Krieg in Israel – Tag 444

22. Kislev 5785

Ein Grossbrand brach in einem Internat für Mädchen in ‘Mea Shearim’, dem Viertel der Ultraorthodoxen in Jerusalem, aus. 26 Schülerinnen waren gefangen und mussten von der Feuerwehr gerettet werden. 48 Personen wurden insgesamt verletzt. Drei Mädchen wurden schwer verletzt, weitere erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen. Die Sicherheitskräfte durchkämmten das Gebäude, um sicherzustellen, dass keine weiteren Personen eingeschlossen waren. Die Brandursache ist noch nicht bekannt. Filme zeigen, dass das Haus eingerüstet war und offensichtlich Bauarbeiten zumindest an der Fassade stattfanden.

Tag fünf der Befragungen von Netanyahu im Bezirks-Gericht in Tel Aviv hat pünktlich begonnen.

Das Büro der Staatsanwaltschaft liess einen Brief veröffentlichen, der den Inhalt der Besprechung des Richterteams am letzten Mittwoch zusammenfasst. Auch wenn Netanyahu nicht in alle aufgeführten 312 Punkte der Anklageschrift selbst involviert war, so wusste er von allen Anfragen. Keiner der Punkte wird aus der Anklageschrift gestrichen und daher müssen alle behandelt werden.

Netanyahu glaubt(e) offensichtlich, mit Geld alles regulieren zu können. Nachdem ihm 2013 klar wurde, dass der von ihm eingefädelte Deal mit Shaoul Elovitch nicht den gewünschten Erfolg zeigte (s. Berichte von letzter Woche Dienstag), versuchte er, den australischen Geschäftsmann James Packer zu überzeugen, das Nachrichtenportal ‘Walla’ zu kaufen. Auch der Kauf von ‘Yedioth Ahronoth’ und ‘ynet’ schien ihm eine Option zu sein. Die dritte Möglichkeit war sein eigenes, rechtes Nachrichtenportal zu gründen.

Netanyahu ist besessen von der Angst vor ‘den Linken’: «Es ist unvorstellbar, dass es keine Vertretung gibt. Es ist eine massive Öffentlichkeit … schalte das Radio ein – links; gehe raus – links; komme abends nach Hause – links; schaue die Nachrichten … [es ist alles] links, links, links; aktuelle Angelegenheiten – links. Ist das gesund?» Netanyahu versucht damit, einen der Hauptanklagepunkte zu entkräftigen. Dieser lautet, dass er versucht habe, Elovitch mit geldwerten Gegenleistungen zu einer positiven Berichterstattung über ihn und seine Ehefrau Sara zu bringen. Was, wie er in der vergangenen Woche aussagte, nicht geklappt hat.

Im Übrigen seien alle Papiere von Rechtsanwälten geprüft worden, bevor er sie unterschrieb, also gebe daher keinen Grund, diese hier nochmals zu prüfen. In vielen Fällen habe er gar nicht gewusst, was er unterschreibe, er sei mit dem Kopf ganz woanders gewesen. Und er hätte den Inhalt damals wie heute nicht verstanden. Das wirft kein ‘besonders gutes Bild’ auf den PM!

Und schon wieder bittet Netanyahu um eine Unterbrechung, nachdem ihm wieder einmal ein Zettel zugesteckt wurde. Diesmal lehnen die Richter ab. Er möge doch bitte bis zur Mittagspause warten.

Der Nachmittag verlief mit den üblichen Entschuldigungen, Verleugnungen, Anklagen von anderen, nicht anwesenden….

Pünktlich um 14 Uhr erklärte er den Richtern: «Ich muss jetzt gehen, um mich regierungswichtigen Dingen zuzuwenden.»

In einer Stunde wird sich Netanyahu mit einer Rede an die Knesset wenden.

Oppositionssprecher Yair Lapid betonte heute entschieden, dass die Opposition nur mit einer staatlichen Untersuchungskommission zum 6. und 7. Oktober 2023 kooperieren wird.

«Der Vorschlag der Koalition besagt, dass der Präsident die Vertreter für den Ausschuss auswählen wird, wenn die Opposition nicht kooperiert. Das wird nicht geschehen. Wir werden nicht Teil eines Betrugs sein», sagte er. «Präsident Herzog wird sich selbst nicht erniedrigen, noch wird er die Institution des Präsidentenamtes erniedrigen, indem er bei einem offensichtlichen Versuch kooperiert, sich der Verantwortung zu entziehen.»

Der Iran plant, einen Luftkorridor zu installieren, um weiterhin Waffen für die Hisbollah in den Libanon transportieren zu können. Seit dem Fall des Assad-Regimes ist der Landweg durch Syrien für sie versperrt. Anstelle des jetzt unerreichbaren Flughafens von Damaskus wollen sie den Flughafen von Beirut nutzen. Sollte ihnen das gelingen, wäre es ein klarer Verstoss gegen die Bedingungen des ausgehandelten Waffenstillstandsabkommens. Und damit ein Grund für Israel erneut militärische Massnahmen zu ergreifen.

Zwei Wochen nach der Entmachtung des ehemaligen syrischen Diktators beginnt der neue syrische Machthaber, Ahmed al-Shara’a, die ersten nationalen und internationalen diplomatischen Beziehungen aufzunehmen. In einer Pressemeldung betonte er, dass «alle im Land aufgefundenen Waffen, inklusive den von den kurdischen Milizen gehaltenen, unter staatliche Kontrolle gestellt werden.» Nach einem ausführlichen Gespräch mit den libanesischen Drusen-Führern sprach er mit dem türkischen Aussenminister Hakan Fidan. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellte er fest, dass «die bewaffneten Fraktionen Syriens ihre Auflösung bekannt geben und in die Armee eintreten werden. Wir werden absolut nicht zulassen, dass es im Land Waffen ausserhalb der staatlichen Kontrolle gibt, sei es von den revolutionären Fraktionen oder den Fraktionen, die im Gebiet der SDF (Syrian democratic forces) präsent sind.» Der türkische FM betonte seinerseits, er werde alles tun, um die bestehenden Sanktionen gegen Syrien zu beenden und den Flüchtlingen die Rückkehr zu ermöglichen. Etwa drei Millionen von ihnen leben heute in der Türkei. Auch der jordanische FM Ayman Safadi machte heute dem neuen Machthaber in Syrien mit einer grossen Delegation seine Aufwartung. Die Themen der Besprechung waren: Handelsbeziehungen, Grenzmanagement, Sicherheitsfragen und infrastrukturelle Kooperationen.

Die IDF fand auf dem Golan Teile eines abgestürzten IAF Helikopters aus dem Jahr 1974. Der Helikopter war ein SA 321 Super Frelon, genannt die ‘Wespe’. Der mittelschwere Transportheli der AF war am 27. April 1974, während des Yom-Kippur-Krieges, unterwegs, um verletzte Fallschirmspringer zu retten. Während eines Landungsversuchs in der Nähe eines Militärpostens in Syrien, stürzte er ab. Alle sechs Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Ihre sterblichen Überreste wurden geborgen und nach Israel gebracht.

Die Rose des Tages geht an die IDF: Um die Moral der im Gazastreifen anwesenden Truppen zu heben, hat die IDF sich etwas einfallen lassen, einen kleinen SPA. Eine Meerwasser-Entsalzungsanlage produziert täglich tausende Liter Trinkwasser. Aber auch Wasser für den Betrieb der Waschmaschinen, für die Küche und andere Infrastrukturen. Hier gibt es einen Coiffeur und Massagen. Das Internet soll selbstverständlich kostenlos angeboten werden. Das kleine Resort liegt am Strand, errichtet in Leichtbauweise. In der Mitte der Gebäude spielt ein Kunstrasenplatz etwas von Normalität vor. Soldaten produzieren Zuckerwatte und Popcorn, in der Küche gibt es Steaks, Burger, und andere lange vermisste Köstlichkeiten. Auch psychologische Betreuung wird angeboten. Für die, die beten wollen, gibt es Gebetbücher und Tefillin.

Herzlichen Glückwunsch an den, der die Idee hatte, Jishar Koach!



Kategorien:Israel, Politik

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