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28./29. Adar 5785 28./29. März 2025
Shabbateingang in Jerusalem: 18:16
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:33
Shabbateingang in Zürich: 18:32
Shabbatausgang in Zürich: 19:38

In diesem Abschnitt der Torah lernen wir viel über die Sorgfalt, mit der die Leviten mit den ihnen anvertrauten Geldern umgingen.
Stellen wir uns einmal einen Verein vor. Natürlich muss jeder Verein einen Vorstand haben, der primär die Kommunikationsstelle zwischen den Mitgliedern und der Leitung darstellt. Dieser Vorstand wird zumeist von den Mitgliedern für eine bestimmte Zeitdauer gewählt. Besonders bewährte und verehrte Mitglieder werden möglicherweise auch zu Ehrenmitgliedern des Vorstandes auf Lebenszeit gewählt. Moshe ist in dieser Konstellation sicher der Ehrenvorsitzende auf Lebenszeit.
Von seinem Schwiegervater Jitro hat er die Kunst des Delegierens erlernt, er hat es nicht mehr nötig, alles an sich zu reissen.
Als Finanzverwalter hat er Itamar, einen Sohn seines Bruders Aaron bestimmt. Ihm oblag es zunächst, die Zahl der „Vereinsmitglieder“ festzustellen. Nicht zu schätzen, nein genau zu zählen, wie viele männliche Personen über 20 Jahre im Verein aktiv waren. Warum diese Genauigkeit? Jeder von ihnen war abgabepflichtig. So hatte es Gott verlangt. Jeder von ihnen sollte einen halben Schekel bezahlen. Geldmünzen gab es erst nach dem babylonischen Exil, zur Zeit der Wüstenwanderung entsprach der Schekel knapp dem Gegenwert von ½ gr. Gold. Heute ist der Tagespreis für ein Kg Gold € 91.500, die damalige Abgabe entsprach also € 46. Nicht wenig! Die Zahl der zahlungspflichtigen Mitglieder betrug exakt 603.550. Das gesamte zur Verfügung stehende Budget betrug nach heutigen Bewertungen unglaubliche € 27,76 Millionen! Natürlich stand bei Weitem nicht alles „in bar“ zur Verfügung, wer kein Gold hatte, der durfte auch anderes geben, sogar die Mitarbeit konnte eingebracht werden.
Die festgelegte Abgabenhöhe haben wir bereits vor ein paar Wochen in den Versen 30:12 ff erfahren. Wichtig war, dass es nicht mehr, aber natürlich auch nicht weniger als dieser halbe Schekel war. Dieser Betrag sollte zugleich die Sühne für die Sünden seien, die mit den Brandopfern eines Jahres gelöscht werden konnten. Der Beginn dieses Absatzes lautete ebenso wie der entsprechende Wochenabschnitt:
„Wenn du den Kopf der Kinder Israels erhebst“ Das Verb „erheben“ kann zweierlei bedeuten. Zum einen ist es ein Synonym für „zählen“, aber auch für „aufrichten“. Dieses zweite Synonym ist das interessantere. Zum einen wird jeder männliche Erwachsene (und damit natürlich nach heutiger Sicht auch jedes andere Familienmitglied) Teil der gesamten Gemeinde. Zum anderen wurden aber auch ab dem zweiten Jahr, nachdem der Mischkan fertiggestellt war, die notwendigen Brandopfer finanziert. Ganz im Sinne von „pars pro toto“ wurde damit ohne Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse die Gemeinschaft in den Vordergrund gestellt. Der Einzelne konnte so den „Kopf erheben“, ohne Angst unterzugehen, weil er sich die Opfer nicht leisten konnte.
Das tatsächlich vorhandene Gold und Silber übergab der Schatzmeister aus dem Stamme Levi an Bezalel aus dem Stamme Juda, der entsprechend den Anweisungen Gottes den Mischkan baute. Er hatte dabei einen Assistenten, Oholiav, aus dem Stamme Dan. Bezalel war ein Mann, der verschiedene Handwerke beherrschte: Tischler, Zimmermann, Gold- und Kupferschmied. Oholiav war derjenige, der perfekt war im künstlerischen Umgang mit Steinen und Textilien.
So entstanden mit Hilfe der Tempelabgaben nicht nur der Mischkan, sondern auch die prachtvollen Gewänder der Priester und ihrer Gehilfen.
Dann war alles fertig. Der Mischkan mit seiner gesamten Ausstattung war genau so entstanden, wie Gott es Moshe erklärt und wie er es weitergegeben hatte. Der Auftrag war erfüllt. Gott bezog seine irdische Wohnstatt.
Wenn sich eine grosse Wolke auf dem Mischkan legte, so stoppte die Wanderung und die Kinder Israel wussten, dass es Zeit für Gebete und Opfer war. Erhob sich die Wolke, so wussten sie, dass es Zeit war, den Mischkan und die Bundeslade transportbereit zu machen und weiterzuziehen.
Nach der Zerstörung des zweiten Tempels sind die Opfer durch Gebete ersetzt worden. Vielleicht täten wir gut daran, zu überprüfen, ob wir „pars pro toto“ unseren Beitrag leisten, das Judentum zu erhalten und weiter zu entwickeln.
Kommen wir zu den „Sprüchen der Väter“.
(3.) Rabbi Chananja, Sohn Tradjons, sagt: Zwei, die sitzen und es sind nicht Worte der Torah ihre Unterhaltung, so ist dies ein Sitz für Spötter, denn es ist gesagt: „Wo Spötter sitzen, sass Er nie.“ Aber zwei die sitzen und Worte der Torah sind ihre Unterhaltung, da weilt Gottes Gegenwart bei ihnen, denn es ist gesagt: „Da besprachen sich Gottesfürchtige einer mit dem anderen und Gott merkte auf und hörte und es schrieb sich ein Buch des Gedächtnisses vor ihm für die, die Gott fürchten und Seinen Namen denken.“ Es sind hier zwei uns genannt, woher selbst einer, der sitzt und sich mit der Torah beschäftigt, dass der Heilige, gesegnet sei Er, ihm Lohn bestimmt? Denn es ist gesagt: „Er sitze auch allein und sei beruhigt, denn er hat empfangen, was über ihn bestimmt worden.“
‘Moshaw letzim’ ein Sitz für Spötter, was will uns Rabbi Chananja hiermit sagen? Soll das bedeuten, dass Gott keinen Sinn für Humor hat? Raphael Hirsch schreibt: «לצים sind Feinde des göttlichen Gesetzes, die mit ihrer Redegewandtheit die hochachtende Verehrung desselben untergraben.» Oder heisst das, dass wir keine andere Unterhaltung als die über die Torah führen dürfen? Dass es keine Alltagsgespräche geben darf? Dass nur dann, wenn wir die Lehren der Torah studieren, die Shechina, der Geist Gottes zwischen uns schwebt? So wie wir in der vergangenen Woche gelesen haben, dass die Shechina durch die Flügel der Cherubim auf der Bundeslade geschützt wurde? Ich denke viel eher, dass es um den inneren Geist der Gespräche geht, ob sie in gegenseitigem Respekt geführt werden, in gegenseitiger Wertschätzung, auch wenn man nicht unbedingt immer einer Meinung sein muss. Nur so kann sich jeder Einzelne innerhalb der Gemeinschaft weiterentwickeln. Nur so kann die Gemeinschaft sich als Ganzes entwickeln. Gegenseitiger Respekt, das ist so wenig verlangt und doch so viel.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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