Krieg in Israel – Tag 680

12. Aw 5785

Einiges, was sich auf den Lkws an der Grenze zwischen Rafah und dem Gazastreifen stapelt, kann verderben. Das interessiert die Fahrer nicht, deren Fracht am Warenübergang Kerem Shalom zurückgewiesen wurde. Mehr als 60 Lkws wurden im Juli abgewiesen. Sie warten jetzt wieder auf eine erneute Einfahrt durch das Nebentor des ägyptisch-israelischen Grenzübergangs. Von da aus drei Kilometer über ägyptisches Gebiet zur erneuten Kontrolle. Geht alles gut, öffnet sich das Tor. Unmittelbar nach der Grenze ist für sie die Fahrt zu Ende. Dort werden die Ladungen umgeladen und palästinensische Fahrer übernehmen jetzt die Lieferung bis an die Zielorte. Für die Ägypter heisst es jetzt, zurück nach Rafah, die neue Ladung abholen und wieder in die Kolonne der wartenden Lkws einreihen. Geht es gut, fahren sie die Strecke mehrmals am Tag, geht es schlecht, heisst es ausharren. Seit Wochen steigt die Temperatur deutlich über 30°, in der Nacht kühlt es selten unter 25° ab.

Woran liegt es, dass immer wieder Lieferungen zurückgewiesen werden, dass sich Hunderte Paletten stapeln? Reuters hat sowohl Frachtfirmen als auch betroffene Fahrer befragt. Zum einen sind es die Arbeitszeiten an der Grenze. Es gibt Tage, da öffnen die Büros nicht. Nicht immer sind es jüdische Feiertage oder Shabbat. Und selbst wenn die Abfertigungsstelle geöffnet ist, kann man nie wissen, wann die Grenz-Barriere sich wieder schliesst. Es sieht nach purer Willkür aus.

Warum als medizinische Hilfsgüter deklarierte Ware der WHO abgewiesen wurde, kann niemand erklären. Und doch war es so. Nicht einnehmbare Medikamente und Geräte zur Wundreinigung wurden von Israel als ‘illegale Medikamente’ refusiert. Mit welcher Begründung will die Militärbehörde nicht erklären. Das Zurückweisen ist durchaus verständlich, falls sich, selten aber doch, Waffen unter den Hilfsgütern befinden.

Warum aber z.B. Datteln als ‘Luxusgut’ eingestuft und abgelehnt werden, ist ebenso unverständlich, warum ausgerechnet die lange Haltbarkeit von Kartoffeln zur Abweisung führt.

Seit Mitte Juli gilt die Zollabfertigungs-Pflicht auch für humanitäre Hilfsgüter aus Ägypten. Das schafft eine neue bürokratische Hürde, die Verzögerungen mit sich bringt. Eine entsprechende Befreiung für UN-Organisationen lief am 3. August aus. Zwar wurde sie nicht verlängert, läuft aber unter der Hand weiter. Andere NGOs müssen für jede entsprechende Lieferung neu ansuchen. Dann liegt es bei Israel, die Befreiung zu bewilligen oder auch nicht. Falls sie abgewiesen werden, werden sie bis zu einem neuen Bescheid gelagert. Derzeit liegen dort Hilfsgüter und Lebensmittel im Wert von mehreren Millionen US-Dollar.

Für die palästinensischen Fahrer beginnt der Stress ebenfalls an der Abfertigungsstelle. Die IDF drängt darauf, dass die Lkws in einer Minimalzeit beladen werden. Die Waren werden deshalb, wenn überhaupt nur marginal gesichert. So geht auf den holprigen Sandpisten ein Teil der Waren verloren. Und was sich noch auf den Ladeflächen befindet, ist oft schnelle und einfache Beute der hungernden Zivilisten. Oder der Hamas.

Das mit teilweise grossen Erwartungen begonnene Treffen zwischen Trump und Putin ist vorbei. Trump inszenierte das Treffen, er liess keinen Punkt der Charme-Offensive aus: F-22 Tarnkappenjets ‘standen Spalier’, ein B-2 Bomber flog über die Köpfe. Ein Podest mit der Aufschrift ‘Alaska 2025’. Eine Stunde blieb Trump in seinem Staatsflugzeug sitzen. Auch Putin liess auf sich warten. Keiner wollte sich den Anschein geben, auf den anderen zu warten. Irgendwie schafften sie es dann, doch fast zeitgleich am Schnittpunkt der beiden roten Teppiche anzukommen. Es folgte ein Klatschen in Richtung Putin, freundlich wirkendes wohltemperiertes Händeschütteln, zähnefletschendes Grinsen. Und dann darf Putin im ‘Beast’ Platznehmen.

Was bis zur abschliessenden Pressekonferenz geschah, werden wir vielleicht nie oder nur in wohldosierten Häppchen erfahren. Die Pressekonferenz geriet zum Geschichts- und Geographieunterricht. Ein Dank links nach rechts, ein Dank von rechts nach links, eine überraschende Einladung nach Moskau. Kein Wort zu den Journalisten. Abgang der Protagonisten. Das Mittagessen fiel aus. Kurz hintereinander flogen beide Staatschefs nach Hause.

Putin kann mehr Punkte für sich verbuchen. Dem Paria und Kriegstreibers verhalf Trump zur Anerkennung ‘auf Augenhöhe’. In Moskau flimmern die wunderbaren Bilder des Empfangs in Dauerschleifen über die Bildschirme. Trump hält sich bedeckt. Er telefoniert noch in der Nacht mit Zelensky.  Und mit Macron, Meloni, Merz, Starmer, Ursula van der Leyen ….Sie alle wurden über das ‘grosse Nichts’ unterrichtet. Vielleicht erfahren wir am Montag mehr. Dann kommt Zelensky nach Washington.

Die dänische PM Mette Frederiksen, die derzeit die symbolische EU-Präsidentschaft innehat, klagte: «Netanyahu stellt jetzt ein Problem für sich selbst dar», und erklärte in Richtung seiner Regierung: «Die Regierung geht jetzt mit der absolut entsetzlichen und katastrophalen humanitären Lage in Gaza und dem neuen Siedlungsprojekt in Judäa und Samaria viel zu weit. Wir gehören zu den Ländern, die den Druck auf Israel erhöhen wollen, aber wir haben noch nicht die Unterstützung aller EU-Mitglieder erhalten.» Dänemark hat noch nicht angekündigt, Palästina als Staat anerkennen zu wollen.

Eine israelische Aufklärungsdrohne des Typs ‘Skylark 3’ ist heute Vormittag über Gaza-City abgestürzt. Als Grund gab die IDF ein technisches Fehlverhalten an. Im Laufe der letzten Jahre waren immer wieder Drohnen dieses Typs, die vom israelischen Rüstungs-Unternehmen ‘Elbit’ produziert werden, abgestürzt. Es ist, so die IDF, nicht damit zu rechnen, dass sichere Daten ausgelesen werden. Stabil ist sie auf jeden Fall, sie hält es aus, dass die jungen Männer versuchen, sie zum Zerbrechen zu bringen.



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