19. Aw 5784


Leider musste die IDF erneut den Tod von zwei Soldaten bekannt geben. Sgt. Ori Ashkenazi Nechemya, 19, und Sgt. Frst Class Evyatar Atuar, 24, s’’l, verloren ihr Leben im Bodenkampf im südlichen Gazastreifen. Nechemya wurde Opfer einer auf ihn gerichteten Panzer-Abwehr-Rakete im Gebiet von Rafah, Atuar wurde Opfer einer Mine, die durch eine ferngesteuert ausgelöst wurde.
Kairo wird im Laufe des Tages Hamas-Führer Yahya Sinwar einen Vorschlag zur Lösung des Streitpunktes um den Philadelphi-Korridor vorlegen. Bei Gesprächen zwischen Israel und Ägypten seien massgebliche Erfolge erzielt worden. Wie diese allerdings aussehen, bleibt fraglich. Beide Seiten beharren auf ihrem Standpunkt und halten fest, dass jede Teillösung für sie indiskutabel ist. Während die Hamas auf einem völligen Abzug der IDF aus dem Gebiet beharrt, weigert sich Netanyahu, von seinem Standpunkt, dass die IDF nach wie vor im Gebiet aktiv ist, abzuweichen. Ein Gordischer Knoten, den wohl kaum jemand lösen kann.

VM Yoav Gallant unterstützt den Chef des Shin Bet, Ronen Bar, der sich gestern mit einem öffentlichen Brief auf Kanal 12 gegen den rechtsradikal-nationalistischen Ben-Gvir wandte. Dessen Verhalten, so Bar ‘gefährde die Sicherheit Israels und füge dem Staat einen unbeschreiblichen Schaden’ zu.
Der Brief wurde an Gallant, Netanyahu und andere Minister gesandt. Gallant doppelte auf seinem ‘X-Account’ nach: «Angesichts der unverantwortlichen Handlungen von Minister Ben Gvir, die die nationale Sicherheit des Staates Israel gefährden und eine innere Spaltung der Nation herbeiführen, nehmen der Leiter des Shin Bet und seine Leute ihre Pflichten wahr und warnen vor den schwerwiegenden Folgen dieser Handlungen.» Ben-Gvir verliess daraufhin wutschnaubend eine Kabinettssitzung. Nur wenig später schlug Ben-Gvir zurück: «Anstatt mich auf Twitter anzugreifen, greifen Sie die Hisbollah im Libanon an. Sie haben versprochen, den Libanon in die Steinzeit zurückzubringen, stattdessen bringen Sie den Norden Israels in die Steinzeit zurück.» Um die Aussage Gallants in den richtigen Kontext zu stellen: Er hatte bei seinem Besuch in Washington im Juni gesagt, Israel sei militärisch jederzeit in der Lage, den Libanon in die Steinzeit zurückzubringen. Jerusalem bevorzuge aber eine diplomatische Lösung.

Margalit Moses, 78, die nach einer fünf-wöchigen Geiselhaft am 23. November freigelassen wurde, hat eine Einladung für ein Treffen mit Netanyahu für den heutigen Tag abgelehnt. In einem öffentlichen Statement schrieb sie: «Danke für die Einladung. Ich werde nicht an einem Treffen teilnehmen, das nur für Fotos und PR-Zwecke anberaumt ist. Ich werde nicht teilnehmen, solange meine Freunde in den Tunnelanlagen in Gaza verschmachten. Ich habe sie in der Gefangenschaft mit eigenen Augen lebend gesehen, und jetzt, nachdem sie ein zweites Mal seit dem 7. Oktober aufgegeben wurden, bekommen wir sie in Särgen zurück. In Anbetracht der Berichte, dass ein weiterer Geisel-Friedens-Deal zur Freilassung der Entführten von Ihrer Seite vereitelt wurde, sehe ich keinen Grund, zu einem Treffen mit jemandem zu kommen, der durch seine Handlungen beweist, dass er nicht an die Freilassung der Geiseln denkt und sie ihrem Tod überlässt.» Sie werde ihn aber gerne beim Empfang für die noch in Gaza befindlichen Geiseln treffen. Kol HaKavod! Margalit Moses lässt sich nicht für PR-Zwecke missbrauchen.

Andere ehemalige Geiseln hatten weniger Bedenken und eilten zu ihrem Treffen mit Netanyahu. Nach dem Treffen betonten sie gegenüber Journalisten, dass Netanyahu versprochen habe, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die noch in Gaza befindlichen Geiseln zu befreien. Yelena Troufanov gibt sich hoffnungsfroh:

«Wir hatten ein langes Treffen mit dem Ministerpräsidenten. Wir haben ihm unseren ganzen Schmerz mitgeteilt, und ich hoffe, dass wir ein offenes Ohr gefunden haben. Benjamin Netanyahu sah mir in die Augen und sagte, er werde alles tun, um meinen einzigen Sohn und all unsere Lieben lebend nach Hause zu bringen. Ich verliess dieses Treffen mit etwas mehr Hoffnung als zu Beginn, und ich hoffe, dass mein Sohn und alle Geiseln bald nach Hause zurückkehren werden.»
Ich hoffe so sehr für sie, dass ihre Hoffnung erfüllt wird, dass Netanyahu für einmal die Wahrheit sagt! Und doch weiss ich, dass er schamlos lügt.

Auch Ella Ben Ami, deren Vater Ohad noch in Gaza ist, gibt sich hoffnungsvoll: «Wir baten den Premierminister, uns in die Augen zu sehen und zu versprechen, alles zu tun und, wenn es von ihm abhängt, nicht aufzugeben, bis sie lebend hierher zurückkehren. Wir haben von ihm ein Nicken und eine Bestätigung erhalten. Wir bitten den Premierminister, seine Zusage einzuhalten und sie nach Hause zu bringen.»
Präsident Isaac Herzog hat in einem Schreiben an Netanyahu angeboten, dass er eine staatliche Gedenkfeier anlässlich des Jahrestages des Massakers vom 7. Oktober in seiner Residenz abhalten kann. Er möchte damit «Die Flammen der Kontroverse dämpfen und unnötige Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft vermeiden.» Transportministerin Miri Regev beharrt darauf, dass ihr die Aufgabe übertragen wurde und sie sie in respektvoller Weise durchführen wird. Die meisten Kibbutzim und Orte, die von den Massakern am schlimmsten getroffen wurden, haben bereits mitgeteilt, dass sie an dieser Zeremonie nicht teilnehmen werden und eine eigene Veranstaltung planen. Regev hatte zuletzt durch provokante Wortwahl den Unmut der Betroffenen geweckt. Herzog schlägt vor, die Zeremonie werde «respektvoll, verbindend und bescheiden und natürlich ohne politischen Schnickschnack sein», schreibt Herzog. «Die Zeremonie wird, wie üblich, staatliche Symbole beinhalten, darunter das Senken der Flagge auf Halbmast und das Sprechen des Kaddischs.» Herzog fährt fort: «Ich möchte Sie bitten, diesen Vorschlag mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu prüfen», schreibt Herzog und bittet Netanyahu, ihn dem zuständigen Ministerausschuss zur Diskussion vorzulegen.
«Die Israelis blicken auf ihre Vertreter und erwarten, dass die kommenden Tage des Gedenkens eine Quelle des Trostes, der Heilung, der Einheit, des Wachstums, des Glaubens, des Wiederaufbaus und der Hoffnung sein werden und nicht, Gott bewahre, Tage der Spaltung, der Polarisierung und des Fraktionszwangs.» Weise Worte vom Präsidenten, der die PR-gierigen Politiker der Regierung nur zu gut kennt.
Es ist der fünfte Tag in Folge, an dem die IDF in einem nicht mehr als Schule genutzten Gelände Kommandoräume der palästinensischen Terror-Organisation Hamas findet und zerstört. Die ‘Ali Bin Talib’- Schule in Gaza wurde als Waffenlager und Kommandozentrale der Hamas genutzt. Von dort aus wurden auch immer wieder Angriffe auf IDF-Soldaten durchgeführt.

Im Laufe des Vormittags wurden mehrere Raketensalven aus dem südlichen Libanon auf die Region Malkia abgeschossen. Der gleichnamige Kibbutz wurde zu Beginn der Angriffe der Hisbollah evakuiert. Schäden wurden nicht gemeldet.
Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für den direkten Angriff der IDF-Militärbasis auf dem Mt. Meron. Diese Basis ist seit dem 8. Oktober immer wieder angegriffen worden. Heute wurden drei Raketen auf die Basis geschossen, eine davon wurde abgeschossen und ausgeschaltet. Zwei Panzer-Abwehr-Raketen trafen die Militärbasis direkt. Zwei Soldaten wurden dabei verletzt. Die Funktionsfähigkeit der Anlage sei laut Angabe der IDF nicht gestört.

Die IDF beschoss heute mit einer Drohne ein Haus und einen davor geparkten PKW. Libanesische Medien berichten, dass bei dem Angriff mindestens zwei Personen verletzt wurden. Kurz darauf meldeten sie, dass nach einem weiteren Drohnen-Angriff drei Hisbollah-Mitglieder getötet wurden. Weitere Einzelheiten zu beiden Vorfällen wurden noch nicht bekannt gegeben.
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