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Die IDF hat heute mit der Zerstörung von Hochhäusern begonnen, die von der Hamas als terroristische Infrastruktur genutzt werden. Medienberichte zeigen, dass der ‘al-Mushtaha-Turm’ in Gaza-City dreimal hintereinander angegriffen wurde. Es ist unklar, ob alle Bewohner der Aufforderung zur Evakuierung des Gebäudes gefolgt sind und ob es Opfer gab. Der Geheimdienst hat aufgedeckt, dass die Hamas Scharfschützen- und Panzerabwehrstellungen, Überwachungssysteme, Kommando- und Kontrollzentren sowie Beobachtungsposten in Wohngebäuden eingerichtet und in der Nähe Sprengsätze platziert hat, um israelische Streitkräfte zu überfallen. Darüber hinaus sollen Tunnel der Terrororganisation unter und um diese Gebäude herum verlaufen. Für die IDF stellen diese Strukturen unmittelbare Bedrohungen dar, vor allem, wenn die Operationen in Gaza-City ausgeweitet werden. Weiterhin warnt die IDF die Hamas, keine Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.


Die Hamas hat erneut ein Video von Geiseln veröffentlicht. Guy Gilboa-Dala ist zunächst vor einem dunklen Hintergrund und später auf der Rückbank eines Autos zu sehen. Er erklärt, dass es Donnerstag, der 28. August ist, was dafür spricht, dass das Video wirklich an dem Tag aufgenommen wurde. Er werde von den Izz ad-Din al Qassam Brigaden in Gaza City festgehalten. «Das ist alles, was wir wollen, wir wollen nur, dass es aufhört», sagt er. «Wir wollen zu unseren Familien zurückkehren. Bitte bringt uns zurück.» Das vollständige Video enthält auch Aufnahmen von Alon Ohel, jedoch hat seine Familie der Veröffentlichung seiner Bilder nicht zugestimmt. Heute gab die Familie bekannt, dass Alon aufgrund einer Schrapnell-Verletzung nun die Sehkraft seines rechten Auges endgültig verloren hat. Sie haben Bilder ihres Sohnes an namhafte Spezialisten weltweit geschickt, die einstimmig zu dieser Diagnose kamen.

Bei einem erneuten Angriff jüdischer Siedler-Terroristen wurden14 Palästinenser, darunter ein Baby, verletzt. Die Siedler-Terroristen drangen in das Dorf Khallet al-Daba in den Hügeln südlich von Hebron ein. Sie verprügelten dort lebende Palästinenser und setzten Pfeffer-Spray, Schlagstöcke und scharfe Werkzeuge ein. Drei Personen wurden mittelschwer verletzt. Die Polizei gab an, dass keine Angreifer mehr vor Ort waren, als sie eintrafen, dass sie aber eine Untersuchung eingeleitet haben.

In ganz Israel finden heute Demonstrationen zum 700. Tag nach dem Massaker vom 23. Oktober 2023 statt. Am Platz der Geiseln in Tel Aviv wurde ein riesiges gelbes SOS auf den Boden geschrieben und eine grosse Sanduhr aufgestellt. Sie soll das Verlaufen der Zeit signalisieren, die bedeutet, dass den Geiseln keine Zeit mehr bleibt. Um 20 Uhr wird trotz des Shabbats eine Demonstration vor der Residenz des Präsidenten in Jerusalem stattfinden. Um 21 Uhr werden Mitglieder des Kibbutz Nir Oz ein Statement von Kiryat Gat abgeben. An der Veranstaltung werden einige freigelassene Geiseln teilnehmen. Darunter Arbel Yehud, deren Partner, Ariel Cuino, noch in Gaza festgehalten wird.

Netanyahu hat in einem Interview mit dem TV-Sender ‘Abu Ali Express’ Kairo beschuldigt, ausreisewillige Gazaner gegen ihren Willen zwingen, im Kampfgebiet zu bleiben. Als Grund führte er an, dass der Grenzübergang Rafah für Personen geschlossen ist. Als Reaktion beschuldigte der ägyptische Aussenminister Netanyahus Aussage auf das Schärfste und bezeichnete sie als «Teil seiner fortgesetzten Versuche, die Eskalation in der Region zu verlängern und die Instabilität zu verfestigen, um sich nicht mit den Folgen der israelischen Verstösse in Gaza auseinanderzusetzen, sowohl intern als auch extern.» Badr Abdelatty erklärte in Nikosia der Presse, dass: «Vertreibung keine Option ist und für Ägypten eine rote Linie, die wir nicht zulassen werden. Vertreibung bedeutet Auslöschung und das Ende der palästinensischen Sache, und es gibt keine rechtliche, moralische oder ethische Grundlage, Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben.»

Ist die israelische Gesellschaft eine kollektiv traumatisierte? Nach zwei Jahren Krieg scheint die Entwicklung in diese Richtung zu gehen. Die Zahl der Reservisten, die Selbstmord begehen, steigt deutlich.
Der Meinung ist nicht nur Elad Hadad. Er gründete die Organisation ‘Kfar Maavar’, gelegen ganz oben in der Nähe der libanesischen Grenze. Das Ziel der Therapie dort ist es nicht, die Reservisten wieder fit für den nächsten Einsatz zu machen, mit Therapieansätzen, die speziell für Soldaten entwickelt wurden. Hier ist das Ziel, die Reservisten wieder fit für die Rückkehr in ihr normales Leben zu machen. Hadad hat eine Erklärung, warum Teile unserer Regierung so sind, wie sie sind. Manchmal für uns völlig falsch reagieren, ungeeignet scheinen, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. «Sie gehören nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973, an dem sie teilgenommen haben, zu einer Generation von traumatisierten Männern, die später unsere politischen Führer wurden – das Resultat sehen wir heute. Viele Geschehnisse, die per se nicht gefährlich sind, werden dann automatisch als Gefahr angesehen – auch von Politikern mit Verantwortung für ein ganzes Land.»
Hadad malt ein düsteres Bild: «Zehn Prozent der Israelis waren an den Kämpfen beteiligt, vielleicht bis zu zwanzig Prozent mussten irgendwann einmal ihre Häuser wegen des Kriegs verlassen: Jeder in Israel ist in gewisser Weise traumatisiert und müsste sich damit auseinandersetzen. Die Gesellschaft wird erst nach Kriegsende begreifen, was für eine riesige Aufgabe vor ihr liegt.» Die psychische Belastung der Reservisten nimmt zu, sie verstehen nicht, warum sie in Gaza im Einsatz sind. Das mindert die Widerstandsfähigkeit. Die Zahl der Fehlentscheidungen steigt. Das Risiko steigt. Die Zahl der gefallenen Soldaten steigt.

Drei Tage bleiben die Reservisten in Kfar Maavar. Einerseits sind sie bereit, wieder nach Gaza zu gehen, aber sie wünschen sich auch einen problemlosen Übergang vom Kampf in ihr ziviles Leben. Bis zu 450 Tage haben sie bisher in Gaza verbracht. Die Zahl der Reservisten wird bei jeder Einberufungsrunde niedriger. Bis zu 20 % verweigern die Rückkehr in den Dienst.
Hier im Norden sollen sie lernen, «ihre Emotionen und körperlichen Stresssymptome zu erkennen – und ihnen die Werkzeuge in die Hand zu geben, um sie auf das richtige Mass zu regulieren», Scham und Schuld etwa seien Gefühle, die oft hochkämen – etwa, wenn die Reservisten sich vorwürfen, den Tod eines Kameraden nicht verhindert zu haben.
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