Krieg in Israel – Tag 321

18. Aw 5784

In einem erstmals gemeinsamen Telefonat betonten US-Präsident Joe Biden und seine Vizepräsidentin und Kandidatin um das Amt des Präsidenten, Kamala Harris, in der vergangenen Nacht, «die Dringlichkeit, den Waffenstillstand und die Geiselfreilassung zu einem Abschluss zu bringen, und erörterten die bevorstehenden Gespräche in Kairo, um alle verbleibenden Hindernisse zu beseitigen. Sie besprachen auch die aktiven und laufenden Bemühungen der USA, Israels Verteidigung gegen alle Bedrohungen durch den Iran, einschliesslich seiner Stellvertreter-Terrorgruppen Hamas, Hisbollah und die Houthis, zu unterstützen, einschliesslich der laufenden defensiven US-Militäraufmärsche», liess das Weisse Haus verlautbaren. Aus dem Büro des PM kam kein Kommentar.

Ein arabischer Sprecher beklagte, dass das erneute Treffen in Kairo Ende dieser Woche sinnlos sei, wenn die USA Netanyahu nicht dazu drängen können, von seinen Forderungen abzurücken und ihren Überbrückungsvorschlag entsprechend anzupassen.

Die Chancen hierfür stehen allerdings schlecht. Am Dienstag hatte Netanyahu einer Gruppe von Angehörigen von Geiseln und gefallenen Soldaten mitgeteilt, dass «Israel den Philadelphi-Korridor und den Netzarim-Korridor unter keinen Umständen verlassen wird.» Die Hamas hatte sich dazu sofort geäussert: «Netanyahu muss sich entscheiden, ob er an diesen neuen Forderungen festhalten oder die Geiseln lebend nach Hause bringen will.»

Nach Angaben von ‘Kan-News’ erklärte sich Netanyahu bei seinem Treffen mit Blinken am Montag bereit, die IDF-Truppen aus dem Philadelphi-Korridor in der zweiten Phase eines möglichen Geiselabkommens mit der Hamas abzuziehen. Sein Büro sagte jedoch in einer Antwort, dass der Bericht „falsch“ sei.

PA-Präsident Mahmoud Abbas möchte sich unbedingt in Gefahr für sein Leben begeben.Nachdem Mitglieder seiner Fatah-Terror-Organisation im Jahr 2007 gewaltsam nach der Machtübernahme der Hamas aus dem Gazastreifen vertrieben wurden, hat er keinen Fuss mehr in das Gebiet gesetzt. Es muss damit rechnen, sofort von Mitgliedern der palästinensischen Terror-Organisation Hamas festgenommen und sogar ermordet zu werden. Nun will er unbedingt eine Reise in den Gazastreifen unternehmen.

An das israelische Aussenministerium hat er bereits einen entsprechenden Antrag gestellt, um von Ramallah durch israelisches Gebiet in den Küstenstreifen einreisen zu dürfen. Anschliessend müsste er durch einen der wenigen Personenübergänge auf das Gebiet von Gaza wechseln. Er geht, das wurde inoffiziell bereits bekannt, davon aus, dass Israel die Zustimmung verweigern wird.

Jetzt sucht er anderweitig Hilfe und Unterstützung und plant, in den kommenden zwei Wochen nach Saudi-Arabien und Ägypten reisen. Die Reisepläne wurden von der Fatah bereits bestätigt. Beide Staaten sollen ihm nun helfen, über ägyptisches Staatsgebiet nach Gaza zu reisen. Allerdings wird auch das problematisch, weil der einzige Grenzübergang in Rafah derzeit geschlossen und unbenutzbar ist.

VM Yoav Gallant hatte gestern Netanyahu dringend aufgefordert, der Transportministerin Miri Regev, die Planung und Durchführung der staatlichen Zeremonie zum Jahrestag des 7. Oktobers zu entziehen. (s. gestern) Diese Zeremonie zu planen sei einzig die Aufgabe der Bewohner der Kibbutzim und Orte, die von den Massakern schwer getroffen wurden. Offensichtlich haben weder Netanyahu noch Regev die Botschaft verstanden. Regev teilte mit, sie könne die Kritik an ihrer Rolle bei der Planung ‘gut verkraften’. «Wir werden den Tag gemeinsam begehen, so wie wir als Nation die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag und zum Holocaust-Gedenktag gemeinsam begehen.» Bei einer Pressekonferenz erklärte sie heute: «Natürlich gibt es auch die Möglichkeit andere, alternative Zeremonien abzuhalten, wie die israelisch-palästinensische Zeremonie am Gedenktag.» Wie zynisch ist das! Kurze Zeit später streitet sie den Vergleich ab, weigert sich aber, sich dafür zu entschuldigen. «Ich blende den Lärm aus und werde diese Zeremonie weiterhin so leiten, wie ich es bei früheren Zeremonien getan habe, mit Respekt für diejenigen, die wütend sind und Kritik üben.» Eine Gruppe, die eine alternative Zeremonie plant, äussert lautstark ihre durchaus verständliche Empörung: «Der ‚Hintergrundlärm‘, von dem Ministerin Regev sprach, sind wir. Hinterbliebene Familien, Bewohner der Grenzgemeinden des Gazastreifens und des Nordens sowie die Reservisten, die einen hohen Preis für die Ereignisse des 7. Oktober bezahlt haben und immer noch bezahlen.
Ministerin Regev hat ihr völliges Unverständnis für die Entscheidung der Regierung gezeigt, Millionen von Schekel für eine inszenierte Zeremonie auszugeben, die im Voraus gefilmt und bearbeitet wurde.»
Regev ist in der Tat eine gelehrsame Schülerin ihres Lehrers, Netanyahu. Dem eifert siepflichtschuldigst nach, was Arroganz und Zynismus angeht.Bis auf Ofakim und Sderot haben die meisten Kibbutzim und Orte bereits mitgeteilt, dass sie an der staatlichen Zeremonie unter diesen Umständen nicht teilnehmen werden. Netanyahu und Regev, sind zwei Wichtigtuer und Narzissten, die von sich so überzeugt sind, dass sie jede Bodenhaftung schon lange verloren haben. Die Meinung von betroffenen Menschen gilt ihnen nichts.

Oft schon habe ich mich gefragt, wie es gelingt, Informationen über den genauen Aufenthaltsort von hohen Hamas-Anführern, oder israelischen Geiseln innerhalb des Gazastreifens zu erhalten. Jetzt berichtet Elon Perry, ehemaliger Kommandant einer israelischen Eliteeinheit, im Jewish Cronicle, dass Israel immer wieder Informanten aus Gaza anwirbt, die ihr Leben riskieren, um anschliessend von Israel in ein sicheres Drittland gebracht zu werden. Hat der ‘Maulwurf’ die notwendigen Informationen über sein Ziel erhalten, so leitet er diese entweder via Telefon oder bei einem Treffen in einem grenznahen Kibbutz weiter. Die Kontaktperson ist immer ein Israeli, der die Nachricht an den Shin Bet weiterleitet, von dort geht sie an die IDF und schliesslich zum Kabinett, das den Einsatz freigeben muss. In seltenen, ‘heissen’ Fällen, mit nur kurzer Zugriffsmöglichkeit, wird direkt eine Kontaktperson des Geheimdienstes kontaktiert.

Der Informant, der zur Eliminierung von Mohammed Deif führte, war ein als Bote von der Hamas eingesetzter 19 Jahre alter Gazaner, dessen Aufgabe es war, Informationen, die immer mit Codes und farbigem Papier verschlüsselt sind, von einer zur anderen Stelle zu transportieren. Unmittelbar nach der Aktion wurde er von Israel ins Ausland gebracht, wo er sofort Asyl erhielt.

Perry berichtet, dass während seiner Zeit in den 1980er-Jahren hunderte Informanten akquiriert wurden. Sein Bericht liest sich sehr spannend! Perry, 1957 in Netivot geboren, beklagte schon früh die unzureichende israelische PR. Als er einmal den jungen Netanyahu darauf ansprach, antwortete der: «Das wird nichts helfen, sie [die Palästinenser] hassen uns sowieso.» Perry nannte das Verhalten bei sich: «Arrogant». Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Militärstaatsanwälte haben für jene fünf Reserve-Soldaten, die sich im Hausarrest befinden, eine Verlängerung des Arrests bis zum 5. September gefordert. Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, zumindest einen palästinensischen Gefangenen in der Militär-Haftanstalt Sde Teiman, gefoltert und sexuell missbraucht zu haben. Die Untersuchungen sollen bis zum Wochenende abgeschlossen und die Unterlagen am Wochenbeginn der Verteidigung übergeben werden. In den zwei Folgewochen kann die Verteidigung Anhörungen anberaumen, bevor Anklage durch den Staatsanwalt erhoben wird.

Nur 70 Haredim haben sich bisher bei den Rekrutierungs-Büros gemeldet, seit im vergangenen Monat etwa 3.000 Einberufungsbefehle verschickt worden waren. Gestern, am ersten Tag der Befragungen, haben nur sieben (!) junge Männer das Rekrutierungsverfahren in Tel HaShomer absolviert. Die IDF warnte, dass diejenigen, die wiederholt die Schreiben missachten, mit einer Verhaftung rechnen müssen. Alle, die sich gestern nicht in Tel HaShomer einfanden, werden erneut einberufen. Die Büros wurden den Bedürfnissen der haredischen Gesellschaft angepasst. So betreuen dort ausschliesslich männliche Soldaten die potenziellen Rekruten.

Die Obduktion der sterblichen Überreste der vor wenigen Tagen in Gaza aufgefundenen und geborgenen Geiseln hat ergeben, dass alle sechs Männer von Hamas-Terroristen ermordet wurden. In den Körpern der Ermordeten fanden sich jeweils mehrere Kugeln.

IDF-Truppen, die in Tel Sultan in Rafah operieren, haben in einem Gebäude nahe einer Schule ein umfangreiches Lager mit Waffen, Schutzwesten und Spionage-Dokumente aufgedeckt. Zusätzlich gelang es, eine Gruppe von bewaffneten Terroristen und von Terroristen genutzte private Gebäude zu identifizieren und auszuschalten, bzw. zu zerstören. Weiterhin gefunden wurden, wie auch nicht zum ersten Mal, Säcke mit der Aufschrift UNWRA, die als Verpackungsmaterial für Sprengstoff dienten, die für Anschläge auf die IDF bereitlagen.

Der Öltanker ‘MV Souinon’, der gestern von drei Geschossen der Houthi-Terroristen getroffen wurde und seither manövrierunfähig ist, konnte von der Besatzung offensichtlich nicht instand gesetzt werden. Die Mannschaft wurde bereits mit französischer Hilfe evakuiert und hat den Frachter aufgegeben. Er trieb einige Zeit, beladen mit 150.000 Tonnen Rohöl an Bord, steuerlos auf dem Roten Meer und stellte ein hohes Umweltrisiko dar. Mit der Souinon wurde bereits das dritte Schiff von ‘Delta Tankers’ innerhalb eines Monats angegriffen. Mittlerweile liegt das havarierte Schiff im Roten Meer vor Anker. Ein unbemannt im Roten Meer treibendes Boot, das offensichtlich in Flammen aufgegangen war, wurde von der  EU-Marine neutralisiert. 



Kategorien:Israel, Politik

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