Krieg in Israel – Tag 369

7. Tishri 5785

Im Laufe des vergangenen Tages griff die IAF 185 Hisbollah-Ziele im südlichen Libanon und 45 Hamas-Ziele in Gaza an. Darunter waren Kommandozentralen, Sammelstellen und Beobachtungsposten der beiden Terror-Organisationen, sowie Raketen-Abschussbasen und Waffendepots. Die IAF wurde dabei von den Bodentruppen unterstützt. Bei direkten Kämpfen konnten einige Terroristen neutralisiert werden.

Im Gazastreifen ist ein Flyer aufgetaucht, auf dem ein Stundenglas zu sehen ist. In der oberen Hälfte, schon halb in die Engstelle gezogen, Yahya Sinwar, unten sitzend Ismail Haniyeh, Muhammad Deif und Saleh al-Arouri. Die Interpretation wird jedem selbst überlassen. Daneben steht: «Kein Tunnel ist zu tief, Sinwar, frag Sayyed Hassan [Nasrallah]!»

Wanted!! Wer hat Donald Trump in Gaza gesehen? Er hatte behauptet, vor Kurzem in Gaza gewesen zu sein und wurde wegen dieser Aussage von Radiomoderator Hugh Hewitt intensiv befragt. Seine erstaunliche Antwort: «Ich war dort und es ist hart. Es ist ein harter Ort, bevor, Sie wissen schon, vor all den Angriffen und dem Hin und Her, was in den letzten Jahren passiert ist.» Seine Wahlkampf-Leiterin Karoline Levitt und ein weiteres, allerdings anonymes Mitglied der Kampagne setzten noch einen drauf: «Präsident Trump war bereits früher in Gaza und hat sich immer für den Frieden im Nahen Osten eingesetzt. Trump ist in Israel gewesen und Gaza ist in Israel.» Die New York Times, die Washington Post (7:14 p.m. EDT) und CNN berichten darüber. Wie kann man auch nur ansatzweise darüber nachdenken, dass dieser notorische Lügner noch einmal in das Weisse Haus einziehen darf? Oder noch schlimmer, wie kann man ihn wählen?

Dass Netanyahu gerne Wahrheiten verdreht, gemachte Zusagen verleugnet und höchst eigenmächtige Entscheidungen trifft, ist bekannt. Dass er den fähigsten Mann in seiner ansonsten unprofessionellen Regierung, VM Yoav Gallant, am liebsten feuern möchte, ist ein offenes Geheimnis. Vor einer Woche erhielt Gallant eine Einladung von seinem US-amerikanischen Kollegen Lloyd Austin. Gallant informierte Netanyahu und es wurde vereinbart, dass Gallant nach dem Sicherheitstreffen, welches gestern Abend stattfand, abreisen würde. Netanyahu zog seine Bewilligung wenige Stunden vor dem Abflug zurück und das Verteidigungsministerium musste das Pentagon informieren, dass Netanyahu zuerst mit US-Präsident Joe Biden telefonieren wolle.

Wie peinlich ist das denn? Netanyahu hat Gallant schon zweimal daran gehindert, in die USA zu reisen und anderen Ministern ebenfalls die Bewilligung entzogen. Der Grund ist typisch für diesen Narzissten. Er wollte selbst eingeladen werden. Gestern, als er Gallant auf gepackten Koffern sitzen liess, wartete er auf einen Anruf von Biden. Aktuell telefoniert Netanyahu in einem Konferenzgespräch mit dem US-Präsidenten und der US-Vizepräsidentin. Der Anruf endete nach 50 Minuten, Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Moshe Saada, Likud, hat Netanyahu aufgefordert, endlich den Befehl zum Angriff auf die iranischen Nuklear-Anlagen zu geben. «Ich denke, dass Premierminister Benjamin Netanyahu das tun muss, was gut für den Staat Israel ist», sagte Saada gegenüber Radio 103FM. «Er hat jetzt die einmalige historische Gelegenheit, in die Geschichtsbücher als Verteidiger Israels aufgenommen zu werden. Stellen Sie sich vor, was bei dem jüngsten Angriff passiert wäre, wenn der Iran keine ballistischen Raketen, sondern eine Atombombe gehabt hätte. Was würden die Israelis tun? Die Bevorratung von Wasserflaschen und die Einrichtung von Luftschutzbunkern hätten nicht geholfen.» Da hat er zweifelsfrei recht, die regulären Luftschutzbunker wären in dem Fall wenig hilfreich gewesen. Immerhin gab er zu, dass so ein Angriff Israels komplex wäre und auf jeden Fall mit den USA koordiniert werden müsse. Und dass, so wissen wir, US-Präsident Biden strikt gegen einen Angriff auf Nuklear-Anlagen ist.

Der Anführer der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, Yahya Sinwar, hat, so berichtete ein Mitarbeiter eines arabischen Geheimdienstes, befohlen, die Selbstmordanschläge in Israel wieder zu intensivieren. Nicht alle hochrangigen Hamas-Terroristen sind damit einverstanden, haben sich aber seit der Machtübernahme Sinwars nach der Eliminierung seines Vorgängers, Ismail Haniyeh, nicht mehr dazu geäussert. Während der zweiten Intifada in den frühen 90er Jahren ist die Zahl der Anschläge in Israel stark zurückgegangen. Das Wall Street Journal berichtete, dass Sinwar, der als Hardliner gilt, sich immer wieder über das ’komfortable Leben’ der ‘gemässigten’ Hamas-Führer in Katar mokiert hat, wohingegen Haniyeh immer mehr zur Ansicht kam, dass Sinwar zu viel Zeit in israelischen Gefängnissen war und nicht verstehe, dass die Hamas das Bild einer legitimen politischen Organisation vermitteln müsse, um mit den arabischen Staaten in Kontakt zu treten «Unter Sinwar kann man davon ausgehen, dass die Hamas eine viel klarer umrissene, knallharte fundamentalistische Organisation sein wird.» Mit anderen Worten: Hamas wird eine Terror-Organisation bleiben und weiterhin Terror-Anschläge ausüben.

In Hadera gab es heute eine Messerattacke, bei der mindestens acht Personen verletzt wurden. Sie wurden ins ‘Hillel Yaffe Medical Center’ eingeliefert. Zwei der Opfer sind lebensgefährlich verletzt. Der Terrorist, ein Bewohner der Stadt Umm el-Fahm, wurde neutralisiert.

Daniel Levy, der neue Polizeichef, gab am Tatort eine seltsame Aussage von sich: «Ich möchte betonen, dass die israelische Polizei, wie Sie verstehen, derzeit bis an die Grenzen belastet ist. Mein Herz ist bei den Verletzten, aber es scheint, als müssten wir uns in dieser Zeit damit abfinden, und wir müssen stark sein.» Bedeutet das, dass die Polizei nicht (mehr) in der Lage ist, Terroranschläge, wenn schon nicht zu verhindern, dann doch wenigstens zu bearbeiten? Bisher haben sie sich unter Ben-Gvir zu einer Rambo-Truppe entwickelt, die harmlose Demonstranten schon einmal gerne unter die Pferdehufe bringt.

Bei seiner Vereidigung im letzten Monat lobte ihn sein Chef, der rechtsradikale Ben-Gvir, als jemanden, der «mit einer zionistischen und jüdischen Agenda kommt und die Polizei gemäss der von mir festgelegten Politik führen wird.» Kurz vor seiner Wahl hatte sich Levy in unakzeptierbar abstossender Art über die LGBTQ-Szene geäussert, was dazu führte, dass das ‘Movement for Quality of Government’ ihn für ungeeignet für diese Position bezeichnete und den OGH aufforderte, die Ernennung rückgängig zu machen.

Zwei Personen in Kiryat Shmona wurden heute Opfer der Hisbollah, nachdem ihr Haus durch einen direkten Treffer von einer Rakete in Brand geraten war.  Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für den tödlichen Beschuss, behauptete jedoch, eine ‘Versammlung von feindlichen Kräften’ angegriffen zu haben. Kiryat Shmona ist schon seit Monaten weitgehend evakuiert. Fünf Feuerwehren sind im Einsatz, um die entstandenen Brände zu löschen.

Gegen 16 Uhr Ortszeit wurden von der Hisbollah 90 Raketen in den oberen Galil geschossen. Einige konnten abgefangen werden, andere stürzten auf unbebaute Gebiete und entfachten dort wieder Brände. Es wurden auch wieder direkte Treffer auf Gebäude in Sfad und umliegenden Orten gemeldet, die Sachschäden verursachten. Verletzte wurden bisher nicht gemeldet.

Ebenfalls am Nachmittag wurde eine Salve mit mehr als 40 Raketen in Richtung Haifa abgeschossen. Eine stürzte auf den Friedhof von Kiryat Bialik. Ein Autofahrer wurde bei einem Autounfall verwundet, der sich ereignete, als der Alarm ausgelöst wurde und die Fahrer offensichtlich falsch reagierten. In Teilen des Vorortes von Haifa kam es zu einem Stromausfall. Das ‘Rambam Medical Center’ in Haifa meldete, dass sich einer der Verletzten in Lebensgefahr befände. Auch in Haifa selbst wurde eine Verkehrsinsel innerhalb eines Kreisverkehrs getroffen, auch dort gab es nur Sachschaden.

Aufgrund des vermehrten Beschusses wurden für die Umgebung von Haifa die Schulen erneut geschlossen und die Zahlen für Versammlungen reduziert.



Kategorien:Israel, Politik

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