19. Shevat 5785
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Keith Siegel, 65, bedankte sich mit einer Video-Botschaft bei Trump, dass er freigelassen wurde und bat ihn, dafür zu sorgen, dass auch die restlichen Geiseln freigelassen werden. «Seit dem 1. Februar bin ich eine frisch freigelassene Geisel der Hamas. Ich bin ein Überlebender. Ich wurde 484 Tage lang unter unvorstellbaren Bedingungen festgehalten. Jeder einzelne Tag fühlte sich an, als könnte es mein letzter sein», sagte Siegel. Er betonte, er habe während der gesamten Geiselhaft in ständiger Angst um sein Lebenund um seine Sicherheit gefürchtet. «Ich wurde ausgehungert und gefoltert, sowohl körperlich als auch emotional.» Die Qualen nahmen noch zu, als die Kämpfe der IDF zunahmen. «Die Terroristen traten mich, bespuckten mich und hielten mich ohne Wasser, Licht und Luft fest.»

Or Levy besuchte am Freitag, nur eine Woche nach seiner Freilassung den ‘Platz der Geiseln’ in Tel Aviv. Es war ihm trotz des Widerstands seiner Familie und seiner Ärzte wichtig, an den Ort zu gehen, der das Zentrum der Demonstrationen für die Freilassung der Geiseln war.
«Es ist jetzt eine Woche her, eine Woche, seit ich wiedergeboren wurde», sagte Levy. «Ich versuche zu verarbeiten, was in den 491 Tagen, die ich verpasst habe, passiert ist, und zu verstehen, was in dieser Zeit in unserem Land geschehen ist.» Erst nach seiner Befreiung erfuhr er, dass seine Frau Eynav, s’’l, das Massaker nicht überlebt hatte. «Es war eine so verheerende Nachricht, die ich erhielt, als ich zurückkam. Aber ich habe ihr jeden Tag versprochen, dass ich für sie stark bleiben werde und für das grösste Geschenk, das sie mir im Leben gemacht hat – Mogi», sagt Levy und bezieht sich dabei auf ihren dreijährigen Sohn Almog, der von den Grosseltern und anderen Familienmitgliedern grossgezogen wurde, während er in Gaza festgehalten wurde. Über den Aktivismus auf dem Platz der Geiseln sagte Levy, es sei ihm wichtig, «alles zu verstehen, was ihr getan habt und weiterhin tut, um die Arbeit zu sehen, die alles andere als selbstverständlich ist. Ich bin vielleicht hier, aber ich habe immer noch viele Brüder und Schwestern in der Hölle von Gaza, und ihre Zeit läuft ab.»

Noa Argamani wurde während der ersten Monate nach ihrer Befreiung durch die IDF im Juni 2024 oft hochstilisiert, als die ehemalige Geisel, die sehr oft für alle noch in Gaza Festgehaltenen sprach. Sie sass medienwirksam in Washington neben Sara N., als Netanyahu seine nicht ganz umstrittene Rede im Kongress hielt. Sie lud zu einer Riesenparty ein: ‘We will dance again’. Irgendwie hatte man das Gefühl, diese junge Frau hätte die Traumata der Geiselhaft bereits überwunden.
Vor kurzem erzählte sie jedoch auf Insta, dass sie seit ihrer Befreiung nicht mehr in der Lage war, zu ihrem ‘normalen’ Leben zurückzukehren. «Ich kann das Gefühl nicht in Worte fassen, das man hat, wenn man eine Person, die die ganze Zeit in Gefangenschaft an deiner Seite war, zurücklässt und du scheinbar wieder zum Leben erwachst», schrieb Argamani. «Ein Teil von dir bleibt immer noch in Gaza, es ist nicht möglich, sich in einer solchen Situation zu rehabilitieren und zu einem normalen Leben zurückzukehren.» Der grosse Unterschied, die Dissonanz zwischen dem Leben als Geisel in Gaza und dem Leben in der Welt hindert sie daran, wieder ‘normal zu funktionieren’. «Man kann nachts nicht wirklich schlafen, man kann nicht richtig essen, man kann überhaupt nicht funktionieren, wenn man weiss, dass man gerade noch in den Hamas-Tunneln war und sich jetzt in einer modernen und vernetzten Welt befindet», schrieb sie. Nach nur drei Monaten Geiselhaft musste sie mitansehen, wie vor ihren Augen zwei Freunde, Itai Svirsky und Yossi Sharabi starben.
Ihren Partner Avinatan hat sie seit dem 7. Oktober 2023 nicht mehr gesehen. Er befindet sich noch immer in Geiselhaft in Gaza. In Gaza war sie zunächst zusammen mit Hila Rotem und Emily Hand, die beide im November 2023 freikamen. Anschliessend wurde sie zusammen mit Itay und Yossi festgehalten. Das Haus wurde bei einem Luftangriff der IDF beschädigt, Noa wurde schwer am Kopf verwundet. Die Ärzte in Israel sagten später, es sei ein Wunder, dass sie die Verwundung überlebt hat. Damals half ihr niemand, nicht das Rote Kreuz, kein Arzt, niemand. Sie dachte, sie werde sterben. Von irgendwoher hörte sie die Schreie von Yossi. Sie wurden immer leiser. Bis da nichts mehr war. Sie versuchte, ihn mit ihren Händen unter den Trümmern herauszuholen, aber er war schon tot. «Yossi war ein lieber Freund, eine reine Seele, und er wird für immer in meinem Herzen bleiben», sagte sie. Itay wurde zwei Tage später von den Terroristen ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden am 4. Dezember 2024 nach Israel überführt. «Itay war in der Gefangenschaft mein Seelenverwandter. Er hat mich am Leben gehalten, und ich konnte mir nicht vorstellen, ohne ihn zu überleben.»
Noas Mutter litt an einem unheilbaren Gehirntumor im letzten Stadium. Ihr letzter Wunsch war es, noch einmal ihre Tochter zu sehen, bevor sie starb. Der Wunsch ging entgegen allen Hoffnungen in Erfüllung. Noa konnte die letzten drei Wochen bei ihrer Mutter sein, bevor sie verstarb.
«Meine Rückkehr nach Israel war der glücklichste Tag meines Lebens», sagte sie. «Ich bin keine Heldin, ich bin ein Opfer des 7. Oktobers. Die wahren Helden sind die Soldaten, die alles riskiert haben, um mich zu retten.»

Ran Gilboah, der Vater von Daniella Gilboah, betont, dass seine Tochter eine Heldin ist, die aus der Hölle zurückgekehrt ist. Wir wussten nicht, was mit ihr am 7. Oktober geschehen ist. «Das Letzte, was wir wussten, war, dass sie Schüsse hörte und uns bat, für sie zu beten»; sagt ihr Vater. Erst als nach zwei Tage eine Freundin ein Video analysierte, sahen sie Daniella auf der Pritsche eines Pick-ups liegen, halb verborgen unter den Körpern ihrer Kolleginnen. Nach ihrer Freilassung berichtete Daniella mehr von diesem traumatisierenden Tag. Die Terroristen erschossen wahllos ihre Freunde vor ihre Augen und trennten sie dann von den Toten. «Sie sahen, wie Leichen verstümmelt wurden und andere schreckliche Dinge», sagte er. «Nachdem sie stundenlang gefesselt waren, wurden sie in einen Jeep gebracht, während wir noch dachten, sie wären auf dem Stützpunkt. Wir waren naiv.» Später veröffentlichte die Hamas ein gefälschtes Video (s. Freitag), das Daniella als tot darstellte. «Von diesem Moment an sah ich nur noch schwarz. Die Zeit stand still. Nachdem sie ein Jahr lang als Geisel gehalten und gefangen gehalten worden war, dachte ich, sie sei ermordet worden. Aber später erfuhren wir, dass der Clip inszeniert war. Sie sagten ihr, sie solle sich hinlegen, deckten sie mit Laken zu, schminkten ihr Gesicht und betonten ihr Tattoo. Sie taten es mit Absicht und zu Hause waren wir am Boden zerstört. Wir waren hilflos»
Die Mädchen wurden in stickigen Tunnels festgehalten, in denen sie nicht stehen konnten, manchmal auch in Wohnungen. «Es gab kein Wasser und Daniella und die anderen Mädchen mussten verseuchtes Grundwasser trinken. Sie wurde schwer krank und wochenlang lagen sie am Rande des Todes. An manchen Tagen bekamen sie Tierfutter zu essen – ungeniessbare Reste schmutzigen Gemüses und eine Art zähes Mehl.» Sie lernten gemeinsam Arabisch und konnten so alles verstehen, was die Terroristen miteinander sprachen. Irgendwann stiess Doron Steinbrecher zu ihnen, sie war Tierarzthelferin und kümmerte sich, so gut es ging, um die Wunden. Doron wurde am 19. Januar freigelassen. Daniella schaffte es, dass sie al-Jazeera und i24news schauen durften. Erst wenige Tage vor der Freilassung begann man sie besser zu behandeln und zu verköstigen.
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