristen auf palästinensische Bewohner in Judäa und Samaria. Er hielt aber auch fest, dass die Hälfte der halben Million jüdischer Bewohner der Region friedfertige, gesetzestreue Bürger sind, die unter den Extremisten leiden. Seiner Besorgnis hatte Herzog bereits im November 2022 Ausdruck verliehen, als er Mitgliedern der Shas Partei erklärte, dass mit Ben-Gvir ein Mann in der Regierung sitze, der weltweit als ‘problematisch’ angesehen werde. «Ihr werdet mit ihm noch ein Problem mit dem Tempelberg haben», war damals sein abschliessender Kommentar, den man heute bereits als prophetisch bezeichnen muss. Hier der Link zur Diskussion.

Der Hamas-Sprecher Samu Abu Zuhri behauptet, eine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln und zum Waffenstillstand sei eine Illusion. Die katarische Zeitung al-Araby al-Jadeed zitiert ihn: «Israel torpediert die Chancen für den Deal und Washington unterstützt sie dabei», und er fährt fort: «Wir stehen nicht knapp vor dem Durchbruch und vor echten Verhandlungen. Wir stehen vor dem Diktat der Amerikaner.» Das ist wiederum eine Verdrehung der Tatsachen. Während das Mediatoren-Team sich gestern sehr optimistisch zeigte, verlautbarte die Hamas nur wenige Minuten später, dass das vorgelegte Papier in einigen Punkten nicht dem von ihnen im Juli erarbeitete Vorschlag entspreche. Warum setzen sie sich nicht endlich mit an den Verhandlungstisch, dann könnten sie vor Ort ihre Bedenken vorbringen und gemeinsam klären. Und nicht immer nur über hundert Ecken.

Angesichts der Bedrohung durch die Hisbollah befürchten die Einwohner von Haifa einen Angriff auf die Industrie- und Hafenanlagen der Stadt. Niemand hat eine genaue Vorstellung davon, was geschehen könnte, wenn eine Rakete auf eine der Tanklagen, Hochbehälter und Container trifft. Haifa liegt nur etwa 30 km entfernt von der Grenze. Auf Drohnen-Aufnahmen, die vor wenigen Wochen von der Hisbollah veröffentlicht wurden, sieht man jedes Detail mit erschreckender Genauigkeit. Ob einige der dort erkennbaren Tankanlagen tatsächlich nach dem Golfkrieg entleert wurden, weiss niemand. Auch von der IDF angekündigte Veränderungen in den Industriegebieten bleiben geheim. Niemand ist wirklich beruhigt. Die Bewohner können nicht einfach fortziehen, so wie die Touristen, die von den Kreuzfahrtunternehmen umgeleitet werden.

Am dritten Tag in Folge werden die Bewohner einiger Gebiete von Khan Younis dringend aufgefordert, ihre Wohnung zu verlassen und sich in das als humanitäre Schutzzone deklarierte Gebiet nördlich der Stadt zu begeben. In den neu evakuierten Gebieten würden gefährliche Bodenoffensiven und Luftangriffe durchgeführt.

Eine israelische Delegation wird heute nach Kairo reisen, um dort Einzelheiten zu einer Wiedereröffnung des Grenzübergangs in Rafah zu diskutieren. An den Gesprächen werden neben den israelischen, auch ägyptische und US-amerikanische Gesprächspartner vor Ort sein. Netanyahu hatte bisher jeden Vorschlag abgelehnt, der Israel von der Grenzüberwachung ausschliesst. Dies auch dann, wenn sichergestellt ist, dass das Gebiet von der Hamas nicht für militärische Zwecke genutzt werden kann. Der Übergang ist seit Mai geschlossen. Hamas macht die Wiedereröffnung davon abhängig, dass Israel nicht an der Grenze präsent ist.  

Bei einem Angriff der IDF am frühen Samstagvormittag auf ein Waffenlager der Hisbollah in der südlibanesischen Stadt Nabatieh wurden laut Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens zehn Personen getötet und fünf verletzt. Die Toten seien alle syrische Staatsbürger, darunter eine Frau und deren zwei Kinder. Mohammed Shoai, ein Augenzeuge, behauptete, der Angriff sei auf ein Gebiet mit gemischter gewerblicher und privater Nutzung erfolgt. Es seien dort Ziegelsteine, Metall und Aluminium produziert und weiterverarbeitet worden. Auch eine Molkerei hätte sich dort befunden. Während von der Hisbollah noch keine Stellungnahme kam, erklärte die IDF sie hätte ein an dieser Stelle befindliches Waffendepot angegriffen.

Der Gegenschlag kam sofort. Die Hisbollah schoss eine Salve von 55 Raketen auf Israel. Es gab keine Verletzten, jedoch kam es erneut zum Ausbruch von etwa zehn Bränden im oberen Galil, die jetzt von einigen Feuerwehren gelöscht werden.  Mittlerweile wurde bekannt, dass zwei Soldaten durch Drohnen-Angriffe verletzt wurden und ins Rambam Medical Center in Haifa evakuiert wurden.

Die Hamas behauptet, die IAF hätte heute bei einem Luftangriff eine Familie mit 15 Personen, darunter neun Kinder und drei Frauen, getötet. Der Angriff hätte das Haus der Familie in al-Zawaida direkt getroffen. Die IDF gab bekannt, dass ihr der Vorfall bekannt sei und sie die Hintergründe genau untersuchen werde.

Am Vormittag hat die IAF einen direkten Drohnen-Angriff auf ein Motorrad in der Nähe von Tyros geflogen. Dabei wurde Hussein Ibrahim Kassab, Kommandant der Radwan Einheit, eliminiert. Aufgabe dieser Einheit ist die Vorbereitung und Durchführung von Infiltrationen nach Israel.

Kritik des Tages: Das Büro des PM hat die Kosten für die diversen offiziellen Flüge von Netanyahu seit seinem Amtsantritt vom 29. Dezember 2022 bis zum 7. Oktober 2023, also insgesamt 282 Tage, bekannt gegeben. Die Kosten des letzten Fluges mit der ‘Wing of Zion’ sind noch nicht inkludiert.

  • San Francisco und New York, sieben Tage, Gesamtkosten US$ 3.35 Millionen
  • Paris, drei Tage, Gesamtkosten US$ 1 Million
  • Rom, drei Tage Gesamtkosten US$ 500.000
  • Berlin, drei Tage, Gesamtkosten US$ 302.000
  • London, vier Tage, Gesamtkosten US$ 840.000
  • Zypern, zwei Tage, Gesamtkosten US$ 274.000

Das ergibt die stolze Summe von US$ 6.266.000. Der Tagesdurchschnitt für 22 Tage beläuft sich auf US$ 284.818!

In den Summen enthalten sind die Hotelkosten

Die Hotels und Preise von Berlin, London und Zypern sind leider nicht aufgeführt, werden sich aber auch in diesem Bereich bewegen.

Zum Vergleich werden die Flüge der Regierung Bennett/Lapid aufgeführt.

Naftali Bennett (PM vom 2. Juli 2021 bis 1. Juli 2022 = 382 Tage)

  • Washington US$ 1.5 Millionen
  • New York US$ 1. Millionen
  • Sotschi US$ 111.000
  • Bahrain US$ 172.000
  • Abu Dhabi (zweimal) US$ 465.000
  • Schottland US$ 443.000

Die Gesamtsumme beträgt US$ 3.055 Millionen..

Spannend gestalten sich die Hotelkosten:

  • New York, Loew Hotel Regency, US$ 4.700
  • Washington, Willard Hotel, US$ 1.000 (!!)

Bei allen anderen Destinationen wurde der von seinem Gastgeber eingeladen!

Yair Lapid (PM vom 1 Juli 2022 bis 29. Dezember 2022 = 199 Tage)

  • Paris US$ 220.000
  • Berlin US$ 635.000
  • New York US$ 1.7 Millionen

Die Gesamtkosten betragen US$ 2.555 Millionen

Die Hotelkosten betragen in:

  • New York, Loew Hotel Regency US$ 4.699
  • Berlin, US$ 3.500

In Paris wurde er vom Gastgeber eingeladen.


[1] Benannt nach dem 1988 aus der Knesset ausgeschlossenen und verbotenen Kach Partei.  Meir wurde sowohl von einem Richter als auch von Historikern als Nazi bezeichnet. Er strebte die völlige Vertreibung der Palästinenser aus Israel, sowie aus den Gebieten Judäa und Samaria an. Ben-Gvir bekennt sich offen zu seinem rassistischen Gedankengut. Ein Bild von Kahane, das er in seiner Wohnung aufgehängt hatte, entfernte er erst, nachdem er als MK in die Knesset gewählt wurde.



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