Krieg in Israel – Tag 620

21. Siwan 5785

Auch heute muss die IDF leider erneut den Tod von zwei Soldaten bekannt geben. Cpt. Tal Movshovitz, 28, s’’l, wurde Opfer einer Explosion in einem verminten Gebäude im südlichen Gazastreifen. Movshovitz war Mitglied des Shin-Bet, wie der Sicherheitsdienst heute mitteilte. Staff Sgt. Naveh Leshem, 20, s’’l, wurde Opfer eines Hinterhalts, in den das gepanzerte Fahrzeug der Gruppe geriet. Drei weitere Soldaten wurden bei dem Vorfall verwundet.

Die Familienangehörigen von noch in Gaza festgehaltenen Geiseln beschuldigen die Regierung, dass die Geiseln mit Beginn des Krieges gegen den Iran völlig von der ‘Agenda der Regierung verschwunden sind’. In einer Sitzung des Aussen- und Verteidigungsausschusses der Knesset wies Aussenminister Gideon Sa’ar heute Behauptungen zurück, die Geiselnahme sei vernachlässigt worden. «Die Frage der Geiseln wurde nicht vernachlässigt. Es gibt laufende Kontakte, und wir wollen eine Freilassung auf Grundlage des Witkoff-Planes erreichen», sagte Sa’ar und fügte hinzu: «Wir haben eine positive Antwort gegeben und warten derzeit auf die Antwort der Hamas.»

Arkia, Israir und EL AL werden morgen damit beginnen, im Ausland gestrandete Israelis von verschiedenen Destinationen nach Israel zu bringen. Die Flüge werden jeweils mit der IDF und dem Verteidigungsministerium abgestimmt. Die Registrierungen für die ersten Flüge sind bereits abgeschlossen. Flüge für in Israel gestrandete Touristen sind noch nicht finalisiert, können jedoch schon gebucht werden. Derzeit befinden sich sämtliche Flugzeuge in ausländischen Flughäfen, wohin sie aus Sicherheitsgründen transferiert worden waren.

Das israelische Kreuzfahrt-Unternehmen «Mano» hat 1.500 Teilnehmer von Birthright-Gruppen von Ashdod nach Larnaca evakuiert. Das Schiff wurde von der israelischen Marine eskortiert. Mehr als 200 Personen wurden bisher über den Landweg und die Allenby Bridge nach Jordanien evakuiert. 

„Waze sagt, wir werden in einer Woche in Ashdod sein!“ © Guy Morad, Facebook

Die Freizeithäfen in Herzliya, aber auch in Haifa und Ashkelon gleichen derzeit am frühen Morgen einem kommerziellen Kreuzfahrthafen. In Facebook-Gruppen werden Evakuierungsreisen nach Zypern angeboten. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Einige Hundert waren es gestern, die mit Koffern, Rucksäcken, allein oder in Gruppen auftauchten und ihre ‘Rettungsboote’ suchten und fanden. Die Ausreisebehörden sahen sich zunächst von diesem Phänomen überfordert. Sie mussten manchmal die Augen zudrücken und die Kontrollen schneller als sonst vornehmen. Vor den Ausreisewilligen liegen 25 Stunden einer hoffentlich ruhigen Seefahrt.

Präsident Trump hat seinen Vize JD Vance und den Sonderbeauftragten für den Nahen Osten Steve Witkoff darauf eingeschworen, Gespräche mit dem iranischen Aussenminister zu führen. «Ich habe nicht gesagt, dass ich einen Waffenstillstand haben will, ich will ein wirkliches Ende, eine echte Aufgabe des Atomprogramms»,erklärte Trump. Jedoch betonte er, dass sein frühzeitiges Verlassen des G7-Gipfels nichts mit dem Gespräch zu tun habe, sondern «wie ihr bald sehen werdet, mit etwas viel Grösserem.» Die Gerüchteküche spekuliert, dass die USA sich den Kämpfen aktiv anschliessen könnte.

Nachdem das Schadensausmass der gestrigen Angriffe auf Tel Aviv, Petah Tikwa, Haifa und Bnei Brak erkennbar wurde, erklärten die Behörden, dass in Petah Tikwa 1.300 Personen ihre Wohnungen verlassen mussten, 300 waren es in Tel Aviv, einige Hundert in Bnei Brak und etwa 60 in Haifa. Die Betroffenen wurden in Hotels untergebracht. Finanzminister Smotrich kündigte eine volle Kompensation der entstandenen Schäden an. Die Frage, woher die Gelder kommen sollen, nachdem das Budget schon mehr als überzogen ist, bleibt offen. 

Die Bazan Gruppe, die die Ölraffinerie in Haifa betreibt, hat nun nach dem Beschuss von Vorgestern, bei dem es zu einige Schäden kam, den Betrieb völlig eingestellt. Bazan arbeitet mit der ‘Israel Electric Company ‘ auf Hochtouren daran, den Schaden zu beheben und die Arbeit wieder aufzunehmen.

Die IAF zerstörte zwei iranischen F-14 Kampfjets auf einem Flughafen in Teheran. Die in den USA gefertigten Jets wurden vor 1979, also vor der Islamischen Revolution, an Teheran ausgeliefert und sind wahrscheinlich die zwei letzten ihres Typs, die noch in Betrieb sind. Eine Meldung, dass der Iran eine israelische F-35 abgeschossen habe, wurde von der IAF als falsch zurückgewiesen. 

Netanyahu erklärte, er würde die Tötung des ‘Obersten iranischen Führers’ Ali Khameni nicht ausschliessen. Auf nähere Einzelheiten ging er nicht ein. «Sein Tod wird keine Eskalation des Konflikts bringen, sondern sein Ende bedeuten.» Netanyahu erklärte auch, dass er wiederholt kolportierte Meldungen, der Iran wolle an den Verhandlungstisch zurückkehren, für falsch halte. 

Lange hat er sich nicht an seinem neuen Job freuen können. General Ali Shadmani, der erst vor vier Tagen ernannt wurde, wurde gestern mit einem gezielten Angriff eliminiert. Er war der Chef des militärischen Sonder-Kommandos, Khatam—al Anbiya. Shadmani galt als einer der bedeutendsten Offiziere, der dafür verantwortlich war, die Angriffspläne zu koordinieren und zu überprüfen. 

Unmittelbar nachdem die IDF eine Evakuierungs-Massnahme für Teheran angekündigt hatte, forderte die Iranische Revolutionsgarde die Tel Avivis auf, sofort die Stadt zu verlassen. 

Am Abend gab die IDF bekannt, dass sie einen Militärtransport zwischen Teheran und Ghom bombardiert habe. Transportiert wurden neue Waffen, insbesondere Boden-Boden-Raketen.

Gestern am späten Nachmittag wurde das Gebäude des staatlichen Fernsehens und Radios in Teheran angegriffen und zerstört. Der Sender wurde überwiegend zu Propagandazwecken vom Militär genutzt. Der zweite Sender meldete: «Der Feind war sich nicht bewusst, dass die Stimme der Islamischen Revolution nicht mit einer Militäroperation zum Schweigen gebracht werden kann.»

Die GHF hat gestern vier Verteiler-Zentren geöffnet und dort die bisher höchste Zahl an Lebensmittelpaketen verteilt. Insgesamt seien bisher 3.1 Millionen Mahlzeiten in 55.000 Paketen verteilt worden. 

Ankündigungen der IDF zufolge besteht die Möglichkeit, dass heute etwa 20 Personen in der Nähe des Lebensmittel-Verteiler-Zentrums bei Khan Younis von der IDF erschossen wurden. «Heute früh wurden Menschen aus Gaza gesichtet, die sich neben einem Hilfs-Lkw versammelt hatten, der in Khan Yunis neben israelischen Streitkräften, die in dem Gebiet im Einsatz waren, feststeckte», heisst es in einer Erklärung der Armee. «Wir sind uns Berichten über eine Reihe von Opfern durch Schüsse der IDF bewusst, nachdem sich die Menschenmenge den Truppen genähert hatte. Die Details werden derzeit überprüft.» Während die WHO von mindestens 20 Toten spricht, geht die palästinensische Gesundheitsbehörde von mindestens 51 getöteten Palästinensern aus. Diese Meldung stammt aus der ToI, während in der JP von ‘einer Zahl von Verletzten’ die Rede ist. 

Der Tunnel unterhalb des ‘Europäischen Krankenhauses’ in Khan Younis, in der die Leichen von Muhammed Sinwar und zehn weiterer Terroristen aufgefunden wurden, wurde von der IDF mit 250 Kubikmeter Flüssig-Zement verschlossen.  Die IDF sah davon ab, den Tunnel zu sprengen, um die Baustruktur des Krankenhauses zu erhalten. 

Die IDF hat damit begonnen, ihre Operationen im nördlichen Jabaliya aufzunehmen. Bisher haben sie die Aktivitäten darauf beschränkt, Tunnelanlagen zu zerstören und Terrorzellen aufzulösen. 

Auf dem iranischen Kornprinzen, Reza Pahlavi, 65, dem Sohn von Shah Mohammad Reza Pahlavi (1919 bis 1980) und Shahbanu Farah Pahlavi (1938) liegen die Hoffnungen zahlreicher Exil-Iraner. Nach dem Tod seines Vaters wäre er an seinem 20. Geburtstag dessen Nachfolger geworden, wenn dieser nicht im Exil gestorben wäre. Reza Pahlavi wirbt immer wieder für einen friedlichen Wandel in seiner Heimat. Er tat es 2009 nach den gewaltsam niedergeschlagenen Demonstrationen im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen und wurde dafür mit einer Fatwa belegt. 300.000 Exil-Iraner erklärten, dass er in ihrem Namen bis zu einem Referendum über die Zukunft des Irans sprechen dürfe.  Reza Pahlavi gab anschliessend seine Grundsätze für einen freien Iran bekannt: die territoriale Integrität des Irans, eine säkulare Demokratie auf Grundlage der Menschenrechte sowie das Recht der Menschen, über das nächste politische System in freien Wahlen zu entscheiden. Er wolle ein demokratisches System und verzichte auf eine Wiederbelebung der Monarchie.

Der Krieg war kaum einen Tag alt, als sich Pahlavi in den sozialen Medien meldete: «Ali Khamenei, der skrupellose Anführer der anti-iranischen Republik, hat unser Land wieder in einen Krieg geführt. Das ist nicht der Krieg des iranischen Volkes. Es ist der Krieg der Islamischen Republik und Khameneis.» An Irans Soldaten, Polizisten und andere Sicherheitskräfte appellierte er: «Haltet den Eid eines jeden ehrenhaften Soldaten ein. Schliesst euch dem Volk an.»

Am Schluss seiner Nachricht betonte er, in den schwierigen Zeiten an der Seite der Iraner zu stehen und dass «wir gemeinsam siegen werden.»

Pahlavi besucht 2023 Israel und wurde von Präsident Herzog empfangen. Er gilt als grosser Freund Israels. Ein interessanter, aber klar von der iranischen Medienkontrolle redigierter Artikel gibt einen guten Überblick über die politisch-historischen Beziehungen zwischen dem Iran und Israel. Die anti-israelische Sprache hingegen zeigt deutlich die anti-israelische Haltung des iranischen Regimes und hat nichts mit der pro-israelischen Haltung von Reza Pahlavi zu tun. 



Kategorien:Israel, Politik

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