Shmot, Jitro 18:01-20:23

ב“ה

16./17. Shevat 5785                                                 14./15. Februar 2025

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:45

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:03

Shabbateingang in Zürich:                                                                 17:30

Shabbatausgang in Zürich:                                                                18:36

Shabbateingang in Wien:                                                                   16:57

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:04

Dieser Wochenabschnitt ist zunächst dem Mann gewidmet, den wir zu Beginn des Buches Shmot schon einmal kurz kennengelernt haben. Jitro, dem Schwiegervater von Moshe und Vater von Zippora, seiner Frau.

Moshe hatte vor der Flucht aus Ägypten seine Familie, Zippora und die beiden Jungs, wieder zu ihrem Vater zurückgeschickt. Warum, das erfahren wir nicht. Vielleicht war Jitro der Ansicht, dass es Zeit für eine Familienzusammenführung war. Er zog seinem Schwiegersohn entgegen und traf ihn im Lager in der Nähe des Berg Horeb auf dem Sinai.

Nachdem Moshe dem alten Herrn alles berichtet hatte, was sich seit dem letzten Treffen in Midian ereignet hatte, traf Jitro die Erkenntnis, dass er bisher die falschen Gottheiten verehrt hatte. Wir können seine Aussage „Jetzt weiss ich, Gott ist grösser als alle Götter!“, als spontanes Bekenntnis zum Judentum verstehen und möchten ihm gerne zurufen: Willkommen im Kreis der Kinder Israel!

Jitro erlebte mit, wie schwer es Moshe fiel, seinen Aufgaben als alleiniger Chef dieser riesigen Reisegruppe nachzukommen. Am Gerichtstag musste er sich um alles und jedes kümmern, kleine und grosse Kümmernisse, Erbstreitigkeiten, Nachbarschaftsstreit, Ehebruch …. die gesamte Bandbreite der Rechtsfälle wurde vor ihn gebracht. Natürlich versteht sich Moshe auch in dieser Tätigkeit als Sprachrohr Gottes. Es gab noch keinen Kodex, in dem er nachschauen konnte, wenn er sich unsicher war, oftmals musste er sich auf sein inneres Gespür verlassen.

Jitro, der Mann, der gerade erst Gott als den Einzigen erkannt hatte, gab ihm eine Lehrstunde in juristischem Management. Er ist sich sicher, dass Gott seinen Vorschlag gutheissen wird (18:19). Ganz ohne, dass er zunächst ein Gremium bildete, erklärte er, wie Moshe sich eine Gruppe von unbestechlichen Richtern zur Seite stellen konnte.

Wir lernen an dieser Stelle, wie auch heute noch die Gerichtsbarkeit in demokratischen Staaten aufgebaut ist, vom kleinen Bezirksgericht bis zum Obersten Gerichtshof. Die Zuständigkeit und Eigenverantwortung der Gerichte und Richter sollte vom Schweregrad des Vergehens abhängen. Eine grossartige Idee, die Moshe viel Last von den Schultern nahm.

Fast hat man das Gefühl, Jitro ging danach zufrieden mit sich und der Welt wieder zurück nach Hause. Ob die Familienzusammenführung geglückt war oder nicht, das erfahren wir an dieser Stelle noch nicht.

Bald darauf erreichte der Zug der Kinder Israels den „Gottesberg“, wie der Berg Horeb auch genannt wird. Nach der Teilung des Schilfmeeres erleben wir jetzt die zweite grosse und dramatische Demonstration von Gottes Allmacht. Wie befohlen hielten sich die Kinder Israels bereit für das, was kommen sollte. Während das Volk in deutlichem Abstand, aber in Hörweite des Berges verharrte, ging Moshe gemeinsam mit seinem Bruder Aaron hinauf auf den Berg.

Das, was jetzt folgt, ist das grossartige Geschenk Gottes an die noch nicht zu einem Volk zusammengewachsenen Israeliten: Die ‚Zehn Gebote‘. Natürlich sind uns die Worte vertraut und bekannt. Aber erkennen wir sie auch als das, was sie sind? Das erste Gesetzbuch, das Kompendium und der oben genannte Kodex. Die Vorschriften klingen so simpel. Als könnte man sie, ohne nachzudenken, jederzeit einhalten.

Wie schwer sie einzuhalten sind, dass erfahren wir tagtäglich selbst. Das vielfach übersetzte „Du sollst nicht…….“ trägt Züge des schulmeisterlich erhobenen Zeigefingers in sich.  Tatsächlich lauten die Vorschriften aber „Du wirst nicht …..“, und das hat nun gar nichts Schulmeisterliches an sich. Es ist die sichere Annahme, dass der so Angesprochene sich strikt daran hält. Aus eigenem Antrieb, weil er erkannt hat, dass das Leben so viel einfacher für ihn und seine Umwelt ist.

In der Hoffnung, dass wir mehr und mehr lernen, diese Vernunft in uns walten zu lassen, wünsche ich

Shabbat Shalom!

Anstelle der Sprüche der Väter:

Wir haben gestern, am 13. Februar, ‘Tu biShvat’ gefeiert. Dieser Tag, oft übersetzt als ‘Neujahrsfest der Bäume’, markiert das Ende der Winterzeit und den perfekten Beginn der Pflanzzeit in Israel.

Derzeit ist das Wetter in Israel alles andere als frühlingshaft und die zarten Triebe sind den für sie ungewöhnlichen Bedingungen ausgesetzt. Völlig unbeachtet wachsen die unterirdischen Teile der Pflanze, die ihnen Nahrung und Kraft geben und ihr Überleben auch bei harten Lebensbedingungen sichern. Müsste es also nicht ‘Fest der Wurzeln’ heissen?

Wie schaut es mit unseren ‘Wurzeln’, unserem ‘verwurzelt sein’ aus? Welche Faktoren müssen vorhanden sein, damit wir uns gut verwurzelt in einem Land, einem Ort, aber auch einer Familie, einem Freundeskreis fühlen?

Ist es allein die Tatsache, dass wir unser Leben lang an unserem Geburtsort leben, der schon der Sitz von Generationen unserer Familien war? Ist es die Tatsache, dass wir den Kindergarten, die Schule, die Universität besuchen, wie schon unsere gesamte Familie vor uns? Um dann, quasi ohne darüber nachzudenken, auch beruflich in die familiären Fussstapfen zu treten?

Gelingt es uns in diesem Gleichmass, das so bequem erscheint, noch zu wachsen, unseren Platz auszudehnen? Oder lassen wir, eingelullt in der Sicherheit, dass uns unsere Wurzeln ernähren werden, unser Leben einfach an uns vorbeiziehen?

Manchmal zwingt uns das Leben, unsere originären Wurzeln zu kappen und nur mit den zarten jungen Trieben, die uns unsere Wurzeln geschenkt haben, weiter zu wandern. In ein neues Land, eine neue Umgebung. Trotzdem dürfen wir nicht verzweifeln. Denn es sind die Wurzeln, die uns auch hier weiterleben lassen. Die Wurzeln, die uns seit Generationen begleitet haben. Die uns auch in einer neuen Erde Sicherheit und Kraft geben.

Wenn wir das so sehen, dann wird aus ‘Tu biShvat’ auf einmal ‘Chag shel shorashim’, das Fest unserer Wurzeln.

Ich wünsche uns, dass wir uns unserer Wurzeln bewusst werden und jederzeit aus ihnen Kraft und Stärke ziehen können.



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