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Yarden Bibas, 35, Keith Siegel, 65, und Ofer Calderon, 54, sind am frühen Vormittag sicher in Israel angekommen. Bibas und Calderon wurden in Khan Younis bei der schon bekannten, zynisch orchestrierten Verabschiedung vorgeführt, um anschliessend dem IRK und dann der IDF übergeben zu werden. Siegels ‘Verabschiedung’ fand am ‘Hafen von Gaza’ statt. Auf übergrossen Plakaten stand dreisprachig zu lesen «Der Zionismus wird nicht siegen». Die freigelassenen Geiseln erhielten wieder die bereits obligatorischen Papierbeutel, Siegel erhielt einen zweiten Beutel, der für seine Frau Aviva gedacht war, die im November freigelassen wurde.

Die IDF verlangte eine sofortige Information über den Zustand von Shiri, Kfir und Ariel Bibas. Am 30. November hatten die Terroristen Yarden Bibas über den Tod seiner Familie durch einen israelischen Luftangriff informiert und ihn gezwungen, ein Video aufzunehmen. In dem Video beschuldigte er Netanyahu, die Überführung der sterblichen Überreste seiner Frau und Kinder nach Israel zu verhindern. Israel stufte das Video als PR-Video ein. Es wurde daher nie veröffentlicht. Bisher fehlt jede Bestätigung über den Tod der drei, jedoch verdichten sich die Befürchtungen immer mehr, dass sie nicht mehr als Leben sind.
Insgesamt verlief die Freilassung heute wesentlich geordneter als am Donnerstag, als die Übergabe an das IRK aus dem Ruder lief und schliesslich völlig eskalierte. Israel hatte die Hamas dringend aufgefordert, eine Garantie zu geben, dass sich solche gefährlichen und für die ehemaligen Geiseln traumatischen Szenen nicht wiederholen. In einer Live-Schaltung erklärte i24-TV (Sender 787 im Menu von SRF 1), dass ein Mitarbeiter von al-Jazeera für die Inszenierung der Freilassungen zuständig sei. Die Inszenierung ist nichts anderes, als die Demonstration, dass die Hamas in Gaza bestimmt und es auch so bleiben soll. Die zweite Aussage wiederholt ihre expliziten Ziele, ganz Israel auslöschen und übernehmen zu wollen.
Nachdem der Grenzübergang Rafah heute wieder eröffnet wurde, reisten 50 kranke oder verwundete Kinder mit 61 Begleitpersonen als erste Gruppe aus dem Gazastreifen nach Ägypten aus. Entsprechend dem Abkommen wird erwartet, dass auch etwa 50 mit der palästinensischen Terror-Organisation-Hamas verbundene Personen ausreisen dürfen.

Arabische Aussenminister wiesen bei einem Treffen in Kairo heute den Vorschlag Trumps dezidiert zurück, palästinensische Zivilisten aus Gaza aufzunehmen. Die Sitzung fand mit Vertretern aus Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, den VAE, der PA und der Arabischen Liga statt. «Wir bekräftigen unsere Ablehnung jeglicher Versuche, die unveräusserlichen Rechte der Palästinenser einzuschränken, sei es durch Siedlungsaktivitäten, Räumungen, die Annexion oder durch die Enteignung von Land von seinen Eigentümern … in jeglicher Form und unter jeglichen Umständen oder Rechtfertigungen», hiess es in der Schlusserklärung.
Eine der derzeit wichtigsten, wenn auch selten öffentlichen Fragen in Israel ist: Wer wird der Nachfolger von Generalstabschef Herz Halevi, der am 6. März zurücktreten wird. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird der Krieg gegen die Hamas dann entweder erneut aufflackern. oder er war bis dahin nie wirklich beendet. Israel verliert mit Halevi einen ausserordentlichen Soldaten: erfahren, verantwortungsvoll, weitblickend, loyal, nicht korrumpierbar und fair. Unbeliebt bei Netanyahu, Smotrich und Ben-Gvir und anderen rechten, kriegsfreudigen Koalisten.
Drei Nachfolger stehen zur Wahl, der unfähige VM Israel Katz hat die Interviews mit ihnen schon geführt. Vielleicht hat er den Namen des Auserwählten schon in pectore. Man muss wissen, dass Katz immer das tut, was Netanyahu will. Insofern waren die Interviews reine Formsache.

Die Freilassungen von Geiseln am Donnerstag schlossen eine Veröffentlichung des Namens in den Medien aus. Jetzt werden wir den Namen wohl erst erfahren, wenn Netanyahu aus den USA zurück ist. Ein Name, der immer wieder unter der Hand genannt wird, ist Eyal Zamir, der derzeit als Generaldirektor im Verteidigungsministerium fungiert. Er ist der mit der längsten Amtszeit und den meisten militärischen Erfahrungen.

Aber macht ihn das zum passenden Kandidaten? Kanal 12 berichtete, dass die ‘Miami-Zweigstelle’ der Familie Netanyahu Bedenken gegen den Kandidaten Netanyahus hat. Sowohl Yair als auch Sara N. fordern, einen weiteren Kandidaten in Betracht zu ziehen sozusagen, das Kaninchen aus dem Zylinder: David Zini. Noch dementiert Netanyahu. Aber das hat nichts zu sagen. Am Montag gibt es genug Zeit, im erweiterten Familienrat unter der Sonne Floridas ausgiebig zu diskutieren.
Kanal 14, Netanyahus ‘Haussender’ startete eine Hetzkampagne gegen Zamir. Er sei ein «weiterer dieser ‘progressiven’ Generalstabschefs, die von israelischen Linken und amerikanischen Liberalen einer Gehirnwäsche unterzogen wurden.» Damit ist er der rechten Regierung, die alles, was ‘links-angehaucht’ ist, ablehnt und deshalb auch aus der militärischen Führungsriege aussondern will, zutiefst verdächtig.
Dann also doch der Wunschkandidat von Sara N.? 1998 als junger Hauptmann genoss Zini noch die Meinungsfreiheit auch in der IDF aus. «Nach einem langen Einsatz in den Gebieten haben wir immer mit Problemen zu kämpfen, die nicht einfach sind. Die dortigen Dilemmata führen zu Fehlern oder Apathie oder zu Hyperbarbarei und einem Mangel an Werten», wird Zini zitiert. Heute bekäme er sofort einen Maulkorb verpasst. Ob Sarah N. glücklich ist, wenn sie das erfährt?


Zum ersten Mal kamen am Freitagabend IDF-Soldaten in der süd-syrischen Pufferzone unter Beschuss. Es gab keine Verletzten. Heute Vormittag übernahm die Gruppe ‘Syrischer Widerstand’, eine dem alten Assad-Regime zugerechnete Organisation, die Verantwortung. Sie gab bekannt, dass sie «ihre Operationen gegen den israelischen Feind zusammen mit Operationen gegen die Terrorbanden von al-Julani begonnen hat.» Sie verwendete dabei den ‘nom de guerre’ des neuen syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa. «Wir werden es den Israelis nicht erlauben, unser Land zu besetzen. Wir werden ihnen mit äusserst präzisen Anschlägen und Überraschungsangriffen auflauern.»

Die gute Nachricht des Tages: Der vom Massaker vom 7. Oktober 2023 völlig traumatisierte Süden Israels beginnt langsam erste Zeichen der Rekonvaleszenz zu setzen. Normalerweise ist das kommende Wochenende der Auftakt für den ‘Roten Süden’ (darom adom), die Blüte der Anemonen im nördlichen Negev. Während der vier Wochenenden im Februar findet regelmässig das grosse Festival statt, mit Führungen, Wettbewerben, kulinarischen Verkostungen von regionalen Produkten, Handwerksmärkten … Im vergangenen Jahr wurde das Festival abgesagt. In diesem Jahr haben die Regionalverbände sich darauf geeinigt, es in einer angemessenen, verkleinerten Form stattfinden zu lassen. Heuer machte jedoch der fehlende Regen einen Strich durch die Pläne, die Blüte hat sich verzögert oder findet in viel kleinerem Umfang statt. Trotzdem finden einige Veranstaltungen unter dem Namen ‘Das Herz des Südens’ (darom balev) statt. Es wird einen Lauf im Namen der Geiseln geben, organisierte Wanderungen und eine kleine Auswahl an Workshops, Mahlzeiten und Verkostungen. Immer noch erinnern viele Zeichen an die Massaker. Jeder kleine Ort, viele Menschen haben ihre Erinnerung an diesen grauenhaften Tag. Ob es der kleine Verkaufswagen für Café und Kuchen ist, die Tickets, die es wieder gibt, um selbst Erdbeeren zu pflücken, die Gedenkstätte für das Re’im Musik-Festival. Ariel Segerman, Besitzer des argentinischen Restaurants im Kibbutz Or Haner, bring es auf den Punkt: «Hier kennt jeder jeden. Jeder Israeli sollte dieses Jahr in diese Gegend kommen, so wie wir jetzt in den Norden reisen, um diese Gegend zu unterstützen.»




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