23. Elul 5785

Anlässlich einer Sitzung des Generalbuchhalters im Finanzministerium gab Netanyahu erstmals zu, dass Israel angesichts des immer noch laufenden Krieges mehr und mehr wirtschaftlich isoliert ist und verstärkt auf sich selbst verlassen muss. «Wir werden uns zunehmend an eine Wirtschaft mit autarken Merkmalen ohne Aussenhandel anpassen müssen», sagt er. «Das Wort, das ich am meisten hasse. Ich bin ein Befürworter des freien Marktes, aber wir könnten uns in einer Situation wiederfinden, in der unsere Rüstungsindustrie blockiert ist. Wir werden hier eine Rüstungsindustrie aufbauen müssen – nicht nur Forschung und Entwicklung, sondern auch die Fähigkeit, das zu produzieren, was wir brauchen.» Gleichzeitig machte er die Massenimmigration aus muslimischen Ländern nach Europa für die anti-israelische Stimmung verantwortlich. Oppositionsführer Lapid stellte klar: «Netanyahus Aussage, dass Israel in die Isolation gerät und sich an eine Isolationswirtschaft anpassen muss, ist eine verrückte Aussage. Isolation ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis einer falschen und gescheiterten Politik von Netanyahu und seiner Regierung», sagt Lapid. «Sie verwandeln Israel in ein Dritte-Welt-Land und versuchen nicht einmal, die Situation zu ändern.» Am Nachmittag versuchte Netanyahu sich in Schadensbegrenzung. «An alle Schwarzmaler in der Wirtschaft: Letztendlich ist der israelische Aktienmarkt der stärkste der Welt. Der Schekel hat an Wert gewonnen, das Defizit ist trotz des Krieges geschrumpft, und die ausländischen Investitionen in Forschung und Entwicklung sind nach den Vereinigten Staaten die höchsten weltweit. In Israel zu investieren ist eine kluge Entscheidung.»

Die Börse in Tel Aviv stürzten heute unmittelbar nach der Eröffnung je nach Branche um 1.9 % bis 2.9 % ab. «Der Beginn der Offensive in Gaza-Stadt ist eine Enttäuschung für Investoren, nachdem die Erwartungen eines möglichen Waffenstillstands die Tel Aviver Aktienindizes im August auf Rekordhöhen getrieben hatten.» Vor allem die Ankündigung Netanyahus, eigene Waffen herzustellen, um nicht länger von ‘schwachen europäischen Regierungen’ abhängig zu sein, hatte den Markt in Unruhe versetzt. «Wir sind Athen und Sparta», sagte der Premier in einem Vergleich mit den Stadtstaaten im antiken Griechenland. Besonders Sparta war für seine militärisch geprägte Gesellschaft und Kriegerkaste bekannt. «Wir werden Athen und Super-Sparta sein», sagte Netanyahu. Er warf China und Katar vor, grosse Summen zu investieren, um in westlichen Medien antiisraelische Stimmung voranzutreiben. Katar bezeichnete er als feindlich gesinnten Staat.
Ich möchte Netanyahu zweierlei in Erinnerung bringen. 1. Warum hat er monate-, wenn nicht jahrelang Gelder von Katar nach Gaza fliessen lassen, um die Hamas ruhigzuhalten? 2. Warum suchte sich Katar ausgerechnet das Büro des PM aus, um unglaubliche Summen an seine Mitarbeiter zu schicken. Mit dem Auftrag, für eine gute PR für Katar in der Welt zu sorgen? 3. Hat er noch nie von den Perserkriegen gehört, bei denen sich die Spartaner 480 BCE für ihren Staat opferten? «Wanderer kommst du nach Sparta, sage, du habest uns liegen seh’n, wie das Gesetz es befahl.» Muss kann das auch über die IDF sagen, die jetzt damit beginnen, die grossen Bodenoffensive gegen Gaza einzuleiten?
Axios berichtete, dass Netanyahu etwa 50 Minuten vor dem Start des Angriffes auf Doha mit Trump telefoniert und ihn über den bevorstehenden Angriff informiert hat. Sieben offizielle Israelis bestätigten das Telefonat, obwohl das Weisse Haus behauptete, dass dieses Gespräch zu dem Zeitpunkt nicht stattgefunden habe. Die Information sei erst nach dem Start der Flugzeuge erfolgt. Entsprechend den israelischen Angaben hätte genügend Zeit bestanden, den Angriff zu stoppen, wenn dies die Absicht von Trump gewesen wäre.
Am Sonntagabend kam es erneut zu einem Eklat zwischen Generalstabschef Eyal Zamir, Ministern des Kabinetts und Netanyahu. Netanyahu konfrontierte Zamir mit angeblichen Indiskretionen des IDF-Chefs gegenüber den Medien. Hauptsächlich ging es um eine Aussage, die von Kanal 12 kolportiert wurde. Dabei ging es um die Ablehnung der laufenden und geplanten Operation in Gaza-City. «Hören Sie auf, Briefings gegen die Operation zu geben. Das kann so nicht weitergehen! Wir haben die Entscheidung getroffen – und Sie müssen sie umsetzen. Dies ist keine Armee, die einen Staat hat, sondern ein Staat, der eine Armee hat», zeterte Netanyahu, der sofort von Ben-Gvir unterstützt wurde. «Wie reagieren Sie auf diese Vorwürfe?» Zamir blieb noch ruhig und betonte, nichts von diesen Briefings zu wissen. «Ich bereite die Armee auf Bodenmanöver vor und rufe Reservisten ein, um die Hamas gemäss Ihren Anweisungen zu besiegen. Warum reist das Verhandlungsteam nicht gerade jetzt um die Welt, um mit Gewalt eine Einigung zu erzielen?», fuhr er fort. «Warum müssen wir uns immer auf [die USA] verlassen? Warum sitzt Dadi hier?», fragte er und benutzte dabei den Spitznamen von Mossad-Chef David Barnea. «Warum bist du in Israel? Geh und bring uns mit Gewalt ein Abkommen!» Der Minister für strategische Angelegenheiten, Ron Dermer, bezog sich hier auf ein anderes Treffen: «Vor den Angriffen auf den Iran sind Sie hier gestanden und sagten, dass die USA uns im Iran nicht unterstützen werden, dass sie nicht an unserer Seite kämpfen werden. Letztendlich widersprach alles, was passiert ist, Ihren Aussagen und Einschätzungen. Es liegt jetzt ein Deal auf dem Tisch, und der liegt nur dort, weil wir nicht auf Sie gehört und Ihre Position nicht übernommen haben», brüllte Dermer Berichten zufolge hinzu. «Dann nehmen Sie den Deal an!», schrie Zamir zurück.


COGAT berichtete, dass eine Sammlung von archäologischen Artefakten, die der christlichen Gemeinde in Gaza gehört, geborgen und an einen sicheren Ort in Gaza gebracht wurde. Es wurde im Erdgeschoss eines Wohnhochhauses in Gaza-City gefunden und auf Drängen der ‘École Biblique et Archéologique Française de Jérusalem (EBAF)’ in einer kurzen Angriffs-Pause sichergestellt. Auch die UNESCO und das Lateinische Patriarchat von Jerusalem waren an der Aktion beteiligt. Zu den wichtigsten Artefakten gehören Gegenstände aus dem Kloster Saint Hilarion aus dem 4. Jahrhundert.

30 Wehrdienstverweigerer, die auf dem Weg in die Ukraine waren, wurden gestern Vormittag am Flughafen Ben-Gurion an der Abreise gehindert. Sie wurden von der Militärpolizei festgenommen und auf die IDF-Basis in Tel HaShomer gebracht. Dort werden sie in Kürze entweder vor dem Militärgericht stehen oder einem Disziplinarverfahren unterzogen werden. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Festgenommenen derzeit auf 40, es wird ein Anstieg der Zahlen in den kommenden Tagen erwartet.

Yitzhak Goldknopf, Vorsitzender der VTJ, verlangt in einem Brief an Netanyahu, dass der sich für eine sofortige Freilassung der Wehrdienstverweigerer einsetzt. Er beklagt die Tatsache, dass «im jüdischen Staat ‘Torah-Gelehrte’ (sic??) und ihre Familien verhaftet und schikaniert werden. Die schmerzhaften Tatsachen sprechen für sich, und deshalb bitte ich Sie, sich für ihre sofortige Freilassung einzusetzen und ihnen zumindest zu erlauben, Rosch HaSchana mit ihren Familien zu feiern und in der Synagoge zu beten, in der sie jedes Jahr beten.» Längst nicht jeder ‘Torah-Gelehrte’ verdient diese Bezeichnung. Meist sind es Milchbubis, die nichts mit sich anzufangen wissen!

IDF und Shin-Bet haben 21 Schlüssel-Mitglieder des Palästinisch-Islamischen Djihad identifiziert, die in den vergangenen sechs Monaten in Gaza eliminiert wurden. Unter ihnen zahlreiche Kommandanten, Experten in der Produktion von Waffen und führende Terroristen bei den Angriffen auf IDF-Truppen in Gaza.

Die IDF hat eine dringende Evakuierungs-Aufforderung für den Hafen Hodeidah im Yemen veröffentlicht. Angesichts des regelmässigen Beschusses durch die Houthi-Terroristen wird Israel in den kommenden Stunden einen weiteren Angriffsflug auf den Hafen, der hauptsächlich von den Houthis genutzt wird, fliegen. Auch die im Hafen vor Anker liegenden Schiffe sollen in Sicherheit gebracht werden.

Die IDF hat nach einer Nacht mit heftigen Bombardierungen von Gaza-City mit der Bodenoffensive begonnen. Bei den Angriffen sollen laut Angaben von örtlichen Sanitätern zahlreiche Menschen getötet worden sein. Bei den Familien der noch in Gaza festgehaltenen Geiseln löste der Beginn der Angriffe Angst um ihre Liebsten aus, die nun möglicherweise als menschliche Schutzschilde missbraucht und grösster Gefahr ausgesetzt werden. Mehr als 40 % der Bevölkerung sollen bisher die Stadt verlassen haben. Unter den Trümmern von zerstörten Häusern vermutet man die Leichen zahlreicher Bewohner, die die Häuser nicht mehr rechtzeitig haben verlassen können. Viele Familien haben die Nacht auf der Strasse verbracht, aus Angst, dass ihr Haus zerstört werde. VM Israel Katz sagte am Dienstag, dass die Truppen «tapfer kämpfen, um die Voraussetzungen für die Freilassung der Geiseln und die Niederlage der Hamas zu schaffen. Gaza-City brennt. Die IDF schlägt mit eiserner Faust gegen die Terrorinfrastruktur zu», sagte Katz in einer Erklärung. «Wir werden nicht nachgeben und wir werden nicht zurückweichen, bis die Mission erfüllt ist.»
Wenn er realistisch ist, wird Israel diese ‘Mission’ nie erfüllen, denn es ist unmöglich, die Hamas völlig zu vernichten. Auch eine Rückführung der lebenden und toten Geiseln wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Diese aggressive Kriegsführung wird dazu führen, dass mehr und mehr Geiseln sterben, sei es, dass sie ihr Martyrium nicht mehr überleben können oder dass sie als menschliche Schutzschilde nicht überleben. Oder, die schlimmste aller Vorstellungen, dass sie auf ewig unter den Trümmern der Häuser bereits begraben sind oder begraben werden.
Doch Katz, der das eindeutige Sprachrohr von Netanyahu ist, will das nicht wahrhaben: «Von der Hamas verlangen wir nur zwei Dinge, die sie nicht freiwillig geben wird: die Freilassung aller Geiseln und die Entwaffnung. Die grosse Stärke des Angriffs hier … besteht darin, dass er die Hamas direkt besiegt und gleichzeitig einen grösseren Hebel für die Freilassung der Geiseln schafft.»
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