01. Elul 5785

Während in Israel scheinbar alles im Modus: ‘business as usual’ zu laufen scheint, kann man in der Presse empörte Kommentare lesen. Das ‘Nasser-Krankenhaus’ in Khan Younis wurde heute von zwei Angriffen getroffen. Beide wurden gezielt auf das äussere Treppenhaus des Spitals durchgeführt. Dieser Platz wird bevorzugt von Journalisten aufgesucht, um von dort einen guten Blick auf das kriegerische Geschehen zu haben. Dieser Platz wurde heute vier Journalisten zum Verhängnis. Insgesamt wurden 20 Menschen Opfer der Angriffe. Der zweite Angriff erfolgte, nachdem sich bereits Helfer auf den Weg zu den tödlich Getroffenen gemacht hatten. Zeugen beobachteten, dass sich bei den zu Hilfe eilenden sowohl Zivilisten, als auch Journalisten befanden.
Zum Zeitpunkt der Angriffe war das Krankenhaus voll in Betrieb. Laut Angaben von Direktor Atef al-Hout wurden 1.000 Patienten behandelt. Mindestens 50 Personen wurden verletzt.


Generalstabschef Zamir bedauerte, dass unbeteiligte Zivilisten getötet wurden und betonte, dass die IDF niemals Journalisten angreife. Ein Militärsprecher erklärte, der Angriff sei nicht von der IDF, sondern eher von Bodentruppen oder der Marine ausgeführt worden. Weitere Erklärungen gab es auch Stunden nach dem Beschuss nicht.


Die FPA hingegen forderte «eine sofortige Erklärung der IDF und dem Büro des israelischen PM. Wir fordern Israel ein für alle Mal auf, seine abscheuliche Praxis, Journalisten ins Visier zu nehmen, einzustellen. Das geht schon viel zu lange so. Zu viele Journalisten in Gaza wurden von Israel ohne Grund getötet. Dies muss ein Wendepunkt sein. Wir appellieren an die internationalen Staats- und Regierungschefs: Tun Sie alles in Ihrer Macht Stehende, um unsere Kollegen zu schützen. Wir können das nicht alleine schaffen», schloss der Verband.

Israel hat immer wieder festgehalten, dass zahlreiche ‘Journalisten’ sich hinter diesem Schutz verstecken, in Wirklichkeit aber aktive Mitglieder der palästinensischen Terror-Organisation Hamas sind und sogar aktiv am Massaker teilgenommen und live vor Ort berichtet haben. Das Nasser Spital war in den letzten Monaten immer wieder Schauplatz von Kämpfen, bei denen die IDF führende Hamas-Mitglieder neutralisieren konnte.
Am späten Nachmittag gab die IDF bekannt, dass sie ‘versehentlich’ das Nasser Spital in Khan Younis angegriffen und dabei vier bekannte Journalisten, sowie 16 weitere Personen tödlich getroffen zu haben. Die beiden Angriffe waren offenbar bewilligt worden, nachdem man vermutete, dass sich ein Hamas-Terrorist am Zielort aufhielt. Der erste sei auf eine Kamera ausgerichtet worden, von der man vermutete, sie gehöre der Hamas und diene dazu, die Bewegungen der IDF zu beobachten und zu dokumentieren. Warum allerdings in dem Fall der Angriff so umfassend war und sich nicht nur auf die Kamera richtete, ist unverständlich.

Der Angriff werde weiter untersucht, was bedeutet, dass wesentliche Aspekte des Angriffs und seine Folgen als schwerwiegender Fehler angesehen werden. Im Allgemeinen müssen höhere Offiziere einen Angriff auf ein Krankenhaus genehmigen, selbst wenn sich ein Terrorist in der Nähe befindet.
In diesem Fall lag die Verantwortung beim IDF-Südkommando unter Gen. Maj. Yaniv Asur, der, so Times of Israel, dafür bekannt ist, weniger exakt darauf zu achten, dass keine Zivilisten bei Angriffen gefährdet werden.
Seit Beginn des Krieges hat sich die Ratio zwischen zivilen Opfern und getöteten Terroristen sehr zu Ungunsten der zivilen Opferzahlen verschoben. Anfangs lag die Zahl bei 60 % getöteten Zivilisten zu 40 % getöteten Terroristen. Damals gab die IDF an, Tausende Terroristen pro Monat und manchmal sogar pro Woche getötet zu haben. Im vergangenen halben Jahr wurden jedoch nur mehr 2.000 Terroristen getötet. Die gazanischen Behörden meldeten im gleichen Zeitraum jedoch 11.000 getötete Zivilisten. Umgerechnet ergibt sich eine Ration von 85 % zu 15 %. Das ist ein sehr negatives Bild, das sowohl die Militärführung, als auch die Soldaten in einem schlechten Bild dastehen lässt.
In früheren Kriegen gegen die Hamas hat Israel regelmässig eigene Berichte vorgelegt und auch immer wieder offengelegt, wenn die Zahlen der Hamas falsch berechnet oder sogar auf nie stattgefundenen Angriffen beruhten. In diesem Krieg fehlen derartige Informationen.
Alles in Allem ist es ein verstörendes Bild, das sich heute bisher zeigt. Das ehemals beste Militär der Welt zielt auf eine Kamera und tötet dabei 20 Zivilisten. Wo ist die Erklärung des Verteidigungsministeriums? Wo die umfassende Erklärung des PM? Welche Konsequenzen werden aus diesem Vorfall gezogen? Es ist eine Schande! Sind die israelischen Soldaten nach dem langen Krieg nicht mehr in der Lage, eine saubere Arbeit abzuliefern oder sind sie zu Rambos verkommen?
Hinterlasse einen Kommentar