28. Aw 5785
Das Büro des PM gab bekannt, dass Netanyahu bereit sei, eine neue Delegation zu den Verhandlungen zu entsenden, sobald ein Verhandlungsort bekannt sei. Ob diese Aussage mit dem arabischen Vermittler abgesprochen ist, ist unklar. Die Hamas hatte zu Beginn der Woche einen neuen Vorschlag akzeptiert. Ob Israel jetzt dem Vorschlag einer schrittweisen Freilassung der Geiseln zustimmen wird, ist noch offen. Erst dann, wenn beide Seiten diese schrittweise Freilassung akzeptieren, können die endgültigen Verhandlungen beginnen. Die bisherigen starren Standpunkte der Hamas und Israels zu diesem Thema und den dazugehörenden Rahmenbedingungen haben bisher regelmässig zum Scheitern der Gespräche geführt. Andere Quellen bestätigten, dass es keine Pläne des PM gebe, eine Delegation nach Katar oder Ägypten zu schicken.

Netanyahu selbst meldete sich in einem Video zu Wort: «Wir stehen kurz vor einem entscheidenden Sieg. Ich bin heute in die Gaza-Division gekommen, um die Pläne zu genehmigen, die mir und dem Verteidigungsminister von der IDF vorgelegt wurden, um die Kontrolle über die Stadt Gaza zu übernehmen und die Hamas zu besiegen. Gleichzeitig habe ich angeordnet, unverzüglich Verhandlungen über die Freilassung aller unserer Geiseln und die Beendigung des Krieges unter für Israel akzeptablen Bedingungen aufzunehmen», fährt er fort und bezieht sich offenbar auf den Anfang des Monats vom Kabinett beschlossenen Entscheid, wonach Israel einer Beendigung des Krieges nur zustimmen wird, wenn die Hamas alle Geiseln auf einmal freilässt und den Kapitulationsbedingungen Israels zustimmt. «Diese beiden Dinge – die Niederlage der Hamas und die Freilassung aller unserer Geiseln – gehen Hand in Hand», betont Netanyahu und fügt hinzu, dass er «die Mobilisierung der Reservisten und natürlich der regulären Armee für diese wichtige Mission sehr schätzt.»
Also leider nichts Neues, die Verhandlungen werden wieder in einer Sackgasse enden. Erneut verursacht von Netanyahu, der kein Ende des Krieges akzeptieren wird und immer noch überzeugt ist, dass niemand seine persönlichen Absichten durchschaut.

Nachdem das ‘United Nations Integrated Food Security Phase Classification (IPC) system’ erstmals offiziell von einer ‘Hungersnot’ in Teilen des Gazastreifens spricht, verlangt die Hamas ein sofortiges Ende des Krieges und die völlige Freigabe der Hilfslieferungen nach Gaza. Zu diesem Zweck, so verlangen sie weiterhin, müssten alle Grenzübergänge sofort geöffnet werden. Die UN und der UN-Sicherheitsrat müssen dafür Sorge tragen, dass die Belagerung beendet wird. Israel weist den Bericht als einseitig und von der Hamas manipuliert zurück.

Gestern fuhren 200 Lkws, deutlich weniger als an den Vortagen, mit Lebensmitteln in den Gazastreifen. 370 wurden von der UN und anderen Hilfsorganisationen abgeholt. Weitere Lkws stehen in Kerem Shalom zur Abholung bereit.155 Paletten, das sind etwa vier Lkw-Ladungen, wurden per Luftfracht abgeworfen. Zusätzlich wurde Treibstoff in den Gazastreifen geliefert.

Gestern wurde eine Rakete aus der Nähe des Nasser-Krankenhauses in Khan Younis auf einen gesicherten Korridor abgeschossen, der den Zivilisten als Zugang zu einem der Lebensmittel Verteiler-Zentren dient. Zum Zeitpunkt des Beschusses waren Lkw dort unterwegs, um in Kerem Shalom neue Ladungen mit Lebensmitteln und Hilfsgütern abzuholen. Gottseidank stürzte die Rakete etwa 300 m vom Korridor entfernt ab, ohne Schaden anzurichten. Die IDF betont, dass dieser Vorfall ein erneutes Zeichen der Hamas ist, die Versorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu torpedieren.
Gestern hat Israel angekündigt, zahlreiche Delegationen mit internationalen Meinungsmachern ins Land zu holen, um das negative mediale Bild Israels aufzupolieren. Heute haben Journalistenverbände von 27 Staaten gefordert, sofort ‘internationale und unabhängige Medienvertreter’ ins Land zu lassen, um über die ‘verheerende Realität des Krieges’ berichten zu können. Unterschrieben haben: Australien, Österreich, Belgien, Chile, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Italien, Japan, Lettland, Litauen, Luxembourg, Neuseeland, Norwegen, Portugal, Sierra Leone, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, Ukraine, die Niederlande und GB.

Generalstabschef Zamir erklärte gestern, dass die IDF die Pläne zur Eroberung von Gaza-City vorantreibt. «Wir haben bereits Truppen am Stadtrand im Einsatz, weitere werden später hinzukommen. Unsere Missionen bleiben die Befreiung der Geiseln und die Niederlage der Hamas; wir werden nicht ruhen und nicht aufhören, bis wir sie erfüllt haben. Die Erfüllung dieser Missionen ist für unsere Zukunft und für unsere Werte als Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.» Er versicherte im Gegensatz zu VM Katz, dass die Reservisten nur entsprechend des tatsächlichen Bedarfs einberufen werden. Katz betonte erneut, «dass sich die Höllentore über der Hamas öffnen werden», ein sinnfreier Ausspruch, den er erstmals von Trump und dann von Netanyahu hörte und für sich selbst als bei jeder Gelegenheit passend adaptiert hat.

Das Aussenministerium von GB hat die israelische Botschafterin Tzipi Hotovely zu einer Besprechung einberufen, um gegen die Bewilligung der Baupläne für das E1-Gebiet zu protestieren. Diese von Smotrich vorangetriebenen und von der Regierung bewilligten Pläne sehen den Bau von 3.400 Wohneinheiten in der Zone vor, die Ramallah von Bethlehem trennt und damit einen zukünftigen palästinensischen Staat in zwei voneinander getrennte Gebiete teilen wird. 21 Staaten bezeichnen die Pläne als drastischen Bruch des internationalen Rechts. Die Staaten sind nahezu die gleichen, die auch den Zugang für internationale Medienschaffende fordert. Hotovely gab ihre Meinung dazu unmissverständlich bekannt: «Wir würden den Briten auch nicht vorschreiben, wo sie in London bauen dürfen. Wir sehen E1 als Teil von Gross-Jerusalem.» Das ist die Meinung der rechts und rechtsradikalen Politiker in Israel, widerspricht aber zur Gänze dem Völkerrecht, das ein Gross-Jerusalem ebenso wenig kennt wie ein Gross-Israel.
Erneut wurde am Nachmittag eine Drohne von den Houthi-Terroristen nach Israel abgeschossen. Sie konnte über Südisrael abgefangen werden. Es waren mehrere Abfangversuche notwendig. Die IDF untersucht, warum es zu den Fehlversuchen kam. Der Alarm wurde in den Grenzregionen zwischen Israel und Ägypten ausgelöst.
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