Bamidbar, Zaw 6:1 – 8:36

ב“ה

13./14. Nissan 5785                                                       11./12. April 2025

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         18:26

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        19:43

Kerzenzünden zum Erew Pessach nach                                          19:43

Shabbateingang in Zürich:                                                                 19:52

Shabbatausgang in Zürich:                                                                20:59

Kerzenzünden zum Erew Pessach nach                                           20:59

Heute ist einer der besonderen Shabbatot des Jahre: Shabbat HaGadol, der letzte vor der Pessach Fest.

Dieser Abschnitt der Torah beschäftigt sich weiter mit den Vorschriften für die Opfer, die im Tempel dargebracht werden. 

In den Versen 6:8 und 6:14 lesen wir vom „beruhigenden Duft“ der zu Gott aufsteigen soll. Im Gegensatz zu den Brandopfern werden bei den Speise- und Priesteropfern nur Mehl, Öl , Kräuter und Weihrauch verwendet. Der unangenehme, man kann sogar sagen, abstossende Geruch der Brandopfer soll Gott bei diesen Opfern nicht beleidigen!

Drängt sich nicht jedesmal, wenn wir über die Tieropfer lesen, der Gedanke auf, dass es in Jerusalem, in den engen Gässchen der kleinen Stadt um den Tempelberg herum furchtbar gestunken haben muss? Die Priester mussten das aushalten. Tagtäglich, denn es gab immer einen Grund, Sühne zu leisten. Wie wohltuend muss es für ihre Nasen gewesen sein, wenn dann zu besonderen Anlässen beruhigende Düfte wohlduftender Kräuter aufsteigen durften.

Für uns im 3. Jahrtausend lebende Menschen ist es jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, diese ersten Kapitel des dritten Buches der Torah zu lesen und nicht daran zu verzweifeln. Diese ganzen Vorschriften, besonders bei den rituellen Tieropfern, aber auch die, die mit pflanzlichen Opfern zu tun haben, scheinen uns so archaisch, so aus der heutigen Welt gefallen zu sein.

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 CE haben Gebete und Gottesdienste sowie das gemeinsame Lernen, die Tempelopfer ersetzt. Viele Mitzwot sind deshalb heute nicht mehr massgeblich.

Für wen sind Gebote, die im Zusammenhang mit den tatsächlichen Tempelopfern stehen, heute noch relevant? Nun ja, es gibt immer Personen, die jedes Jahr zu Pessach versuchen, ein Tier auf dem Tempelberg ‚rituell‘ zu schlachten, um ein Brandopfer darzubringen. Im vergangenen Jahr stellte eine Gruppe von fehlgeleiteten jüdischen Extremisten hochoffiziell einen Antrag an die Polizei, ihnen den Zutritt zum Tempelberg ausserhalb der regulären Öffnungszeiten zu gestatten. Der Antrag wurde abgelehnt, die Tiere wurden beschlagnahmt.

Das zweite grosse Thema dieses Wochenabschnittes ist Blut. In den Versen 7:26 – 27 lesen wir „Du sollst kein Blut essen, egal, wo du wohnst, weder das Blut von Vögeln noch vom Vieh. Wer aber Blut geniesst, der soll von seinen Stammesgenossen ausgemerzt werden.“

Warum dieses strikte Verbot, das es jüdischen Hausfrauen (und natürlich auch emanzipierten Hausmännern) so schwer macht, Fleisch entsprechend der Halacha zuzubereiten. Ich gebe es zu, mein in der koscheren Metzgerei gekauftes Fleisch ist für mich essbereit.

Natürlich wasche ich es nochmals ab und trockne es, bevor es in der Pfanne oder auf dem Grill landet. Wird es gekocht für eine gute Rind- oder Hühnersuppe, dann wird es nur noch gewaschen. Aus Israel kenne ich es aber, dass in haredischen Kreisen jedes Fleisch noch mindestens zweimal gesalzen und dann gewaschen wird, um wirklich jeden, aber auch jeden Blutstropfen aus dem noch rohen Fleisch zu entfernen.

So, wie auch jedes rohe Ei noch einmal durchleuchtet wird, ob sich nicht etwa ein Tropfen Blut[1] in das Eiweiss geschmuggelt hat. Ja und was, wenn ja? Streng genommen muss man das Ei dann entsorgen. Ich erinnere mich an die Verknappung in der Eierversorgung an Pessach im Jahr 2020. Die Eier waren streng rationiert, pro Woche und Haushalt gab es nur mehr 12 Stück! Eine Horrorvision, wenn man zwei davon hätte wegwerfen müssen. Ich überlasse jetzt den Lesern die Fantasie, was die kreative Hausfrau gemacht hat!

Doch was ist nun das Besondere am Blut? Wir Juden kenne drei Formen der Seele, «Neschama», «Nefesh» und «Ruach». Nefesh ist die Kraft, die unser Leben ausmacht und die uns in der Sekunde des Todes wieder verlässt. Die jüdische Tradition sieht den Sitz der Nefesh im Blut des Menschen.

Also müssen wir darauf bedacht sein, unsere Seele, unsere Nefesh von der Geburt bis zu unserem Tode zu pflegen.

Shabbat Shalom ve Chag Pessach Sameach ve Kasher!


[1] Es handelt sich dabei nachweisbar nicht um Blut. Es ist nicht möglich, dass Blut in ein Ei gelangt.



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