21. Elul 5785

Die Geschichte hat, wie immer, zwei Seiten. Basel Adra, Oscar Gewinner für seinen Dokumentarfil, berichtete, dass sich am Samstagnachmittag eine Gruppe von jüdischen Siedler-Terroristen aus der illegalen Siedlung Havat Ma’on seinem Grundstück näherte. Als Adra, zwei seiner Brüder, ein Cousin und eine jüdische Aktivistin sich ihnen entgegenstellten, wurden sie angegriffen. Die IDF erschien vor Ort, tat jedoch nichts, um die Situation zu entschärfen. Die Aktivistin wurde zu Boden geschlagen, einer seiner Brüder von einem ATV einfach überrannt. Die IDF sperrte die Zufahrtsstrasse, sodass eine Ambulanz nicht in das Dorf fahren konnte. Anschliessend stürmten sie Adras Haus, durchsuchten es mehr als zwanzig Minuten und checkten das Handy seiner Frau. «Wir haben schon Dutzende von Beschwerden genau gegen diese Siedler eingereicht, die ihre Schafe immer auf unserem Grund weiden lassen. Wir haben die Polizei gerufen, aber nichts ist passiert.» Man beachte, der Überfall hat an einem Samstag durch angeblich religiöse Juden stattgefunden. Also am Shabbat, an dem diese Aktivitäten strikt untersagt sind. Oder haben sie von ihrer bigotten religiösen Obrigkeit einen Erlaubnis dazu bekommen?
Das ist die eine Geschichte. Die IDF erzählte den Vorfall ganz anders. Sie seien informiert worden, dass es in At-Tuwani einen Vorfall zwischen Siedlern und Palästinensern gebe. Die Palästinenser hätten Steine geworfen und zwei Israelis verletzt. Diese hätten zur Behandlung ins Spital gebracht werden müssen. Anschliessend habe man die Gegend durchsucht und Befragungen durchgeführt.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Oscar-Gewinner angegriffen wurden. CNN-Satelliten-Analysen belegten, dass zwischen 7. Oktober 2023 und Dezember 2024 allein 49 neue Siedler Aussenposten realisiert wurden. Sie sind illegal nach israelischem und internationalem Recht und werden trotzdem von der IDF und Polizei geschützt.
Sharon Alony Cunio, deren Ehemann David sich immer noch in Gaza in der Geiselhaft der Hamas befindet, sprach gestern Abend bei der Grossdemonstration auf dem Platz der Geiseln. Man geht davon aus, dass er zu den noch lebenden Geiseln gehört. «Netanyahu lehnt den Ansatz ab, den er selbst initiiert hat. Die Verhandlungen wurden erneut abgebrochen, diesmal mit Feuer und Rauch. Jede Verzögerung ist eine tödliche Gefahr. Ich bin nicht bereit, wegen des Zögerns oder des Torpedierens eines Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommens Witwe zu werden», fährt sie fort. «Ich bin nicht bereit, ein weiterer Name auf der Liste der Opfer der Sturheit der Regierung zu werden. Ich fordere, Davids Leben und das aller lebenden Geiseln zu retten und alle gefallenen Geiseln jetzt zurückzubringen.» Ihr Ehemann, sagt sie, blieb in Gefangenschaft, «als Israel beschloss, das zweite Abkommen zu vereiteln und auch, als Israel am Dienstag den Angriff in Katar ausführte, von dem Netanyahu heute früh andeutete, dass er gescheitert sei. Ich sterbe vor Angst. Was macht er jetzt durch?», fragte sie. «Wir werden nicht zulassen, dass unser Land in eine ‚Geiselroutine‘ verfällt. Es wird hier keine Routine geben, bis sie zurückkommen – im Rahmen eines Abkommens.»
Einav Zangauker fand ebenfalls starke Worte während der Veranstaltung: «Diese Woche wurden wir Zeugen des grossen Versagens des PM, als er mit dem Leben der Geiseln spielte und versuchte, das Verhandlungsteam der Hamas zu eliminieren, während Gespräche über eine Vereinbarung zur Freilassung unserer Söhne im Gange waren.» Zur Aussage von Trump sagte sie: «Präsident Trump sagte gestern, dass Netanyahu jedes Mal, wenn es Fortschritte in den Verhandlungen gibt, jemanden bombardiert. Aber er hat nicht versucht, die Führer der Hamas zu bombardieren – er hat unsere Chance bombardiert, die Chance der Familien, unsere Angehörigen zurückzubekommen. Es war unsere Hoffnung als Bürger, ein normales Leben zu führen, unseren Zionismus und die Zukunft des Staates.» Itzik Horn, der Vater von Eitan brachte es auf den Punkt: «Ein Verrückter hat zusammen mit einer Gruppe von Irren, die sich Kabinett nennen, beschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Tod meines Sohnes Eitan herbeizuführen. Ich appelliere an Sie – lassen Sie uns von Angesicht zu Angesicht zusammensitzen, von Vater zu Vater. Keine Medien, keine Propaganda, keine Indiskretionen. Beantworten Sie mir nur eine Frage: Wenn Ihre Kinder unter den Geiseln wären, würden sie dann auch 700 Tage lang in den Tunneln verrotten? Warum also unsere Kinder?»
Angesichts zunehmender Anzeichen dafür, dass der israelische Angriff auf die Hamas-Führer in Katar am Dienstag gescheitert ist, deutet Netanyahu an, dass diese noch am Leben sind und erneut ins Visier genommen werden sollten. «Die in Katar lebenden Hamas-Terror-Chefs kümmern sich nicht um die Menschen in Gaza. Sie haben alle Waffenstillstandsversuche blockiert, um den Krieg endlos in die Länge zu ziehen», erklärt er auf ‘X’. «Sie loszuwerden, würde das Haupthindernis für die Freilassung aller unserer Geiseln und die Beendigung des Krieges beseitigen.» Die Hamas hatte zuvor erklärt, dass ihre Führer bei dem Angriff in Doha, der internationale Kritik hervorgerufen hat, nicht getötet wurden.



Am späten Vormittag wurde erneut eine Drohne die von den Houthi-Terroristen abgeschossen. Sie wurde im Luftraum in der Nähe des Ramon-Flughafens abgefangen und zerstört. Der Alarm wurde in der weiteren Umgebung ausgelöst, um vor herabstürzenden Trümmern der Drohne zu warnen. Bisher gab es keine Schadensmeldungen.



Beobachtet man die Eile, mit der die IAF die Hochhäuser in Gaza-City, die angeblich allesamt Hochburgen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas sind, zerstört, dann dürfte die Eroberung der Stadt kurz bevorstehen. Vor Beginn der grossen Offensive hatte die IDF noch von einigen Monaten gesprochen, die die Eroberung dauern würde. Beim Ziel, das heute als Drittes ins Visier genommen wurde, handelte es sich um einen grossen Gebäudekomplex. Das Vorgehen der IDF wird hier in Gaza als wesentlich grossflächiger angesehen, in dem rücksichtslos ganze Hochhäuser zerstört werden. Im Süden des Landes wurden Gebäude, die hauptsächlich zivilen Zwecken dienten, von der völligen Zerstörung ausgenommen. Hier in Gaza scheint es darum zu gehen, Gaza tatsächlich völlig zu zerstören und dem Boden gleich zu machen. Das waren auch die Worte von VM Israel Katz «Wenn sie dem Abkommen nicht zustimmen, dann wird Gaza so werden, wie Beit Hanoun oder weite Teile von Rafah, die völlig zerstört sind.» Geht die IAF/IDF weiterhin so rücksichtslos vor, wird der Wiederaufbau erst dann beginnen können, wenn meterhohe Anhäufungen von Trümmern, unter denen sich auch Leichen befinden, entsorgt wurde. Und das wird dauern, nicht Tage, nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre. Bis heute haben mehr als 300.000 Menschen Gaza-City in Richtung Süden verlassen.

Der US-amerikanische Aussenminister Marco Rubio ist gemeinsam mit seiner Ehefrau Jeanette Dousdebes-Rubio in Ben-Gurion gelandet und wurde dort vom US-amerikanischen Botschafter Mike Huckabee begrüsst. Sara N. wird sich freuen. Dass die Ehefrau von Rubio mit dabei ist, rechtfertigt natürlich auch, dass sie bei den Auslandsreisen ihres Ehemannes immer mit dabei ist. Eines der Hauptthemen, die Rubio während seines kurzen Aufenthaltes in Israel ansprechen wird, ist die Frage nach dem ‘Tag danach’ in Gaza. Die Politik Trumps sei es, alle 48 Geiseln gemeinsam zu befreien, die Hamas zu entwaffnen, so dass sie keine Gefahr mehr darstellt «sodass wir dann in die nächste Phase eintreten können, den Wiederaufbau von Gaza, die Verstärkung der Sicherheit für Israel, die Sicherstellung, dass weder die Hamas noch eine ähnliche Gruppe sich jemals wieder formieren kann.» Bezüglich des Wiederaufbaus fügte Rubio hinzu: «Wer wird das machen? Wer wird dafür verantwortlich sein? Wer wird das bezahlen?»


Nach einem Besuch an der Kotel haben sich die drei Ehepaare, Rubio, Huckabee und Netanyahu, aufgemacht, die Tour durch die Tunnel unter dem Tempelberg zu geniessen. Rubio erklärte dabei, die US-amerikanisch-israelische Freundschaft sei so haltbar wie diese Steine. Ob Jeanette Rubio allerdings den gesamten Weg über die teils nicht Stiletto-freundlichen Steine bis zum Ende durchhalten wird, ist fraglich. Ausser, ein netter Mensch hat für sie ein paar passendere Schuhe mitgenommen.
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