Krieg in Israel – Tag 429

7. Kislev 5785

Die IDF muss auch heute leider den Tod eines Soldaten bekannt geben. Cpt. Avraham Ben Pinchas, 24, s’’l, verlor sein Leben bei einem Kampf im südlichen Gazastreifen. Vor zwei Monaten hatte er im Kampf bereits eine schwere Kopfverletzung erlitten. Unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Spital meldete er sich zurück an die Front.

Die Frage des Tages und wahrscheinlich auch der kommenden Tage ist: Wie wird sich Syrien entwickeln, nachdem die Rebellen-Gruppe ‘Hayat Tahrir al-Sham’ Damaskus eingenommen und den langjährigen Diktator Bashar al-Assad samt seiner Familie verjagt hat. Sämtliche Gefängnisse und Folteranstalten wurden geöffnet und alle Insassen, die teils jahrelang festgehalten wurden, wurden freigelassen.

Mohammed Ghazi Al-Jalali, PM von Syrien, betonte, er sei bereit, mit der neuen Regierung, die vom Volk gewählt würde, zusammenzuarbeiten. «Dieses Land kann ein normales Land sein, das gute Beziehungen zu seinen Nachbarn und der Welt aufbaut … aber diese Frage liegt bei jeder Führung, die vom syrischen Volk gewählt wird.» Wir hoffen natürlich, dass dies auch für Israel gilt!Für die Zeit von heute 16 Uhr bis Montag, 05 Uhr ist für Damaskus ein Ausgangsverbot verhängt worden.

Für Russland und den Iran stellt das Ende der Assad-Diktatur einen schweren Schlag dar. Mit Syrien verlieren sie ihren besten Alliierten in der Region. Erst gestern hatten sich die Aussenminister von Russland, der Türkei und des Irans in Doha zu einer Konferenz getroffen (s. Blog von gestern). Katar, Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten, Irak, Iran, die Türkei und Russland gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Krise als gefährliche Entwicklung bezeichneten und eine politische Lösung forderten. Moskau hat alle oppositionellen Gruppen in Syrien aufgefordert, keine Gewaltausbrüche zu tolerieren.

Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die stärkste Rebellengruppe, ist die ehemalige Al-Qaida-Tochter in Syrien, die von den USA und anderen Staaten als terroristische Organisation eingestuft wird. Viele Syrer befürchten weiterhin, dass HTS eine islamistische Herrschaft errichten wird. Abu Mohammed al-Golani, Führer von HTS, hat mehrfach betont, nichts mehr mit Al-Qaida oder IS zu tun zu haben. Er wolle sich auch nicht in interne Dinge von Minderheiten einmischen. Wie sich das wohl mit einem heute erfolgten Angriff auf die Kurden im Norden Syriens vereinbaren lässt? Weiterhin lehnt er islamistische Angriffe im Ausland strikt ab.

Die IDF hat den gesamten Grenzbereich zwischen Israel und Syrien auf dem Golan zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Die Sperre gilt zunächst bis zum Monatsende. Der Golan ist ein überwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die Bauern dürfen ab sofort nur in Abstimmung mit dem Militär ihre Felder betreten. Die vier drusischen Gemeinden Buq’ata, Ein Qiniye, Mas’ade und Majdal Shams stellen ab sofort den Unterricht auf ‘Home-schooling’ um, die Kindertagesstätten werden zunächst wie gewohnt weitergeführt.

Die Stationierung der IDF in der Pufferzone erfolgt in enger Absprache mit den UNDOF-Truppen, die für die Pufferzone verantwortlich sind.

Israel hat die Rebellen gewarnt, sich der Pufferzone im Süden Syriens zu nähern. Gestern nahm die IDF Bewaffnete unter Beschuss, die versuchten, sich einem UN-Posten in der Nähe von Hader zu nähern.

Auch die libanesische Armee hat ihre Truppenpräsenz an allen Grenzen zu Syrien verstärkt.

Dan Shapiro, stv. Staatssekretär im US-amerikanischen Verteidigungsministerium für den Nahen Osten, betont, dass die USA im Osten Syriens weiterhin präsent sein werden. Ihre Aufgabe sei es, zu überwachen, dass die IS nicht wieder erstarken kann. «Wir fordern alle Parteien in Syrien auf, Zivilisten zu schützen, insbesondere Angehörige der Minderheiten in Syrien, internationale Militärnormen zu respektieren und auf eine Lösung hinzuarbeiten, die eine politische Einigung einschliesst», so Shapiro.

Ob sich Assad tatsächlich an Bord der einzigen Maschine befand, die heute am Vormittag von Damaskus aus abflog, ist noch nicht bestätigt. Unbestätigt ist auch das Schicksal des Flugzeuges selbst. Die Maschine hob zeitgleich mit der Eroberung von Damaskus vom Flughafen ab, flog dann zunächst Richtung Küste. Dann aber machte sie einen scharfen Kurswechsel und flog Richtung Homs, wo sie vom Radar verschwand. Als Zielort des Fluges war Moskau angeführt. Allerdings wurde bekannt, dass etwa zur gleichen Zeit eine Frachtmaschine vom Militärflughafen Latakia abflog….

Jetzt haben wir auch das hochoffiziell! Netanyahu, der grösste Friedensstifter im Nahen Osten, hat mit seinem 14 Monate langen Kampf gegen «den Iran, die Hamas, die Hisbollah und andere iranische Stellvertreter seit dem 7. Oktober letzten Jahres den Hauptunterstützern des Assad Regimes so viele Schläge versetzt, dass der Fall des Regimes das direkte Ergebnis davon ist.» Netanyahu warnt davor, dass die Flucht Assads aus Syrien neben neuen Chancen auch Risiken mit sich bringt.

Während des Bürgerkriegs hatte Israel zahlreichen schutz- und hilfesuchenden Patienten aus Syrien eine Behandlung entweder vor Ort in Feldspitälern oder in den Krankenhäusern Nordisraels ermöglicht. «Hunderte syrische Kinder wurden hier in Israel geboren.»

Im Juni 2023 bezeichnete ‘The Jerusalem Strategic Tribune’ Netanyahu noch als den grössten Verlierer des syrischen Bürgerkrieges. «Das Überleben des Assad-Regimes, das eng mit dem Iran verbündet ist, kommt einem strategischen Misserfolg Israels gleich.» Wie schön, ein später Ruhm ist besser als gar keiner. Das Problem ist, ich sehe bisher nichts Ruhmreiches in seiner Politik der letzten 14 Monate….und davor.

Zurück nach Israel:

Die am Freitag in einem Brief an das Bezirksgericht Jerusalem formulierte Kritik am Vorgehen des Gerichts wird durch kein Gesetz unterstützt. Knesset-Sprecher Amir Ohana hatte das Gericht aufgefordert, die Vernehmungs-Zeiten Netanyahus mit ihm und der Agenda der Knesset abzusprechen. Sagit Afik, Rechtsberaterin der Knesset, wurde pikanterweise vom damaligen Knesset-Sprecher und heutigem Justizminister Yariv Levin eingesetzt. In einem neun Seiten langen Rechtsgutachten widerspricht Afik der Klage Ohanas und erklärt, «dass in Fällen, in denen Abgeordnete Angeklagte sind, keine solche Rücksprache erforderlich ist, obwohl dies nicht für zusätzliche Abgeordnete gilt, die keine Angeklagten sind und möglicherweise später im Prozess gegen Netanyahu aussagen müssen.» Das Gericht folgte dem Schreiben von Afik und wies den Antrag Ohanas ab. Jishar koach, Sagit!

Die IDF ist nach wie vor dabei, die Zeit bis zum Ablauf des vorläufigen Waffenstillstands zu nutzen, um noch immer vorhandene Waffendepots, Raketenwerfer, Tunnels und sonstige terroristische Infrastrukturen der Hisbollah zu zerstören. So fanden sie heute ein Lager mit einigen hundert Panzer-Abwehr-Raketen, Granaten und andere Waffen sowie einen auf einen Pick-up montierten mobilen Raketenwerfer.

Im Norden des Gazastreifens, in der Nähe von Jabaliya, konnte die IDF einen weiteren Tunnel zerstören. Er war einige hundert Meter lang, teils vermint, mit einigen Waffenlagern versehen und ermöglichte es den Terroristen, durch zahlreiche Ausgangsschächte jederzeit vor den IDF-Truppen aufzutauchen und sie anzugreifen. Dazu gab es einige Wohn- und Aufenthaltsräume.

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas hat die Befragungen anderer Terror-Gruppen fortgesetzt, um Informationen über den Aufenthalt der Geiseln zu erfahren. Sie sieht es jedoch als problematisch an, diese Informationen zu erhalten, bevor Israel nicht sämtliche Kampfhandlungen einstellt.

Die IDF hat eine Chemiewaffenfabrik in Syrien angegriffen und zerstört. Obwohl es nicht klar war, ob diese Fabrik noch aktiv war, wollte die IDF sicherstellen, dass sie nicht in die Hände der Rebellen fällt. Am Nachmittag führte die IAF drei Angriffe auf einen Sicherheitskomplex in einem Gebiet im südlichen Damaskus aus. Der Komplex war bis vor Kurzem von iranischen Wissenschaftlern genutzt worden, um dort neue Raketen zu entwickeln.

PS: Assad hat Chemie-Waffen und Fassbomben gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt! Und wenn wir gerade dabei sind: In Homs hat er etwa 30.000 Zivilisten massakriert.



Kategorien:Israel, Politik

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