Krieg in Israel – Tag 377

15. Tishri 5785

Offenbar ist Hamas-Chef Yahyah Sinwar gemeinsam mit zwei noch nicht genannten Terroristen von der IDF eliminiert worden. Zwar steht die endgültige DNA-Probe noch aus, jedoch wurde sein Tod mittlerweile von der IDF bestätigt.

Eine Nachricht von VM Yoav Gallant kann als Bestätigung gelesen werden: «Ihr werdet eure Feinde jagen und sie werden durch euer Schwert fallen. (Lev 26:7) – Wir werden jeden Terroristen finden und eliminieren!».

Der Vorfall fand bereits gestern statt, als IDF-Soldaten das Erdgeschoss eines Gebäudes betraten, in dem sie eine Gruppe von Terroristen entdeckt hatten. Als sie das Gebäude, das völlig vermint war, betraten, entdeckten die Soldaten die auffallende Ähnlichkeit mit Sinwar bei einer der Leichen.

Nach Aussagen der IDF hatten die Truppen Sinwar nicht im Visier, als sie in das Gebäude eindrangen. Im Zuge der Operation wurde ein teilweiser Einsturz des Gebäudes provoziert.

Die Soldaten mussten bei der Bergung der drei Leichen extrem vorsichtig vorgehen, um sich nicht selbst zu gefährden. Nicht nur das Gebäude war durchgehend mit Sprengfallen versehen, auch Sinwar trug eine mit Granaten gefüllte Militär-Weste.

Die ersten Untersuchungen der Leichen wurden aus Sicherheitsgründen mit Robotern durchgeführt. Dabei wurden grosse Mengen von israelischem Bargeld und Ausweispapiere gefunden, die die Terroristen bei sich führten

Das Büro des PM informierte unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls die Familienangehörigen, dass sich keine der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln im Gebäude, wo Sinwar sich versteckt hatte, befunden hatten.

Oppositionsführer Yair Lapid forderte die Regierung auf, die aktuelle Situation nach dem Tod des ‘Schlächters von Khan-Younis[1]’, Yahyah Sinwar, zu einem entscheidenden Schritt Freilassung der Geiseln zu nutzen. «Strebt eine umfassende Einigung an und bietet auch Geldprämien und eine sichere Passage für jeden an, der unsere Streitkräfte zu den Geiseln führt», twittert Lapid.

Die Spannungen zwischen Frankreich und Israel, vertreten durch Präsident Emmanuel Macron und Netanyahu werden immer deutlicher spürbar. Eine Erklärung dafür mag es sein, dass Macron ‘sein Frankreich’ als Nachfolger des Vertrags von San Remo 1920 versteht, der Frankreich zum Mandatsstaat für den Libanon und Syrien machte. Macron wird zitiert: «Herr Netanyahu darf nicht vergessen, dass sein Land durch eine Entscheidung der Vereinten Nationen geschaffen wurde. Daher ist dies nicht der richtige Zeitpunkt, um die Entscheidungen der Vereinten Nationen zu missachten.» Macrons Stellvertreter, Gerard Larcher, zeigte sich irritiert: «Dies zeigt vor allem eine Unkenntnis der Geschichte der Geburt des Staates Israel. Die Existenz Israels infrage zu stellen, berührt für mich grundlegende Fragen. Ich war erstaunt, dass diese Bemerkungen gemacht werden konnten“, fügt er hinzu. Die Gründung Israels sei «kein notarieller Akt, der lediglich von den Vereinten Nationen bestätigt wurde», argumentierte er.

Der Chef der EU-Aussenpolitik, Josep Borrell, kritisiert, dass die USA Israel 30 Tage Zeit eingeräumt haben, um die humanitäre Lage in Gaza nachhaltig zu verbessern. «Die USA haben Israel gesagt, dass es die humanitäre Unterstützung für Gaza verbessern muss, aber sie haben eine einmonatige Verzögerung gewährt. Eine einmonatige Verzögerung bei dem derzeitigen Tempo, in dem Menschen getötet werden. Es sind zu viele Menschen.» Der irische PM Simon Harris betonte: «Europa hat noch nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Waffenstillstand zu erreichen.» Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz kritisiert indirekt den französischen Präsidenten Macron und betont, dass die Sicherheit Israels nicht gefährdet werden darf. «Alle Kriterien müssen eingehalten werden, wie z. B. das Völkerrecht. Bei der Finanzhilfe, die nach Gaza fliessen muss, geht es darum, eine weitere Eskalation des Krieges zu verhindern. Es ist jedoch klar, dass die Unterstützung Israels auch bedeutet, dass wir ständig die Verteidigungsfähigkeit Israels sicherstellen, beispielsweise durch die Lieferung von Militärgütern oder Waffen.»

Gestern führten die USA fünf beeindruckende Angriffe auf unterirdische Waffenlager der Houthi-Terroristen durch. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin dazu: «Dies war eine einzigartige Demonstration der Fähigkeit der Vereinigten Staaten, Einrichtungen ins Visier zu nehmen, die unsere Gegner ausser Reichweite halten wollen, egal, wie tief unter der Erde sie liegen, wie stark sie befestigt oder gesichert sind. Der Einsatz von B-2 Spirit-Langstrecken-Stealth-Bombern[2] der US-Luftwaffe zeigt die globalen Schlagfähigkeiten der USA, um bei Bedarf jederzeit und überall gegen diese Ziele vorzugehen.»

IDF-Sprecher Avichay Adraee forderte dringend die Bewohner der südlibanesischen Küstenstadt Tyros auf, sich mindestens 500 m von einem rot markierten Haus zu entfernen. Auf dieses Haus werde in Kürze ein Angriff stattfinden. Genauer kann man keine Informationen und Warnungen geben! Auch im Beka’a Tal wurden die Bewohner von Tamnine El Tahta dringend aufgefordert, sich aus dem Dorf zu entfernen, nachdem die IDF in Kürze fünf zur Hisbollah gehörende Gebäude angreifen werde.

Die Hisbollah gab bekannt, zwei Merkawa-Panzer mit Lenk-Raketen in der Nähe des Grenzortes Labbouneh beschossen und manövrierunfähig gemacht zu haben. Durch den Beschuss sei ein Brand in den Tankern ausgebrochen und es hätte Tote gegeben. Von den IDF gab es noch keine Kommentare.

Ein deutsches Kriegsschiff, das Teil der UNIFIL-Truppe ist, konnte vor der Küste des Libanon eine unbemannte Drohne abfangen und zerstören. Das wurde vom deutschen Verteidigungsministerium bekannt gegeben.

Am frühen Donnerstagvormittag wurde der Raketen-Alarm im gesamten Gebiet des Jezreel Tals aktiviert. Auch zwischen Haifa und Akko, sowie im Karmel-Gebirge schrillten die Sirenen. Zwei Raketen waren auf diese Gebiete gerichtet aus dem Libanon abgeschossen worden. Eine Rakete wurde abgefangen, die zweite stürzte auf unbebautem Gelände ab, ohne Schaden anzurichten. Auch in den Nachtstunden gab es immer wieder Alarm in der Region. In Majd al-Krum, in der Nähe von Karmiel, wurde ein Haus von einer Rakete getroffen. Mindestens vier Personen wurden verletzt. Eine Drohne, die über das Mittelmeer Richtung Arava-Wüste im Süden des Landes flog, wurde abgefangen.

Erneut führte die IAF einen Präzisions-Luftangriff auf ein nicht mehr als Schule genutztes Gebäudeareal im Norden von Gaza durch. Das Gebäude wurde von der palästinensischen Terror-Organisation Hamas und dem Palästinensisch Islamischen Djihad als Kommandozentrale und Kontrollraum genutzt. Die IDF nannte zwölf Namen von Terroristen, die bei dem Angriff eliminiert wurde. Das von der Hamas geführte Gesundheits-Ministerium sprach von 19 Opfern, darunter eine von ihnen nicht genannte Zahl von Kindern. Dutzende Menschen seien verwundet worden. Die an einigen Stellen ausgebrochenen Feuer könnten angeblich aufgrund von fehlendem Wasser nicht gelöscht werden.

Einav Zangauker, die Mutter des immer noch in Geiselhaft befindlichen Matan, reagiert auf die Tötung von Sinwar: «Wir haben mit dem Erzmörder Sinwar abgerechnet, aber jetzt sind das Leben meines Sohnes Matan und der anderen Geiseln mehr denn je in greifbarer Gefahr.

Gerade heute, da das Land aufatmet, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Öffentlichkeit die Geiseln zu Hause haben will und ihre Rückkehr eines der Ziele des Krieges ist. Es wird keinen wirklichen Abschluss, keinen vollständigen Sieg geben, wenn wir ihr Leben nicht retten und sie alle zurückbringen.» Sie forderte Netanyahu auf, sofort einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Geiseln befreit werden können, selbst wenn das das Ende des Krieges bedeutet.


[1] Den Beinamen ‘Schlächter von Khan Younis’ erhielt Sinwar wegen seines brutalen Vorgehens gegen Palästinenser, die seiner Meinung nach mit Israel kollaborierten. 1987 bezichtigte er einen Mann, gegen die Vorschriften des Islam zu verstossen und noch dazu mit Israel zusammenzuarbeiten. Er wurde entführt, grausam verhört und aufgrund von erzwungenen Geständnissen ermordet. 1989 wurde es deshalb zu mehrfach-lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Damals unterstand der Gazastreifen noch der israelischen Gerichtsbarkeit. 2011 wurde er im Zuge des ‘Shalit-Deals’ ausgetauscht

[2] Der B-2 Tarnkappenbomber ist ein sog. ‘Nur-Flügler’ und gilt als das teuerste Kampfflugzeug der Welt. Er wurde in den USA entwickelt und produziert und wird auch ausschliessliche von der United States Air Force eingesetzt. Durch die spezielle Tarnkappentechnik ist die B-2 schwer zu entdecken und zu bekämpfen.



Kategorien:Israel

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