01. Elul 5784

Dutzende Familienangehörige protestierten vor dem Likud Hauptquartier in Tel Aviv. Sie führten ein grosses Banner mit sich, auf dem steht: «Das Todeskabinett tötet die Geiseln. Wir alle verlangen, dass sie lebend heimkommen!» In der zweiten Reihe wurden grosse Bilder der tot aufgefundenen Geiseln hochgehalten, die kurz bevor die IDF sie fand, von der Hamas grausam ermordet wurden.
Das ägyptische Aussenministerium weist die Äusserungen von Netanyahu zurück, die den Philadelphi-Korridor betreffen. Der hatte festgestellt, dass Israel bis auf Weiteres die Kontrolle über den Philadelphi-Korridor behalten werde. «Kairo weist die Äusserungen des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu zurück und macht ihn für die zunehmenden Spannungen in der Region verantwortlich.» Kairo weist ebenfalls die Vorwürfe zurück, dass sie der Hamas erlaubt hätten, Waffen über den Sinai nach Gaza zu schmuggeln. Darüber hinaus bezichtigen sie Netanyahu, Ägypten zu diskreditieren, um die israelische Öffentlichkeit von der zunehmenden Kritik an seinem Vorgehen während des Krieges gegen die Hamas abzulenken.

Einen Tag, nachdem Netanyahu seine Argumente für einen Verbleib der IDF im Philadelphi-Korridor wieder einmal dargelegt hatte, meldete sich der Chef der Partei ‘Nationale Einheit’, Benny Gantz, zu Wort. Er forderte Israel auf, alles zu tun, um die Geiseln nach Hause zu bringen, selbst wenn dies einen Rückzug aus strategisch wichtigem Gebiet bedeute. Israel könne jederzeit in das Gebiet zurückkehren, wenn dies nötig wäre, sobald die Geiseln daheim sind. «Der Ministerpräsident hat der Öffentlichkeit nicht in die Augen geschaut und die Wahrheit gesagt. Er wird die Geiseln nicht nach Hause bringen, er wird den Süden nicht wirklich schützen, er wird die Bewohner des Nordens nicht in ihre Häuser zurückbringen, er wird den Iran nicht daran hindern, eine Atomwaffe zu bekommen.» Netanyahu hatte wiederholt, zuletzt vorgestern, betont, dass Israel sich nicht aus dem Philadelphi-Korridor zurückziehen wird und dies immer wieder als nicht zu verhandelnde Bedingung bezeichnet. Das gelte, so hatte Netanyahu betont, auch für die Zeit nach der ersten Phase eines Waffenstillstands. «Wenn er nicht stark genug ist, dem internationalen Druck gegen eine zukünftige Rückkehr in den Grenzstreifen standzuhalten – dann soll er die Schlüssel niederlegen und nach Hause gehen. Netanyahu kann nicht behaupten, er sei stark und zäh genug, um jetzt dort zu bleiben, aber nicht stark und zäh genug, um später dorthin zurückzukehren. Die Rückeroberung des Korridors wird eine schwere Operation für die israelischen Streitkräfte sein, ist aber keine existenzielle Bedrohung für den Staat Israel, wie es Netanyahu behauptet.»
Auch Gadi Eisenkot meldete sich zu Wort und zeigte sich besorgt über die zunehmende Delegitimierung von VM Yoav Gallant und IDF-Offizieren. Ansonsten schloss er sich den Bedenken von Benny Gantz an, fügte aber noch hinzu, dass sich Netanyahu zu wenig um die Bedrohung durch den Iran kümmere.

Als Reaktion auf die gegen ihn geäusserte Kritik durch Benny Gantz und Gadi Eisenkot erklärte das Büro des PM, sie sollen sich aus diesen Themen und überhaupt zurückhalten. «Wer nicht zum Sieg und zur Rückkehr unserer Geiseln beiträgt, sollte uns am besten nicht in die Quere kommen.» Wenn in diesem makabren politischen Theater jemand die Freilassung der Geiseln aufgrund eigener politischer Interessen verhindert, dann Netanyahu! Heute Abend wird Netanyahu eine zweite Pressekonferenz, diesmal in Englisch, zum Thema Philadelphi-Korridor geben.

Der rechtsextreme Ben-Gvir, dessen Portfolio die Bezeichnung ‘Nationale Sicherheit’ trägt, hat das Aufgabengebiet eigenmächtig erweitert. «Ich arbeite daran, Verhandlungen mit der Hamas zu beenden. Wir können nicht mit den Mördern verhandeln, die kaltblütig sechs Geiseln ermordet. Wir müssen die Gespräche beenden, aufhören, sie mit Treibstoff und Strom zu versorgen. Wir müssen sie in die Enge treiben, bis sie zusammenbrechen. Ständige Gespräche spornen sie nur an, immer mehr Terror auszuüben, auch in Judäa und Samaria.»
Während der Nacht hat die IDF eine Drohne zerstört, die offensichtlich aus dem Irak auf Israel abgeschossen worden war. Die Drohne wurde abgeschossen, bevor sie den israelischen Luftraum erreichte. Die vom Iran gestützte Terror-Organisation ‘Islamic Resistance in Iraq’ übernahm die Verantwortung für die auf Haifa gerichtete Drohne. Zeitgleich zerstörte ein Kampfjet der IAF eine Raketenabschussbasis im südlibanesischen Ort Zibqin und Gebäude in Khiam und Ayta Ash-Shab.

Bei den fortgesetzten Operationen in Judäa und Samaria hat die IDF eine Produktionsstätte für Bomben aufgespürt und zerstört und einige unter dem Strassenbelag platzierten Sprengstofffallen eliminiert. Eine Bombe war einsatzbereit in einem Kinderwagen positioniert und konnte dort unschädlich gemacht werden.

In der Region um Tel Sultan in Rafah wurden in den vergangenen Tagen mehr als 200 Terroristen von der IDF eliminiert. Dazu wurden Dutzende Waffenlager in Häusern aufgefunden, die von der palästinensischen Terror-Organisation Hamas beschlagnahmt worden waren. Mehr als zehn Raketenabschussrampen für Langstrecken-Raketen wurden ebenfalls zerstört.



Mehr als 65 Raketen wurden während der Mittagszeit vom südlichen Libanon auf Israel abgeschossen. Die meisten konnten abgefangen werden, einige schlugen in offenem Feld ein. Einige Raketen schlugen aber auch in der weitgehend evakuierten Stadt Kiryat Shmona ein, wo sie grossen Schaden anrichteten. In der Stadt und auch ausserhalb brachen Feuer aus, die derzeit von den Feuerwehren gelöscht werden.
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