9. Aw 5785

Iris Haim, die Mutter des irrtümlich von der IDF erschossenen Yotam Haim, schreibt in einem aufrüttelnden Beitrag in ihrem Insta-Account: «Wir haben uns 20 Jahre lang der Hamas ergeben – wir haben gegeben und gegeben und noch mehr gegeben. Jetzt müssen wir diejenigen freilassen, die noch gerettet werden können. Für mich und meine Familie ist es zu spät – Yotam wird nicht zurückkommen. Kapitulation? Ich bin bereit, mich zu ergeben – für die Geiseln. Für den letzten Funken Würde, der Familien wie meiner noch bleibt, die noch Hoffnung haben.»
Sie gab weiter ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Geiseln zurückkehren werden. «70 Tage lang habe ich daran geglaubt, dass der Staat klug handelt, um die Geiseln nach Hause zu bringen. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich nicht alle Informationen habe und dass die Entscheidungsträger richtig handeln. Und doch hat die Armee meinem Sohn Schaden zugefügt, weil sie weiterhin fälschlicherweise davon ausgegangen ist, dass sich keine Geiseln in diesem Gebiet befanden. Dennoch habe ich sie weiter unterstützt und mich dafür eingesetzt, dass unseren wertvollen Soldaten nichts zustösst.»
Auch zu den vor dem Kollaps stehenden Verhandlungen äusserte sie sich: «Was für Verhandlungen finden derzeit statt, um Geiseln zu befreien, die bereits wie wandelnde Skelette aussehen? Wir müssen heute eine Entscheidung treffen, bevor es zu spät ist. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass diese Kinder hungern. Auf keinen Fall. Sie dürfen nicht hierbleiben. Das muss geschehen – auch wenn wir danach einen Preis dafür zahlen müssen. Wir haben bereits den höchsten Preis gezahlt. Rom, Nimrod, Evyatar, Alon und alle anderen Geiseln – bald haben sie keine Chance mehr. Ich weigere mich, sie wie meinen Sohn in Gefangenschaft sterben zu lassen.» Kol HaKavod, Iris!

Oppositionsführer Lapid bringt es auf den Punkt: Ohne Mehrheit kein Krieg. «Für Israels Kriege gab es schon immer eine notwendige Voraussetzung: eine Mehrheit. Der Staat Israel kann keinen Krieg führen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht hinter ihm steht, nicht an seine Ziele glaubt und der Führung nicht vertraut.» Keine dieser Bedingungen existiere mehr, so Lapid und fordert: «Die Zeit ist reif, den Krieg zu beenden und die Geiseln heimzuholen.» Ich kann ihm vollumfänglich Recht geben, aber die Frage stellt sich, welche Idee hat Lapid, den Krieg zu beenden? Solange die rechtsextreme und sture Regierung Netanyahu an der Macht ist, besteht dazu keine Möglichkeit.
Am Donnerstag wurde eine Klage beim ‘Bundesgericht im Distrikt Columbia’ in den USA eingebracht. Ein ähnlich gelagerter Fall ist bereits seit einem Jahr im Bundesgericht in Manhattan anhängig. Beide Klagen richten sich gegen die UNWRA, die als verantwortlich für Gewalttaten der Hisbollah im Norden und der Hamas in Gaza bezichtigt wird. Beide sind in den USA als Terror-Organisationen anerkannt. Die Kläger fordern eine nicht näher bezifferte Entschädigung, sowohl Schadenersatz als auch Strafschadenersatz. Israel betont schon seit Langem, dass die UNWRA von Mitgliedern der Hamas unterwandert ist. Die UNWRA weist das natürlich dezidiert von sich. Im New Yorker Gericht argumentieren die Anwälte, dass die UNWRA aufgrund ihrer diplomatischen Immunität von solchen Klagen ausgenommen sei. Die Regierung Biden unterstützte diesbezüglich die UNWRA, erst im April unter Trump revidierte das Justizministerium die positive Haltung und eröffnete damit den Weg, juristische Schritte einzuleiten. Der Bericht wurde in der NYT veröffentlicht.
Etwa 300 Kinder aus Gaza werden in GB kostenlos vom ‘National Health Service’ behandelt werden. Sie werden von einem Elternteil und ihren Geschwistern begleitet. Von den meisten wird erwartet, dass sie nach Abschluss der Behandlung nicht mehr nach Gaza zurückkehren werden. Bisher wurden von Spanien, Italien, Irland, Norwegen und Rumänien bereits etwa 200 Kinder aufgenommen. Der britische PM Keir Starmer hat angekündigt, im September Palästina als Staat anerkennen zu wollen. Er rechtfertigt seinen Entschluss: «Dies ist ein historischer Schritt nach vorne, nicht nur für diejenigen, die an die gerechte Sache eines palästinensischen Staates glauben, sondern für alle, die den Terrorismus der Hamas ablehnen und die Sicherheit Israels unterstützen. Die Hamas ist zu Recht ein Paria, der keine Rolle in der Zukunft Gazas spielen kann, und wir haben nun einen diplomatischen Konsens darüber erzielt. Aber die Hamas ist nicht das palästinensische Volk.»
COGAT gab heute bekannt, dass allein während der vergangenen Woche 23.000 Tonnen Hilfsgüter und Lebensmittel nach Gaza geliefert wurden. 1.200 Lkw-Ladungen seien dazu erfolgreich von der UNO und anderen Hilfsorganisationen abgeholt worden. Dennoch stünden noch Waren für mehrere Hundert Lkw-Ladungen bereit zur Abholung. Zusätzlich werden täglich Pakete mit Lebensmitteln und Hilfsgütern auf dem Luftweg in den Gazastreifen gebracht. Daran beteiligen sich derzeit die VAE, Jordanien, Ägypten, Frankreich, Deutschland und Belgien.
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