Was geschah am 16. Februar 2025? (Krieg Tag 499)

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Die drei gestern freigelassenen Geiseln Sagui Dekel-Chen, Sasha Troufanov und Yair Horn sind entsprechend den ersten medizinischen Untersuchungen in einem stabilen Gesundheitszustand. Aufgrund der starken Gewichtsabnahme muss jedoch die Ernährung in der ersten Zeit sehr kontrolliert zugeführt werden, um das oft lebensbedrohliche ‘Refeeding-Syndrom’ zu verhindern.

Dieses Syndrom tritt oft als Folge von längerfristiger Mangelernährung auf. Die Symptome sind meist unspezifisch, sie können den Kreislauf und das Nervensystem betreffen und entstehen durch Entgleisungen des Mineralstoff- und Flüssigkeitshaushalts sowie des Insulinspiegels. Doch nicht nur das. Die fehlende Zufuhr von Kohlehydraten (Glucose) gleicht der Körper durch Fettverbrennung aus. Wird das Angebot der Glucose plötzlich wieder erhöht, stellt der Körper die Fettverbrennung ein und steigert gleichzeitig die Insulinausschüttung. (Das kennen wir doch alle in milder Form als den berüchtigten Yo-Yo Effekt bei Diäten zur Abnahme oder auch in extremer Form bei der anorektischen Essstörung ‘Magersucht’.)

Wird die Störung nicht rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt, kann sie zum Tod des Patienten führen. Neben einer gezielten kalorienreduzierten Ernährung müssen bestimmte Vitamine (B1) und Elektrolyte (Mineralsalze) zugeführt werden. Auch für Sportler, die stark schwitzen und Menschen, die z.B. an Durchfall leiden, ist die Zufuhr von Elektrolyten wichtig, um den gestörten Wasserhaushalt zu korrigieren.

Eine Shoa-Überlebende berichtete, dass sie bei der Befreiung des KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945 nur noch 29 kg wog. Sie war damals 16 Jahre alt. Sie hatte alle Haare verloren und musste erst wieder mühsam das Gehen erlernen. Innere Verletzungen hinderten sie am Essen und Trinken. Erst im Juni konnte sie mit 35 kg das KZ verlassen. Sie war kein Einzelfall. Nahezu alle Überlebenden der KZs waren bei der Befreiung nur mehr Haut und Knochen. Das ‘Refeeding-Syndrom’ wird zwar schon vom jüdisch-römischen Historiker Josephus Flavius beschrieben, wird aber erst seit den Shoa-Überlebenden empirisch untersucht. Nachdem die Symptome meist erst einige Tage nach der Wiederaufnahme von ‘normaler’ Nahrung zutage traten, wunderte man sich, warum so viele der Befreiten aus den KZs innerhalb kurzer Zeit starben.

Heute sind die Symptome gut bekannt und können entsprechend präventiv behandelt werden.

Brig. Gen. (ad) Oren Setter, der im Oktober aus dem israelischen Verhandlungsteam ausschied, erklärte in einer Sendung von Kanal 12: «Meiner Meinung nach haben wir im vergangenen Jahr zwei Gelegenheiten verpasst, ein Abkommen zu unterzeichnen … im März und im Juli. Wir haben nicht alles getan, was wir konnten, um die Geiseln so schnell wie möglich zurückzubringen.» Damit widersprach er einer immer wieder von Netanyahu geäusserten gegenteiligen Meinung. Auf die Frage, ob er vom Aussehen der Geiseln, die am 8. Februar freigelassen wurden, überrascht gewesen sei, antwortete er, dass «es einen Unterschied zwischen dem Wissen, dass die Geiseln unter schwierigen Bedingungen festgehalten wurden und dem Sehen mit eigenen Augen gebe. Aber die israelischen Staats- und Regierungschefs wussten, dass die Geiseln unter sehr schwierigen Bedingungen festgehalten wurden, und die Kabinettsmitglieder waren sich bewusst, dass sie angekettet waren, hungerten und körperlich und seelisch verletzt waren. Die Angelegenheiten wurden in Kabinettssitzungen und kleineren Konsultationen mit dem Premierminister klar dargelegt.»

Zwei Fenster habe es gegeben. Eines im frühen Frühjahr 2024, als die Operationen in Khan Younis ihren Höhepunkt hatten, der Netzarin-Korridor zum alles beherrschenden Thema und der Druck auf die Hamas stärker wurde. Dann liess der Druck langsam nach und die Hamas zog alle Zusagen zu gemeinsamen Gesprächen zurück. Das zweite Fenster öffnete sich, als Netanyahu die Präsenz der IDF im Philadelphi-Korridor als neue Forderung für die Sicherheit Israels präsentierte. Auf die Frage, ob er glaube, dass der Streit um die Grenzroute zwischen Gaza und Ägypten auf politische Erwägungen zurückzuführen sei, antwortete Setter, dass er «nicht glaube, dass der Philadelphi-Korridor so wichtig sei, dass es richtig sei, die Gelegenheit deswegen zu verpassen. Aber andere Leute … dachten anders darüber.» Er sagte, dass das Zeitfenster für eine Einigung letztlich erneut durch Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der wichtigen Gaza-Route geschlossen wurde. Der vorliegende Plan sei nicht perfekt gewesen, aber allemal wert, «nach Doha oder Kairo zu reisen und sich hinzusetzen, um die verbleibenden Lücken zwischen den Versionen zu verhandeln und nicht auf eine strengere Auslegung des Abkommens zurückzugreifen», sagte er. «Aber das haben wir nicht getan.Die Vermittler sagten: «Im Moment gibt es keine Möglichkeit, voranzukommen.» Am 30. August kehrten wir mitten in der Nacht mit dem Gefühl, dass wir dieses Zeitfenster verpassen würden, mit einem Flug nach Israel zurück. Am nächsten Morgen hörten wir von der Entdeckung von sechs Geiseln, die einige Tage zuvor in Rafah ermordet worden waren. Das war sehr, sehr schmerzhaft.» Das Büro des PM reagiert erwartungsgemäss mit der Feststellung, dass die Aussagen Setters Lügen seien und den Verhandlungen und Geiseln mehr schaden als nutzen würden. Nur die Hamas sei schuld, dass die Verhandlungen immer wieder beendet wurde.

Der ehemalige Direktor des ‘Kamal Adwan Hospitals’ im nördlichen Gaza, Hussam Abu Safiya, ist nicht unter den gestern freigelassenen palästinensischen Gefangenen. Die NGO ‘Al Mezan Center for Human Rights’ in Gaza gab an, Israel habe den Arzt ohne Anklageerhebung in Verwaltungshaft genommen. Diese Entscheidung wurde nach einem Besuch seines Rechtsanwalts getroffen, der behauptete: «Mein Mandant wurde Folter und Misshandlung ausgesetzt, einschliesslich einer 20-tägigen Einzelhaft.» Abu Safiya wird verdächtigt, Mitglied der palästinensischen Terror-Organisation Hamas zu sein. Die 45-tägige Verwaltungshaft muss anschliessend von einem Richter bestätigt werden und kann dann bis zu sechs Monaten ausgedehnt werden.

1.800 Bomben mit einem Gewicht von jeweils 900 kg sind heute in der Nacht am Hafen von Ashdod angekommen. US-Präsident Joe Biden hatte die Lieferung nach vorheriger Zusage im Sommer gestoppt. Er wollte verhindern, dass die IDF diese im dicht besiedelten Gebiet von Rafah einsetzt. Nach Beginn der Bodenoffensive wurden lediglich 200 kg Bomben freigegeben.

Nach der Entladung der Schiffe wurden die Bomben zu den verschiedenen Luftwaffenstützpunkten gebracht.

Eine nicht enden wollende Schlange von Lkws mit Hilfsgütern und Lebensmitteln für Gaza staut sich im neuen Industrieviertel 45 km östlich von Kairo. Bilder zeigen, dass der Stau sich auf acht Spuren erstreckt. Nachdem der Waren-Grenzübergang Rafah erst wieder instandgesetzt werden muss, werden die Lieferungen derzeit in Kerem Shalom abgefertigt.

Shticks und Tricks beherrscht nicht nur Netanyahu selbst, sondern auch sein Chef-Verteidiger Amit Hadad. Der hatte versucht, dem Gericht Zitate unterzujubeln, die angeblich vom Chefredakteur der Nachrichten-Plattform ‘Walla’ stammen.

Zur Erinnerung, wir sind immer noch dabei, Hadad zu folgen, wie er Netanyahu zu seiner Verbindung zu Shaul Elovitch, dem Eigentümer von Walla befragt. Die Anhörung zieht sich so langsam dahin, wie eine uralte Schnecke kriechen kann…

Dieser angebliche Chefredakteur, dem angedichtet wurde, er habe behauptet, er ’verabscheue Netanyahu’ und fände die Regierung von 2013 ‘verräterisch und destruktiv’ erwies sich bei ‘grundlegender und oberflächlicher’ Untersuchung durch das Gericht als Namensvetter, der keinerlei Bezug zu Walla hat. Das Gericht forderte Hadad auf, die Zitate aus dem Protokoll zu streichen und sie vom Gericht ignorieren zu lassen.

Netanyahu hat sich geweigert, den an der israelischen Grenze wartenden Transporten mit Wohncontainern und schweren Baumaschinen eine Einfuhrbewilligung zu erteilen. Nach einer Entscheidung des Sicherheitskabinetts wurde die Beratung über die Einfuhrbewilligung bis auf Weiteres verschoben. Israel wird sich dazu mit den USA abstimmen. Das Abkommen besagt, dass Vorräte und Ausrüstungen für mindestens 60.000 Wohncontainer nach Gaza gebracht werden sollen. Die Hamas hat bei der Wiederaufnahme der Gespräche für die zweite Phase genau diesen Punkt explizit auf die Tagesordnung gesetzt. Netanyahu möchte die erste Phase, die am ersten März endet, verlängern und während der Zeit weitere Geiseln, die sich in einem sehr schlechten Gesundheitszustand befinden, befreien. Allerdings, und das ist der Punkt, ohne auf weitere Bedingungen der Hamas einzugehen. Ob das etwas wird?

Die Hisbollah hat die libanesische Regierung dringend aufgefordert, das Landeverbot gegen iranische Flugzeuge in Beirut aufzuheben. Das Verbot war ausgesprochen worden, nachdem Israel die iranische Al-Quds-Brigade und die Hisbollah gewarnt hatte, keine zivilen Flüge für den Schmuggel von Waffen zu nutzen. Wiederholt waren deshalb Landungen von iranischen Flugzeugen gestoppt worden. Die USA hatten angedroht, dass die IAF den Flughafen bombardieren werde, wenn die verbotenen Schmuggel-Flüge fortgesetzt werden.

Die IDF bestätigte, einen Drohnenangriff auf eine Gruppe von Scharfschützen ausgeführt zu haben, die sich im Süden von Gaza stationierten IDF-Truppen genähert hatten. Laut palästinensischen Medien kamen bei dem Angriff drei Polizei-Offiziere ums Leben. Die IDF kommentierte: «Wir fordern alle Gazaner auf, den Anweisungen der IDF zu folgen und sich den dort stationierten Truppen nicht zu nähern.»

Erneut hat die IDF eine Drohne abgeschossen, die ein Scharfschützengewehr samt Zielfernrohr, Magazin und Munition von Ägypten nach Gaza schmuggeln sollte. In den letzten Monaten gab es immer wieder Versuche von Waffenschmuggel, die von Ägypten aus mit Drohnen nach Gaza stattfanden.

Unbestätigten Berichten zufolge fanden auf Pkws im Zentrum des Gazastreifens mehrere Drohnenangriffe statt. Die Fahrzeuge sollen sich auf einer nicht für den Verkehr freigegebenen Strassenverbindung nordwärts bewegt haben. Derzeit ist der Transit nur auf der Salah a-Din Strasse bewilligt, wo die Fahrzeuge von US-amerikanischen Sicherheitsfirmen untersucht werden.



Kategorien:Israel, Politik

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