Krieg in Israel – Tag 567

27. Nissan 5785

Gestern musste die IDF leider erneut den Tod eines Soldaten bekannt geben. Mast. Sgt. (res.) Asaf Cafri, 26, s’’l, wurde von einem Scharfschützen in der Pufferzone im nördlichen Gazastreifen tödlich getroffen. Drei weitere Soldaten wurden beim gleichen Vorfall mit Panzer-Abwehr-Raketen beschossen und verletzt. Zum Zeitpunkt des Beschusses befand sich Cafri ausserhalb seines Panzers. Die Terroristen konnten fliehen.

Osama Abu Rabee, ein palästinensischer Fotograf aus Gaza, veröffentlichte gestern ein Bild, auf dem ein Kind, das offenbar am Kopf verletzt ist, inmitten von Trümmern sitzt. Das Bild soll nach einem Luftangriff der IAF im Zentrum von Gaza aufgenommen worden sein. Das Kind soll vor der Leiche eines Mannes sitzen und scheint um Hilfe zu rufen. Laut Aussagen des Fotografen befanden sich an der Stelle weitere Leichen von getöteten Kindern. Der saudische Kanal ‘al-Arabiya’ berichtete, dass insgesamt bei diesem Angriff sieben Personen getötet wurden. Die IDF untersucht den Vorfall. Das Bild ist eindeutig manipuliert.

Auf die Frage, ob er den Friedens-Nobel-Preis verdiene, antwortete Trump: «Vielleicht für die Abraham Abkommen.» Trump nutzt seine Lieblingsbeschäftigung, das Unterzeichnen von ‘Executive Orders’ mit dem bombastischen dicken Filzstift, dazu, um zuschauenden Journalisten eine kurze F&A Runde zu gewähren. Gestern erklärte er: «Dank meiner Vermittlung werden viele Länder ihre Beziehungen zu Israel normalisieren. Wir werden die Gruppe sehr schnell vergrössern … Viele Länder wollen dem Abraham-Abkommen beitreten.» Die Abraham Abkommen sind kein Friedensvertrag. Sie enthalten nur sieben Prinzipien, wobei die Umsetzung jedem Staat selbst zukommt. In der Präambel halten sie ‘die Bedeutung der Erhaltung und Stärkung des Friedens’ fest. Die VAE und Bahrain schlossen im Zuge des Abkommens auch Friedensverträge mit Israel ab, nicht aber Marokko und der Sudan. Die Abkommen sind eine Grundlage für verbesserte Geschäftsbeziehungen auch zu den USA, was letztlich dem Trump- und Kushner-Imperium dient.

Mit Blick auf die laufenden Atomgespräche mit dem Iran sagt Trump, die USA führten ‚sehr ernsthafte Gespräche‘. «Es gibt nur zwei Optionen. Eine Option ist überhaupt keine gute Option», sagt er und verweist auf eine mögliche militärische Option, mit der gedroht wurde, sollte der Iran die Entwicklung von Atomwaffen fortsetzen, «Wir könnten eine sehr, sehr gute Entscheidung treffen, und viele Leben würden gerettet werden.» Netanyahu hingegen ist sehr besorgt, dass die USA kurz vor einem ‘schlechten’ Abkommen mit dem Iran stehen, das die von Israel überlebenswichtigen Bedingungen nicht erfüllt. Der Informationsfluss über den Stand der Verhandlungen zwischen den USA und Israel sei absolut unzureichend, beklagt Netanyahu, obwohl es angeblich einen intensiven Dialog zwischen Steve Witkoff und dem Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, gibt. Die dritte Runde der von Oman vermittelten Gespräche zwischen den USA und dem Iran ist für Samstag angesetzt. Ein Treffen auf Expertenebene, bei dem beide Seiten Berichten zufolge mit der Ausarbeitung eines Rahmenabkommens beginnen sollten, war ursprünglich für gestern geplant, wurde aber laut einer Ankündigung Teherans vom Dienstag ebenfalls auf Samstag verschoben.

Nachdem er wieder als Chef der Unterhändlergruppe aufgenommen wurde, kehrte Mossad Chef David Barnea gestern nach Doha zurück. Er wird sich mit dem katarischen PM, Mohammed bin Abdulrahman Al Thani treffen, um mit diesem die laufenden Bemühungen zur Freilassung der Geiseln zu diskutieren. Barnea war kurzfristig von Strategieminister Ron Dermer abgelöst worden. Offenbar wurde dessen Bestellung rückgängig gemacht, nachdem sich Beschwerden gehäuft hatten, er würde die Verhandlungen blockieren und nicht mit der notwendigen Dringlichkeit arbeiten. Dermer wurde auf Anweisung von Netanyahu selber in das Amt beordert.

Vier Tage nach dem Tod von Papst Franziskus I. veröffentlichte Netanyahu eine kurze Beileidsbekundung in seinem Twitter-Account. Eine zuvor erfolgte Kondolenzmeldung des Aussenministeriums wurde nur wenige Stunden, nachdem sie gepostet wurde, wieder gelöscht. Die Beziehungen zwischen Israel und dem Papst verschlechterten sich nach dem 7. Oktober 2023, nachdem sich der Papst weigerte, die Schuld für das Massaker und den anschliessenden Krieg der Hamas zuzuweisen.

Eine geplante Veranstaltung mit Ben-Gvir in der New Yorker Synagoge ‘Young Israel of Woodmere’, die morgen Abend um 18:30 hätte stattfinden sollen, wurde still und leise ohne Angabe von Gründen abgesagt. Die Bekanntgabe seines Besuches stiess auf heftigen Widerstand und Aufrufen, die Veranstaltung zu boykottieren oder sie zu verlassen. In einer wischi-waschi Aussage gegenüber der Jerusalem Post hiess es, dass der Rabbiner Shiva sitze und man einen neuen Termin suche. Die Synagoge ist mit 1.400 aktiven Mitgliedern eine Hochburg der religiösen Zionisten. Die Absage dürfte im Zusammenhang mit einem Facebook-Eintrag eines Journalisten und ehemaligen Gemeindemitglied stehen. «Ich bin schockiert und traurig zu erfahren, dass die Synagoge meiner Jugend … den israelischen Minister Itamar Ben-Gvir eingeladen hat, von ihrer Kanzel zu sprechen.» Er verwies auf Ben-Gvirs strafrechtliche Verurteilungen wegen Anstiftung zum Rassismus und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung sowie auf seine frühere Bewunderung für Meir Kahane und Baruch Goldstein. «Während Synagogen auf der linken und sogar auf der rechten Seite Ben-Gvir eine Plattform verweigern, lädt die YIW ihn ein, zu sprechen.»

Wohlwollend aufgenommen wurde er im ‘Welt-Chabad-Zentrum’ in Brooklyn. Bei seiner Ankunft demonstrierten auch hier antiisraelische Gruppen und gerieten mit den wehrhaften Chabadniks aneinander. Einem Demonstranten gelang es, in den Raum einzudringen, Ben-Gvir als ‘Nazi’ zu bezeichnen und ‘Free Palestine’ zu skandieren. Ben-Gvir grinste, wie gehabt dazu. Er beantwortete Fragen zum Gaza-Plan von Trump und betonte: «Ich hoffe, dass Netanyahu den Weg von Trumps Plan einschlägt, denn er ist richtig, realistisch, moralisch und die Lösung. Ich würdige die Offenheit des PM gegenüber der Idee der freiwilligen Auswanderung und tue alles in meiner Macht Stehende, damit sie nicht erst morgen, sondern schon gestern umgesetzt wird.»

Das ‘World Food Program’ teilte mit, dass nun alle Warenlager leer seien. Der bereits seit sieben Wochen andauernde Lieferstopp habe dazu geführt, dass alle Waren-Grenzübergänge geschlossen sind. Dieser Lieferstopp ist der längste, der seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 verhängt wurde.



Kategorien:Israel, Politik

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