Was geschah am 26. Februar 2025 (Krieg Tag 509)

29. Shevat 5785

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Unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung wurde Sarg mit den sterblichen Überresten von Shiri, Ariel und Kfir Bibas, s’’l, am frühen Vormittag von Rishon le Zion nach Nir Oz überführt. Die anschliessende Beisetzung wurde mit Bewilligung der Familien mit Drohnen gefilmt und live übertragen. Yarden, der selbst erst vor Kurzem aus der Geiselhaft freigelassen wurde, hielt eine berührende Grabrede (die deutsche Übersetzung findet ihr in einem separaten Blog von heute). Auch die anderen Reden zeigten die enge Beziehung der einzelnen Familienangehörigen untereinander. Um diese enge Beziehung, vor allem auch die von Shiri zu ihren zwei Kindern zu würdigen, wurden die drei in einem gemeinsamen Sarg beigesetzt.

Ofri Bibas-Levy, die Tante der Kinder, klagte indirekt die Regierung an, versagt zu haben: «Viele Menschen bitten um Vergebung, auch Yarden und uns. Aber die Schuld liegt nicht bei ihnen. Diese Katastrophe hätte nicht passieren dürfen. Sie hätten nicht entführt werden dürfen, und sie hätten lebend zurückkehren sollen.

Vergebung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und sich zu verpflichten, anders zu handeln und aus Fehlern zu lernen. Vergebung hat keinen Sinn, solange die Fehler nicht untersucht werden und alle Verantwortlichen nicht die Verantwortung übernehmen. Unsere Katastrophe als Nation und als Familie hätte nicht geschehen dürfen und darf sich nie wiederholen.“

Sie hätten euch retten können, zogen aber Rache vor. Wir haben verloren. Unser Bild vom „Sieg“ wird nie Wirklichkeit werden. Unser Kampf gegen die Feinde wird ewig dauern, aber wir müssen immer das Leben heiligen, unsere Mitmenschen lieben, die Toten respektieren und dürfen niemanden zurücklassen. Andernfalls verlieren wir, wer wir sind.»

Auf Wunsch der Familie war die Öffentlichkeit, auch das offizielle Israel, von der Beisetzung ausgeschlossen.

In Argentinien fand eine beeindruckende Demonstration von Solidarität mit Israel statt. Hier das entsprechende, unbedingt sehenswert Video.

Gestern, nur einen Tag vor der Beisetzung von Shiri, Ariel und Kfir Bibas, s’’l, kritisierte Ofri, die Schwester von Yarden Bibas, dass Netanyahu gegen den ausdrücklichen Willen ihrer Familie detailliert über die Ermordung der Drei während der Geiselhaft gesprochen hat. Das sei «ein Missbrauch einer Familie, die 16 Monate lang durch die Hölle gegangen ist und das Schlimmste noch vor sich hat.» Netanyahu hatte die Details am Dienstag in einer Rede vor dem America Israel Public Action Committee und am Sonntag bei einer militärischen Zeremonie, bei der er ein Bild der Opfer in der Hand hielt, in allen Einzelheiten beschrieben. Es gibt keine Worte, um diese Taktlosigkeit, die wieder einmal die völlige Empathielosigkeit Netanyahus zeigt, zu beschreiben. Ofri hatte nur das zur Veröffentlichung für die Medien freigegeben, was sie mit IDF-Sprecher Daniel Hagari besprochen hat. Netanyahu sollte sich schämen, falls er überhaupt noch weiss, was das ist!

Als Zeichen des Erinnerns erstrahlten von gestern auf heute der Tower des Flughafens Ben-Gurion, die Knesset und die Residenz des Präsidenten sowie zahlreiche internationale Wahrzeichen in hellem Orange. Die Knesset legte heute bei allen Ausschusssitzungen eine Schweigeminute ein.

Die Hamas wird heute Nacht um 23 Uhr ohne Zeremonie die Särge von vier weiteren ermordeten Geiseln an das IRK übergeben. Sobald die Särge von der IDF übernommen und nach Israel gebracht wurden, werden 602 palästinensische Häftlinge freigelassen. Bei den israelischen ermordeten Geiseln handelt es sich um: Ohad Yahalomi, Tsahi Idan, Itzik Elgarat, und Shlomo Mantzur.

Der US-amerikanische Nah-Ost Gesandte Steve Witkoff hat seinen Besuch in der Region verschoben. Sein Plan war es, heute nach Israel zu kommen, um die Verlängerung der ersten Phase des Abkommens zu diskutieren. Jedoch scheinen nun, obwohl die Ukraine nicht zum Nahen Osten gehört, die Bemühungen der USA wichtiger zu sein, wie der Krieg zwischen Putin und der Ukraine schnellstmöglich beendet werden kann. Ein neuer Termin wurde noch nicht vereinbart.

Wohnungsbauminister Yitzhak Goldknopf droht wieder einmal, er werde die Regierung stürzen, sollte nicht das Gesetz, das die haredischen Männer vom Wehrdienst ausnimmt, noch vor der Verabschiedung des Budgets bestätigt werden. Ich habe das Zählen aufgegeben, wie oft sie damit schon gedroht haben und dann doch immer wieder einen Rückzieher machten. Sei es, weil sie ein neues ‘Leckerli’ von Netanyahu erhielten oder weil ihnen klar wurde, dass sie dann wohl ihre liebgewordenen Positionen und Pfründe verlieren würden.

Den Kaktus der Woche geht heute eindeutig an Trump.  Er hat heute zwei seiner neuen, völlig abstrusen Ideen veröffentlicht. Zum einen will er in Analogie zu ‘Green Card’ die ‘Gold Card’ für Menschen anbieten, die mit US$ 5 Millionen nichts Besseres zu tun haben, als sie Trump und seiner Regierung in den Rachen zu werfen. Für diesen bescheidenen Betrag dürfen sie auf die US-amerikanische Staatsbürgerschaft hoffen. Im Gegenzug sollen sie in den USA ein Unternehmen gründen, weitere Millionen investieren und viele Arbeitsplätze schaffen, was automatisch wieder zu mehr Steuerzahlern führt. Das wiederum tut der Staatskasse gut. Trump hat sogar angeboten, seinen Namen für das Marketing ‘kostenlos herzugeben’.

In seinem Social-Medi-Kanal ‘Truth’ kann man heute ein Video anschauen, das im zerstörten Gaza beginnt und mit Trump und Netanyahu am Strand endet. Dazwischen Szenen, wie sich Trump seine neue Riviera vorstellt: Unterlegt ist das Ganze mit Musik und einem wirklich ‘eindrücklichen Text’ den ich hier im Original wiedergebe, damit er so richtig wirkt: «Donald’s coming to set you free/Bringing the light for all to see/No more tunnels, no more fear/Trump Gaza is finally here.»



Kategorien:Israel, Politik

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