Krieg in Israel – Tag 592

22. Ijjar 5785

Leider muss die IDF auch heute den Tod eines Soldaten bekannt geben. Sgt. Yosef Yehuda Chirak, 22, s’’l, wurde Opfer eines Schusswechsels im nördlichen Gazastreifen. Die IDF untersucht, ob es sich möglicherweise um einen tragischen Unfall, verursacht durch ‘friendly fire’ gehandelt hat. Der Verdacht hat sich mittlerweile leider bestätigt. Der tragische Unfall fand statt, als zwei Gruppen einen Tunnelschacht untersuchten, bevor sie ihn zerstörten.

Der US-amerikanische Aussenminister Marco Rubio ist nur Tage, nachdem er sich mit Mitgliedern der syrischen Übergangsregierung getroffen hat, sehr besorgt. Syrien sei angesichts der zahlreichen Herausforderungen, mit denen die Regierung konfrontiert ist, «vielleicht nur noch Wochen – und nicht viele Monate – von einem möglichen Zusammenbruch und einem Bürgerkrieg epischen Ausmasses, der im Grunde genommen zur Spaltung des Landes führen wird, entfernt.» Ein Szenario, das die Region erneut destabilisieren würde. Für Israel würde ein Bürgerkrieg bedeuten, dass sich die Grenze zwischen den beiden Staaten mit dem besetzten Golan und der Pufferzone zu einer erneut hochsensiblen Region entwickeln könnte, die eine starke präventive Militärpräsenz braucht.

Die Staatschefs von Grossbritannien, Frankreich und Kanada haben gestern eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Sollte sich Israel weiterhin weigern, Hilfslieferungen nach Gaza zuzulassen, drohen sie ‘mit weiteren konkreten Massnahmen’. Welche das sind, wird nicht bekannt gemacht. Die Ankündigung Netanyahus, eine ‘limitierte’ Menge zuzulassen, nannten sie «inakzeptabel und einen Verstoss gegen das Völkerrecht.» Womit sie leider Recht haben. Hunger als Kriegsmittel ist ein Kriegsverbrechen. Der zweite Punkt, der von den drei Staaten kritisiert wurde, ist die geplante ‘dauerhafte Zwangsumsiedlung’. Die ist zwar dem chaotischen Hirn von Trump entsprungen, führt aber bei den rechten Politikern Israels zu teils zynischen Kommentaren, die ebenfalls kritisiert werden. «Wir fordern die Hamas auf, die verbleibenden Geiseln, die sie seit dem 7. Oktober 2023 so grausam festhält, unverzüglich freizulassen. Israel hat am 7. Oktober einen abscheulichen Angriff erlitten. Wir haben immer das Recht Israels unterstützt, Israelis gegen Terrorismus zu verteidigen. Aber diese Eskalation ist völlig unverhältnismässig», heisst es in der Erklärung. In einer Reaktion auf die gemeinsame Erklärung erklärte Netanyahus Büro: «Der Krieg kann morgen beendet werden, wenn die verbleibenden Geiseln freigelassen werden, die Hamas ihre Waffen niederlegt, ihre mörderischen Führer ins Exil gehen und der Gazastreifen entmilitarisiert wird. Von keiner Nation kann erwartet werden, dass sie weniger akzeptiert, und Israel wird dies sicherlich nicht tun.» Im Folgenden warb Netanyahu für die Unterstützung des völlig wirren Trump-Plans und verschwendete kein Wort an die ‘Zwei-Staaten-Lösung’, die von den drei Staaten favorisiert wird. «Dies ist ein Krieg der Zivilisation gegen die Barbarei. Israel wird sich mit allen Mitteln verteidigen, bis der vollständige Sieg errungen ist», schloss Netanyahu.

Yair Golan, Vorsitzender der ‘Demokraten’, hat sich infolge seiner Enttäuschung über unsere Regierung  zu einer leider unüberlegten Äusserung hinreissen lassen. Er hatte erklärt, Israel ‘töte Kinder in Gaza als Hobby’. Diese Äusserung brachte ihm harsche und berechtigte Kritik quer durch das gesamte politische Spektrum ein. Selten war man sich in der Knesset so einig. Der rechts-extreme Ben-Gvir vermutete, Golan habe eine Seite aus dem Buch eines Hamas-Sprechers gestohlen und vorgelesen. «Sein eigenes Hobby ist die antisemitische schwere Verleumdung des Staates Israel.» Shlomo Karhi bezeichnet Golan als ‘Terroristen, der die Bemühungen zum Erreichen der Kriegsziele sabotiert’. Gideon Sa’ar verurteilt die ‘Schwere Verleumdung des Staates Israel und seiner Armee, die das Feuer des Antisemitismus in der Welt weiter anfacht’. Yoav Kisch erklärt: «Unsere heldenhaften Kämpfer, die ihr Leben für das Land riskieren, des Mordes an Babys zu beschuldigen, ist keine Kritik. Es ist eine schwere Verleumdung und eine Aufstachelung.» Der rechts-extreme Smotrich wirft ihm vor, ‘unseren Feinden ein Schwert zu geben, um uns zu töten’. Israel Katz fordert: «Jeder, der die israelische Gesellschaft in der Vergangenheit mit dem Nazi-Regime verglichen hat und nun in Kriegszeiten den Staat Israel und die IDF verleumdet und diffamiert, muss aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden.» Yair Lapid bezeichnete die Aussage als ‘Geschenk an unsere Feinde’. Er verlangte, dass die IDF ihm seinen Rang als Generalmajor aberkennt. Benny Gantz betonte: «Der Staat Israel führt seit seiner Gründung einen gerechten Krieg und tut dies gemäss internationalen Regeln und höchsten moralischen Werten. Jemand wie Golan, der stellvertretender Stabschef der IDF war, weiss das. Komm zur Besinnung, Yair, und entschuldige dich, es ist noch nicht zu spät.»

Yair Golan äusserte sich zu den ihm gemachten Vorwürfen: «Die Bedeutung meiner Worte war klar: Dieser Krieg ist die Verwirklichung der Fantasien von Ben-Gvir und Smotrich, und wenn wir ihnen erlauben, diese in die Tat umzusetzen, werden wir zu einem Paria-Staat. Es ist Zeit, dass wir Rückgrat zeigen, wir müssen für unsere Werte als zionistischer, jüdischer und demokratischer Staat einstehen. Die Soldaten der IDF sind Helden, die Minister der Regierung sind korrupt. Die IDF ist ethisch, das Volk ist aufrichtig, die Regierung ist korrupt. Der Krieg muss beendet, die Geiseln müssen zurückgebracht und Israel rehabilitiert werden.» Ursprünglich hatte Golan gesagt: «Israel ist auf dem Weg, ein Paria-Staat zu werden, wie es Südafrika war, wenn wir nicht wieder anfangen, uns wie ein vernünftiges Land zu verhalten. Ein vernünftiges Land kämpft nicht gegen Zivilisten, tötet nicht aus Spass Babys und setzt sich nicht zum Ziel, Bevölkerungsgruppen zu vertreiben. Diese Regierung ist voll von rachsüchtigen Menschen ohne Moral und ohne die Fähigkeit, ein Land in Krisenzeiten zu regieren. Das gefährdet unsere Existenz

Tom Fletcher, Untergeneralsekretär der UN für Humanitäre Angelegenheiten, zeigt sich sehr besorgt: «Bis zu 14.000 Babys in Gaza können innerhalb der nächsten 48 Stunden sterben, wenn sie nicht sofort entsprechende Nahrung erhalten. Wir müssen den Gazastreifen mit humanitärer Hilfe ‘überschwemmen’.» Auf die Frage, woher er diese ‘absolut erschreckenden Zahlen’ habe, antwortete er: «Wir haben starke Teams vor Ort – und natürlich sind viele von ihnen getötet worden. Wir haben immer noch viele Leute vor Ort – sie sind in den medizinischen Zentren, sie sind in den Schulen … und versuchen, den Bedarf zu ermitteln.» Die Lieferungen, die gestern mit fünf Lkws gebracht wurden, bezeichnet Fletcher als ‘Tropfen in einem Ozean’. Heute sollen 100 Lkws Lieferungen nach Gaza bringen.

Gestern unterschrieben 22 Staaten die dringende Aufforderung an Israel, sofort die völlige Wiederaufnahme der Lieferungen von Hilfsgütern und Lebensmitteln in den Gazastreifen zuzulassen. Es sei ihnen durchaus bewusst, dass die Umstände eine langsame Wiederaufnahme der Lieferungen notwendig machen. Jedoch sei die Lage im Gazastreifen so dramatisch, dass die Bevölkerung die Hilfe sofort braucht. Neben Frankreich und Deutschland unterschrieben: Kanada, Dänemark, Estland, Finnland, Island, Irland, Italien, Japan, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, New Zealand, Norwegen, Portugal, Slowenien, Spanien, Schweden und Gross-Britannien.

Der in Qatar lebende Hamas-Vertreter Sami Abu Zuhri bezeichnete die hohe Zahl der Opferwährend des Krieges als ‘materielle Berechnungen’. Die Zahl der Geburten liegt in Gaza noch knapp höher als die der Opfer. «Die Märtyrer, die im Krieg getötet wurden – die Gebärmütter (sic!) der Frauen in Gaza werden doppelt so viele gebären. Das ist der Preis, den wir zahlen müssen. Wenn wir in materiellen Kategorien denken würden, könnten wir unser Land nicht halten.» Frauen und Männer im Gazastreifen zeigten ihre Empörungen in Anti-Hamas-Demonstrationen, aber auch Video-Clips, die sie in den sozialen Medien hochluden. Der Zorn richtete sich nicht nur gegen die Aussage an sich, sondern insbesondere, weil sie aus dem Ausland kam. Bekanntermassen hat Yahya Sinwar bereits kurz nach dem Massaker verkündet: «Wir brauchen nützliche Opfer!» Zudem werden Zivilisten bei jeder Gelegenheit als menschliche Schutzschilder missbraucht.

Eine britische Chirurgin, die im ‘Nasser Krankenhaus’ in Khan Younis volontiert, beklagt: «Wir verlieren jeden Tag Kinder, die an leicht zu behandelnden Symptomen leiden. Vor zwei Tagen habe ich ein vier Jahre altes Mädchen verloren, das an einer gravierenden Sepsis litt. Mit der Möglichkeit einer umfangreichen Blutanalyse und einer funktionierenden Blutbank hätte ich sie retten können. Unabhängig von den politischen Hintergründen des Krieges befinden wir uns in einer humanitären Krise. Wir müssen für die Menschen hier Nahrung und medizinische Hilfe bekommen.» Es ist ganz klar die Hamas, die diese menschlichen Tragödien verursacht und begonnen hat.

Entsprechend der von der Hamas geführten Zivil-Verteidigung in Gaza wurden bei Angriffen durch die IDF/IAF während der Nachtstunden mindestens 60 Menschen getötet. Die meisten von ihnen seien Frauen und Kinder. Dazu kämen noch Dutzende Verletzte. Die Angriffe hätten auf zwei Privathäuser, eine Tankstelle und eine Schule stattgefunden. Die Zahlen wurden nicht von der IDF verifiziert.

„Komm doch bitte zu Besuchszeit!“ © Amis Biderman, Facebook

Die Houthi-Terroristen haben angekündigt, eine Seeblockade des Hafenbeckens von Haifa durchzusetzen und warnen Schiffe, dorthin zu kommen. Ab sofort seien sie ‘Ziele’, die jederzeit angegriffen werden könnten. Damit sind zwei der drei Verkehrsknotenpunkten Israels mit der Welt durch den Beschuss durch Houthi-Raketen gefährdet. Die Houthis erhalten von China Satellitenbilder als Information über ihre Ziele.



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