Krieg in Israel – Tag 417

25. Cheschwan 5785

Auch heute muss die IDF leider den Tod eines Soldaten bekannt geben. Sgt. First Class Yona Betzalel Brief, 23, s’’l, verlor den Kampf um sein Leben. Er war beim Massaker vom 7. Oktober 2023 im Kampf gegen die Hamas-Terroristen schwer verwundet worden.

Um es kurz und bündig zu sagen: Das Landesgericht Jerusalem hat einer Vertagung der Anhörung von Netanyahu vom 2. auf den 10. Dezember zugestimmt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass man überlegt, die Befragungen von Jerusalem nach Tel Aviv an den OGH zu verlegen, wo es genügend bombensichere Räume gibt. Meine Wette von gestern gilt!

Die zivile Untersuchungskommission, die die Versäumnisse, das Massaker vom 7. Oktober 23 nicht zu verhindern, untersucht hat, kommt in ihrem Bericht zu erschütternden Ergebnissen.  120 Zeugen wurden in den letzten Monaten angehört und befragt. Sie hält fest, dass «Mitglieder des Kabinetts von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu direkt für den ‘Zusammenbruch des Regierungssystems am 7. Oktober’ verantwortlich waren.» Die meisten Minister tragen in unterschiedlicher Ausprägung Mitschuld daran, dass

  • weder den Bedürfnissen der Familien von vermissten oder verschleppten Personen in Bezug auf Information und Unterstützung entsprochen wurde.
  • die Bedürfnisse der kämpfenden Soldaten an der Nord- und Südfront nicht beantwortet wurden.
  • auf die Bedürfnisse der evakuierten Familien aus dem Süden und Norden keine Rücksicht genommen wurde.

IDF und Polizei müssen sich den Vorwurf der mangelnden Koordination, vor allem auf dem Gelände des ‘Musik-Festivals’ gefallen lassen.

Stabschefs der vergangenen zehn Jahre, darunter auch Benny Gantz, wird vorgeworfen, «das Konzept einer kleineren Armee mit übermässiger Abhängigkeit von Technologien vorangetrieben zu haben.» Der ehemalige VM Yoav Gallant und Generalstabschef Herzi Halevi, sowie andere hochrangige Militärs müssen sich die Frage gefallen lassen, warum der Einsatz der IDF an der Grenze zu Gaza so drastisch reduziert wurde, was «die mangelnde Einsatzbereitschaft der Soldaten auf den verschiedenen Stützpunkten im Südkommando und die Aufgabe der weiblichen Feldbeobachter am 7. Oktober», zur Folge hatte.

Die Führung der IDF war auch direkt verantwortlich für das Ignorieren der durchaus vorhandenen Warnsignale und die Missachtung der Warnungen der Aufklärungseinheiten.

Gravierend war auch die fehlende Weiterleitung aller Informationen vom Abend des 6. und frühen Morgen des 7. Oktobers an die Kommandeure und Soldaten vor Ort.

Das Südkommando und die Gaza-Division, haben, so die Schlussfolgerung, ‘jämmerlich versagt’, «bis hin zum Zusammenbruch aller Verteidigungssysteme, da die Soldaten im Einsatz auf sich allein gestellt waren und viele Stunden lang keine Verstärkung eintraf.»

Den Teil, der sich mit der Verantwortung von Netanyahu beschäftigt, zitiere ich:

«In einem vernichtenden Bericht der unabhängigen zivilen Untersuchungskommission, die die Versäumnisse der Regierung im Vorfeld und während des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 untersucht, wird PM Benjamin Netanyahu als „verantwortlich für die Untergrabung aller Entscheidungszentren, einschliesslich des Kabinetts und des Nationalen Sicherheitsrats, in einer Weise, die jede ernsthafte Diskussion, die eine Vielzahl von Meinungen zu wichtigen Sicherheitsfragen einschliesst, verhinderte“, bezeichnet.

In ihrem Abschlussbericht stellt die Kommission fest, dass Netanyahu dafür verantwortlich war, Kritiker seines „Geld gegen Ruhe“-Ansatzes im Umgang mit der Hamas zum Schweigen zu bringen, und dass der PM „dafür verantwortlich ist, dass er die Zugkraft an seinen Rockschössen und die Warnungen“ vor dem 7. Oktober ignoriert hat.

Netanyahu sei auch dafür verantwortlich, dass „es aufgrund des Chaos zwischen den Ministerien nicht möglich war, auf die verschiedenen Bedürfnisse an der Heimatfront zu reagieren“, heisst es in dem Bericht weiter.

Während Netanyahu für die Entscheidung verantwortlich war, die Hamas nicht präventiv anzugreifen, tragen auch die ehemaligen Premierminister Naftali Bennett und Yair Lapid die Schuld dafür, dass sie „das Konzept von Geld für Ruhe beibehalten haben, wenn auch auf unterschiedliche Weise“, so die Kommission.»

Bestehender Grenzzaun im Jordan-Tal

Das Verteidigungsministerium hat mit dem Planen eines Grenzzauns zwischen Jordanien und Israel begonnen. Alte Pläne dazu gibt es schon seit Langem, jedoch verstauben sie seit Jahren in den Schubladen. Der Zaun soll die Grenze sicherer machen, was die Infiltration von unerwünschten Personen nach Israel angeht. Dazu muss aber gesagt werden, dass die Zahl der illegalen Grenzübertritte zwischen den beiden zumindest auf dem Papier befreundeten Staaten sehr gering ist.

Allein die Planungsarbeiten werden mehrere zehn Millionen Schekeln verschlingen, die im derzeitigen Budget nicht aufgeführt sind. Die Arbeiten sind für die kommenden Monate vorgesehen und sollen « die Bereitschaft des Verteidigungsapparats für die Errichtung einer Barriere an der Grenze zu Jordanien gemäss den Entscheidungen der politischen Ebene in dieser Angelegenheit erhöhen», fügt das Ministerium hinzu. Die Länder teilen sich bereits eine 309 km lange Grenze, die teilweise mit veralteten Zäunen ausgestattet ist. Diese Grenze soll aber dennoch ausreichend sein, um zumindest den Waffenschmuggel zu verhindern.

Dass der neue VM bereits in den ersten Wochen seines Amtes so massgebliche Punkte wie Grenzzäune und Abschaffung der Verwaltungshaft thematisiert, deutet darauf hin, dass er das Sprachrohr Netanyahus ist. Tatsächlich ist der Zaun, oder besser noch eine Mauer, seit Jahren der Traum des PM, der aber aus Kostengründen nie umgesetzt wurde. Und die Abschaffung der Verwaltungshaft für jüdischen Terroristen ist nichts anderes als ein Geschenk für die aggressiven Siedler, die in der Regierung durch rechts-extrem-nationalistische Politiker bestens vertreten sind. Leider ist sie aber auch ein Zeichen der beginnenden ‘Apartheidpolitik’ Israels!

Bravo Herr Katz, so sichert man sich das Wohlwollen des Chefs!

Nicht nur, dass die Bürger-Vertreter der nördlichen Gemeinden Israels vom geplanten Waffenstillstandsabkommen mit der Hisbollah enttäuscht sind, sie zeigen auch die auf sie zukommenden Probleme auf.

Grundsätzlich sind sie sicher, dass die Gefahr für ihre Gemeinden im Bereich der Grenze zum Libanon keinesfalls gebannt ist und daher die Sicherheit der Bewohner nicht gewährleistet werden kann. So ist im geplanten Abkommen keine ausschliesslich von der IDF gesicherte Pufferzone vorgesehen. «Die Bewohner des Nordens haben ihre Häuser über ein Jahr lang nicht verlassen, nur um wieder die Hisbollah als Nachbarn zu haben», sagt Eitan Davidi, Vorsitzender vom Moschaw Margaliot.

David Azoulay, Bürgermeister von Metula, betont: «70 % der Häuser in Metula sind beschädigt oder zerstört. Der Wiederaufbau wird mindestens zwei Jahre dauern. So lange gibt es keine Sicherheit.»

Zwischen 60.000 und 80.000 Menschen haben vor mehr als einem Jahr ihre Häuser verlassen. Bisher kommen aus dem Libanon täglich zwischen 90 und 200 Raketen. Auch wenn die Hisbollah mittlerweile oft Ziele in Zentral-Israel angreift, gibt es doch täglich Alarm in den betroffenen Gebieten im Norden.

Auch wenn die IDF angeblich behauptet hat, ihre Ziele im Libanon weitgehend erreicht zu haben, sicher ist das Gebiet noch ganz und gar nicht.

Das Heimatfrontkommando befürchtet, dass vor der Verkündigung eines Waffenstillstands die Angriffe von der Hisbollah noch ansteigen werden und haben daher beschlossen, die Warnstufe noch einmal hinaufzusetzen. Schulen bleiben weiterhin geschlossen und Veranstaltungen sind auf wenige Teilnehmer reduziert.

Benny Gantz zeigt sich unzufrieden mit dem geplanten Abkommen. Er bezeichnet es als ‘halbe Arbeit’ und pocht darauf, dass Israel die sofortige Handlungsfreiheit gegen die Hisbollah behalten muss. Offenbar ist derzeit vorgesehen, dass die IDF dem ‘Überwachungsausschuss’ Bericht über eine Notwendigkeit der Reaktion geben muss. Dort wird der Bericht geprüft und je nach Ergebnis, wird eine Reaktion gestattet oder nicht.

Wie dumm ist das denn?

«Die Idee, dass wir dem Ausschuss Bericht erstatten und erst dann Massnahmen ergreifen, ist grundlegend falsch, da die Hisbollah unsere Geheimdienstquellen verbrennen und die Mittel der Kriegsführung verlagern wird», schreibt Gantz auf X und bezieht sich dabei offenbar auf das internationale Gremium, das den Waffenstillstand überwachen wird.

«Es ist unmöglich, von einem ‚vorübergehenden Waffenstillstand‘ zu sprechen. Ein Abzug der Truppen würde eine Dynamik schaffen, die es uns erschweren und es der Hisbollah erleichtern würde, sich neu zu formieren. Wir dürfen nicht nur die halbe Arbeit machen. Wir dürfen die Gelegenheit für ein starkes Abkommen, das die Situation im Norden grundlegend verändern wird, nicht verpassen.»

Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell weiss es natürlich wieder einmal am allerbesten, was gut für Israel ist! Das geplante Abkommen enthalte alle Sicherheitsgarantien für Israel, deshalb sagt er: «Es gibt keine Entschuldigung dafür, einen Waffenstillstand nicht umzusetzen … Keine Ausreden mehr. Keine weiteren Forderungen. Beendet diese Kämpfe. Hört auf, Menschen zu töten.» Wieder einmal nimmt er nur Israel aufs Korn und ‘vergisst’ erneut, dass der Krieg nicht von uns, sondern uns von den Iran-Stellvertretern Hisbollah und Hamas aufgezwungen wurde. Borell kommt mir wie ein Nachfolger der einstigen spanischen Inquisition vor, er hasst Juden!

Osama Hamdan, ranghoher Vertreter der palästinensischen Terror-Organisation Hamas im Libanon, betonte, dass die Hamas den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah unterstützt. «Jede Ankündigung eines Waffenstillstands ist willkommen. Die Hisbollah hat unserem Volk zur Seite gestanden und erhebliche Opfer gebracht.» Zwar hatte die Hisbollah zuvor erklärt, die Kämpfe nur dann einzustellen, wenn der Krieg in Gaza endet.

Eine Salve von mehr als zehn Raketen wurde auf den westlichen Galil abgeschossen. Während einige abgefangen werden konnten und andere über freiem Gebiet abstürzten, gab es auch einige Einschläge. Zwei Personen wurden durch Schrapnells in Nahariya verletzt. Eine 70 Jahre alte Frau trug schwere Verletzungen davon, ein 80-Jahre alter Mann wurde leicht verletzt. In Nahariya brach aufgrund eines Treffers ein Feuer aus. In Kiryat Shmona wurde ein Haus von einer Rakete getroffen. Es entstand Sachschaden, verletzt wurde niemand.

Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000, als sich Israel aus dem südlichen Libanon zurückzog, erreichten IDF-Bodentruppen den Litani-Fluss und das Wadi Saluki. In den letzten Tagen des zweiten Libanon-Krieges galt die Schlacht um Saluki als eine der härtesten Konfrontationen des Krieges. In der Region zwischen dem Litani-Fluss und dem ‘Wadi Saluki’ gelang es der Hisbollah, ein dichtes Netz von Infrastrukturen aufzubauen. Und die UNIFIL hat natürlich nichts davon gesehen. Am 16. Januar 2024 hatte die IDF schon einmal dieses waldige und hügelige Gebiet unter Beschuss genommen. Wie bereits im Libanon Krieg wurden sie schnell fündig: Hunderte von Waffen wurden beschlagnahmt, Dutzende Bunker aufgefunden und zerstört und einige Dutzend abschussbereite Raketenwerfer ebenfalls zerstört. Die IDF gab an, im Gebiet des Litani-Flusses auf zahlreiche bewaffnete Hisbollah-Terroristen getroffen zu sein, die sich im unwegsamen Gelände versteckt hatten. Wadi Saluki liegt etwa 10 km von der israelischen Grenze entfernt. Der östliche Verlauf des Litani-Flusses verläuft etwa 4 km von der israelischen Grenzstadt Metula entfernt.

Die IDF wird ihren Grund dafür haben. Ob es in dem Moment, wo ein Waffenstillstand unmittelbar bevorstehen könnte, für die Zeit danach, diplomatisch geschickt ist, weiss ich nicht. Die IDF hat am frühen Nachmittag eine ‘extensive’ Angriffswelle auf Beirut geflogen. Die Bewohner von mehr als 20 Gebäuden wurden vorher dringend aufgefordert, ihre Häuser und Wohnungenzu verlassen. Innerhalb von nur zwei Minuten war der Angriff vorbei. Bis anhin gibt es noch keine Erklärungen der IDF. Für einige Gebäude gab es keine Warnung, der Angriff kam völlig überraschend. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um eine gezielte Tötung handelte. 



Kategorien:Israel, Politik

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