28. Aw 5784

Erneut musste die IDF den Tod eines Soldaten bekannt geben. Staff Sgt. Elkana Navon, 20, s’’l, verlor sein Leben gestern Vormittag bei Bodenkämpfen im Flüchtlingslager von Jenin. Drei Soldaten wurden beim gleichen Vorfall verletzt, einer schwebt noch in Lebensgefahr.

Ein schrecklicher Tag für Israel! Gestern Nachmittag wurden die sterblichen Überreste von sechs Geiseln aus einem Tunnel in Rafah geborgen und nach Israel zurückgebracht. Bei den Verstorbenen handelt es sich Hersh Goldberg-Polin, 23, Eden Yerushalmi, 24, Ori Danino, 25, Alex Lubnov, 32, Carmel Gat, 40 und Almog Sarusi, 23, s’’l. Carmel Gat wurde vom Kibbutz Be’eri verschleppt, die anderen waren Besucher des Musik-Festivals in Re’im.
Die Autopsie ergab Zeichen von deutlicher Vernachlässigung der Geiseln über einen langen Zeitraum. Die wurden etwa zwei Tage vor dem Auffinden grausam ermordet.
Die IDF hatte keine Hinweise auf den genauen Aufenthaltsort der Geiseln, sondern nur grobe Hinweise. Daher operierten sie mit ganz besonderer Vorsicht im fraglichen Gebiet.
Im Untergrund gab es keine Zusammenstösse mit der Hamas, wohl aber im Gebiet rund um den Tunneleinstieg.
Hersh Goldberg-Polin war israelisch-amerikanischer Doppelbürger.US-Präsident Joe Biden zeigte sich am Boden zerstört über den Tod der Geiseln, insbesondere von Hersh. «Es ist ebenso tragisch wie verwerflich. Machen Sie keinen Fehler, die Hamas-Führer werden für diese Verbrechen bezahlen. Und wir werden uns weiterhin rund um die Uhr für eine Einigung einsetzen, um die Freilassung der verbleibenden Geiseln zu erreichen», sagte er.
US-Vizepräsidentin Kamala Harris meldete sich ebenfalls zu Wort: «Die Gebete von Doug und mir sind bei Jon Polin und Rachel Goldberg-Polin, den Eltern von Hersh, und bei allen, die Hersh kannten und liebten. Als ich mich Anfang des Jahres mit Jon und Rachel traf, sagte ich ihnen: Ihr seid nicht allein. Das bleibt wahr, während sie diesen schrecklichen Verlust betrauern», sagte sie. «Die Hamas ist eine böse terroristische Organisation. Mit diesen Morden hat die Hamas noch mehr amerikanisches Blut an ihren Händen.»
Die Familie gab nur ein kurzes Statement ab, um ihre Privatsphäre zu respektieren.
Auch israelische Politiker, allen voran Präsident Isaac Herzog, meldeten sich kurz nach Bekanntwerden der Namen.
«Das Herz der gesamten Nation ist zerschmettert. Im Namen des gesamten Staates werde ich die Namen der Opfer in meinem Herzen bewahren. Ich bitte um Ihre Vergebung. Vergebung dafür, dass wir nicht in der Lage waren, Ihre Liebsten sicher nach Hause zu holen.»
VM Yoav Gallant schrieb: «In diesen schwierigen und schmerzvollen Zeiten sind meine Gedanken und mein Herz bei den Familien der Geiseln, die ermordet wurden.»
Stunden nach der Bekanntgabe der Namen meldete sich auch Netanyahu mit einer wohlformulierten Videobotschaft zu Wort: «Dies ist ein schwieriger Tag. Das Herz des ganzen Volkes ist zerrissen. Zusammen mit allen Bürgern Israels war ich zutiefst schockiert über den schrecklichen kaltblütigen Mord an sechs unserer Geiseln.
Ich bedanke mich bei den Kämpfern der IDF und des Sicherheitsdienstes Shin Bet, die ihr Leben für die Rückkehr unserer Söhne und Töchter riskieren. Zusammen mit dem ganzen Volk teilen meine Frau und ich die schreckliche Trauer der Familien; wir alle trauern mit ihnen.» Anschliessend erklärte er ausführlich, warum es bisher noch zu keinem Abkommen gekommen sei, und gab der Hamas die Alleinschuld daran.
Später sprach er mit den Eltern von Alexander Lubnow, nicht ohne zu betonen, dass sein Militärsekretär, Roman Gofman, gerade erst aus Moskau zurückgekehrt sei, wo er sich um die Freilassung der Geiseln bemüht hat. Welch Hohn. Statt endlich das Papier zu unterschreiben, das die Bedingungen der Hamas erfüllt und damit tatsächlich einen Versuch darstellt, die Geiseln zu befreien, schickt er einen Verhandler nach Moskau, der sicher nichts erreichen konnte! «Ich möchte Ihnen sagen, wie leid es mir tut, und ich bitte Sie um Verzeihung, dass es mir nicht gelungen ist, Sasha lebend nach Hause zu bringen.» Zwei nicht genannte Familien wiesen den Anruf des PM ab.
Diplomaten von mehr als 30 Staaten nahmen an einer Gedenkfeier für die ermordeten Geiseln im Hauptquartier des‘Hostages and Missing Families Forum’ in Tel Aviv teil. Unter ihnen waren Vertreter von Grossbritannien, Deutschland, Österreich, USA und Indien.



Das ‘Hostages and Missing Families Forum’ kündigte heute Vormittag grössere Proteste an. Am Nachmittag soll zeitgleich mit der wöchentlichen Kabinettssitzung eine Demonstration in Jerusalem stattfinden. Am Abend findet ab 19 Uhr vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv eine Grossdemonstration statt. «Wenn es die Saboteure, die Ausreden und die Verdrehungen nicht gäbe, wären die Geiseln, von deren Tod wir heute Morgen erfahren haben, wahrscheinlich noch am Leben. Netanyahu: Genug mit den Ausreden. Genug mit den Verdrehungen. Genug mit der Vernachlässigung. Es ist an der Zeit, unsere Geiseln nach Hause zu bringen – die Lebenden zur Rehabilitation und die Gefallenen und Ermordeten zur Beerdigung in ihrem Land.» Die Organisation verlangt, dass ein Generalstreik in Israel ausgerufen wird.

Der Vorsitzende der grössten Gewerkschaft in Israel, Histadrut, Arnon Bar-David, wird sich um 16 Uhr mit Familienangehörigen von Geiseln treffen. Möglicherweise werden bei dem Treffen Details zu einem Generalstreik besprochen.
Morgen früh um 6 Uhr wird ein zunächst eintägiger Generalstreik nahezu ganz Israel zum Stillstand bringen. Weitere Massnahmen werden morgen besprochen. Bar-David betonte, dass ein Deal wichtiger als alles andere ist. «Ich bin sicher, dass es nur aus politischen Erwägungen noch keinen Deal gibt. Wir sind derzeit kein geeintes Volk. Wir müssen den Staat Israel wieder zurückbringen.»
Schulen und Universitäten haben sich ebenfalls dem Streik angeschlossen und beenden grossteils den Unterricht um 11:45.
Am Flughafen Ben Gurion wird jeder Flugverkehr ab 8 Uhr eingestellt.
Oppositionsführer Yair Lapid ruft ebenfalls zu einem Generalstreik auf. Gleichzeitig forderte er eine Sondersitzung der Knesset, um über die Möglichkeiten für einen Geisel-Deal zu diskutieren. Das Land, so sagte er, drohe zu kollabieren und es dürfe so nicht weitergehen. «Sie waren am Leben. Netanyahu und das Todeskabinett haben beschlossen, sie nicht zu retten. Es gibt immer noch lebende Geiseln, es kann immer noch ein Deal gemacht werden. Netanyahu tut das nicht aus politischen Gründen», behauptet Lapid und unterstellt dem Ministerpräsidenten, dass er ‚den Erhalt der Koalition mit den rechtsextremen Ministern Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir über das Leben unserer Kinder‘ stelle.
«Ich rufe alle Bürger, deren Herz heute Morgen gebrochen ist, auf, um sieben Uhr abends zur Begin-Strasse in Tel Aviv zu kommen und mit uns zu demonstrieren.»
Um eine solche Sondersitzung während der Sommerpause und die Teilnahme Netanyahus daran zu erzwingen, bedarf es 40 Unterschriften. Ich hoffe, dass die innerhalb von wenigen Minuten vorliegen!
Die Bekanntgabe des Todes der sechs Geiseln kommt nur wenige Tage, nachdem es im Sicherheitskabinett eine hitzige Auseinandersetzung gegeben hatte. Netanyahu hatte gegen Ende der Sitzung Gallant bestätigt, dass für ihn die permanente Präsenz der IDF im Philadelphi-Korridor wichtiger sei als die Rettung der Geiseln. Das ist natürlich eine unglaubliche Aussage, die einmal mehr beweist, dass Netanyahu nicht mehr im Vollbesitz der geistigen Kräfte ist, die man von einem PM erwarten muss. «Sie haben sich entschieden, im Philadelphi-Korridor zu bleiben. Ist das für Sie logisch? Es gibt dort lebende Geiseln!» rief Gallant aus. Der Minister für strategische Angelegenheiten, ein treuer Gefolgsmann des PM, Ron Dermer, bestätigte darauf: «Der Premierminister kann tun, was er will», worauf Gallant zurückbellte: «Der Premierminister kann in der Tat alle Entscheidungen treffen, und er kann auch entscheiden, alle Geiseln zu töten.»
Generalstabschef Herzi Halevi und der Chef des Mossad, David Barnea, äusserten sich ebenfalls besorgt über die Haltung des PM. Sie gaben aber an, dass das Verteidigungsministerium keine Probleme mit einem temporären Rückzug während der ersten Phase des Waffenstillstands hat.
Der rechtsextreme Ben-Gvir, der an der Abstimmung im Sicherheitskabinetts nicht teilgenommen hat, äusserte heute Kritik an der Regierung. «Leider sehe ich die beunruhigenden Äusserungen der Linken, die die israelische Regierung des Mordes an den Geiseln beschuldigen. Um es klar zu sagen: Die Terrororganisation Hamas, und nur die Hamas, hat die Geiseln getötet. Diejenigen, die die Schuld auf die israelische Regierung schieben, geben die Propaganda der Hamas wieder. Diejenigen, die die Freilassung von Tausenden von Terroristen fordern und der Hamas die Kontrolle über den Philadelphi-Korridor überlassen, lassen die Sicherheit der israelischen Bürger vorsätzlich im Stich. Das Blut der nächsten Ermordeten wird an ihren Händen kleben.» Er bekräftigt nochmals, wie wichtig es ist, ein Gesetz über die Anwendung der Todesstrafe bei palästinensischen Terroristen ist, und fordert weiteren Siedlungsbau in Judäa und Samaria: «Man darf dem Terrorismus nicht tatenlos zusehen. Jede Kapitulation bringt mehr Terror. Wir haben ein Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen vorgelegt, und der Premierminister verzögert es. Ich werde dafür kämpfen, es ist an der Zeit, das Gesetz zu verabschieden», sagt er – und fügt hinzu, dass der Preis für die Tötung von Geiseln in Gaza ‚die Besetzung weiterer Gebiete und die Errichtung jüdischer Siedlungen in Gaza‘ sein sollte.
Angesichts des Terror-Anschlags von heute Vormittag, bei dem drei Polizisten ihr Leben verloren, warnt der ebenfalls rechtsextreme Smotrich, dass es jederzeit zu einem Massaker wie dem vom 7. Oktober in Judaä und Samaria kommen kann.

Die Namen der getöteten Polizisten lauten: Chief Inspector Arik Ben Eliyahu, 37, First Sgt. Roni Shakurin, 61, und Sgt. Maj. Hadas Brentz, 53, s’’l.
Smotrich fordert deshalb jetzt Präventivschläge, um solchen Massakern zuvorzukommen. Bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz vor Ort betonte Ben-Gvir, dass «das Recht der Israelis auf Leben Vorrang vor der Bewegungsfreiheit der Bewohner der Palästinensischen Autonomiebehörde hat. Ich werde von denjenigen, die für die Einrichtung von Kontrollpunkten in Judäa und Samaria verantwortlich sind, verlangen, dass die Bewegungsfreiheit nicht mehr berücksichtigt wird.»

Erneut kam es zu einem aggressiven Akt gegen eine Demonstrantin in Tel Aviv. Natalie Zangauker, Schwester von Matan Zangauker, der immer noch in Gaza festgehalten wird, wurde von einem berittenen Polizisten direkt attackiert. Dieser zwang sein Pferd in die Menge hineinzureiten. Dabei wurde Natalie am Rücken verletzt, zu Boden geworfen und vom Huf des Pferdes am Kopf getroffen. Der Vorfall ist auf einem Video festgehalten. Die junge Frau wurde in Ichilov Krankenhaus eingewiesen. Das ‘Department for Internal Police Investigations (DIPI)’ hat eine Untersuchung vorgenommen.


Während Netanyahu seinen geplanten Besuch einer Grundschule am heutigen ersten Tag des neuen Schuljahrs abgesagt hat, besucht VM Yoav Gallant die Grundschule im Drusendorf Majdal Shams. 12 Kinder des Ortes waren durch direkten Beschuss durch die Hisbollah im Juli zu Tode gekommen. Gallant sprach mit den Lehrern und Schülern der Schule, die alle die Opfer des grausamen Angriffs persönlich kannten. «Dies ist der Ort, der am härtesten getroffen wurde, und es ist der Ort, an den wir die Botschaft senden, dass das Leiden und der Schmerz nicht umsonst sind. Wir werden die Hisbollah zerstören, sodass im Norden Israels wieder Frieden einkehren kann.»

Bereits seit dem späten Nachmittag versammeln sich Zehntausende Demonstranten im ganzen Land, um für ein Geiselabkommen zu demonstrieren. Man erwartet, dass heute und morgen die grössten Demonstrationen seit Beginn des Gaza-Krieges stattfinden werden. Der Ayalon ist streckenweise schon blockiert. Strassensperren gibt es auch an wichtigen Knotenpunkten in anderen Städten.
Kategorien:Israel
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