Krieg in Israel – Tag 427

5. Kislev 5785

Knesset-Sprecher, Amir Ohana, hat sich in einem offiziellen Schreiben an das Bezirksgericht Jerusalem darüber beschwert, dass der Terminplan für die Befragungen von Netanyahu nicht mit ihm abgestimmt wurde. Das entsprechende Gesetz soll verhindern, dass «eine Behörde, die Judikative, nicht in die Arbeit einer anderen Behörde, der Legislative, eingreift.» Er führt an, dass Plenarsitzungen der Knesset regelmässig für Montag, 16 Uhr und Mittwoch, 11 Uhr angesetzt sind. «Es stimmt, dass nicht immer die Anwesenheit aller 120 Abgeordneten erforderlich ist, aber dafür ist der Koordinierungs- und Abstimmungsmechanismus gedacht», schreibt er. Hierzu zwei Fragen: Seit wann kennt Ohana den Plan? Zumindest ebenso lange wie wir Leser von Zeitungen. Und dort ist er schon seit Wochen ein Thema! Der derzeitige Stand der Netanyahu Wünsche: Befragungszeit 10 bis 15 Uhr, an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen. Ergo: An der Sitzung von Montag, 16 Uhr kann er teilnehmen. Die letzten Vorbereitungen kann er auf dem Weg von Tel Aviv nach Jerusalem treffen. Mittwoch, 11 Uhr ist nicht gut, da ist er schlimmstenfalls einige Wochen abwesend. Davon wird die Politik im Land auch nicht besser oder schlechter. Mögliche Sitzungstage sind, je nachdem wie das Gericht plant: Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Warum schreibt Ohana den Brief erst heute? Ganz klar, er ist ein weiterer Joker in der Tasche von Netanyahu. Ein neuer Kandidat für Tricks und Shticks von Netanyahu! Also, meine Wette bleibt weiter aufrecht! 

Dass der Staatspräsident von Paraguay, Santiago Peña, gerade am kommenden Mittwoch die Botschaft in Jerusalem eröffnet und anschliessend in einer Sondersitzung der Knesset geehrt werden soll, ist eine Fehlplanung der Knesset. Da kann man sicher eine Ausnahme vom Gericht erreichen, die Anfrage von Ohama dient nur dazu, das Gericht auszuhebeln. Die Antwort muss bis Sonntag beim OGH vorliegen.

Majdi Aqilan, Kommandant der palästinensischen Terror-Organisation Hamas, der den Angriff auf Nahal Oz während des Massakers vom 7. Oktober leitete, wurde mit einem gezielten Angriff eliminiert. Bei dem Angriff wurde auch Mamdouh Mehna, ein Spezialist für den Tunnelbau, der ebenfalls in Nahal Oz aktiv war, sowie ein weiterer, hochrangiger Terrorist, Ahmed Suwaidan, der an der Verschleppung von Israelis während des Massakers beteiligt war, eliminiert.

IDF-Truppen operieren nach wie vor und entsprechend den Vereinbarungen des Waffenstillstands im Süden des Libanons. In einem Gebiet im Westen der Pufferzone fanden sie erneut mehrere auf Israel ausgerichtete und scharfe Raketenwerfer, Granaten. Scharfschützengewehre, Munitionskisten und Raketen. Die vorgefundenen Waffen wurden zerstört.

IAF-Kampfjets flogen während der Nachtstunden zahlreiche Angriffe auf Grenzübergänge und Landwege zwischen Syrien und dem Libanon. Die Angriffe fanden an der gesamten Nordgrenze des Libanons zwischen Arida, am Meer gelegen, und der Region al-Qusayr, dem nord-östlichsten Teil des Libanons, statt. Über diese Übergänge fand auch in den letzten Tagen immer wieder Waffenschmuggel aus dem Iran via Syrien in den Libanon statt.

Der Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses, Hossam Abu Safaieh, im Norden des Gazastreifens, berichtete, dass heute am frühen Morgen die IAF einige Angriffe auf das Areal geflogen hat. «Die Nord- und Westseite des Gebäudes gerieten unter schweren Beschuss, vier Mitarbeiter wurden dabei getötet.» Mahmud Bassal, Sprecher der Zivilschutzbehörde erklärte, dass die IDF heute Vormittag das Spital betreten und mehrere Palästinenser festgenommen hätte. Schon seit einigen Tagen sind die Patienten des Krankenhauses in andere Spitäler evakuiert worden. Von der IDF war bisher kein Kommentar gekommen.

Die gute Nachricht des Tages:  Der Terror-Anschlag auf die ‘Adass Israel Synagoge’ in Melbourne am heutigen Vormittag verursachte umfangreiche Schäden am Gebäude. Der australische PM Anthony Albanese verurteilte den Anschlag als ‘antisemitisch’. Er verweist aber, und das ist signifikant, auf die Resolution der UN-Vollversammlung, in der Israel zum sofortigen Rückzug aus Gaza und der Westbank aufgefordert wurde. Welch infamer Hinweis an so einem Tag!

Kurz nach dem Anschlag entdeckte die Polizei einen Mann, der, einen Hammer schwingend, auf die neben der Synagoge liegende koschere Bäckerei zulief. Die Mitglieder der Gemeinde bildeten eine Art Mauer vor der Bäckerei, um diese und die Mitarbeiter zu schützen, bis die Polizei eintraf.

Die Bäckerei ‘Glick’ wurde 1960 von Mendel Glick mit seiner Frau Sarah gegründet. Mendel Glick, 1924 in einer polnischen Stadt in der Nähe der tschechischen Grenze geboren, überlebte sechs KZs, darunter Auschwitz und Buchenwald. Er war der einzige Überlebende seiner ehemals grossen Familie. Seine Eltern und neun Geschwister wurden ermordet. Nach dem Krieg lebte er in einem Camp für Vertriebene und kochte in einer US-amerikanischen Militärbasis.

1949 wanderte das Ehepaar nach Melbourne aus, wo sie 1960 die erste, heute noch bestehende Bäckerei gründeten. 2017 verstarb er als Patriarch einer wiederum grossen Familie: 170 Kinder, Enkel und Urgrossenkel führen sein Vermächtnis fort.

An vier Orten in Melbourne kann man seine Spezialitäten kaufen: gekochte Bagels, die vegetarisch oder vegan gefüllt, nach einem alten europäischen Rezept hergestellt werden. Challot, traditionelle jüdische Kuchen und Kleingebäck, alles, was die alte Bäckerkunst hergibt, findet man nicht nur in Melbourne, sondern in guten Supermärkten in ganz Australien. ‘If it’s Glick’s it’s good’, das war der Leitspruch von Mendel Glück und der gilt auch heute noch!



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar