Krieg in Israel – Tag 616

17. Siwan 5785

Nachdem sich in den letzten Tagen die Zeichen immer mehr verdichteten, dass ein israelischer Angriff auf den Iran bevorstand, war es in der Nacht auf heute soweit. Jerusalem erklärte, einen ‘präzisen Präventivschlag’ ausgeführt zu haben. In Israel wurde der ’nationale Notstand’ verhängt, um den Bürgern Zeit zu geben, sich auf einen Vergeltungsschlag vorzubereiten. Während Netanyahu in einer wohlvorbereiteten Rede in Englisch und Hebräisch die Erfolge des Angriffs hervorhob, warnen Fachleute im Land vor einem langwierigen Konflikt. Teheran habe immer noch das Potential, Israel grossen Schaden zuzufügen. Netanyahu hatte in seiner Rede betont, dass der Iran über ein riesiges Lager an Langstrecken-Raketen verfüge, die jeweils mit einer Tonne Sprengstoff bestückt sind und in wenigen Minuten Israel erreichen können. «Deshalb arbeiten wir daran, dieses zu zerstören.»

Gegen 3 Uhr nachts begannen die ersten Angriffswellen, die sich bis in den Morgen ausdehnten. Mehr als 200 Flugzeuge sollen an der Operation ‘Rising Lion’ beteiligt gewesen sein. Mehr als 300 Geschosse wurden auf mehr als 100 Ziele abgeschossen.

Opfer der Angriffe wurden der Kommandant der ‘Islamischen Revolutionsgarde, Hossein Salami, der Chef des Militärs, Mohammad Bageri sowie die Atomwissenschaftler Fereydoun Abbasi-Davani und Mohammad Mehdi Tehranchi und andere hochrangige Militärs. Bisher wurden Explosionen in Natanz, dem Standort einer wichtigen Atomanlage sowie in und um Teheran gemeldet. Wie mittlerweile bekannt wurde, ist auch der Chef der iranischen Luftabwehr, Amir Ali Hajizadeh unter den Opfern, wie regionale Medien bekanntgaben- 

Die Nuklearanlagen in Fordo und Isfahan sind laut Angaben aus dem Iran nicht getroffen und noch voll funktionsfähig. Der Iran bezeichnet die Schäden an der Nuklearanlage Natanz als ‘kosmetischen Schaden’, obwohl Satellitenaufnahmen anderes zeigen. 

Zeitgleich mit dem Beginn der Operation wurden in ganz Israel die Sirenen aktiviert und über Handys wurden die Israelis informiert, dass eine Grossoffensive im Gange und mit Vergeltungsmassnahmen zu rechnen sei. Der Ausnahmezustand wurde sofort verhängt. Die Einwohner wurden aufgefordert, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten. Das Gesundheitsministerium und die IDF gaben Anweisungen an die Krankenhäuser, ihre medizinischen Abteilungen in die Untergrundbereiche der Spitäler zu verlegen. 

Generalstabschef Zamir erklärte, die IDF mobilisiere zentausende Soldaten, um die Grenzen zu sichern. Palästinensische Städte in Samaria und Judäa wurden abgeriegelt.

Trump hat für 11 Uhr Ortszeit eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen. Er hatte noch gestern Israel aufgefordert, während der laufenden Verhandlungen zwischen Teheran und Washington keinen Angriff durchzuführen. US-Aussenminister Rubio erklärte nach Beginn des Angriffs, «dass die USA nicht beteiligt seien, und warnte Teheran davor, als Reaktion darauf die USA ins Visier zu nehmen. Unsere oberste Priorität ist der Schutz der amerikanischen Streitkräfte in der Region. Israel hat uns mitgeteilt, dass es diese Maßnahme zur Selbstverteidigung für notwendig erachtet», erklärte er in einer Stellungnahme. «Präsident Trump und die Regierung haben alle notwendigen Schritte unternommen, um unsere Streitkräfte zu schützen, und stehen in engem Kontakt mit unseren regionalen Partnern», fügte er hinzu. «Lassen Sie mich klar sagen: Der Iran sollte keine US-Interessen oder US-Personal angreifen.»

In einem CNN-Interview antwortete der israelischen Botschafter bei der UNO, Danny Danon, auf die Frage, ob Israel im Falle einer iranischen Reaktion auf die Unterstützung durch die USA rechne: «Ich denke, wir sollten nicht spekulieren.» Später erklärte Danon in einem Interview mit Fox News, dass der Angriff erfolgte, nachdem es sichere Informationen gab, dass der Iran kurz davorstand, sowohl Israel als auch die USA anzugreifen. «Sobald wir diese sicheren Informationen hatten, beschlossen wir, nicht länger zu warten. Lange und anstrengende Tage liegen vor uns. Wir sind uns des Risikos bewusst, aber wir werden den Job beenden.»

Der Mossad hat vor Jahren damit begonnen, undercover Massnahmen im Iran vorzubereiten. So wurden Fahrzeuge mit Waffensystemen in den Iran geschmuggelt. In der Nähe von Teheran existierte eine Drohnen-Basis. Die Drohnen wurden gestern Nacht aktiviert und zerstörten gegen Israel gerichtete Raketen-Basen für Boden-Boden-Raketen. 

Am frühen Nachmittag gab IDF-Sprecher, Effie Defrin bekannt, dass die IDF den Angriffsplan weiterhin verfolgen werde. Die Operation werde erwartungsgemäss einige Tage dauern. Die IDF verfolge die Pläne des Iran sehr genau und ist auf jede Reaktion des Iran vorbereitet.

Trump erklärte in einer ersten Stellungnahme, er habe dem Iran 60 Tage gegeben, den Deal mit den USA zu fixieren. «Heute ist Tag 61. Sie sollten den Deal abgeschlossen haben. Ich habe ihnen gesagt, was zu tun ist, sie haben es nicht geschafft, Jetzt bekommen sie vielleicht noch eine zweite Chance.» Auf die Frage, ob die USA sich an den Angriffen beteiligen werde, erklärte er, keine Antwort geben zu wollen, aber er betonte auch: «Ich finde, es war ausgezeichnet. Wir haben ihnen eine Chance gegeben, und sie haben sie nicht genutzt. Sie wurden hart getroffen, sehr hart. Sie wurden so hart getroffen, wie man nur getroffen werden kann. Und es wird noch mehr kommen. Viel mehr.»

© Moshik Gulst

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian betonte, dass Israel die Angriffe ‘noch bereuen’ werde. «Die iranische Nation und die Vertreter des Landes werden angesichts dieses Verbrechens nicht schweigen, und die legitime und entschlossene Reaktion der Islamischen Republik Iran wird den Feind seine törichte Tat bereuen lassen», erklärte er im Staatsfernsehen. 

Die libanesische Regierung hat die Hisbollah dringend gewarnt, sich an allfälligen Vergeltungsschlägen des Irans gegen Israel zu beteiligen. «Die Zeit, als die Hisbollah beschloss, die Regierung zu umgehen, ist vorbei. Der Entschluss, sich in einen Krieg zu stürzen, ist Vergangenheit.» Die Hisbollah hat betont, sich aus dem Iran-Israel-Konflikt herauszuhalten.

Die israelischen Fluglinien haben unmittelbar nach dem Angriff auf den Iran damit begonnen, Flugzeuge der EL AL, Israir und Arkia aus dem Land zu fliegen, um sie vor möglichen Angriffen durch den Iran zu schützen. Einige der Flugzeuge wurden nach Zypern, andere nach Europa transferiert. Auch die ‘Wing of Zion’ wurde nach Athen disloziert. Der israelische Luftraum wurde geschlossen. Der Flughafen Ben-Gurion wurde für zunächst drei bis vier Tage völlig geschlossen. Auch der Luftraum über Jordanien wurde geschlossen. 

Als ersten Gegenangriff hat der Iran mehr als 100 Drohnen in Richtung Israel abgeschossen. Die IAF reagierte sofort und begann, die Drohnen abzufangen, bevor sie israelischen Luftraum erreichten. Auch wenn noch nicht bekannt wurde, ob alle abgefangen werden konnten, wurde doch die Anweisung, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten, aufgehoben. Jordanien gab bekannt, einige Drohnen aus dem Iran abgefangen zu haben, die in den jordanischen Luftraum eingedrungen waren. Die Drohnen benötigen ein bis zwei Stunden, um von Teheran nach Israel zu gelangen. 

Trümmer einer Rakete in Syrien

Der IAF gelang es, einige Drohnen in der Nähe der syrischen Grenze abzufangen, bevor sie in den israelischen Luftraum eindrangen. Einige Trümmer stürzten auf syrischem Gebiet ab. 

Angesichts der unsicheren Lage blieben die meisten Geschäfte zunächst geschlossen. Erst nachdem die strikten Anweisungen, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten, aufgehoben wurden, öffneten einige der Geschäfte. Es bildeten sich sofort lange Schlangen, um die Lebensmittel- und Wasservorräte daheim aufzustocken. Nachdem alle am Freitag stattfindenden Bauernmärkte abgesagt wurden, baten die Bauern um Unterstützung  und verteilten die verbliebenen Waren an Militärbasen oder Internate.

Bevor die weitere Ausgabe von Lebensmitteln im Gazastreifen von der IDF gestoppt wurden, hat die GHF mehr als 35.000 Pakete an gazanische Zivilisten verteilt.



Kategorien:Israel, Politik

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