20. Elul 5784

Das Büro des PM erklärte gestern Abend, dass eine Delegation von 20 Familienangehörigen von immer noch in Gaza festgehaltenen Geiseln zur UN-Generalversammlung abgereist sei. Die Zusammenstellung der Gruppe wurde in Absprache mit den IDF, dem Verteidigungsministerium und dem Aussenministerium erstellt. Es sind Treffen mit den Präsidenten von Tschechien und Bulgarien, sowie mit dem UN-Generalsekretär, Vertretern der WHO und den Aussenministern von Serbien und Schweden geplant. Eine weitere Gruppe wird Netanyahu auf seinem Flug begleiten und mit ihm in der UNO auftreten. Der Flug ist nach mehreren Änderungen nun für übermorgen, Mittwoch, geplant.

VM Yoav Gallant betonte anlässlich einer Sitzung mit dem ‘Home Front Command’, dass der Erfolg der IDF in dieser neuen Phase auch vom Verhalten der israelischen Bevölkerung abhängt. «Wir verstärken unsere Angriffe im Libanon, die Abfolge der Operationen geht weiter und wird so lange fortgesetzt, bis wir unser Ziel erreicht haben, die Bewohner des Nordens sicher in ihre Häuser zurückzubringen», sagte er und fuhr fort: «Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg wird davon abhängen, ob die Bürger die geschützten Räume und andere Bereiche gemäss den Anweisungen, die wir ihnen gegeben haben, betreten. Das rettet Leben.»

Nachdem Netanyahu gestern vollmundig erklärte, dass von den Geiseln etwa 50 noch am Leben seien, meldete sich heute erneut die Mutter von Matan Zangauker, Einav, zu Wort. Gegenüber dem Armeeradio bedauerte sie, dass die Zahl höchsten bei 30 bis 35 liege. «Der Premierminister lügt», sagt Zangauker. Sie sagt, dass alle Familien Informationen über den Status ihrer Angehörigen erhalten, einschliesslich Lebenszeichen. Auf der Grundlage dieser Informationen, sagt sie, «gibt es meiner Meinung nach nicht mehr als 30 bis 35 Geiseln, die noch am Leben sind.» Zangauker zeigt sich sowohl wegen der wahrscheinlichen Eskalation im Norden, aber auch wegen der bevorstehenden US-Wahlen sehr pessimistisch. Sie glaubt, dass die USA, die sehr um den Abschluss der Verhandlungen bemüht waren, diese derzeit weitgehend aufgegeben haben. Sie wirft Netanyahu vor, durch seine Entscheidungen Matan ermordet zu haben und seine politische Zukunft über die Zukunft der Geiseln zu stellen. Vor einigen Monaten habe es eine klare Chance für eine Einigung gegeben. Aber «er hat sich für die Eskalation entschieden.»

Der Arabisch sprechende Sprecher der IDF, Avichay Adraee, warnt die Bevölkerung des Libanon, dass Häuser, in denen die Hisbollah Waffen versteckt, in Kürze zerstört werden. Die Zivilisten wurden intensiv aufgefordert, sich sofort von solchen Orten zu entfernen. Die IDF hat Textnachrichten an die Bewohner geschickt und sie von einer libanesischen Telefonnummer aus angerufen. Darin heisst es, die minimal sichere Entfernung betrage 1.000 m. Die Warnung gilt für den gesamten südlichen Libanon. Die UNIFIL, deren Blauhelme im südlichen Libanon stationiert sind, wurden aufgefordert, sich zu einem halbwegs sicheren Gebiet nördlich des ‘Litani Flusses’ zu begeben. Der Litani Fluss wurde in der UNO-Resolution 1701 vom 11. August 2006 als die Grenze festgesetzt, hinter die sich die Hisbollah dauernd zurückziehen müsse. Die Resolution wurde von der Hisbollah nie umgesetzt. Vor einer Stunde, am frühen Nachmittag, ergänzte IDF-Sprecher Daniel Hagari, die Bewohner des Beqa’a Tales hätten zwei Stunden Zeit, Gebäude zu verlassen und sich von Gebäuden zu entfernen, in denen Waffen der Hisbollah gelagert werden. Die IDF werde, so erklärte er, jedes Gebäude angreifen, in dem Waffen vermutet werden. Die zwischenzeitlich erfolgten Angriffe zeigen Sekundär-Explosionen nach dem eigentlichen Angriff. Das beweist, dass in dem angegriffenen Gebäude Waffen gelagert waren.
Hisbollah Mitglieder haben unmittelbar nach der Warnung durch die IDF eine Tür-zu-Tür-Warnung vorgenommen. Das berichtete ein Leser der Zeitung ‘L’Orient le Jour’.


Besonders das Langstrecken Arsenal der Hisbollah im Beka’a Tal ist derzeit Ziel der israelischen Angriffe. Der erfahrene Nahost-Analyst Ehud Ya’ari berichtete auf Kanal 12: «Die Luftwaffe wird nicht in der Lage sein, jede Rakete zu zerstören», sagt er, aber das Ziel sei es, diese Bedrohung weitgehend zu neutralisieren. Er berichtet weiterhin, dass Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in eine Zwickmühle kommt, ob er die Angriffe auf Israel fortführen soll oder nicht. Er weiss, «dass die israelische Antwort auf einen Beschuss von Tel Aviv sein wird, Beirut und sicherlich das Viertel Dahieh – die Hochburg der Hisbollah – ins Visier zu nehmen.»
Das libanesische Gesundheitsministerium gab am Mittag die Opfer-Zahlen nach den heutigen israelischen Luftangriffen bekannt. So wurden 274 Personen dabei getötet und 1024 verletzt. Es ist wichtig dabei festzuhalten, dass bei den Zahlen kein Unterschied zwischen zivilen Opfern und eliminierten Terroristen gemacht wird.


Nachdem es in Beirut und anderen Städten zu einer panikartigen Massenflucht kommt, haben die Zivilverwaltungen damit begonnen, Schulen als Auffanglager für Binnenflüchtlinge zu öffnen. Die sozialen Medien zeigen BiIder und Videos von langen Staus auf den Ausfallstrassen der grösseren Städte in den Norden.
Währenddessen betonte Netanyahu nach einem Treffen mit VM Yoav Gallant, dem Generalstabschef Herz Halevi und anderen ranghohen Offizieren im Militärhauptquartier in Tel Aviv: «Wer auch immer versucht, uns zu schaden, dem schaden wir noch mehr. Ich habe versprochen, dass wir das Sicherheitsgleichgewicht, das Kräfteverhältnis im Norden, verändern würden. Genau das tun wir. Wir zerstören Tausende von Raketen und Raketen, die auf israelische Städte und israelische Bürger gerichtet sind.» Nach den israelischen Krankenhäusern im Norden des Landes haben jetzt auch die libanesischen Spitäler auf ‘Notfallmodus’ umgeschaltet.



Die libanesische Informationsminister Ziad Makary forderte seine Landsleute auf, die Warnungen zu ignorieren, und wies darauf hin, dass sein Büro in Beirut eine aufgezeichnete Nachricht erhalten habe, in der die Menschen aufgefordert wurden, das Gebäude zu verlassen. «Dies geschieht im Rahmen des psychologischen Krieges, den der Feind führt», sagte Makary und forderte die Menschen auf, «der Angelegenheit nicht mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als sie verdient». Hoffentlich glaubt ihm keiner diese offensichtliche Lüge, vor allem angesichts der dichten Rauchsäulen, die überall im Süden des Landes aufsteigen.


Dudi Yitzhaki, dessen Haus heute in Givat Avni einen Volltreffer durch eine Rakete aus dem Libanon erhielt, kann sein Glück noch nicht fassen. «30 Sekunden und 3 cm haben heute unser Leben gerettet.» Als der Alarm ausgelöst wurde, seien sie sofort in den Schutzraum des Hauses gerannt und hätten die Türe vorschriftsmässig geschlossen. Kurz darauf erfolgte eine unglaubliche Explosion, die zeigte, dass der Einschlag der Rakete unmittelbar in der Nähe des Schutzraums erfolgte. Seine Bitte an alle, ist, die Türen immer vorschriftsmässig zu verschliessen, das hätte ihnen das Leben gerettet!
Am späten Nachmittag kam es erneut zu einem Beschuss durch die Hisbollah auf den Norden Israels. Abgeschossen wurden 35 Raketen in drei Wellen. Fünf Raketen flogen in Richtung Haifa und Carmel Gebirge, fünf in Richtung oberer Galil. Knapp 20 Minuten später erfolgte die dritte Welle mit 25 Raketen auf das Gebiet des unteren Galil. Es wurden keine Sachschäden und keine Verletzten gemeldet. Eine vierte Welle wurde eine Stunde später auf den unteren Galil im Bereich der Golani Kreuzung und erneut auf das Carmel Gebirge abgeschossen.
Nach einem ersten Beschuss mit zwei Langstrecken-Raketen seit dem 8. Oktober wurde der Alarm in verschiedenen Gebieten Samarias ausgelöst. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Amos Biderman beschreibt die Wankelmütigkeit von Netanyahu und Sa’ar sehr treffend. Bitte drauf achten: statt der seit Monaten obligatorischen Schutzweste trägt er jetzt Freizeitkleidung, er ist in Gedanken schon in New York!

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