Was geschah am 7. Februar 2025? (Krieg Tag 490)

9. Shevat 5785

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Was derzeit auf militärischer und politischer Führungsebene in Israel vor sich geht, deutet auf den Beginn einer Eskalation hin, die ungeahnte Folgen haben kann. Dass sowohl FM Gideon Sa’ar als auch VM Israel Katz nichts anderes sind als Marionetten und Sprachrohre Netanyahus, hat sich mit ihrer Ernennung auf den jeweiligen Ministerposten gezeigt. Am 28. Februar, also in knapp drei Wochen, beginnt der islamische Fastenmonat. Tausende Pilger werden zu den Freitags-Gebeten auf dem Tempelberg erwartet. Die Stimmung wird angespannt sein. Sie jetzt bereits im Vorfeld weiter künstlich anzufachen, kann zu einem unkontrollierbaren Flächenbrand führen.

1987 erschien das Buch ‘Die Kunst des Erfolges’. Im Klappentext steht: «Ich liebe es gross zu denken. Habe ich schon immer. Für mich ist es ganz einfach: Wenn du sowieso zu denken beginnst, warum dann nicht gleich im Grossen?» Auf dem Cover ein Mann, der damals noch nicht ganz so diabolisch grinste wie heute, und der schon damals non-verbal vermittelte ‘Ihr könnt mich alle mal…’. Die New York Times lobte: «Man glaubt auf einmal wieder an den amerikanischen Traum.» 41 Jahre war er damals. 30 Jahre später wurde er erstmals Präsident der USA, acht Jahre später zum zweiten Mal. Zynischer, selbstherrlicher, grössenwahnsinniger. Sein Name ist – Trump, Donald Trump.

2018 träumte er gemeinsam mit dem nordkoreanischen King Jong-un davon, an der Küste des kommunistischen Staates Luxus Resorts zu bauen.

So schnell Trump sich in seine eigenen Ideen verliebt, so schnell verwirft er sie auch wieder. Seine geistigen Flip-Flops zwischen Weltfrieden und gewaltsamer Annektierung lassen einen schwindlig werden. Trump kündigt einen Besuch in Gaza an. Der Termin ist noch ausstehend. Falls er stattfindet, dann medienwirksam. Netanyahu wird dann wie ein Hündchen hinter ihm her stolpern. Im Netzarin-Korridor war er schon, aber die schwer getroffenen Kibbutzim hat er noch nicht besucht.

Ob Trump dann die Rätsel löst, wie er den Gazastreifen ‘übernehmen’ will? Oder ob sich, wie so oft bei ihm, alles in Luft auflöst? Israels Rechte haben gejubelt, endlich geniessen die international als Parias behandelten Möchtegern-Politiker die Unterstützung durch den mächtigsten Mann der Welt. Zumindest, solange dessen Wahn anhält und sich auch Netanyahu darin sonnen kann.

Am Sonntag fliegt ein politisch gestärkter Netanyahu zurück nach Israel. Er ist keine ‘lame duck’ mehr, sondern der wieder erstarkte PM, der Sieger in der Levante. Die Hamas hat die Bekanntgabe der Namen, welche Geiseln morgen freigelassen werden, verschoben. Die Verspätung verfolgt, weil Netanyahu sich geweigert hat, ein Mediatoren-Team nach Doha zu schicken, wo die Verhandlungen zur zweiten Phase bereits am 3. Februar hätten beginnen sollen.

Netanyahu kann das nur recht sein: Wenn sie nicht ‘liefern’, kann er zurück an die Waffen blasen. Ohne Gesichtsverlust und wieder vereint mit seinen alten Kumpanen, Smotrich und Ben-Gvir. Oh ja, Netanyahu hat viel von Trump gelernt.

Nachdem VM Katz gestern den Generalstabschef angewiesen hatte, Pläne zur Ausreise der Zivilisten auf dem Land-, Luft- und Wasserweg zu erstellen, forderte er ihn gestern auf, den Leiter des militärischen Geheimdienstes, Shlomi Binder, zu rügen. Der hatte als Reaktion auf die Umsiedlung der gazanischen Zivilbevölkerung vor einem Gewaltausbruch in Judäa und Shomron gewarnt. Allerdings kritisierte er die Pläne Trumps nicht explizit. VM Katz reagierte heftig: «Es wird keine Realität geben, in der sich IDF-Offiziere gegen den wichtigen Plan von US-Präsident Trump in Bezug auf Gaza und gegen die Anweisungen der politischen Ebene aussprechen werden.» Der US-Präsident sagt ‘Frosch!’ und wir hüpfen.

FM Sa’ar begrüsste die vorgestern von Trump eingeleiteten Sanktionen gegen Mitarbeiter des ICC, die an der Verurteilung Israels aufgrund von ‘Kriegsverbrechen’ beteiligt sind und waren. Diese Verurteilung gipfelte im Ausstellen von internationalen Haftbefehlen gegen den ehemaligen VM Yoav Gallant und Netanyahu. Trump hatte gestern Wirtschafts- und Reisesanktionen gegen diesen Personenkreis beschlossen und hatte damit eine bereits während seiner ersten Amtszeit erfolgte Massnahme wiederholt. In der Begründung Trumps hiess es: «Das Gericht in Den Haag hat seine Macht missbraucht, indem es den Haftbefehl gegen Netanyahu erliess», und weiterhin, «das Tribunal hat illegitime und grundlose Massnahmen gegen Amerika ergriffen.» Die Namen der davon Betroffenen wurde noch nicht bekannt gegeben.

In einem Interview mit Kanal 14 hielt Netanyahu etwas flapsig fest: «Sollen die Saudis doch einen palästinensischen Staat machen, die haben genug Land.» Gefragt, ob er als Zeichen für eine Normalisierung mit den Saudis einen palästinensischen Staat neben Israel befürworten würde, antwortete er: «Ich werde nichts zustimmen, was die Sicherheit Israels gefährdet. Vor allem keinem palästinensischen Staat. Nach dem 7. Oktober? Wissen Sie, was das ist? Es gab einen palästinensischen Staat, er hiess Gaza. Gaza, geführt von der Hamas, war ein palästinensischer Staat, und schauen Sie, was wir haben – das grösste Massaker seit dem Holocaust.“ Ob es aber dann etwas wird mit der Annäherung an den saudischen Staat? Von dort heisst es immer wieder, dass genau dieser palästinensische Staat die Vorbedingung für weitere bilaterale Verhandlungen ist. Sollte sich Netanyahu den Allmachtsphantasien Trumps anschliessen, so ist er sehr schlecht beraten!

Der Witz des Tages: Trump wartet auf eine Einladung nach Ägypten. Präsident al-Sisi wird ihm diese allerdings verweigern. Der Grund, er hat Angst, dass Trump der Sphinx Gewalt antun wird.



Kategorien:Israel, Politik

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