14. Cheschwan 5785

Bei seinem Besuch in den USA legte der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, Donald Trump einen Vorschlag für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah vor. Trump akzeptierte den Vorschlag und äusserte seine Hoffnung, dass der Waffenstillstand noch vor dem 20. Januar, dem Tag seiner Vereidigung, erreicht werden kann. Dermer traf sich auch mit Jared Kushner, der in der neuen Regierung kein Amt mehr übernehmen wird, bevor er nach Washington aufbrach. Dort traf er sich mit leitenden Vertretern der Biden-Regierung, nicht aber mit Biden oder Harris.
Die Washington Post berichtete vorgestern, dass Israel einen Waffenstillstand im Libanon als ‘Geschenk an den neuen Präsidenten Trump’ anstrebt. Damit soll, das ist der Hintergrund, ein früher aussenpolitischer Erfolg für den alt-neuen Präsidenten gesichert werden.
Der Besuch von Ron Dermer wird als Zeichen gewertet, wie schnell sich das aussenpolitische Fähnchen Israels nach dem Sieg von Trump verschoben hat.
Da scheint sogar ein Treffen mit dem politisch völlig uninteressanten Schwiegersohn, Kushner, wichtiger als ein Treffen mit dem noch amtierenden Präsidenten Biden. Beides zeugt, das ist meine Meinung, vom völlig fehlenden diplomatischen und menschlichen Feingefühl von Netanyahu! Der aussenpolitische Erfolg von Trump ist Netanyahu wichtiger, als die Sicherheit und das Wohlbefinden der israelischen Bevölkerung.
So sieht es auch Frank Lowenstein, ehemaliger Sondergesandter für israelisch-palästinensische Verhandlungen während der Regierungszeit von Präsident Obama. «Netanyahu ist Biden gegenüber nicht loyal und wird sich ganz darauf konzentrieren, sich bei Trump einzuschmeicheln. Wenn das Jahr 2016 ein Indiz ist, wird Trump nicht zögern, so zu tun, als sei er bereits Präsident, wenn er eine Gelegenheit sieht.» Lowenstein fährt fort: «Das Einzige, was Netanyahu mehr interessiert als Trump, ist seine eigene Innenpolitik. Die Rückkehr israelischer Zivilisten in den Norden ist ein wichtiges Ziel, auf das er vielleicht nicht warten möchte.»


Oppositionsführer Yair Lapid begrüsste die Entscheidung von VM Israel Katz, 7.000 Einberufungsbefehle für junge haredische Männer zu verschicken. Die Entscheidung dazu war noch vom ehemaligen VM Yoav Gallant getroffen worden. Lapid sagte: «Ich habe in der Knesset betont, dass, wenn du die 7.000 Einberufungen an die ultra-Orthodoxen losschickst, die Soldaten und Reservisten erkennen, dass du für sie da bist. Du hast das ohne Zögern umgesetzt.» Die Ankündigung von VM Katz löste bei den ultra-orthodoxen Parteien einen Sturm der Empörung aus. Die ersten 1.000 Briefe werden am Sonntag versendet.

Vor wenigen Tagen war die Dienstzeit der Reservisten von 25 auf 136 Tage pro Jahr heraufgesetzt worden. Während sich zu Beginn des Krieges noch bis zu 150 % der einberufenen Reservisten zum Dienst meldeten, sind es jetzt nur mehr zwischen 75 und 85 %.
Shin Bet und die israelische Polizei haben sich gegen einen Gerichtsbeschluss ausgesprochen, nach dem der Hauptverdächtige im Skandal um die Weitergabe von Geheimdokumenten aus dem Büro des PM, Eli Feldstein, in den Hausarrest zu entlassen ist. Der Antrag auf Haftverlängerung wird noch heute vom Bezirksgericht Lod gehört werden. Nach der Anhörung in Lod wurde bekannt, dass Feldstein zumindest über das Wochenende in U-Haft bleibt.
Tzachi Braverman, Stabschef von Netanyahu, gab gestern bei der Befragung durch Lahav 443 an, nur die Uhrzeit eines Dokuments geändert zu haben, weil er sicher wusste, dass diese falsch war. Inhaltlich hätte er am fraglichen Transkript eines Telefonats zwischen dem PM und seinem damaligen Militärsekretär, Generalmajor Avi Gil, nichts geändert.
Dieser erste Anruf während des Überfalles durch die Hamas war mit 06:40 angegeben, Braverman gab an, die Zeit auf 06:29 abgeändert zu haben. «Ich weiss, dass der erste Anruf um 6:29 Uhr morgens einging, deshalb habe ich darauf bestanden, die Uhrzeit zu ändern», soll er der Polizei während des Verhörs gesagt haben. Haaretz schreibt dazu: «Gil hatte zwar um 6:29 Uhr, als der Angriff der Hamas begann, bei Netanyahu angerufen, dieser gab jedoch keine Anweisungen, sondern forderte ihn auf, in zehn Minuten, um 6:40 Uhr, erneut anzurufen.
Erst während des zweiten Telefonats – das Braverman angeblich so abgeändert hatte, dass es aussah, als wäre es das erste gewesen – habe Netanyahu Gil angewiesen, eine Lagebeurteilung bezüglich der sich entwickelnden Hamas-Invasion im Süden Israels vorzunehmen.»
Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, so verbrachte das Ehepaar Netanyahu die Sukkot-Ferien auf dem Golan im Panda Hotel. Sie reisten am Montag, 2. Oktober an. Wie lange sie bleiben wollten, konnte ich nicht mehr herausfinden, gehe jedoch davon aus, dass die Abreise erst für Sonntag, 8. Oktober, geplant war. Netanyahu meldete sich öffentlich erst am Abend des Massakers aus dem IDF-Hauptquartier in Tel Aviv.
Das mit grosser Sorge erwartete Fussballspiel der Nationalmannschaften von Israel gegen Frankreich endete mit 0:0. Frankreich konnte damit ins Viertel-Finale aufsteigen. Nur 16.611 Zuschauer sassen im für 80.000 Zuschauern zugelassenen ‘Stade de France’, gut bewacht von 5.600 Sicherheitskräften. Es gab 40 Verhaftungen. Die erwarteten Ausschreitungen blieben aber aus. Nur einmal mussten die Sicherheitskräfte ein kleines Gerangel stoppen, bevor es eskalierte.
Fünf Raketen aus dem Libanon waren am frühen Vormittag auf die Bucht von Haifa angeschossen worden. Während vier Raketen abgefangen und zerstört werden konnten, traf die fünfte auf ein Baugerüst. Ein Mann, 30, wurde dabei leicht verwundet.
Erneut hat der Islamische Djihad ein Video von Sasha Trufanov veröffentlicht, es ist das zweite innerhalb weniger Tage und das vierte überhaupt. Auch bei diesem Video ist unklar, wann es aufgenommen wurde. Erneut bezeichnete Trufanov sich als 28 Jahre, obwohl er vor wenigen Tagen 29 Jahre alt wurde. Offensichtlich war ihm der Text diktiert worden. Er bat MK Arye Deri, die Regierung von der Freilassung der Geiseln zu überzeugen und bezog sich dabei auf die jüdische Verpflichtung, alle Geiseln freizulassen.

Die gute Nachricht des Tages: Im schwer getroffenen Kibbutz Be’eri fand gestern die erste Chuppa seit dem 7. Oktober 2023 statt. Hagai und Idan trafen sich im vergangenen Jahr bei der Shiva für die Eltern von Hagai, die beim Massaker grausam ermordet worden waren. Mitten in der Trauer trafen sich die beiden und beschlossen, ihr weiteres Leben zusammen zu verbringen. Mazal tov und ein langes glückliches Leben dem jungen Paar!
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