16. Shevat 5785
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Am frühen Nachmittag hat die PA die Namen der drei Geiseln bekannt gegeben, die morgen freigelassen werden. Darunter ist ein Mann mit US-amerikanisch-israelischer Bürgerschaft und eine Geisel, die vom Islamisch-Palästinensischen Djihad festgehalten wurde. Die Namen werden veröffentlicht, wenn die Familien informiert worden sind. Kurz darauf wurden die Namen bekannt. Es sind: Sagi Dekel-Chen, Sasha Troufanov und Yair Horn. Gemäss der Vereinbarung sollen während sechs Wochen 33 Geiseln freigelassen werden. Mit heutigem Tag werden aus dieser Gruppe noch 13 Geiseln festgehalten werden. Acht von ihnen sollen tot sein.

Sagi, 36, wurde aus seinem Heimat-Kibbutz Nir Oz verschleppt. Seine hochschwangere Ehefrau Avital und seine beiden Töchter befanden sich im Schutzraum des Hauses. Es gelang ihm noch, seine Frau zu warnen, dass es keine Überlebenschancen gäbe, weil der Kibbutz nicht von der IDF verteidigt wurde und überall die Hamas wüte. Sagi war Mitglied der Schutzmannschaft des Kibbutz, aber die wenigen jungen Männer konnten gegen die Hamas-Schlächter nichts ausrichten. Wie durch ein Wunder überlebte seine Familie. 51 Menschen wurden im Kibbutz grausam ermordet, Dutzende verschleppt, darunter auch Sagi. Drei Monate später wurde er erneut Vater einer kleinen Tochter, die er bis heute nicht gesehen hat. Ausser einem Bericht einer freigelassenen Geisel, dass er in einem Tunnel gesehen wurde, gab es kein Lebenszeichen.

Sasha 29, wurde während des Massakers aus dem Kibbutz Nir Oz entführt. Gemeinsam mit ihm wurden seine Partnerin, Sapir Cohen, seine Mutter Ilana und seine Grossmutter, Irena Tati nach Gaza verschleppt. Die drei Frauen wurden im November 2023 befreit. Sein Vater wurde beim Massaker grausam ermordet. Sasha wurde vom Palästinensisch Islamischen Djihad verschleppt und festgehalten. Der Djihad veröffentlichte im Mai 2024 ein Video, welches als einziges Lebenszeichen galt.

Yair, 45, wurde aus seinem Heimat-Kibbutz Nir Oz verschleppt. Wochenlang galt er, ebenso wie sein Bruder Eitan, 37, als vermisst. Nachdem im November die ersten Geiseln freigelassen worden waren, erhielt ihre Mutter Ruti die Nachricht, dass beide Söhne in Gaza festgehalten wurden.
Da haben wir alle etwas verpasst! Bei allen hektischen, teils widersprüchlichen Nachrichten aus dem Weissen Haus und Jerusalem in der vergangenen Woche ist uns eine wichtige Information durch die Lappen geschlüpft. Trump kündigte eine gemeinsame Militäraktion mit Israel gegen den Iran an, falls der sich weigern sollte, sein Atomprogramm einzufrieren. Israel geht davon aus, dass der Iran nach den Verlusten bei seinen Vasallen in Gaza, dem Libanon und Syrien sehr verwundbar geworden ist. Die Washington Post spekuliert, dass Israel nun die Gelegenheit nutzen wird, die Atomanlagen zu bombardieren, falls der Iran sich nicht zur Aufgabe der Anlagen entschliesst. Mit oder ohne Unterstützung durch die USA. Biden hatte diese versagt, Trump sieht sich als der globale Friedensfürst. In einem Interview mit Fox erklärte er kryptisch: «Es gibt zwei Möglichkeiten, sie [die Iraner] aufzuhalten: mit Bomben oder mit einem Stück Papier. Und ich würde viel lieber einen Deal machen. Ich glaube, der Iran ist sehr nervös. Ich glaube, sie haben Angst. Ich glaube, der Iran würde gerne ein Abkommen schliessen, und ich würde gerne ein Abkommen mit ihnen schliessen, ohne sie zu bombardieren.» Wann haben Trump und Netanyahu denn das Thema behandelt? In der kurzen Zeit in Washington? Davor? Oder danach?

Anlässlich eines Gesprächs mit Kanal 12, an dem die Mütter von vier freigelassenen Soldatinnen, Daniella Gilboa, Naama Levy, Liri Albag und Karina Ariev teilnahmen, zitiert Shira, die Mutter von Liri, ihre Tochter: «Wir sind der Hölle entkommen, durch die wir gegangen sind. Aber die Männer, die Soldaten, erleiden noch viel Schlimmeres», und sie fuhr fort: «Die Terroristen bestanden darauf, ihnen Videos zu zeigen und ihnen alles Mögliche mitzuteilen, was sie [die männlichen Geiseln] dort durchgemacht haben, dass sie hungerten … alles Mögliche, was wirklich hart ist», sagt Shira Albag. «Selbst heute, wo sie hier sind, wissen wir nicht genau, was sie alles durchgemacht haben.»

Die palästinensische Terror-Organisation Hamas zog gestern ihre Drohung zurück, die Befreiung von Geiseln bis auf Weiteres auszusetzen. Somit müssen sie heute bis 16 Uhr die Namen der drei Geiseln nennen, die morgen bis 10 Uhr freigelassen werden müssen. Israel drängt darauf, morgen weitere Geiseln freizulassen. Allerdings gilt es als äusserst unwahrscheinlich, dass die Hamas vom ursprünglichen Zeitrahmen abweichen wird. Die Hamas hatte u.a. auf die Lieferung von Zelten, Wohncontainern und schweren Baumaschinen sowie vermehrter Lieferung von Hilfsgütern und Nahrungsmitteln bestanden. Israel hat bisher die Einfahrt von Baugeräten und Wohncontainern verweigert. Beides staut sich derzeit am Grenzübergang Kerem Shalom und wartet darauf, abgefertigt zu werden.

Als Yair Golan gestern die Untersuchung von Verbindungen zwischen dem Büro des PM und Katar forderte, wurde er von Likud-Politikern heftig angegriffen (s. gestern). Eli Feldstein, ehemaliger Sprecher von Netanyahu, wurde bereits im November 2024 angeklagt, gestohlene und geheime IDF-Dokumente weitergegeben und damit die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Dabei kamen auch Verbindungen zwischen Feldstein und Doha ans Licht, die jedoch nicht weiter verfolgt wurden. Laut Kanal 12 arbeitete Feldstein über eine internationale Firma, die vom Staat am Persischen Golf beauftragt wurde, für Katar. Der namentlich nicht genannte Vermittler verfügte Berichten zufolge über weitreichende Kontakte zur Regierung Katars und war massgeblich an der Organisation von Treffen zwischen Geiselfamilien und katarischen Beamten beteiligt.
Feldstein nahm seine Arbeit im Büro des PM unmittelbar nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 auf. Es ist unklar, ob er bereits vor oder erst danach vom Vermittler angesprochen wurde. Möglicherweise arrangierte Feldstein u.a. ein Treffen zwischen Zvika Klein, dem Chefredakteur der Jerusalem Post und dem PM von Katar, Mohammed bin Abdulrahman al-Thani. Klein behauptet jedoch, auf direkte Einladung nach Doha gereist zu sein und Feldstein erst später kennen gelernt zu haben. Es ist unklar, ob er davon wusste, dass Feldstein auf der Gehaltsliste des PM stand. Katar und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen. Netanyahu hatte es jahrelang toleriert, dass Gelder aus Katar an die Hamas überwiesen wurden. Gerade kommt die Stellungnahme des Büros des PM: «Alles fake News, nichts davon stimmt!»
Der gestern vereidigte Präsident des OGH, Isaac Amit hielt eine beachtliche Antrittsrede, die durch das vollständige Fehlen aller Kabinettsmitglieder, des PM und des Knesset-Sprechers bestätigt wurde. Amit sprach die Krise an, die unmittelbar nach der Vereidigung der Regierung am 22.12.22 begann und keine Zeichen eines bevorstehenden Endes zeigt. Die Krise wird ganz besonders befeuert durch die Versuche von JM Yariv Levin, die Gewaltenteilung in Israel zu untergraben, dem OGH zahlreiche Rechte zu entziehen und diese der Politik zuzuordnen. Teil seines Planes war auch die Verhinderung von Isaac Amit als Präsident des OGH. Amit entspricht nicht den Vorstellungen Levins, ihm wäre ein anderer, rechts orientierter Präsident lieber gewesen. Nachdem er mit seinen Plänen scheiterte, hat er nun angekündigt, den neuen Präsidenten zu boykottieren. Präsident Amit forderte die Regierung auf, das gemeinsame Gespräch zu suchen und ein Ende der mehr als angespannten Situation anzustreben. Dabei wurde er von Präsident Herzog vollumfänglich unterstützt, der einen erneuten Dialog forderte. «In einem demokratischen Land, in dem die Verantwortung gegenüber dem Staat eine Richtschnur ist, gibt es keinen Platz für Boykotte eines Regierungszweigs durch einen anderen, es gibt keinen Platz dafür, das Gesetz und die Sitten als Karten in politischen oder öffentlichen Kämpfen zu missbrauchen, und es gibt sicherlich keinen Platz dafür, den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs zu delegitimieren, der in Übereinstimmung mit dem Gesetz und den Anweisungen des Gesetzes in sein Amt gewählt wurde.»



Das nenne ich Charakter und Grösse! Generalstabschef Herzi Halevi, hat nicht nur die Verantwortung für die Fehler im Zusammenhang mit dem Massaker vom 7. Oktober übernommen und seinen Rücktritt erklärt. Er hat sich heute Vormittage mit vier Soldatinnen des militärischen Überwachungsstützpunktes Nahal Oz getroffen. Er entschuldigte sich dafür, dass ihre Beobachtungen entlang der Grenze zu Gaza, die sie ihren Vorgesetzten ordnungsgemäss gemeldet hatten, ignoriert worden sind. «Es war falsch, dass man euch nicht ernst genommen hat. Ihr wart wunderbare Soldatinnen. Ich entschuldige mich dafür, was ihr in der Geiselhaft durchgemacht habt.» Die Soldatinnen hatten bereits Wochen vor dem Massaker über Auffälligkeiten berichtet, Menschen, die in der Nähe des Grenzzaunes Trainingseinheiten durchführten, Sprengstoff entlang der Grenze platzierten, Löcher gruben. Als sie ihre Beobachtungen meldeten, wurde ihnen mit dem Militärgericht gedroht, wenn sie nicht endlich ‘mit dem Blödsinn aufhören würden’.
Halevi sagte ihnen, dass sie in ihrer Rolle als Beobachterinnen hervorragende Arbeit geleistet und richtig vor den möglichen Ereignissen gewarnt hätten. Er sagte ihnen, dass sie erstaunliche und lobenswerte Soldaten seien.
Der Generalstabschef teilte ihnen ausserdem mit, dass das Militär die Ereignisse vom 7. Oktober vollständig untersuchen werde und dass sie Partner bei der Untersuchung sein sollten, indem sie als Zeugen aussagen. Jishar koach, den Soldatinnen und ihrem Chef!
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