Krieg in Israel – Tag 590

20. Ijjar 5785

Wie üblich finden zahlreiche inoffiziellen Treffen anlässlich der Feierlichkeiten zur Einsetzung von Papst Leo XIV in sein Amt statt. Der libanesische Präsident Joseph Aoun wechselte einige Worte mit dem geistlichen Oberhaupt der israelischen Drusen, Sheikh Mowafaq Tarif. Die meisten Drusen der nur eine Million umfassenden Glaubensgemeinschaft leben im Libanon und  

Israel, aber auch in Syrien. An den Feierlichkeiten nahmen zahlreiche Staatschefs, darunter auch der israelische Präsident Isaac Herzog, teil. Präsident Herzog traf sich mit dem US-amerikanischen Vize-Präsidenten J.D. Vance. Dessen ursprünglich für diese Woche vorgesehene Besuch in Israel wurde vor einigen Tagen abgesagt.

An den Beisetzungsfeierlichkeiten von Papst Franziskus war Israel nur mit dem Botschafter am Hl. Stuhl vertreten. Die pro-palästinensische Haltung des Verstorbenen hatte zu Spannungen zwischen dem Vatikan und Israel geführt. Der ‘Lateinische Patriarch’ von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die heutige Teilnahme von Präsident Herzog einen Wendepunkt in den Beziehungen darstellt. Auch Präsident Herzog drückte seine Hoffnung aus: «Ich hoffe, dass sein Pontifikat eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen allen Glaubensrichtungen einläuten und die Freundschaft zwischen Juden, Christen und Muslimen im Heiligen Land weiter stärken wird.» Der Papst hatte in seiner ersten Ansprache die sofortige Freilassung aller Geiseln gefordert.

Die US-amerikanische Botschaft in Tripoli hat mitgeteilt, dass es keinerlei Bemühungen gegeben habe, etwa 1 Million Gazaner nach Libyen umzusiedeln. Dass es solche Bemühungen gäbe, hat Präsident Trump gestern schwadroniert (s. gestern).

Tzav 8 für die Soldaten links und Beschwerden von den Haredim © Amos Biderman, Facebook

Die Opposition hat heute die Koalition in einer Abstimmung zur Einberufung von Reservisten überstimmen können. Es war dies bereits die zweite Abstimmung, die die Opposition für sich entscheiden konnte. Gegenstand der Abstimmung war die sogenannte ‘Notfall-Einberufung’ (Tzav 8). Offensichtlich fällt es der Regierung vermehrt schwer, die eigenen MKs von der Notwendigkeit einer erneuten Einberufung zu überzeugen. Aktuell läuft die Frist am 22. Mai ab. Sollte es bis dahin zu keiner positiven Entscheidung kommen, dürfen keine neuen Einberufungen versendet werden. VM Israel Katz wurde aufgefordert, konkrete Pläne für die Operation ‘Gideons Streitwagen’ vorzulegen und zu erklären, inwieweit sie zum Erreichen der Kriegsziele beiträgt. Yair Golan schrieb auf seinem Account-‘X’: «Die Regierung Smotrich-Netanyahu schickt Soldaten ohne Perspektive und ohne Ziel nach Gaza. Heute Morgen hat sie auch gegen die Opposition verloren, als sie in einer schändlichen Aktion versuchte, die Einberufungsbefehle für die Reserve (Tzav 8) zu verlängern und die Wehrdienstverweigerung der Ultraorthodoxen aufrechtzuerhalten. Es ist Zeit, dies zu verinnerlichen – wir werden euch nicht erlauben, die Reserveeinsatz-Befehle zu verlängern, während ihr euch weigert, die Ultraorthodoxen zum Militärdienst einzuziehen.»

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ‘aus dem Büro des PM’ vermeintlich positive Ankündigungen zum Fortschritt der Verhandlungen in Kairo oder Doha kamen. Heute hiess es mitten in der Nacht: «Auf Anweisung des Premierministers arbeitet das Verhandlungsteam in Doha auch in dieser Stunde daran, alle Möglichkeiten für eine Einigung auszuschöpfen – sei es gemäss dem Witkoff-Entwurf oder im Rahmen einer Beendigung des Krieges, die die Freilassung aller Geiseln, die Verbannung der Hamas-Terroristen und die Entwaffnung des Gazastreifens beinhalten würde.» Also leider nichts Neues, das sind die israelischen Bedingungen …. «Dank der Politik Netanyahus, militärischen und diplomatischen Druck auszuüben, ist es der Regierung bisher gelungen, 197 Geiseln nach Hause zu bringen, und sie unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um die 58 verbleibenden Gefangenen zurückzuholen.» Das sind die Worte von Netanyahu, die wir jeden Tag mantraartig hören. Ebenso mantraartig kommen die Kritik und Schuldzuweisung an einen nicht mehr im Team Vertretenen, Gen. a.D. Oren Setter, der die Verhandlungen angeblich bewusst sabotiert habe und an die Hamas, die monatelang die Verhandlungen abgewiesen habe. Fazit: Nichts Neues, alle anderen sind schuld, nur nicht Israel und schon gar nicht Netanyahu!

Der de-facto Führer der palästinensischen Terror-Organisation Hamas und Bruder des bereits vor einigen Monaten eliminierten Yahyah Sinwar, Muhammad, ist tot. Seine Leiche wurde in einem von der IAF zerstörten Tunnel in Khan Younis gefunden. Der Angriff hatte bereits in der vergangenen Woche stattgefunden, bis gestern war das Schicksal von Muhammad unbekannt. Im Tunnel befanden sich die Leichen von zehn engen Mitarbeitern, sowie des Hamas-Führers Mohammad Shabana. Gestern wurde ein weiterer Bruder, Zakaria, bei einem Luftangriff auf Nuseirat getötet.

Seit heute Morgen, so gab die Zivilverteidigung aus Gaza bekannt, wurden bei israelischen Angriffen mindestens 125 Menschen getötet. Jeden Tag diese Zahlen, das ist nicht nur erschütternd, es stellt sich die Frage, welchen Sinn macht dieser hohe Blutzoll? Sind sie der billigend in Kauf genommene Preis für die fünf hoch priorisierten Kriegsziele (s. gestern), um dann irgendwann das sechste Ziel, die Befreiung der Geiseln, zu erreichen?

Stimmen die Angaben des von der Hamas geleiteten ‘Gesundheitsministeriums’, so ist im Norden des Gazastreifens kein Krankenhaus mehr funktionsfähig. «Die israelische Besatzungsmacht hat ihre Belagerung mit schwerem Beschuss rund um das indonesische Krankenhaus und dessen Umgebung verschärft und verhindert so die Ankunft von Patienten, medizinischem Personal und Hilfsgütern – wodurch das Krankenhaus praktisch ausser Betrieb gesetzt wurde. Alle öffentlichen Krankenhäuser im nördlichen Gazastreifen sind nun ausser Betrieb.» Die Patienten wurden in das nahe gelegene. Kamal-Adwan-Krankenhaus evakuiert, das offenbar noch teilweise in Betrieb ist.

Auch zu diesem Punkt gibt es unterschiedliche Ansichten. Die IDF entdeckte während dem gesamten Krieg immer wieder, dass die Hamas bevorzugt Krankenhäuser und auch die dazu gehörenden Rettungsfahrzeuge für ihre Zwecke missbraucht. Von einigen freigelassenen Geiseln wurde bekannt, dass sie zeitweise in Krankenhäusern gefangen gehalten wurden. Kommandozentralen, Tunnel-Ein- und Ausgänge sowie angezapfte Server schufen eine Parallelwelt, die nur schwer zu erkennen und zu bekämpfen war. Betrachtet man die Krankenhäuser unter diesem Aspekt, so ist es richtig, sie ausser Funktion zu bringen. Auf der anderen Seite ist es so, dass das Völkerrecht Krankenhäuser unter besonderen Schutz stellt. Allerdings wird durch terroristischen oder militärischen Missbrauch der Schutz aufgehoben.

In den Nachtstunden haben die Houthi-Terroristen zwei weitere Langstrecken-Raketen in Richtung Ben-Gurion abgeschossen. Eine der beiden Raketen konnte erfolgreich abgefangen werden, die zweite stürzte frühzeitig ab. Der in weiten Bereichen zwischen Tel Aviv und Jerusalem ausgelöste Alarm schickte erneut gegen zwei Uhr morgens Hunderttausende Israelis in die Schutzräume.

Noch einmal die Rose des Tages für Yuval Raphael! Mit 297 Punkten des Publikums, und damit 119 Punkten vor dem Sieger, aber nur 60 Punkten der Jury, und damit nur auf dem 14. Platz, ex aequo mit der Ukraine, landete das israelische Lied auf dem hervorragenden zweiten Platz! 12 Punkte erhielt Israel im Länder-Voting von Aserbaidschan. Leider waren die Wertungen der Jury nicht objektiv, sondern reflektieren die anti-israelische Haltung der jeweiligen Staaten.  

Rot ist die Publikumswertung, blau die der Jury, Azerbaidschan ist leider ‚abgeschnitten‘, der krasse Unterschied liegt auf der Hand.

Während Yuval auf der Bühne stand und eine beeindruckende Vorstellung gab, versuchten zwei Personen über die Absperrung auf die Bühne zu gelangen, konnten aber von den Sicherheitskräften festgehalten und aus dem Saal gebracht werden. Anschliessend wurden sie der Polizei übergeben. Eine der beiden Aktivisten versuchte, rote Farbe auf die Bühne zu werfen und traf dabei ein Crew-Mitglied. Einige Zuschauer wurden ebenfalls von der Farbe getroffen. In der Halle deutlich zu hörende Buh-Rufe und Pfiffe wurden bei der Life-Übertragung weggefiltert. Draussen vor der Halle und vor allem in der Innenstadt demonstrierten etwa 500 Menschen gegen die Teilnahme Israels am ESC. Die Polizei setzte teilweise Wasserwerfer ein.

Yuval hat uns würdig vertreten, ihr gilt mein Respekt und Glückwunsch!



Kategorien:Israel, Politik

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