3. Tishri 5785
Donnerstag/Freitag


Erneut musste am Donnerstag die IDF den Tod dreier Soldaten bekannt geben. Cpt. Ben Zion Fallach, 21, s’’l, verlor sein Leben in einem Kampf im Süden des Libanons. Sgt. Daniel Aviv Haim Sofer, 19, und Cpl. Tal Dror, 19, s’’l, verloren durch den Einschlag einer mit Sprengstoff beladenen Drohne in ihre Militärbasis auf dem nördlichen Golan ihr Leben. Die erste Drohne konnte abgefangen werden. Bei der zweiten Drohne wurde kein Alarm ausgelöst, sodass die Soldaten sich nicht früh genug in Schutz bringen konnten. Die IDF untersucht den Vorfall.

Bereits am Mittwoch wurde Khada Shahabiya, der zuständig für den Beschuss von Majdal Shams im Juli war, durch einen gezielten Luftangriff eliminiert. Der Angriff auf das Drusendorf forderte zwölf tote Kinder und zahlreiche Verletzte. Die Rakete war direkt auf einem Fussballfeld eingeschlagen und dort explodiert. Shahabiya war verantwortlich für zahlreiche Angriffe auf israelische Militärbasen auf dem Mt. Dov, Hermon und im nördlichen Golan.

Vor 24 Jahren hatten sich die beiden IDF-Reservisten Vadim Norzhich und Yosef Avrahami nach el-Bireh, einer Stadt in Samaria, verirrt und wurden dort auf der Polizeistation festgehalten. Statt einer Befragung erwartete sie der bestialische Lynch-Mord durch Aziz Salha. Der Terrorist zeigte sich kurz darauf mit blutverschmierten Händen jubelnd am Fenster des Gebäudes. Am Donnerstag wurde er durch einen gezielten Luftangriff in Gaza eliminiert.

Die IDF und der Shin Bet gaben erst am Freitag bekannt, dass der de facto PM des Gazastreifens und engster Vertrauter von Yahya Sinwar, Rawhi Mushtaha, bereits vor einigen Monaten eliminiert wurde. Mushtaha teilte sich lange eine Zelle in einem israelischen Gefängnis mit Sinwar und wurde auch gemeinsam mit ihm im Zuge des Shalit Deals ausgetauscht. Er war einer der fünf führenden Köpfe bei der Planung des Massakers vom 7. Oktober. Bei dem gezielten Angriff auf ihn wurden auch Sameh al-Siraj und Sami Odeh eliminiert. Sie hatten sich in einem Tunnel versteckt, der von einem Kampfjet zerstört wurde. Ihr Tod konnte erst jetzt offiziell bestätigt werden. Von der Hamas kam noch keine Bestätigung.

Sowohl US-Präsident Joe Biden, als auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris sind sich durchaus bewusst, dass Israel den Angriff des Irans von gestern, Mittwoch, mit knapp 200 Raketen nicht unbeantwortet lassen wird. Auch wenn sich beide einig sind, dass ein Rückschlag gerechtfertigt ist, haben sie doch eine ‘rote Linie’ gezogen. Diese liegt bei einem Beschuss auf eines der iranischen Atomkraftwerke. Das betonte Biden, nachdem er sich mit seinen G7-Partnern über das Thema ausgetauscht hatte. «Wir alle sieben sind uns einig, dass Israel das Recht habt, zu reagieren, aber in einem angemessenen Verhältnis», sagte Biden, ohne näher darauf einzugehen, wie eine solche Reaktion aussehen könnte. Allen Seiten ist bewusst, dass ein Vergeltungsschlag gegen die Nuklear- oder Ölanlagen des Iran den Nahen Osten noch weiter ins Chaos stürzen würde, aber Israel scheint noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Präsident Biden erklärte: «Ich glaube nicht, dass es ein grossangelegter Krieg werden wird, ich denke, wir können das vermeiden. Aber es ist noch eine Menge zu tun. Wir werden Israel auf jeden Fall helfen!» Biden betonte weiter: «Ich werde unsere Verhandlungen mit Israel nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.» Heute betonte Joe Biden, dass auch ein Beschuss der iranischen Ölfelder durch die IDF nicht zielführend und von den USA unterstützt sei. «Wenn ich in ihren Schuhen stecken würde, dann würde ich mir Alternativen zu den Ölfeldern überlegen.»
Am Donnerstag gelang es der IDF im südlichen Libanon, etwa 100 Hisbollah-Terroristen zu eliminieren. Die flüchtenden Terroristen hatten in den Dörfern Raketen-Werfer für Panzer-Abwehr-Raketen, sowie grossangelegte Waffenlager zurückgelassen, die von der IDF zerstört oder zur genaueren Untersuchung mitgenommen wurden.
In der Nacht auf Freitag griff die IDF erneut ein Hauptquartier der Hisbollah in Dahiyeh, einem Vorort von Beirut an. Im unterirdischen Bunker fand ein Treffen statt, an dem auch Hashem Safieddine teilnehmen sollte. Safieddine, ein Cousin von Nasrallah, gilt als der wahrscheinliche Nachfolger von Hassan Nasrallah. Ob er sich zum Zeitpunkt des Angriffs tatsächlich dort befand, ist noch unklar, die IDF gab noch keinen Kommentar ab.
Am Freitagvormittag wurde der Raketenalarm in der gesamten Region zwischen Yokneam, Zichron Ya’akov, Haifa und Caesarea ausgelöst, nachdem einige Raketen in Richtung Haifa abgeschossen worden waren. Beide konnten abgefangen werden, ohne dass ein Schaden entstand. Kanal 12 berichtete, dass mindestens zehn Raketen abgefangen wurden.

Die IDF ordnete für weitere 37 Orte im südlichen Libanon eine sofortige Räumung an und forderte die Bewohner auf, sich bis zum nördlichen Ufer des Awali-Flusses zu evakuieren. Bisher lautete die Anweisung, sich bis zum nördlichen Ufer des weiter südlich gelegenen Litani-Flusses zu evakuieren. «Die Aktivitäten der Hisbollah zwingen uns, gegen sie vorzugehen. Wir wollen Ihnen keinen Schaden zufügen. Für Ihre eigene Sicherheit müssen Sie sofort Ihre Häuser verlassen. Jeder, der sich in der Nähe der Hisbollah aufhält, geht ein Risiko ein», erklärte der IDF-Sprecher Avichay Adraee.
Am Donnerstag wurden in Tulkarem, Samaria, bei einem Luft-Angriff auf gesuchte Führer der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, mindestens 18 Menschen getötet. Diese nicht verifizierte Zahl wurde von der palästinensischen Gesundheitsbehörde bekannt gegeben. Mindestens 12 der Getöteten wurden von der IDF als Mitglieder der Hamas und des Palästinensisch-Islamischen Djihad identifiziert. Unter den Getöteten befinden sich leider auch Frauen und Kinder. Der Einsatz von Kampfjets in diesem Gebiet ist unüblich. Die IDF setzt hier in der Regel Drohnen ein. Dieser Angriff galt, so IDF und Shin Bet, Zahi Yaser Abd al-Razeq Oufi, einem der Hamas-Führer in Samaria. Er plante, so die Annahme, zeitnah einen Terror-Anschlag. Oufi war auch verantwortlich für die Autobombe, die Anfang September bei Ateret vor der Explosion neutralisiert werden konnte.


Die gute Nachricht am Freitag: Fawzi Amin Sido, 21, eine Jesidin, wurde im Jahr 2014 von der ISIS im Irak aus ihrem Elternhaus entführt und an einen Gazaner verkauft. Der hielt sich aus geschäftlichen Gründen damals im Irak auf und verschleppte das Mädchen bei seiner Rückkehr in den Gazastreifen. Vor Kurzem wurde sie von israelischen Sicherheitsbeamten aus der Gefangenschaft befreit und nach Hause in den Irak gebracht.
In einer späteren Erklärung gaben die israelischen Streitkräfte an, dass Sido in einer komplexen Operation gerettet wurde, die von COGAT, den israelischen Verteidigungskräften und der US-Botschaft in Jerusalem zusammen mit „anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft“ koordiniert wurde.
Die israelischen Streitkräfte gaben an, dass der Terrorist, der sie festgehalten hatte, kürzlich, offenbar bei einem israelischen Angriff während der Kämpfe in Gaza getötet wurde, wodurch sie in ein Versteck in Gaza fliehen konnte.
Die junge Frau wurde in einer geheimen Operation via Kerem Shalom und dem Grenzübergang Allenby Bridge nach Jordanien und anschliessend zu ihrer Familie in den Irak gebracht.
In einer Erklärung teilte das irakische Aussenministerium mit, Sido sei durch gemeinsame Bemühungen «in enger Abstimmung» mit den US-Botschaften in Bagdad und Amman sowie den jordanischen Behörden freigelassen worden.
Eine Beteiligung Israels wurde nicht erwähnt.
Samstag

CENTCOM, das US-amerikanische Zentral-Kommando, führte gestern Nachmittag in der jemenitischen Hauptstadt Sana’a und weiteren Regionen, die von den Houthi-Terroristen besetzt sind, 15 Ziele der Terror-Organisation an. Mit diesen Angriffen soll die Angriffsfähigkeit der Houthis deutlich eingeschränkt werden. Als Folge dieser Massnahme soll die Sicherheit der Schifffahrt im Golf von Aden und dem Roten Meer verbessert werden. Die Angriffe wurden gegen Kommandozentralen, Militärbasen und Waffenlager geführt.

Israel plant derzeit den Vergeltungsschlag auf den Iran, der, so die IDF, ‘ernst und schwerwiegend’ sein wird. Der Angriff des Irans vom Freitag letzter Woche mit etwa 200 Raketen werde ‘Konsequenzen’ haben. Durch den Beschuss war einiger Sachschaden, unter anderem an israelischen Luftwaffenstützpunkten entstanden, wobei keine wesentliche Infrastruktur oder Flugzeugen zerstört wurden.
Die IDF befürchtet zum Jahrestag des Massakers vom 7. Oktober weitere Angriffe der palästinensischen Terror-Organisation Hamas und des Palästinensisch-Islamischen Djihad in Gaza. Um sich entsprechend vorzubereiten, wurden unmittelbar südlich des Netzarim Korridors erneut Evakuierungen in Nuseirat und Bureij angeordnet. Der Netzarim Korridor gilt mittlerweile als einer der am meisten umkämpften Orte im Gazastreifen. Immer wieder versuchen grosse Gruppen von Palästinensern vom Süden in den Norden zurückzukehren. Bisher konnten sie immer wieder von IDF-Soldaten zurückgedrängt werden.

Die IAF beschoss in der Nacht auf Freitag (s. weiter oben) das Gebäude, unter dem sich der Bunker befand, in dem sich wahrscheinlich der potentielle Nachfolger von Hassan Nasrallah zusammen mit weiteren Anführern befand. Seither gibt es mit Hashem Safieddine keinen Kontakt mehr. Die IDF störte lokale Rettungskräfte dabei, den Ort des Angriffs zu durchsuchen. Von der Hisbollah gab es bisher noch keine Kommentare. Am frühen Nachmittag erklärten, allerdings nicht genannte Israelis, dass Safieddine beim Angriff der IAF auf seinen Bunker getötet wurde. Eine offizielle Mitteilung gab es allerdings noch von keiner Seite.

Am frühen Nachmittag wurden zwei Raketen aus dem Libanon auf die Region Haifa abgeschossen. Eine Rakete wurde abgefangen, die zweite stürzte über offenem Gelände ab. Im gesamten Gebiet wurde vorsorglich der Raketenalarm ausgelöst, um vor herabstürzenden Schrapnells zu warnen. An einigen Stellen entstand leichter Sachschaden. Die Hisbollah erklärte dazu fälschlicherweise, sie habe mit einer ‘Fadi-1 Rakete’ die ‘Ramat David’-Luftwaffenbasis angegriffen und getroffen.
Im südlichen Libanon zerstörte die IDF einige Tunnelanlagen, durch die die Hisbollah näher an die israelische Grenze gelangte. Der Zweck war, eine grosse Zahl von Hisbollah-Terroristen an die Grenze zu bringen, ohne dabei entdeckt zu werden und von dort aus blitzartige Überfälle nach Israel durchzuführen. ‘Grenzunterschreitende’ Tunnel wurden bereits 2018 zerstört. Sie waren schon einige Jahre zuvor von der IDF entdeckt und ständig beobachtet worden.


Im Zuge der Operation wurden auch ansehnliche Waffenlager gefunden. Sie wurden entweder zerstört oder zur Untersuchung mitgenommen.
Ein iranisches Flugzeug, das Waffen und Kriegsmaterial an Bord hatte und entweder in den Libanon oder nach Syrien unterwegs war, musste über dem Irak umkehren und unverrichteter Dinge wieder nach Hause fliegen. Die IDF hat in den vergangenen Tagen einige Brücken und Zufahrtsstrassen, die als Schmuggelwege dienten, sowie jetzt auch Tunnelanlagen zerstört, um den Waffennachschub empfindlich zu stören. Das gilt auch für den Schmuggel über den zivilen Flughafen in Beirut. Auch einige Lagerhäuser in Syrien, die als Zwischenlager für Waffen und Munition galten, wurden von der IAF zerstört.

In der Nacht auf heute beschoss die IAF eine Moschee, die sich in unmittelbarer Nähe des ‘Martyr Salah Ghandour Hospital’ in der grenznahen libanesischen Stadt Bint Jbeil befindet. In der Moschee befand sich eine Kommandoraum der Hisbollah, den die Terroristen nutzten, um dort Angriffe gegen die IDF und Israel zu planen. Der Angriff erfolgte, nachdem der Shin Bet genaue Informationen geliefert hatte. Vor dem Angriff schickte die IDF-Textnachrichten an die Bewohner und Ortsvorsteher der umliegenden Dörfer, mit denen diese aufgefordert wurden, jede Art von Terror von der Moschee ausgehend sofort zu beenden.
Seit dem frühen Morgen sind bis zum späten Nachmittag mindestens 110 Raketen vom Libanon auf den Norden Israels abgeschossen worden. In der letzten Salve bisher wurden 25 Raketen in Richtung Carmel Gebirge geschossen. Sowohl in Carmel als auch in Deir al-Asad wurden Gebäude durch direkte Treffer beschädigt.
Die gute Nachricht am Samstag: Wenn unsere Soldaten, vor allem die Reservisten und die ganz jungen, erstmals für einige Tage aus Gaza oder wohl bald auch aus dem Libanon nach Hause gehen dürfen, so ist das für sie wie die Rückkehr in ein ganz anderes Leben. Wenn sie verletzt wurden und je nach Schweregrad einige Tage bis Wochen und sogar Monate dienstuntauglich sind. Manche bleiben es auch für immer. Eines haben sie alle gemeinsam, sie müssen ein Trauma aufarbeiten, das nahezu jeden von ihnen trifft. Mit dem sie allein kaum fertig werden. Die therapeutischen Angebote Israel sind nicht flächendeckend. Mit einer so intensiven Nachfrage hat dort niemand vor dem 7. Oktober 2023 gerechnet.
Sieben Soldaten und ein psychologischer Betreuer konnten sich eine Woche in der Schweiz erholen.
Eingeladen von einer jüdischen Familie und mitgetragen mit Spenden aus dem orthodoxen und liberalen Spektrum. In seltener Einigkeit.
Sie wohnen eine Woche in einem Haus im Kanton Waadt, oberhalb des Rhonetals. Tagsüber erkunden sie die Schweiz, Zürich, Genf, ein Abstecher in das nahegelegene Frankreich …
Ihr Begleiter weiss, wie es seinen Schützlingen geht. Er wurde selbst verwundet 1995, acht Operationen waren notwendig, um ihn wieder ‘gehfähig’ zu machen, an die Front konnte er nicht mehr zurück.
Abends ist Zeit für Gespräche. Jeder von ihnen hat seine Geschichte. Hier finden sie Zeit und Raum, um darüber zu sprechen.
Die sieben sind schon wieder in Israel. Die sieben Tage haben ihnen geholfen, ein wenig Abstand zu finden.
Auf 3.800 m Höhe entrollten sie ein Plakat, darauf steht das wichtigste Kriegsziel, für das sie gekämpft haben und das leider bisher nicht erreicht wurde!
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