Bereshit, Bereshit 1:1 – 6:8

Haftara: Joshua 42:5 – 21

ב“ה

23./24. Tishrei 5785                                                  25./26. Oktober 2024

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         17:16

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:32

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:02

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:05

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:29

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:32

Die Feiertage sind vorbei und wir schreiben das Jahr 5785. Der heutige Abschnitt der Torah beschäftigt sich mit der spannendsten Frage, die die Menschheit immer wieder beschäftigt.

 „Woher kommen wir?“

Wir lesen heute die wunderbare Geschichte, wie es Gott gelingt, aus dem, was die Torah als „Tohu va bohu“ תֹהוּ וָבֹהוּ – öd und leer beschreibt, das zu erschaffen, das uns von Gott als unsere Welt anvertraut wurde.

Wir haben die Verantwortung übernommen, diese Welt zu erhalten, von Generation zu Generation. Das sensible Ökosystem zu schützen, damit es nicht kollabiert. Und wie gehen wir damit um? Bevor wir uns diese Frage stellen, lassen wir doch die Erfolgsgeschichte, die mit dem Geschenk des Shabbat, des Ruhetages endet, noch einmal Revue passieren.

Ohne Tageslicht, so war Gott klar, kann es kein Leben geben, ohne dunkle Zeiten keine Ruhepausen, die die Natur zur Erholung benötigt. Und so schuf Gott am ersten Tag diese sich abwechselnden Phasen.

Am zweiten Tag spannte Gott das Himmelszelt als Trennung zwischen dem Wasser und dem All.

Am dritten Tag trennte Gott Wasser und Land. Natürlich hatte er noch keine Idee, wie die Kontinente aussehen könnten. Neugierige Kinder mit noch unverstelltem Entdeckergeist basteln vielleicht einmal die damalige Landmasse aus den jetzigen Kontinenten und entdecken, dass Gott wahrscheinlich nur einen riesigen Kontinent geschaffen hat.

Die Erde hat ihre Erscheinung in den Millionen Jahren seit dem dritten Schöpfungstag immer wieder verändert. Noch heute finden grosse Veränderungen statt. Der ‚Grosse Afrikanische Grabenbruch‘, der von Syrien bis Mozambique reicht, wird in vielen, vielen Jahren Afrika teilen.

Hatte Gott am ersten Tag schon Licht und Dunkelheit geschaffen, so sorgte er am vierten Tag dafür, dass es nie wirklich ganz dunkel auf der Erde wird. Wir kennen das Phänomen, bei klarem Himmel und vor allem ganz im Norden, gibt es immer ein Restlicht. Mond und Sterne sorgen nachts, ebenso wie die Sonne bei Tag dafür, dass wir niemals völlig die Orientierung verlieren.

Die ersten Bewohner am Himmel und im Wasser schuf er am fünften Tag.

Der sechste Tag war der Kreation der Landtiere gewidmet. Und dann nahm sich Gott vor, den Menschen zu schaffen. Der französische Philosoph René Descartes hat sich schwer geirrt, als er sagte “Der Mensch ist die Krone der Schöpfung: Er kann denken. Er hat Bewusstsein seiner selbst!“ Ja, es stimmt, dass wir denken können. Doch nutzen wir diese Fähigkeit tatsächlich? Dann dürfte es keine Kriege, keine Korruption, keine Verbrechen und vieles andere nicht geben!

Gott hatte sicher nur das Allerbeste im Sinn, als er uns, oder besser gesagt, unsere Hardware erschuf. Immerhin war er so überzeugt davon, dass er am Ende dieses Tages sogar sagte, dass alles, was er geschaffen hatte, sehr gut war! Oy vey, hier irrte Gott! Die Hardware war wohl gut gelungen, aber die Software, das, was Descartes das „Denken“ nennt, das ist bis heute nicht ausgreift.

Dafür gelang der siebte Tag wieder zur Perfektion. Er schenkte uns bereits zu diesem frühen Zeitpunkt das, was bis heute eine der grössten sozialen Errungenschaften ist. Den Shabbat, den Ruhetag!

Auch Gott nutzte den Ruhetag, um alles, was er geschaffen hatte, nochmals zu überdenken. Dem Menschen schuf er eine paradiesische Heimat, den Garten Eden. Alles durften sie geniessen, nur die Früchte des Baumes der Erkenntnis verbot er ihnen. Die Menschen liessen sich von der Schlange, wahrscheinlich war sie das Abbild ihrer eigenen Neugierde, verführen und brachen das Verbot. Die Strafe folgte auf dem Fusse.

Hatten sie sich vorher ihrer Nacktheit nicht geschämt, was nichts anderes heisst, dass sie sich ihres Selbst nicht bewusst waren, so schämten sie sich jetzt. Gott kleidete sie mit Tierfellen und vertrieb sie aus dem Garten Eden, der uns Menschen bis heute verschlossen ist.

In diesem Moment wurde aus den Menschen, die Gott nach „seinem Ebenbild“ geschaffen hatte, Menschen, die Fehler haben und unvollkommen sind.

Gott hätte allen Grund gehabt, sich von uns abzuwenden, denn wir haben ihn in seinen Erwartungen enttäuscht. Er hätte das Projekt „Menschheit“ als gescheitert betrachten können. Aber nein, Gott zeigte, dass er viel Geduld hatte und uns unerschütterlich auf all unseren Irrwegen begleiten und sanft wieder auf den richtigen Weg bringen wird.

Ein tröstliches Wissen!

Nach meinen wöchentlichen Gedanken zum Wochenabschnitt, die ich mehrere Jahre geschrieben habe, habe ich im vergangenen Jahr damit begonnen, die Texte der Propheten  und Richter genauer anzuschauen.

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mich mit einer der für mich schönsten Textsammlungen‚ Sprüche der Väter‘, zu beschäftigen.  

Die Mischna ist die Niederschrift der mündlichen Torah und stellt die Grundlage zum Talmud dar.

Bis zur Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 CE und der anschliessenden Vertreibung der Juden in die Diaspora war die Torah von Generation zu Generation mündlich weitergegeben worden. Durch die Zerstreuung der Juden in weit entfernte Gebiete wurde die schriftliche Fassung der Torah notwendig, um zu verhindern, dass die alten Texte und Lehren in Vergessenheit gerieten.

So entstand langsam der Talmud, der sich aus Mischna und Gemara zusammensetzt.

Auf den einzelnen Seiten des grossformatigen Talmud kann man sehr gut die einzelnen Quellen erkennen. In der Mitte des Blattes steht immer die entsprechende Mischna, also der Originaltext. Dieser ist umgeben von den Kommentaren, den Gemarot.

Die Mischna umfasst 6 Sektionen

  1. Seraim Saaten
  2. Moed Festzeiten
  3. Naschim Ehe und Familienrecht
  4. Nesikin Schadensfälle; Zivil- und Strafrecht
  5. Kodaschim Heilige Dinge; Tempel und Opferriten
  6. Toharot Reinheitsgebote

Die Sprüche der Väter finden wir in der vierten Sektion und sie behandeln ausschliesslich Fragen der Ethik.

Das Bezeichnende dieses Buches ist, dass es zu den einzelnen Abschnitten keine weiterführenden Erklärungen im Sinne der Gemara gibt. Die Texte geben in chronologischer Reihenfolge, beginnend mit Moshe, die Aussagen bedeutender Rabbiner wider.

Soweit die Theorie.

Die Sprüche der Väter beginnen demzufolge mit dem Satz:

„Moshe empfing die Tora am Sinai und übergab sie Joshua. Joshua den Älteste. Die Ältesten den Propheten. Und die Propheten übergaben sie den Männern der grossen Versammlung. Diese sagten drei Dinge: Seid bedächtig im Entscheiden, bildet viele Schüler aus und macht schützt das Gesetz.“ 1.1.

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel

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