Krieg in Israel – Tag 354

21. Elul 5784

Netanyahu hat seinen Flug nach New York, wo er am Freitagvormittag seine jährliche Rede vor der Generalversammlung der UNO halten wird, noch einmal verschoben. Der neue Termin für den Abflug ist jetzt Mittwoch am späten Abend.

Aufgrund der anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah hat Frankreich einen Antrag gestellt, dass der UNO-Sicherheitsrat zeitnah eine Dringlichkeitssitzung einberufen muss.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres nutzte seinen Auftritt bei der Eröffnung der UN-Generalversammlung wieder einmal zur Verurteilung von Israel. «Nichts kann die abscheulichen Terrorakte rechtfertigen, die die Hamas am 7. Oktober begangen hat, oder die Geiselnahme, die ich beide wiederholt verurteilt habe. Und nichts kann die kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes rechtfertigen.» Dieser indirekte Vorwurf Richtung Israel wurde vom Plenum mit anhaltendem Applaus kommentiert. Guterres sagt, dass «die Geschwindigkeit und das Ausmass der Zerstörung und des Tötens in Gaza beispiellos in meiner Zeit als Generalsekretär sind.» Immerhin hält er fest, dass «die internationale Gemeinschaft sich für einen sofortigen Waffenstillstand, die sofortige und bedingungslose Freilassung der Geiseln und den Beginn eines unumkehrbaren Prozesses in Richtung einer Zweistaatenlösung einsetzen muss.»

UN-Botschafter Danny Danon, kol hakavod, ist einer der besten UNO-Botschafter, die wir haben, kritisiert die Reaktion der Versammlung auf Guterres‘ Rede: «Wenn der UN-Generalsekretär über die Freilassung unserer Geiseln spricht, schweigt die UN-Versammlung», sagt er, «aber wenn er über das Leid in Gaza spricht, erhält er tosenden Applaus. Das ist das Startsignal für die jährliche Heuchelei-Show.»

Immer noch sind die Strassen von Beirut aus in den Norden des Libanon hoffnungslos verstopft. Nachdem bei den gestrigen Angriffen der IDF auf Gebäude, in denen Raketen, Drohnen und andere Waffen gelagert waren, mindestens 558 Personen ums Leben kamen und mehr als 1.833 verletzt wurden, hält der Exodus aus dem Süden des Libanon weiter an. Bei den Zahlen wird nicht zwischen Zivilisten und Terroristen unterschieden und können nicht bestätigt werden.

Allein bis 10 Uhr heute Vormittag schoss die Hisbollah mehr als 90 Raketen in Richtung Israel ab.

Gegen 7:43 flog eine Salve von etwa 10 Raketen in die Region um Haifa. Die meisten Raketen konnten abgefangen werden. Eine Frau wurde von einem herabstürzenden Schrapnell leicht verletzt.

Um 09:36 wurden 5 Raketen Richtung der Jezreel Ebene abgeschossen. Sie wurden entweder abgefangen oder stürzten auf offenes Gelände, ohne Schaden anzurichten. Um 09:42 kam die nächste Salve mit etwa 50 Raketen Richtung Kiryat Shmona. Einige konnten abgefangen werden, andere richteten Sachschaden an und lösten erneut einen Brand aus. Mindestens ein Haus erlitt einen Volltreffer.

Zwei Raketen wurden am frühen Morgen Richtung Nahariya geschossen, 20 weitere flogen über Nacht in Richtung Jezreel Ebene. Eine Rakete schlug auf einer stark befahrenen vier-spurigen Hauptstrasse bei Kabul zwischen Haifa und Akko ein, die daraufhin für den gesamten Verkehr gesperrt wurde.

Zuvor war bereits dreimal gegen 04:00 das für private Zwecke genutzte Megiddo Flugfeld angegriffen worden, welches nur wenige Kilometer süd-östlich von der IAF-Basis ‘Ramat David’ liegt.

Ziele des Beschusses waren entsprechen einer Veröffentlichung der Hisbollah auf ihrem bevorzugten Social-Media-Account ‘Telegram’ die Amos Militärbasis, westlich von Afula, die Sprengstofffabrik unmittelbar neben Zichron Ya’acov und das Megiddo Flugfeld im Jezreel Tal.

Das ‘Home Front Command’ hat neue Regelungen für weitere Gebiete angeordnet. So bleiben die Schulen in den Regionen um Megiddo, Daliyat al-Karmel und Isfiya bis auf Weiteres geschlossen und müssen auf online-Unterricht umsteigen.

Fast in jedem der Häuser dieses Dorfes sind Raketen. (rot) versteckt!

Libanesischen Berichten zufolge ging auch heute Vormittag der Beschuss durch die IAF gegen Ziele der Hisbollah weiter. Der Beschuss richtete sich auch auf Ziele im Beqa’a Tal, tief innerhalb des Landes. Nach wie vor zeigen Sekundär-Explosionen, dass in fast allen der angegriffenen Gebäude tatsächlich Waffen und Munition versteckt waren.

Die IAF führte am frühen Nachmittag einen gezielten Angriff auf ein Haus in Dahiyeh, einem Vorort von Beirut aus. Dahiye gilt als Hochburg der Hisbollah. Der Angriff galt einem hochrangigen Führer der Hisbollah. Weitere Einzelheiten sowie der Name der Terroristen wurden nicht bekannt gegeben. Am späten Nachmittag wurden Einzelheiten bekannt. Bilder zeigen, dass nur die beiden obersten Etagen des angegriffenen Gebäudes zerstört wurden. Ibrahim Qubaisi, ein hochrangiger Hisbollah-Terrorist, und sechs weitere Terroristen wurden eliminiert, 15 wurden verletzt.

Qubaisi plante im Jahr 2000 eine Entführung bei der drei IDF-Soldaten, Staff. Sgt. Benyamin Avraham, Staff Sgt. Adi Avitan und Staff Sgt. Omar Sawaid in der Nähe des Mt. Dov an der libanesischen Grenze entführt und später ermordet wurden. Ihre sterblichen Überreste wurden 2004, gemeinsam mit dem israelischen Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum gegen 400 palästinensische Gefangene in Köln (!) ausgetauscht.

Vier schiitische ‘Geistliche’, die gestern bei Angriffen der IAF auf Ziele im Libanon getötet wurden, waren höchstwahrscheinlich Kommandanten der Hisbollah. Das berichtete der saudischen TV -Sender ‘Al Arabiya’, der auch die Namen bekanntgab: Abdul Minam Mahna, Amin Saad, Muhammad Salah und Ali Abu Raya bezeichnet. Alle vier haben, so heisst es, in Kanada als Imane gedient.  Ob es sich beim Hisbollah Mitglied namens Ali Abu Raya, der Offizier in der lateinamerikanischen Abteilung des Auslandsdienstes der Hisbollah war, um eine zufällige Namensgleichheit handelt, oder um die gleiche Person, ist bisher noch ungeklärt.

IDF-Sprecher Daniel Hagari zeigt Bilder einer Langstreckenrakete, die auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses vorbereitet bereitliegt, um auf Israel abgeschossen zu werden. Die Rakete war auf einem hydraulischen Hebesystem so installiert, dass sie aus einer Öffnung im Dach abgeschossen werden konnte. In der Wohnung lebt eine libanesische Familie, die als menschlicher Schutzschild missbraucht wurde. 

Die gute Nachricht des Tages: US-Präsident Joe Biden hielt seine vierte Rede vor der UN-Vollversammlung und hat sich mit einer guten bis sehr guten Performance verabschiedet. Biden sprach sich dafür aus, dass es ein Abkommen zum Waffenstillstand und zur Befreiung der Geiseln gibt, damit diese nach Hause gebracht werden können. Und damit der Gazastreifen aus dem ‘eisernen Griff der Hamas’ befreit wird. Mit Blick auf die Hisbollah beklagte er, dass die Nordgrenze Israels immer noch darunter leidet, was dort durch die Eskalationen der Hisbollah Angriffe geschehen ist. Biden beklagt auch die zahlreichen zivilen Opfer, die verursacht durch die Hamas in Gaza ihr Leben verloren. Durch einen, wie er betont, nicht gewollten Krieg, den man ihnen aufgezwungen hat. Der Präsident sieht die dauerhafte Chance auf ein friedlicheres Nebeneinander nur in der Zwei-Staaten-Lösung. Fortschritt und Frieden machen uns alle stärker, auch gegen den Iran.

Am Ende der Rede wird Biden noch einmal persönlich. «Ich wollte noch so viel erreichen, aber ich glaube, dass nach einer so langen Zeit im Amt es notwendig ist, dass eine neue Generation das Amt übernimmt. Vergessen Sie nicht, dass es immer etwas Wichtigeres gibt, als die eigene Macht festzuhalten. Das Wichtigste ist das Volk, das wir vertreten. Das Volk, das Sie vertreten, dieses Volk ist das Wichtigste. Wir dürfen nie vergessen, dass wir dem Volk dienen, nicht umgekehrt…»

Hört und schaut selbst, es ist eine der besten Reden, die ich je von Biden gehört habe. Yishar koach, Joe!



Kategorien:Israel, Politik

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