15. Ijjar 5785
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Edan Alexander, der gestern aus der Geiselhaft der Hamas freigelassen wurde, haben heute Morgen mit Präs. Trump telefoniert. «Seine Führung hat diese Freilassung ermöglicht. Wir werden weiterhin bestrebt sein, alle noch in Gaza festgehaltenen Geiseln heimzuholen», schrieb Witkoff in einem Statement in seinem ‘X’-Account und fügte hinzu: «Ich hatte heute die Ehre, Edan Alexander zu treffen und daheim willkommen zu heissen. Nach Monaten der Gefangenschaft ist die ganze Welt von seinem Mut und seiner Widerstandsfähigkeit inspiriert. Seine Rückkehr gibt vielen anderen Hoffnung!»

VM Israel Katz bedankte sich bei Trump und erklärte, er sei ‘begeistert’, dass die freigelassene Geisel nun wieder mit seiner Familie vereint sei. «Ich danke dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Regierung für ihre Bemühungen und ihre Hilfe bei der Sicherung seiner Freilassung» Israel, so fuhr er fort, sei entschlossen, «alles Notwendige zu tun, bis alle unsere Geiseln, unsere Schwestern und Brüder, die Lebenden und die Toten, in unser Land zurückkehren.»
Ich möchte ihm sowie anderen Politikern ein Wort aus dem Faust[1] mitgeben: «Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn! Indes ihr Komplimente drechselt, kann etwas Nützliches geschehn!»

Sprecher des Kibbutz Nir Oz betonen, dass sie von der Freilassung von Edan Alexander ‘zutiefst bewegt’ sind und darin einen ‘Lichtblick in der Dunkelheit, in der wir uns befinden’ sehen. Aber es gibt auch einen anderen Aspekt: «Es ist schwer, die schwierige Botschaft zu ignorieren, die die Bürger des Staates Israel heute erhalten und die der ganzen Welt vermittelt wird: Unser Leben ist weniger wert. Eine Geisel mit amerikanischem Pass wird bevorzugt behandelt, während die anderen 58 Geiseln zurückgelassen werden – darunter 14 Mitglieder der Gemeinde Nir Oz – und die Angst um ihr Schicksal grösser ist denn je.» Während des Massakers waren 47 Menschen im Kibbutz von den Hamas-Terroristen grausam ermordet worden. 78 Kibbutznikim wurden in den Gazastreifen verschleppt, 35 starben während der Geiselhaft oder wurden dort ermordet. 36 lebende Geiseln wurden freigelassen und die sterblichen Überreste von weiteren 13 wurden an Israel zurückgegeben. Die IDF geht derzeit davon aus, dass sich noch fünf lebende Geiseln in Gaza befinden, ebenso wie die sterblichen Überreste von neun weiteren.

Der Minister für regionale Zusammenarbeit, David Ansalem, kritisierte Trump scharf, indem er von ihm eine umfangreichere Zusammenarbeit forderte. «Trump hat bisher im Interesse Israels gehandelt, aber es stellt sich heraus, dass dieser Mann unberechenbar ist. Jeden Tag steht er auf einer anderen Seite.» Ansalem lobt in völliger Abkehr von der Meinung Trumps, die auch von Netanyahu gerne übernommen wird, dass der ehemalige Präsident Joe Biden jemand war, der «Israel wirklich geliebt hat.» Er beschreibt den launenhaften POTUS als jemanden, der «der morgens mit A aufsteht, abends B beschliesst und danach C und D tut.» Das sei eine Form des Regierens, die die ganze Welt ‘irritiert’. Die Verhandlung über die Freilassung von Edan Alexander sei nicht zwischen Jerusalem und Washington koordiniert worden und «bricht deshalb mit allen Normen, die es je zwischen den beiden Staaten gab.»

Netanyahu soll hinter verschlossenen Türen erklärt haben, dass «Israel immer mehr Häuser in Gaza und damit der Palästinenser zerstört, die nirgendwo mehr zurückkehren können. Das einzige offensichtliche Ergebnis wird sein, dass die Bewohner Gazas sich dafür entscheiden, aus dem Gazastreifen auszuwandern», fuhr Netanyahu fort. «Aber unser Hauptproblem ist es, Länder zu finden, die sie aufnehmen.» Der von Trump proklamierte Plan erweist sich genau aus dem Grund als undurchdacht und undurchführbar. Ägypten und Jordanien haben bereits abgewunken. Trotzdem wollen die USA den Gazastreifen weiterhin übernehmen, behauptete Netanyahu. In den USA scheint das Interesse an einem ‘Trump-Resort’ in Gaza jedoch bereits wieder verflogen zu sein. MK Limor Son Har-Melech, Otzma Yehudit, hat einen kreativen, aber idiotischen Vorschlag. «Holt doch Juden aus den USA und siedelt sie in Gaza an.»
Auf Drängen von Trump hat Netanyahu sich bereit erklärt, heute eine Delegation nach Doha zu schicken, um dort zu versuchen, die eingefrorenen Verhandlungen zum Waffenstillstand und zur Freilassung aller Geiseln wieder zu beleben. Er betonte aber bei Telefongesprächen mit seinen Koalitionspartnern, dass er einem Waffenstillstand nur zustimmen werde, wenn die Hamas alle Geiseln sofort freilässt, die Waffen niederlegt und sich aus dem Gazastreifen zurückzieht. Während Vertreter der USA davon sprechen, ein Ende des Krieges zu fordern, hat Netanyahu eine massive Ausweitung der Kämpfe angeordnet, die am Freitag beginnen wird. Dieser Tag markiert den Abflug Trumps aus der Region. Sollte bis dahin die Hamas nicht einem Vorschlag Israels zugestimmt haben, wird die neue Grossoffensive an diesem Tag beginnen.

Trump hat mit einer seiner vagen Aussagen ein Treffen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa für den morgigen Mittwoch ‘bestätigt’. Auf eine ihm von einem Journalisten zugerufene Frage, ob das Treffen stattfinden werde, nickte er und meint «Ich denke schon.» Kurz darauf wurde das Treffen auch vom Weissen Haus bestätigt. In welchem Rahmen das Treffen stattfinden wird, wurde nicht bekannt,


Die IDF gab an, über Nacht einen gezielten Angriff auf das Nasser-Spital in Kahn Younis durchgeführt zu haben. Das Krankenhaus diente als Kommandozentrale der Hamas. Bei dem Angriff soll Hassan Eslaiah eliminiert worden sein. Eslaiah war freischaffender Foto-Reporter der Presseagentur AP. Während des Massakers vom 7. Oktober fotografierte er einen brennenden Panzer an der Grenze, den Überfall auf den Kibbutz Nir Oz, bei dem Dutzende Menschen grausam ermordet wurden. Die Bilder veröffentlichte er sofort in den sozialen Medien. Bereits im April hatte die IDF einen gezielten Angriff auf ihn vorgenommen, er konnte jedoch entkommen.
[1] Faust, eine Tragödie von Johann Wolfgang v. Goethe.
Kategorien:Israel
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