Krieg in Israel – Tag 582

12. Ijjar 5785

Margot Friedländer, 103, s’’l, ist tot. Sie war eine der letzten Überlebenden der Shoa, die sich unermüdlich dafür engagierte, ihre schrecklichen Erlebnisse während der Zeit der Nationalsozialisten an Schulen und anderen Orten weiterzugeben. Mehrmals versuchte ihre Mutter mit ihr und ihrem Bruder auszuwandern. Alle Anträge wurden abgelehnt. 1943 wurden ihre Mutter und Bruder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Margot versuchte, ihr Aussehen dramatisch zu verändern. Sie versteckte sich monatelang, bis sie 1944 aufgegriffen und nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort traf sie wieder auf ihren späteren Mann, Adolf Friedländer, den sie bereits von der Kostümschneiderei des ‘Jüdischen Kulturbundes’ kannte. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges heirateten sie und emigrierten nach New York. Sie nahmen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an und änderten ihren Namen auf ‘Friedlander’. Ihr Mann starb 1997. Margot kehrte mehrmals nach Deutschland zurück, bis sie 2010 für immer zurückkam. Sie erhielt erneut ihre deutsche Staatsbürgerschaft und begann mehrmals in der Woche an Schulen ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Im Laufe der letzten 14 Jahre erhielt sie zahlreiche Orden und Auszeichnungen. Ihren letzten ‘grossen Auftritt’ hatte sie in der Sommerausgabe der ‘Vogue’. Am 7. Mai 2025 sprach sie im Roten Rathaus in Berlin zum 80. Jahrtages des Kriegsendes in Deutschland. Am 9. Mai wollte ihr Bundespräsident Steinmeier das Grosse Verdienstkreuz übergeben, das er ihr bereits zuvor verliehen hatte. Doch statt der vorbereiteten Eloge auf diese wunderbare Frau, die nach der Maxime: «Schaut nicht auf das, was euch trennt, schaut auf das, was euch verbindet.» lebte, musste er einen Kondolenztext schreiben. ברוך דײַן האמת

© Amos Biderman, Haaretz

Netanyahu hat ein neues Medien Genre für sich entdeckt. Statt der 48 Sekunden Statements aus seinem Büro beantwortet er nun in knapp drei Minuten kurze Fragen oder gibt das zumindest vor. Ein bisschen klapprig schaut er aus, als er Wesentliches des Tages von sich gibt. Netanyahu auf jugendlich geschminkt mit frisch gefärbten, sorgfältig frisierten Haaren. Hinter der Kamera der neue Sprecher Topaz Luk. «Wie gut schlafen Sie nachts, Herr PM?» Die Antwort kam ohne Zögern. «Ein bisschen, aber mit gutem Gewissen.» Weiss Netanyahu eigentlich noch, was Gewissen bedeutet? Andere PM vor ihm litten schwer an ihrem Versagen: Golda Meir trat infolge des Yom-Kippur-Krieges zurück. Menachem Begin, seit dem Tod seiner Gattin bereits gesundheitlich angeschlagen, ertrug die Opfer des Libanonkrieges nicht mehr: «Ich kann nicht länger weitermachen» erklärte er und trat zurück. Und Netanyahu? Der beantworte am nächsten Tag Luks Frage nach den Geiseln ganz nebenbei: «Wir wissen sicher, dass 21 noch am Leben sind und haben grosse Bedenken wegen der drei anderen.» Ganz nebenbei, ohne Sorge um das Leben der Geisel, geschweige denn mit persönlicher Betroffenheit. So wie es ein Mann sagen würde, dem das Gewissen abhandengekommen ist.

Vor dem 7. Oktober 2023
Das ist ein aktuelle Screenshot, Elkana scheint sich aufgegeben zu haben, wie auch in der Mitschrift des Videos zu hören ist.

Die Hamas hat heute ein Video veröffentlicht, in dem die beiden Geiseln Elkana Bohbot, 35, und Yosef Haim Ohana, 24, zu sehen sind. Die Familien haben gebeten, das Video noch nicht zu veröffentlichen. Bereits im März hatte die Hamas ein Video mit den beiden veröffentlicht.

Wenn Israel die Lieferungen von Lebensmitteln und Hilfsgütern wieder aufnimmt, so werden nach eigenen Angaben derzeit nur etwa 60 % der Bevölkerung erreicht werden. Entsprechend wurde auch die ‘Gaza Humanitarian Foundation’, eine Stiftung nach Schweizer Recht, die am 11.02.25 gegründet wurde, informiert. In der Information heisst es, «dass die Zivilbevölkerung in Gaza derzeit ‘unter extremer Not leidet’, aber es heisst auch, dass die ‘sicheren Verteilungsstellen’ (SDS), die zur Verteilung der Hilfe eingerichtet werden sollen, zunächst nur 1,2 Millionen Menschen versorgen werden, während die Bevölkerung im Gazastreifen etwa 2 Millionen Menschen umfasst. Die vier SDS hätten aber durchaus die Möglichkeit, nach einer Anlaufphase bis zu 2 Millionen Menschen zu betreuen. Jede Kiste, die alle ein bis zwei Wochen abgegeben wird, umfasst 50 Mahlzeiten mit 1.750 Kalorien, Hygieneartikel und medizinische Hilfsgüter. Jede Kiste wiegt etwa 18 kg.

Jüdische Siedler-Terroristen haben erneut palästinensisches Eigentum zerstört. In der Nacht auf gestern legten sie Feuer an Feldern in der Nähe des Ortes Al-Mughayyir, nördlich von Ramallah in Shomron. Es ist nicht das erste Mal, dass der Ort von jüdischen Siedler-Terroristen angegriffen wird. Der Vorfall wurde nicht gemeldet und wie leider bereits eine Selbstverständlichkeit gab es auch keine Verhaftungen. Sowohl die IDF als auch Polizei und Grenzpolizei folgen den Anweisungen der beiden rechtsextrem-nationalistischen Verantwortlichen in der Regierung, Ben-Gvir und Smotrich. Für die gilt das ‘Recht des Stärkeren’, verhaftet werden Palästinenser, aber nie Israelis.

Bei der Detonation einer Sprengfalle in Shejaiya in Gaza City wurden neun Soldaten der IDF leicht verletzt. Das IDF-Kommando war gerade dabei, gezielte Suchaktionen durchzuführen, als es zu der Detonation kam.

Die zwei Hamas-Terroristen, die sich vor wenigen Tagen der IDF ergeben haben, gaben dem Shin-Bet sicherheitsrelevante Information zu einem grossen Tunnel-System in Rafah. Im Tunnel befanden sich mehrere Wohn- und Schlafräume, Badezimmer, eine Küche, Besprechungsräume und Waffenlager. Der Tunnel diente offenbar als sicherer Rückzugsort für die Hamas. Alle Türen waren Sicherheitstüren, die Explosionen standhielten. Der Tunnel wurde vollständig zerstört.

Der Kaktus des Tages geht an die Schlagzeilen-geile Presse. Der/die/das Nobody-Wesen Nemo gibt der Huffington-Post ein Interview in dem er/sie/es verlangt, Israel von der Teilnahme am ESC auszuschliessen. Hätte er/sie/es das an einem privaten Mittagstisch getan, so wäre es nichts weiter als eine rein private Meinungsäusserung. Die darf er/sie/es verlauten lassen. Aber das bringt ihm/ihr/ihm keine Publicity. Die kommt erst dann, wenn die Presse das Futter freudig aufnimmt und veröffentlicht. In dem Fall von der Huffington Post ausgehend, fand die Meldung Eingang in fast alle Schweizer Medien. Das ist verständlich, findet doch ab morgen das ESC Spektakel in Basel statt. Einzig ‘Watson’ äussert sich kritisch und stellt fest, dass der ESC ein Spektakel aber keine juristische Instanz ist, also nicht Ziel von solchen Vorwürfen sein solle. Deshalb geht der Kaktus an die Medien: sie hätten die private Meinungsäusserung eines/einer/eines Nobodys nicht pushen sollen. So schadet sie nur einer mutigen Sängerin, Yuval, die eine Geschichte erzählt, die es sich wirklich lohnt, angehört zu werden. Be hatzlacha Yuval!



Kategorien:Israel, Politik

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