22. Shevat 5785
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Durch die vorgezogene Freilassung der sechs letzten lebenden Geiseln am kommenden Samstag bleibt uns leider nicht mehr viel Raum, um über die Namen der toten Geiseln zu fantasieren.
Israel hat bisher nur die Namen der Geiseln bekannt gegeben und die Familien informiert, über deren Freilassung wir uns alle am Samstag freuen dürfen:
Omer Shem-Tov, 22, wurde zusammen mit seinen Freunden, Itay und Maya, vom Musik-Festival in Re’im nach Gaza verschleppt. Sie hatten versucht, mit ihrem Auto zu fliehen, wurden jedoch von der palästinensischen Terror-Organisation überwältigt. Die Eltern konnten auf ihren Handys mitverfolgen, wohin sich das Fahrzeug bewegte, bis sich die Spur in Gaza verlief. Sie haben die Krankenhäuser in der Umgebung angerufen, doch keiner der Freunde war unter den eingelieferten Opfern. Später mussten sie ihren Sohn entdecken, wie er in Gaza auf dem Boden lag. Sie identifizierten ihn anhand eines Tattoos. Seine Freunde kamen im November frei.
Hisham al-Sayed, 37, ist ein israelisch-arabischer Beduine, der unter multiplen psychischen Störungen leidet. Am 18. August 2008 geriet er bei einer seiner Wanderungen, die ihn mehrfach über Judäa und Samaria bis nach Jordanien geführt hatten, in den südlichen Gazastreifen, wo er prompt von der Hamas festgenommen wurde. 2016 veröffentlichte die Hamas ein offensichtlich mit Photoshop bearbeitetes Bild, das ihn als IDF-Soldaten zeigt. Al-Sayed, der sich freiwillig zum Dienst gemeldet hatte, war nach drei Monaten aufgrund von Dienstunfähigkeit ausgemustert worden. Im Juni 2022 veröffentlichte die Hamas ein Video, das angeblich al-Sayed in einem Bett liegend und mit einer Atemmaske zeigt.
Die Hamas bezeichnet jede Person, die nach Gaza ‘eindringt’, als Spion.
Avera Mengistu, 38, hat am 7. September 2014 in der Nähe vom Strand von Zikim die Grenze zu Gaza überschritten. Dort dürfte er in die Hände der Hamas gefallen sein, die ihn seither in Geiselhaft hält. Nach Angaben seiner Familie leidet Avera an multiplen psychischen Problemen. Die Hamas veröffentlichte ein Video, in dem er fragt: «Ich bin der Gefangene Avera Mengistu. Wie lange werde ich noch hier sein?«, sagt der Mann auf Hebräisch in die Kamera und fügt hinzu: «Wo ist der Staat Israel?» Die Hamas bezichtigte den damaligen Generalstabschef Aviv Kochavi, dessen Amtszeit am 31. Dezember 2022 ablief: «Das Festsetzen von Mengistu ist die Folge des Versagens des scheidenden Stabschefs Kochavi und seiner Lügen gegenüber dem Volk und der Regierung mit eingebildeten und wahnhaften Erfolgen.» 2016 hatte es einen Vorschlag der Hamas gegeben, Mengistu und al-Sayed sowie die sterblichen Überreste der zwei IDF-Soldaten Oron Shaul und Hadar Goldin, die seit 2014 von der Hamas in Gaza zurückgehalten werden, gegen Hunderte palästinensische Gefangene auszutauschen. Der Vorschlag wurde von Israel abgelehnt.

Tal Shoham, 39, ist die einzige Geisel mit österreichisch-israelischer Bürgerschaft. Am 7. Oktober 2023 war er mit seiner Familie bei den Schwiegereltern im Kibbutz Be’eri zu Besuch. Er wurde gemeinsam mit seiner Frau, Adi Shoham, 39 seiner Tochter, Yael, 3, seinem Sohn, Naveh, 8, und seiner Schwiegermutter Shoshan Haran, der Tante seiner Frau Sharon Avigdori sowie deren Tochter Noam, 12, verschleppt. Seine Familie wurde im November 2023 freigelassen. Sein Schwiegervater Avshalom Haran, sowie weitere Verwandte, Eviatar und Lilach Kipnis wurden während des Massakers ermordet. Die Grosseltern von Tal stammen aus Wien und aus Deutschland und wurden Ende der 30er-Jahre von den Nationalsozialisten vertrieben. Einige Familienmitglieder kamen im KZ-Theresienstadt ums Leben. Ihre Nachkommen bauten den Kibbutz Be’eri auf, in dem die Familien auch heute noch leben.

Eliya Cohen, 27, besuchte gemeinsam mit seiner Verlobten Ziv Aboud das Musik-Festival. Als sie versuchten zu fliehen, wurden sie von Hamas-Schlächtern angeschossen. Beide versteckten sich unter den Leichen von ermordeten Festival-Besuchern. Aboud konnte fliehen und berichtete der Mutter von Eliya, dass sie beobachtet hatte, wie er hervorgezogen und auf einen Pick-Up geworfen wurde. Später wurde festgestellt, dass sich auch Hersh Goldberg-Polin, Or Levy und Alon Ohel auf dem Pick-up, mit dem er nach Gaza verschleppt wurde, befanden.
Vor Kurzen berichteten die freigelassene Geiseln Eli Sharabi und Or Levy, die gemeinsam mit ihm festgehalten wurden, dass er während der gesamten Zeit seiner Geiselhaft in Ketten gelegt war. Er sei unterernährt und wäre niemals ans Tageslicht gekommen. Eine Schussverletzung am Bein sei nie behandelt worden.
Omer Wenkert, 23, wurden ebenfalls von den Hamas-Schlächtern von Musik-Festival in Re’im verschleppt. Kurz nach Beginn des Massakers war er noch in Kontakt mit seinen Eltern. Ab 07:50 jedoch verliert sich seine Spur, bis sie ein Video von der Hamas erhielten, in dem man ihren Sohn festgebunden auf der Ladebrücke eines Pick-Ups sah, wie er nach Gaza verschleppt wurde. Seine Eltern hielten auf einem Video an die Terroristen fest, dass ihr Sohn an Colitis leidet, die sich häufig in sehr schweren Attacken äussert. Schon im November 2023 berichtete Liam Or, 19, der gemeinsam mit ihm festgehalten wurde, dass Omer unter lebensbedrohlichem Untergewicht leidet und niemand sich um seine medizinischen Bedürfnisse kümmert. Drei Datteln seien oftmals alles gewesen, was sie zu essen bekommen hätten. Für Omers chronische Erkrankung war das genau die falsche Diät.
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